1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 18

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 18

Johann und der Kapitän kümmerten sich weiter um die Blue Moon. Da die Flut gerade wieder eine Handbreit Wasser unter den Kiel gespült hatte, ging jetzt wieder das geschäftige Treiben an Bord los. Die Blue Moon wurde wieder gerade gestellt und die Balken wurden nach und nach aus dem Schlick gezogen und wieder sicher verstaut. Noah war wieder halbwegs nüchtern, konnte aber die fehlende Arbeitskraft von Svent nicht ersetzen.

Die Frauen und Kinder wurden wieder in den vorderen Laderaum gebracht und harrten dort der Dinge.

Nachdem sie den Splint aus Svents Hals entfernt hatten, versuchte Jaren alles wieder zu zunähen. Das war bei den ruckartigen Bewegungen der Blue Moon gar nicht mal so einfach gewesen. Svent hatte riesiges Glück, hatte aber dennoch viel Blut verloren. Umo und Ani halfen dabei Svent in die Kajüte des Kapitäns zu bringen, damit er sich ausruhen konnte.

Wind kam auf, es fing an zu regnen. Der Anker wurde gelichtet und die Mannschaft zog mit Hilfe der Beiboote die Blue Moon ins tiefere Wasser hinaus. Schlussendlich wurden die Segel gesetzt. Zum Glück stand der Wind günstig und die Blue Moon segelte mit dem Wind langsam hinaus aufs offene Gewässer der Baie de Bourgneuf.

Einerseits waren alle froh, dass die Blue Moon trotz aller Widrigkeiten wieder mehr als eine Handbreit Wasser unterm Kiel hatte und sie nun die Reise nach Madeira wieder aufnehmen konnten. Doch war die Laune der Besatzung ein wenig angeschlagen. Sie hatten in der wenigen Zeit in der Svent nun an Bord war ihn vollends in die Mannschaft integriert und waren von dem Angriff auf ihn ziemlich bestürzt. Der Kapitän hatte selten seine Männer beten gehört, aber in dieser Nacht taten sie es. War er doch einer von ihnen geworden. Und unter Deck sangen die Damen ein Lied ihrer Heimat.

Der Kapitän war umtriebig und schlecht gelaunt. Er ging unter Deck und schlenderte zu den hinteren Laderäumen. Ohne das jemand es bemerkte, öffnete er die Tür zum Verschlag des  Lieutenants.

Zwischen zwei Kisten saß er auf einem Stuhl, seine Kleider hingen nur noch in Fetzen von ihm herunter. Er war schmutzig und nass. Der Stuhl war zwischen den beiden Kisten angebunden, genauso wie er auf dem Stuhl festgebunden war. Auf dem Boden klebte Blut. Das Licht einer schwankenden Lampe erhellte die Szenerie nur alle paar Momente. Der Kapitän stand im Halbschatten. Seine Ärmel waren lieblos hoch gekrempelt und von seiner Perücke fehlte jede Spur.

‘Ihr seid der Teufel, es werden alle Sterben auf diesem Todesschiff!’ rief der Lieutenant.

‘Ich glaube, der Einzige der in nächster Zeit sterben wird, seid Ihr!’ grinste der Kapitän seinem Gefangenen an.

‘Elender Sodomit!’

‘Der Sodomit in mir ist nur das kleinere Übel, weil der Sadist in mir, wird Euch eines Tages zu Tode quälen. Ihr könnt nur hoffen, dass Svent Euren Angriff überlebt, dann wird es ziemlich schnell gehen. Wenn nicht, werde ich Eure Eier abschneiden und sie Euren Männern zu fressen geben.’

‘Bastard!’ spie der Lieutenant dem Kapitän vor die Füße.

‘Ja, dass sagte meine Mutter auch, bevor sie mich ins Hafenbecken geworfen hatte, um mich loszuwerden. Nur dass die See mich auch nicht wollte, als sie mich wieder ausspie, wusste sie nicht, was sie damit entfesseln würde.’

‘Ja Ihr seid lästig wie eine Seemöwe!’

‘Irgendwie sind wir vom eigentlichen Thema abgekommen. Was erwartet uns, wenn wir auf Tobago ankommen?’

‘Ihr seid bereits ein toter Mann, Kapitän.’ stieß der Lieutenant hervor.

‘Entscheidet Euch mal, ich kann nicht Teufel, Sodomit und ein toter Mann gleichzeitig sein.’

‘Ihr seid ein toter Mann, wenn Ihr nur einen Fuß auf Tobago setzt, mit meinen Sklaven an Bord.’

‘Auf meinem Schiff sind es keine Sklaven. Also macht Euch keine Sorgen, Eure Sklaven werden vom Teufel höchstpersönlich befreit.’

‘Ihr könnt mit Ihnen nirgendwo hin!’

‘Ihr glaubt wirklich, dass ihr der Nabel der Welt seid, oder? Der Teufel hat viele Freunde, glaubt mir.’

Der Lieutenant drehte seinen Kopf auf die Seite und blickte zu der schwankenden Lampe hinüber.

‘Ihr wollt nicht mehr mit mir reden. Hm. Ihr wisst was jetzt kommt.’ säuselte der Kapitän dem Lieutenant ins Ohr. Der Kapitän nahm ein Tau, das am Ende in einen kunstvollen Knoten überging. Er holte aus und schlug damit unter die Sitzfläche des Stuhles. Der Lieutenant krümmte sich und schrie markerschütternd auf.

Der Kapitän kam seinem Gefangenen ungewöhnlich nahe, als würde er den Schmerz genießen, den er ihm gerade bereitet hatte. Fast zärtlich hob der den Kopf des Lieutenants an und blickte in sein verschrammtes Gesicht.

‘Bleibt, genau so!’ grinste er seinem Gefangenen an, wie ein Maler seine Model anblicken würde. Dann schlug der Kapitän dem Lieutenant mit dem Tau noch mehrmals so hart ins Gesicht, bis dieser bewusstlos nach vorne kippte.

Als der Kapitän sich zur Tür gedreht hatte, nahm er seine Perücke vom Türknauf und als er den Raum verließ, konnte man die Sitzfläche des Stuhles sehen, wie sie neben der Tür lehnte, als würde sie da hingehören.

