1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 8

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 8

Der Kapitän konnte heute nicht schlafen, seine Kajüte war so leer, seit die Damen ausgezogen waren. Also stand er wieder auf, kleidete sich an und schlenderte übers Deck. Der Matrose, der am Steuer Dienst tat, gähnte mehr, als dass er steuerte, also schickte er ihn ins Bett und übernahm die Schicht bis Sonnenaufgang. Das war die ruhigste Zeit und er war mit seiner Blue Moon und der See alleine, bis die Sonne ihre Segel küsste.

Verträumte blickte er den Sternen entgegen und grübelte über alles was da noch vor ihnen lag. Rosig sah es nicht aus, aber wann war es je rosig gewesen.

Er hatte seine Hände am Steuer und glitt liebevoll über die hölzernen Sprossen.

‘Muss Liebe schön sein, Kapitän.’ hörte er eine tiefe Stimme hinter sich. Es war Svent auch wenn er noch hinter ihm stand, war seine Stimme unverkennbar.

‘Ja, die einzige Frau in meinem Herzen und sie hat mich nie enttäuscht.’ flüsterte der Kapitän und rieb wieder liebevoll über das Holz. ‘Svent, könnt Ihr nicht schläfen?’

‘Ich bin zu groß für die Hängematte.’ meinte Svent achselzuckend.

‘Ach und die Damen haben jetzt Ihre bequeme Koje?’

Svent nickte und stammelte: ‘In die Koje hab ich auch nicht so richtig Platz gefunden.’

‘Also mein Bett ist bis Sonnenaufgang frei. Ich segel die alte Braut noch eine Weile in den Sonnenaufgang.’

‘Danke für das Angebot, aber das kann ich nicht annehmen.’

‘Was da wohl meine Männer sagen, wenn Ihr am Morgen in meinen alten Hosen schlaftrunken aus meiner Kajüte wankt und Euch dann auf Deck ein schattiges Plätzchen sucht.’

Er grummelte nur verlegen und wand dann den Blick ab.

Also redete der Kapitän einfach weiter: ‘Nachdem ich dann bestenfalls immer noch hier steh, wahrscheinlich eher nichts.’

Svent nickte resigniert und schlich wieder unter Deck.

Erst weit nach Sonnenaufgang kam endlich die Ablösung und als das Schiff langsam wach wurde, schlich sich der Kapitän in seine Kajüte. Johann kam ihm entgegen und grunzte ihn an. Sie verstanden sich dennoch. Johann würde ihn den Vormittag über schlafen lassen und dann würde ihm jemand den Kaffee auf die Kajüte bringen, so wie jeden Morgen.

Mit den Gedanken noch bei seinen Morgenkaffee, öffnete er die Tür zu seiner Kajüte und er wunderte sich nicht schlecht darüber, dass es Svent sich vor seinem Bett gemütlich gemacht hatte. Er lag flach ausgestreckt auf einem Bündel aus seinen neuen Klamotten. Sein massiger Körper war nur stellenweise von einer viel zu kleinen Decke bedeckt. Kopfschüttelnd stieg er über ihn und warf sich mit samt seiner kompletten Montur ins Bett.

Er konnte ein leichtes Zähneklappern hören, also stand er nochmal auf und holte eine Decke aus seiner Truhe. Fast schon liebevoll deckte er den sanften Riesen sorgsam zu und zog sich doch seine Schuhe und sein Jackett