Fortsetzung folgt… Der Zauber steckt im Augenblick und die Kunst ist den Augenblick einzufangen.

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1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 17

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 17

Als die Blue Moon dank des Ebbstroms auf Grund gelaufen war, wurde sie mit den Balken abgestützt und mit Seilen auf die richtige Seite gezogen. Das Kalfatern des Lecks kam gut voran und als die Sonne den Horizont küsste, waren sie bereits fertig damit. Die Wache begann, bis die Flut die Blue Moon wieder aus dem Schlick heben wurde.

Svent kletterte völlig durchnässt an Bord zurück und wollte unter Deck noch eine weitere Tosse Seil holen. Er hatte mittlerweile die Arbeit des Schiffszimmermannes übernommen und machte sich scheinbar gar nicht schlecht. Die Männer hörten auf ihn, aber auch erst seit er einen dieser Balken alleine über die Reling gehoben hatte, wo sich davor drei Matrosen fast einen Bruch gehoben hatten. Die Männer des Kapitäns waren wirklich sehr leicht zu beeindrucken.

Er stieg die Stufen bei der Kombüse runter, lief den Gang entlang zu den hinteren Laderäumen. Kurz vor der Segelkammer bemerkte er ein Knacken im oberen Gebälk und als er sich umdrehte, sah er nur noch das blutverschmierte Gesicht vom Lieutenant auf ihn zurasen. Der Lieutenant hatte ihn von oben angesprungen und durch die Wucht des Aufpralles war Svent zu Boden gestürzt. Beim Aufprall schoss ihm eine unglaublicher Schmerz durch Mark und Bein und dann spürte er nur noch eine warme Flüssigkeit, die ihm ins Ohr und über die Brust lief. Nichts desto trotz rappelte er sich auf und verfolgte den Lieutenant, der bereits an der Kombüse vorbei rannte und die Stufen hinauf kletterte, die zum Deck führten. Svent konnte nicht laut rufen, er bekam nur ein Krächzen heraus.

Obi und Ani hörten ihn erst dann, als Svent auf den Stufen zum Deck zusammenbrach. Ani sprang über ihn hinweg und verfolgte den Lieutenant. Obi blieb bei Svent und versuchte ihn umzudrehen und bemerkte ein blutiges Holzstück, dass aus seinem Hals ragte. Obi konnte Svent daran hindern, es heraus ziehen zu wollen.

Dann ging alles ganz schnell. Während Ani den Lieutenant bis ins Wasser verfolgt hatte und ihn dann im Schlick überwältigen konnte, waren Magnus und Jaren sofort zur Stelle, um Svent zu versorgen. Der Lieutenant hatte Svent einen Holzsplint in den Hals getrieben und wie durch ein Wunder hatte der Splint alles Lebenswichtige weitestgehend verfehlt. Doch bestand die Gefahr, wenn sie den Holzsplint heraus zogen, dass sie noch mehr kaputt machen könnten und Svent dann einfach verbluten würde. Wenn sie den Holzsplint an Ort und Stelle lassen würden, dann würde er sicher langsam und elend am Wundbrand verrecken.

Der Lieutenant schrie bei seiner Gefangennahme immer wieder, dass der Kapitän der Teufel wäre und alle des Todes wären. Nach einer kleinen Abreibung von Ani war er dann aber wieder ganz still und wurde schlussendlich wieder ins Loch gebracht, wo Johann sich persönlich vergewisserte, dass er sich nicht wieder befreien konnte. Und dazu brauchte Johann kein Paddel.

Der Kapitän versprach Ani eine angemessene Belohnung und als seine Anwesenheit an Deck nicht mehr gebraucht wurde, ging er unter Deck, um nach den Rechten zu sehen.

Svent wurde zunächst in die Messe gebracht, wo Magnus und Jaren mit Mariebelle lauthals diskutierten, was nun zu tun sei, während Svent betäubt auf dem Tisch lag. Der Kapitän brach in die Unterhaltung, weil er es gewohnt war Befehle zu geben. ‘Tut was nötig ist, aber tut es rasch. Ich will nicht mit ansehen, wie er am Fieber verreckt, dass hat er nicht verdient.’

Jaren nickte und meinte zu Mariebelle: ‘Ich krieg das hin!’

‘Ich weiß was zu tun ist, Jaren macht es und wenn Ihr assistieren würdet, Lady van der Houthen.’ meinte Magnus zu Mariebelle.

‘Natürlich, Herr Magnus!’ rief Mariebelle ganz aufgeregt.

Der Kapitän konnte den Anblick des bewusstlosen und ziemlich blassen Svent kaum ertragen, konnte aber auch nicht einfach so wieder gehen. Also ging er auf den Tisch zu und zupfte die Decke zu seinen Füßen zurecht. Svent fühlte sich irgendwie kalt an, doch seine Brust hob und senkte sich in regelmäßigen Abständen.

‘In Ordnung ich hol noch ein paar Sachen, Jaren wir brauchen abgekochtes Wasser und viel Alkohol und Tücher, jede Menge Tücher. Mariebelle bleibt Ihr hier.’ rief Magnus ganz aufgeregt und verließ mit Jaren die Messe. Obi hatte seine Ohren scheinbar überall und brachte saubere Tücher und murmelte: ‘Das Wasser kocht schon!’

Der Kapitän hatte sich mittlerweile bis zum Kopf des schlafenden Riesen vorgearbeitet, immer die vermeintliche Sorge über die Decke im Sinn, damit seine Hände etwas zu tun hatten.

‘Wir haben ihm ein bisschen Opium gegeben, damit er ruhig ist, aber er kann Euch hören, wenn Ihr mit ihm redet.’ meinte Mariebelle, die gerade von Obi eine Schürze gereicht bekam.

Der Kapitän setzte sich auf die Bank und griff nach Svents Arm, der leblos von der Bank hing. Er hob ihn auf und legte ihn auf den Tisch.

Während er weiter seine starke Pranke festhielt, flüsterte er ihm ins Ohr: ‘Keine Sorgen, Jaren und Mariebelle kümmern sich um dich, du bekommst eine hübsche Narbe auf den Hals und morgen können wir dann vergleichen, wer die größte Fischgräte hat.’

Svent öffnete nur ein Auge und schüttelte unmerklich den Kopf. Dann versuchte er etwas zu sagen, dabei kam ein Schwall Blut aus seinem Mund. ‘Ich verrecke schon nicht, Eik!’

Mariebelle schob den Kapitän auf die Seite, um Svent den Mund abzuwischen. ‘Du sollst doch nicht reden!’

Das Schiff bewegte sich und Mariebelle blieb fast das Herz stehen.

‘Keine Sorge, das ist die Flut. Ihr könnt Svent danach in meine Kajüte bringen!’ Der Kapitän blickte Svent noch einmal an und ging dann wieder an Deck.

Fortsetzung folgt…Die Blue Moon nimmt wieder Fahrt auf…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 16

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 16

Auf Deck schwoll der Lärm des geschäftigen Treibens an. Unkoordiniertes Hin- und Hergerenne machte den Kapitän einfach nur aggressiv. Der Kapitän versuchte über den Lärm hinweg seine Befehle übers Deck zu brüllen, als die Lady van der Houthen neben ihm erschien.

Der Kapitän drehte sich zu ihr um, atmete tief durch und meinte völlig ruhig. ‘Gut, dass Ihr da seid. Bitte geht mit allen Kindern und Frauen in meine Kajüte. Ganz ruhig und keine Panik. Nehmt alle Decken und Matratzen mit, die Männer können euch kurz dabei helfen. Setzt alle auf den Boden vors Bett, nicht vor die Fenster. Meinen Stuhl solltet ihr irgendwo einklemmen. Alles andere ist eh am Boden befestigt. Wartet bis wir bescheid geben, dass wir die alte Lady abgestützt haben, dann könnt ihr euch gleichmäßig auf die anderen Kajüten verteilen, beim Wasser schippen helfen oder die Männer mit Wasser versorgen. Ach, es wäre schön, wenn ihr meine Seekarten zusammenrollen könntet und irgendwo sicher verwahren würdet. Falls das Schiff kippt, seid ihr in meiner Kajüte am sichersten aufgehoben.’

Die Lady van der Houthen war sehr verwundert über den sachlichen, aber kurzen Vortrag und nickte dann folgsam, ließ den Blick über die verletzte Hand des Kapitäns schweifen und verschwand wieder unter Deck.

Wenig später kam Jaren auf Deck. Er hatte einen kleinen Eimer dabei und ein Bündel unter den Arm geklemmt. ‘Kapitän. Magnus schickt mich.’ rief Jaren über den Lärm hinweg und versuchte zu lächeln, was ihm nicht gelang. Er sah immer noch ein wenig zerbeult aus, dennoch blickte er den Kapitän direkt an.

‘Jaren, wie gehts Euch?’

‘Mir gehts gut, solange ich was zu tun hab.’

‘Und was hat Euch der alte Miesepeter beauftragt zu tun.’ wollte der Kapitän wissen, während er streng die Arbeiten auf Deck überwachte. Es wurde von Jensen gerade die Wassertiefe ausgelotet. Jaren stellte den Eimer ab, zückte eine gebogene Nadel und grinste den Kapitän an. ‘Ich soll Eure Hand nähen, bevor Ihr noch verblutet, Kapitän.’

‘Jetzt nicht!’ bellte der Kapitän ihm entgegen. Jensen holte das Lot ein und wickelte das Seil über seinen Arm auf.

‘Siebeneinhalb Faden!’ rief Jensen dem Kapitän zu.

‘Klarmachen zum Ankern.’ brüllte der Kapitän. Das muntere Treiben konzentrierte sich nun auf die Ankerkette. Jaren stand immer noch neben dem Kapitän und blickte auf den Boden. Unter den Füßen des Kapitän hatte sich mittlerweile eine beachtliche Blutlache gebildet.

‘Verzeiht, Kapitän. Nehmt wenigstens die Hand hoch.’ stammelte Jaren und erst als der Kapitän auch auf den Boden blickte, lenkte er ein. ‘Johann.’

Johann blickte vom Ruder auf, entdeckte die Blutlache und rief dann: ‘Jensen.’

Der Dienst am Ruder wurde in Windeseile gewechselt und Johann überwachte das Ankern.

Der Kapitän ließ sich auf eine Tosse fallen und der junge Jaren kniete sich vor den Kapitän. Er hatte aus seinem kleinen Eimer mit Wasser eine Flasche Rum gezaubert und öffnete diese.

‘Jaren, ich möchte bitte kein Einhorn oder einen einohrigen Hasen auf meiner Hand, geht das? bemerkte der Kapitän, schnappte sich den Rum und nahm einen ordentlichen Schluck. Jaren hatte bereits den Verband aufgewickelt, reinigte die Wunde mit Wasser und dann nahm er dem Kapitän die Flasche Rum ab. Er reinigte die Nadel und die Hand nochmal mit Rum und bevor er zum ersten Stich ansetzte, meinte er noch völlig überflüssig: ‘Das könnte jetzt ein Bisschen weh tun.’

‘Fragt morgen mal lieber den Lieutenant, wie weh es getan hat, wenn ich ihm jeden Stich mit meinem Paddel heimzahle.’

‘Den abartigen Bastard kann dann Magnus selber nähen, vielleicht lernt er es ja noch einen geraden Stich zu setzen.’ murmelte Jaren in sich hinein und hatte schon die ersten zwei Stiche gesetzt, ohne dass der Kapitän auch nur etwas davon gespürt hat. ‘Ich könnte Euch das grimmige Gesicht von der Lady van der Houthen in die Hand sticken!’

‘Unser Schneiderlehrling hat heute aber eine scharfe Zunge.’ meinte der Kapitän und nahm sich wieder die Flasche. ‘Mir wäre das grimmige Gesicht von Johann lieber, wenn ich mir am Morgen einen…!’

Jaren musste absetzen, weil er sich versuchte sich das Lachen zu verkneifen. ‘Kapitän bitte, wenn Ihr mich weiter zum Lachen bringt, wird es doch noch ein Einhorn.’ Der Kapitän trank noch einen Schluck und ließ den Jungen arbeiten.

‘Wie wäre es mit meinem Paddel?’ frug der Kapitän.

Beide hatten es gar nicht bemerkt, dass sich zuerst Johann, dann Magnus und zu guter Letzt Svent über ihnen positioniert hatte.

‘Ich soll Euch ein Paddel auf die Hand stechen?’

‘Ein abgebrochenes, blutverschmiertes Paddel, um genau zu sein.’ klugscheißerte Svent süffisant.

Jaren blickte auf, weil er den Schatten wahrnahm, der ihn bei seiner Arbeit hindert.

‘Ich bin ja nicht der Kapitän, aber gibt es gerade nichts tun, dass ihr alle mir in der Sonne stehen müsst. Am Ende wird es doch ein einbeiniges Einhorn.’

Der Kapitän lachte in die Rumflasche und flüsterte etwas, was keiner verstand.

Magnus zog beleidigt ab und Johann meinte. ‘Das wäre mir auch lieber, bevor ihr mir jeden Tag noch vor dem Morgenkaffee über mein Antlitz….!’ Johann kam kurz ins Stocken, weil Svent ihn finster anfunkelte. Johann räusperte sich: ‘Ähm….pinkelt.’

Jaren schnappte sich die Flasche vom Kapitän, kippte einen ordentlichen Schluck über die Hand und betrachtete sein Werk.

‘Das sieht aber nicht aus wie mein Paddel.’ meinte der Kapitän ein Bisschen enttäuscht.

‘Das ist ja nicht größer als eine Fischgräte.’ rief Johann erstaunt.

‘So Kapitän. Ihr solltet viel Wasser trinken. Und jedes Mal wenn es Euch nach Rum ist, kippt ihn besser über Eure Hand und nicht in Euren Rachen.’ rief Jaren ein Wenig beleidigt und wickelte dem Kapitän dabei einen frischen Verband um die Hand.

Der Kapitän räusperte sich und meinte anerkennend: ‘Danke Jaren, dass ist wirklich eine sehr gute Arbeit geworden.’ Johann half dem Kapitän beim Aufstehen. ‘Der Anker ist raus, jetzt heißt es warten.’

‘Jaren. Bitte schaut doch nach den Damen in meiner Kajüte! Obi soll das Essen vorziehen und dann schon mal heißen Tee machen.’

Nach einer gar nicht so langen Zeit kam der Küper an Deck und berichtete: ‘Die Ladung ist vertäut. Die Passagiere sind sicher untergebracht. Die Blue Moon liegt gut im Ebbstrom. Es drückt nicht mehr so viel Wasser herein.’

‘Sehr gut. Danke, Isreal. Die Tagschicht macht zuerst Pause und jeder schaut, dass er die Klamotten trocken kriegt und was isst. Wir werden bis vor Einbruch der Dunkelheit aufgelaufen sein, dann brauch ich alle Mann an Bord und kein wildes Hin- und Hergerenne mehr!’

Ein mehrstimmiges ‘Ey, Kapitän!’ kam von allen Seiten.

Dann wandte sich der Kapitän zu Johann um und fuhr fort: ‘Johann, wie sieht der Anker aus!’

‘Er steckt ganz tief drinne…!’ antworte Johann reichlich flaps und konnte sich dabei ein dreckiges Grinsen nicht verkneifen.

Svent gesellte sich zu den Beiden und grinste ebenfalls.

‘Herbert Maria Johann, wir müssen uns mal über Euren Umgangston unterhalten. Es gibt kaum einen, der ständig so unglaublich versaute Sachen sagt, wie Ihr!’

Johann zeigte auf sich und zuckte mit den Schultern.

Der Kapitän fuhr fort: ‘Ernsthaft, Herr Johann. Wir haben jetzt Frauen und Kinder, eine Schwangere und eine Lady an Bord, wir müssen uns schon ein Bisschen benehmen, Johann!’

‘Kapitän, ich glaube Ihr habt die Lesbierin vergessen.’ meinte Svent fast beiläufig.

‘Matrose Svent, wer hat Euch erlaubt mir derart in den Rücken zu fallen, ich bin der Kapitän.’ Dann brach seine ernste Maske und er musste so unglaublich laut lachen, dass Johann ein bisschen Angst hat, sein Kapitän wäre dem Wahnsinn nun endgültig anheim gefallen.

‘Svent holt bitte Euren kleinen Eimer, ich glaube der Rum steigt mir zu Kopf.’ kicherte der Kapitän schlenderte übers Deck.

Johann wandte sich zu Svent: ‘Wer ist die Lesbierin?’

‘Herbert Maria Johann, ich kann schweigen wie ein Grab!’ grinste Svent und folgte dem Kapitän.

Fortsetzung folgt… Melde, die Blue Moon auf Grund!

Garden of Madness – Von obszönen Gurkengewächsen

Garden of Madness – Von obszönen Gurkengewächsen

Neues aus dem verrückten Garten des friedfertigen Anbaues. Ich hab ein Bisschen viel Zucchini angebaut, auf der Packung stand es wären Kürbisse. Muss wohl ein Übersetzungsfehler gewesen sein. Jetzt hab ich 5 Zucchinipflanzen, die versuchen meinen Garten zu übernehmen. Eine Zucchini hat sogar schon eine Rolle im Trailer für IDM 3. So schnell kann es gehen, kaum ausgewachsen, schon werden sie flügge.

Dann hab ich noch verschiedene Gurkenpflanzen angebaut und die wachsen und wachsen und nehmen gar seltsame Formen an. Aber seht selbst.

Ich finde es erschreckend, dass unsere halbe Ernte in einem veganen Porno mitspielen könnte. Ich habe auch nichts Spezielles getan, dass die Gurken alle extrem penisartig werden. Aber nachdem ich heute eine 45 cm Gurke aus dem Garten geborgen habe, mache ich mir ernsthaft Gedanken über Long Dong Gurke. Wir haben ihn dann im Laufe des Tages in 15 cm Stücken vernascht. Weil das hat meine Oma schon immer gesagt, auf die Größe kommt es nicht an, nur krumm und bucklat muss er sein…. und wie recht sie hatte, hat drei Mal so gut geschmeckt.

Weiter geht es mit dem Pizzaboten mit der Riesenzucchini. Scherz beiseite. Fortsetzung folgt im Garden of Crazy Love….

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 15

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 15

Der Kapitän brütete über seinen Seekarten, als es wieder an der Tür klopfte.

Nach einem mürrischen ‘Herein!’ kam Svent herein. Er hatte eine neue Hose an, die Weste war fertig und alles in allem sah er ganz ordentlich aus.

‘Matrose Svent, meldet sich vollständig bekleidet zum Dienst!’ Dabei musste Svent grinsen und auch die finstere Miene des Kapitäns lockerte sich etwas auf. Svent fuhr fort: ‘Ich soll von Johann ausrichten, Brest voraus.’

Dann zauberte Svent einen Eimer mit Wasser hinter seinem Rücken hervor und meinte: ‘Der Dokta sagt, ich soll was zum Kühlen für die Hand mitbringen!’

Der Kapitän zog die eingebundene Hand vom Tisch und blickte Svent fragend an. ‘Wie kommt er da drauf?’

‘Nachdem er den Lieutenant und seine Männer verarztet hat, hat er Ani befragt.’ berichtete Svent. ‘Und nachdem Ani gerade eine Abreibung von Kitti hinter sich gebracht hat, war er sehr redselig.’

‘Haben die beiden sich wieder vertragen?’ wollte der Kapitän wissen.

‘Sie hat ihn ganz schön lange zappeln lassen!’

Der Kapitän grinste zufrieden und legte seine verletzte Hand wieder auf den Tisch. Svent zog eine Augenbraue hoch, als er den blutigen Verband sah und stellte den Eimer auf den Kartentisch. Geschickt zog er eine Flasche und ein sauberes Tuch aus seiner Weste. ‘Der Dokta sagt, er hat schon genug zutun. Für Selbstverstümmelung hat er keine Zeit.’

Der Kapitän ließ Svent den notdürftigen Verband von der Hand wickeln und als Svent die Luft zwischen den Zähnen hinein zog, blickte der Kapitän erst auf seine verletzte Hand. Seine Hand hatte eine gewissen Ähnlichkeit mit dem Gesicht des Lieutenant. Svent begann die Wunde auszuwaschen und meinte mehr zu sich als zum Kapitän: ‘Das Gesicht des werten Lieutenant möchte ich nicht sehen.’

Der Kapitän zischte mit zusammengebissenen Zähnen. ‘Er wird es überleben!’

‘Schade eigentlich!’ flüsterte Svent gerade so laut, dass der Kapitän es hören musste und grinste ihn dann an. ‘Ich hab noch ein Hühnchen mit ihm zu Rupfen. Und einen ganzen Hühnerstall mit seinen Männern.’

‘Oh, lieber Svent. Da wirst du dich noch ein wenig gedulden müssen und dich hinten anstellen. Ich hab Ani schon versprochen, dass er ihnen mit dem Paddel ein Besuch abstatten darf.’ erzählte der Kapitän und blickte dabei verträumt zum Paddel hinüber.

Der Küper kam ohne zu Klopfen aufgeregt in die Kajüte gestürmt und berichtete ungefragt: ‘Die Flickage hält nicht dicht. Wassereinbruch im Laderaum und der Schiffszimmerer ist immer noch strunzehackevoll.’

Der Kapitän war etwas ungehalten darüber, dass der Küper nicht angeklopft hatte, aber es war ja auch dringend. Er war auch kaum zu stoppen und plapperte einfach weiter: ‘Wir haben schon eine Kette gebildet, um das Wasser aus dem Rumpf zu schaffen.’

‘Ruder hart backbord würde ich mal sagen. Wir segeln an Brest vorbei in die Baie de Bourgneuf. Bei Ebbe können wir die alte Dame auflaufen lassen.’ meinte der Kapitän ruhig und entzog Svent den Verband und begann sich selbst zu verbinden. ‘Svent, kannst du dich bitte darum kümmern, dass Noah unser Schiffszimmerer wieder nüchtern wird und kümmer dich darum, dass wir genug Balken zum Abstützen haben. Der Mann hat seinen Namen wahrlich nicht verdient.’

Beide blickten den Kapitän etwas irritiert an, als das Blut wieder durch den Verband suppte.

‚Kapitän, Euch ist klar, dass das genäht werden muss!‘ meinte Svent mit einem leicht sorgenvollen Unterton.

‘Los geht schon, ich komm gleich, für den Fall dass Magnus eine Audienz für mich frei hat.’

Svent schnappte sich seinen Eimer und verließ die Kajüte des Kapitäns, der Küper folgte ihm.

 

Fortsetzung folgt… Wasserschöpfen in der Baie de Bourgneuf

Garden of Madness – Für eine Hand voll Bohnen

Garden of Madness – Für eine Hand voll grüne Bohnen

Ich hab zum Geburtstag Puffbohnen geschenkt bekommen. Ja und einen Spaten. Ich konnte es auch kaum erwarten und hab sie frühzeitig eingepflanzt, in kleinen Töpfchen im Wohnzimmer. Draußen hatten wir noch Bodenfrost und drinnen wuchsen die Bohnen schon dem Land der Riesen entgegen. Und ich musste am Bohnen der Tatsachen zurück bleiben und mir eingestehen, dass ich sie vielleicht ein Bisschen zu früh gepflanzt habe.

Wir sind anfang April eine Woche in den Urlaub gefahren und da musste alles raus gepflanzt werden. Schwer nach dem Motto:Nur die Harten kommen in den Garten!’ haben die Bohnen Schnee und Frost getrotzt und haben es dann auch fast bis zu den Riesen geschafft und dann kam die Hitzewelle und der Regen und wieder Hitze und dann kamen die Läuse.

Es hat ihnen gut geschmeckt. Und ich hatte die stressigsten Wochen meines Lebens.

Neben meiner Arbeit, die 10 bis 12 Stunden meines Tages dominiert, habe ich morgens und abends die Bohnen mit Hausmittelchen besprüht, mit Wasser abgespritzt und meinen Namen getanzt.

Es hat alles nichts geholfen, die Puffbohnen gingen bis auf eine Handvoll Bohnen ziemlich schnell ein und die Läuse haben auf diesem Schlachtfeld gesiegt. Bohnen 0 – Läuse 1

Mein Mann hat sich Feuerbohnen gewünscht und die habe ich sicherheitshalber in einen seperaten Kübel gepflanzt. Die Läuse haben es auch bei den Feuerbohnen probiert, doch mit der Spüli-Kaffee-Schwarztee-Kur haben die Läuse sich wohl die Fühler verbrannt. Die Feuerbohnen haben den Weg ins Land der Riesen wieder aufgenommen und die Bohnenernte geht über eine Handvoll Bohnen bereits hinaus. Eine Hand voll Bohnen mehr… Bohnen 1 – Läuse 0

Nun hat meine Mutter mir blaue Buschbohnensamen mit der Post geschickt, mal sehen ob es für einen Bohnensalat langt. Die Blauen Bohnen kehren zurück…

Und bei dem ganzen Streß hätte ich vielleicht mal erwähnen sollen: Ich mag gar keine Bohnen!

 

Fortsetzung folgt: von obszönen Gewächsformen aus friedfertigem Anbau

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 14

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 14

Wenig später klopfte es an der Tür. Der Kapitän blickte auf. Er hatte sich bereits gewaschen und seine Hand versorgt. Das blutige Hemd lag auf dem Boden.

Ein zackiges ‘Herein!’ brachte Ani dazu, die Tür zu öffnen und nach einem Wink des Kapitäns betrat er die Kajüte.

‘Kapitän, Euer Paddel.’

‘Danke Ani. Stell es neben die Tür.’

Ani tat was ihm geheißen und blieb wie angewurzelt neben der Tür stehen.

‘Komm nur rein, ich werd dich nicht beißen.’ meinte der Kapitän.

‘Soll ich was zum Kühlen bringen?’

Der Kapitän blickte ihn verstört an. Doch Ani blickte auf die Hand des Kapitäns. Der Notdürftige Verband war bereits wieder blutgetränkt. Der Kapitän blickte erschrocken auf seine Hand und grummelte dann. ‘Später vielleicht!’

‘Was sagt der Dokta!’

‘Der Master wird es überleben!’

Ein ‘Schade!’ stolperte aus dem Mund des Kapitäns und Ani musste grinsen.

‘Ich war sehr bestürzt darüber, dass es dem Lieutenant völlig egal zu sein scheint, ob er Männer, Kinder, Frauen, Weiße oder Schwarze, Gesunde oder Schwangere in die Kisten gesteckt hat.’

‘Der Master war kein guter Herr!’

‘Und er ist auch so uneinsichtig! Und seine Männer sind nicht viel besser!’

Im Gesicht des jungen Ani veränderte sich etwas, eine Woge des Hasses überwältigte den jungen Mann.

‘Bevor ich beim Lieutenant war, waren mein Paddel und ich bei seinen Männern…’

‘Ich hoffe sie waren auch uneinsichtig.’ meinte Ani mehr zu sich als zum Kapitän.

‘Nein, sie waren zum Plaudern aufgelegt.’

Die Miene des jungen Mannes verfinsterte sich wieder.

‘Was ist da genau zwischen dir und Kitti?’

Ein ersticktes ‘Kapitän?’ kam Ani aus dem Mund gestolpert.

Der Kapitän blickte ihn fragend an und Ani zog es vor auf die Planken zu blicken. In ihm brodelte es und der Kapitän war sich nicht sicher, ob er den Vulkanausbruch miterleben wollte. Doch dann brach der Junge regelrecht zusammen. Seine Augen füllten sich mit Tränen und für den kurzen Moment, als Ani den Kapitän anblickte, konnte er die Hilflosigkeit in seinen tränenverschleierten Augen erkennen.

‘Ich könnte ihr nicht helfen, als sie mein Mädchen…!’ brach es plötzlich aus Ani heraus.

‘Hast du versucht ihr zu helfen?’

‘Ja, das habe ich. Bis sie mich überwältigen konnten und an den Balken in der Scheune gebunden haben. Sie haben mich ausgepeitscht und ich musste dabei zusehen, wie sie…!’ Ani kam ins Stocken und schluckte schwer. Doch der Kapitän hatte ein Einsehen und gab ihm durch einen Wink zu verstehen, dass er nicht weiter erzählen musste.

Dennoch hörte der Kapitän nicht auf weiter Fragen zu stellen: ‘Liebst du sie?’

‘Ja natürlich, Kapitän!’ kam es wie aus der Pistole geschossen.

‘Das ist gut.’ rief der Kapitän. Er war ziemlich erstaunt, dass Ani keinen Moment gezögert hatte.  ‘Du weißt, dass das Kind von dir ist?’

Ani nickte und blickte weiter auf den Boden.

‘Und warum stehst du nicht zu ihr?’

‘Und wenn ich sie noch so liebe, ich kann ihr nicht mehr in die Augen sehen!’ flüsterte er beschämt.

Die allgemeine Vermutung, dass Ani dachte, das Kind könne nicht von ihm sein, war nun vom Tisch. Es war der Stolz des jungen Mannes, der ihn dazu brachte, der armen Kitti nicht mehr unter die Augen zu treten, deshalb versuchte der Kapitän ihm gut zuzureden. ‘Wenn man hinter jemanden steht, dann muss man ihm nicht in die Augen sehen und ist trotzdem da.’

‘Ja, Kapitän!’ stammelte Ani und scharrte mit den nackten Füßen an den Planken.

‘Kümmer dich bitte um sie, ich mag es nicht, wenn das kleine Kätzchen traurig ist.’ erklärte der Kapitän. ‘Ich mag unsere Kitti wirklich sehr, sie erheitert mein schweres Gemüt, wenn sie lacht. Ani, wenn sie weint, kann ich es kaum ertragen, ihr in die Augen zu blicken.’

‘Eye Kapitän!’ rief Ani und machte Meldung.

Der Kapitän legte einen Schlüsselbund auf den Kartentisch und meinte: ‘Und vielleicht leihe ich dir mein Paddel aus, die Schweine im Loch haben schon Bekanntschaft damit gemacht.’

Ein freudig erregtes bis gemeines Grinsen überzog blitzartig das Gesicht des jungen Ani: ‘Immer und Jederzeit, Kapitän!’

‘Aber nicht heute, das Paddel muss sich ausruhen!’ meinte der Kapitän fast schon liebevoll.

Ani murmelte: ‘Ruder hart Backbord!’

Der Kapitän grinste. ‘Bring Kitti einen Kuchen, mit besten Grüßen vom Kapitän und erzähl ihr die Geschichte von meinem Paddel.’

‘Das werde ich tun, Kapitän.’ meinte Ani und ging wieder zur Tür. ‘Und danke, Kapitän!’

Fortsetzung folgt … Brest voraus

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 13

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 13

Nachdem der Kapitän und Kitti mit dem Essen fertig waren, verließ er die Messe und ließ den armen Svent mit dem mittlerweile singenden Nähkreis alleine.

Er machte zuerst halt im Loch, um die Männer des Lieutenant zu befragen. ‘Eigentlich will ich mich bei euch bedanken, dass ihr mir so viele hübsche kleine Täubchen auf die Blue Moon gebracht habt. Die kann ich wunderbar an den Mann bringen, wenn wir erst wieder Land unter den Füßen haben. Das Einzige was echt schade ist, dass die Schönste von ihnen trächtig ist. Dabei wäre sie so ein leckeres Täubchen gewesen. Ich hätte sie glatt für mich behalten, wenn sie nicht schon benutzt wäre…!’ erzählte der Kapitän, während er vor den Zellen auf und ab ging. Er hoffte insgeheim eine Reaktion von einem der Gefangenen erhaschen zu können.

‘Hat keiner etwas dazu zu sagen?’ frug der Kapitän missgelaunt und blickte mit erhobener Augenbraue in die Runde.

Einer der Gefangenen räusperte sich und nuschelte in seine Bartstoppeln. Der Kapitän konnte kein Wort verstehen und nahm ein abgebrochenes Paddel in die Hand, das warum auch immer neben der Tür zum Loch gestanden hatte.

‘Deutlicher bitte, oder muss ich erst deutlicher werden.’ rief der Kapitän und schlug das Paddel gegen die Gitterstäbe.

‘Bevor wir über das kleine Kätzchen drüber sind, war einer der Kaffern schon an ihr dran.’ nuschelte der Kerl von vorhin etwas deutlicher.

‘Der Kaffern hat die auch nicht zum ersten Mal gebumst!’ rief ein Anderer.

‘Und woher wisst ihr das so genau?’ frug der Kapitän und ließ dabei das Paddel an den Gitterstäben entlang gleiten, während er wieder auf und ab lief.

‘Wir haben sie ihm Baumwolllager erwischt.’ rief der Andere wieder. ‘Und der Kaffern hatte sie schon ordentlich bearbeitet.’

‘Gut geölt ist halb geschmiert!’ witzelte der eine Kerl mit den Bartstoppeln und grinste dann ziemlich widerlich.

Der Kapitän öffnete eine der Türen zu der Zellen und holte einmal mit dem Paddel aus. Dabei schrie er: ‘Ruder hart Backbord!’ Der Kerl mit den Bartstoppeln hing bewusstlos und blutend in den Ketten, als der Kapitän die erste Zelle verließ. Dann drehte er sich um und ging zur Zweiten.

Er war heiser, als er wieder aus der Tür trat. Sein Hemd war blutbespritzt und er pfiff ein fröhliches Lied. Er zog das abgebrochene Paddel hinter sich her und ging zum Lieutenant in seinen einsamen Verschlag am anderen Ende des Schiffes.

Er öffnete fröhlich die Tür und grinste hinein. Der Lieutenant hing immer noch an die Bordwand gekettet da. Seine Nase hatte mittlerweile aufgehört zu bluten. Doch sein Gesicht war ziemlich geschwollen.

‘Lieutenant, ich wollte Euch eine Geschichte erzählen, von sieben kleinen Zwergen.’ säuselte der Kapitän dem Lieutenant ins Ohr.

Der Lieutenant regte sich und versuchte den Kapitän anzugrinsen. Sein geschwollenes Gesicht verzog sich zu einer entsetzlichen Fratze. Der Kapitän verpasste dem Leutnant sieben Schläge mit dem Paddel.

Dann warf er das Paddel beiseite und zog den Lieutenant an den Haaren den Kopf hoch. ‘Ich finde es fast schade, es nicht mehr Kinder waren…’

Dann ließ er ihn blitzartig los und wandte sich ab. Der Lieutenant dachte schon, er hätte es für heute hinter sich, doch der Kapitän blieb schlagartig stehen.

‘Ich vergaß von Kitti zu erzählen.’ sagte der Kapitän fast beiläufig. Dann packte er mit einer Hand den Kopf und mit der anderen Hand schlug er so hart zu, dass er sich sicher war, dass er es knacken gehört hatte.

Die Frage war nur, ob seine Faust härter war als der Schädel des Lieutenant. Er ließ das Paddel liegen und ging ohne ein weiteres Wort zu sagen.

Beim Rückweg ging er zur Kombüse und steckte den Kopf hinein. ‘Ani. Der Dokta soll sich den Lieutenant und dann die Gefangenen mal ansehen. Und du bringst mir mein Paddel in meine Kajüte, dass muss ich wohl bei dem feinen Herren vergessen haben.’

Ani war aufgesprungen und rief: ‘Jawohl Kapitän!’

Dann lief er los, um den Doktor zu suchen.

Obi blickte den Kapitän entsetzt an, da er sich mit der blutigen Hand übers Gesicht gefahren hatte, als Ani an ihm vorbei aus der Kombüse gehuscht war. Der Kapitän grinste scheel und ging einfach.

Fortsetzung folgt…  mit dem Paddel durch das Meer der Gefühle.

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 12

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 12

Kitty und der Kapitän begannen zu Essen und hatten gar nicht bemerkt, dass Obi gegangen war. Erst als er wenig später erneut mit einem Tablett in Händen herein kam, blickte der Kapitän kurz auf.

‘Damit die kleine Kitti unserem Kapitän nicht das Essen weg isst.’ rief Obi und stellte ihr auch zwei Teller hin. Dann servierte er Svent den Cognac.

‘Danke Onkel Obi!’ trällerte Kitti.

‘Ihr seid verwandt!?’ frug der Kapitän neugierig.

Kitti fing an zu lachen und verschluckte sich fast an dem Kuchen. Und während Obi zu erröten schien, was aufgrund seiner Hautfarbe eigentlich überhaupt nicht möglich sein konnte. Nachdem Obi nur Gestammel von sich gab, erklärte Maribelle dem Kapitän kurz: ‘Kitti ist uns zugelaufen… worden, besser gesagt, jemand hat uns ein Baby vor die Tür gelegt und ich hab sie dann Kitti genannt und irgendwann haben alle sie Kitti genannt.’

‘Meinen richtigen Namen weiß ich gar nicht!’ mampfte Kitti.

‘Und was ist daran so lustig?’ frug der Kapitän neugierig.

‘Eigentlich ist es nicht lustig!’ meinte nun Obi ernst und fuhr dann wesentlich leiser fort, als er begonnen hatte: ‘Mein kleiner Bruder und Kitti…ähm…!’ Er brach ab und rang um Worte.

‘Die Männer meines Vaters haben sie…!’ begann Mariebelle und brach auch ab.

‘Ja, da war ich aber schon schwanger!’ bekräftigte Kitti.

‘Mein Bruder Ani ist da irgendwie anderer Meinung und ich kann ihn nicht genug dafür hauen!’

‘Eigentlich ist es wirklich egal, weil es ist mein Baby, wenn er mich nicht will…!’ dann war ihre gute Laune schlagartig vorbei und sie begann zu schluchzen.

‘Gut, ich geh meinen Bruder hauen!’ rief Obi und war im Begriff aus der Messe stürmen zu wollen.

Der Kapitän setzte dem noch eins drauf und bekräftigte: ‘Und ich geh ins Loch und haue die Männer vom Lieutenant!’

‘Darf ich zum Lieutenant gehen und ihn hauen?’ frug Svent und kippte den Rest von seinem Cognac runter.

‘Nur wer Gewalt sät, wird auch Gewalt ernten!’ meinte Maribelle anklagend und setzte sich, um Kitti zu trösten.

‘Ja und wir bringen den armen Bauern nur die Ernte…!’ konterte der Kapitän. ‘Wie viele Kinder waren nochmal in den Kisten versteckt?’

‘Es waren 7!’ meinte Mariebelle etwas verstört.

‘Ich geh zuerst zum Lieutenant und muss das Beenden was ich gestern angefangen habe.’ sagte der Kapitän daraufhin sehr trocken und rieb sich dabei seine Faust.

Obi zog eine Augenbraue hoch und meinte mit eisiger Stimme: ‘Aber zuerst muss der Kapitän seinen Teller leer essen.’

Ein: ‘Och menno!’ stolperte aus seinem Mund, nahm aber aufgrund des strengen Blickes von Obi brav seinen Löffel wieder in die Hand und aß weiter.

‘Kapitän, dann würde ich gerne die Männer vom Lieutenant übernehmen’ rief Svent und stand blitzartig auf. Das reißen seiner Hose begleitete seine Frage: ‘Wie komme ich zum Loch?’

Der Kapitän blickte auf seinen Hintern und musste grinsen, bevor er versuchte: ‘An Eurem verlängerten Rücken entlang.’ zu sagen.

Die Damen fingen an zu kichern, bis sich Betty ein Herz fasste und das Loch in der Hose näher betrachtete: ‘So könnt Ihr Euch nicht prügeln.’

‘Ich werde mich nicht prügeln, zum Prügeln gehört dazu, dass man auch einen Treffer kassiert!’ zischte Svent zerknirscht.

‘Ich gebe zu, ich hab keine Ahnung von körperlichen Auseinandersetzung, aber…!’ meinte Betty ruhig, während sie mit ihrem Fingernagel durch den Riss in der Hose piekte und dann genüsslich fortfuhr zu sprechen: ‘Wenn Ihr diesen Unmenschen aber Euren entblößten Hintern zeigen wollt, nur zu!’ Dabei glitt sie die Länge des Schnittes ab, vorauf Svent zu quietschen begann: ‘Das geht jetzt aber entschieden zu weit!’

Der Kapitän genoss die Szenerie sichtlich und erst als Svent sich zu ihm wandte, hörte er auf zu grinsen. ‘Kapitän, bitte sprecht doch ein Machtwort!’

‘Lasst Euch eine gescheite Hose machen, es gab heute schon genug nackte Tatsachen auf der Blue Moon!’

Das war nicht gerade das was Svent hören wollte, ergab sich dann aber den geschickten Händen von Betty.

Fortsetzung folgt… Ruder hart Backbord!

Garden of Madness – Der Krausige, die Schnecken und ein Opfer für Nyarlathotep

Garden of Madness  – Der Krausige, die Schnecken und ein Opfer für Nyarlathotep

Ich habe Salat angebaut. In Hochbeeten in zwei verschiedenen Höhen und der Salat wächst. Er wächst so krass, dass ich mich aus knappen 20 Pflänzchen seit über 6 Wochen vom Salat ernähre und nicht nur mich und am Wochenende meinen Mann davon satt kriege, sondern auch unsere Gäste und schon die Nachbarn, Verwandte und Freunde mit Salat versorge.

Anfänglich habe ich eine Vereinbarung mit den lästigen Schnecken getroffen, ich schmeiß immer mal wieder ein Blättchen nebens Bett und die fressen mir nicht alles ab. Das hat eine ganze Weile ganz gut funktioniert, bis wir uns einen Komposter gekauft haben und es nach der Hitzewelle ständig regnete. Nun fressen sie nicht nur meinen Salat, sondern auch meine Zucchini. Aber irgendwie stehen sie unglaublich auf den krausigen Salat. Naja, ich mag den eh nicht so gerne, weil man länger mit Salat putzen und waschen beschäftigt ist, als später mit Essen. Werde ihn aber nächstes Jahr wieder anbauen, weil wenn die Schnecken den mögen…

Nun gilt es größere Opfer für Nyarlathotep, meinen persönlichen Schneckengott, zu erbringen und beten, dass er die Ernte verschont.

Bierkacherl vergraben soll auch helfen, sagt meine Mutter. Ich habe Nyarlathotep trotzdem eine angefressene Zucchini geopfert. Mal sehen ob es hilft.

Fortsetzung folgt… vom heimischen Bohnenkrieg

 

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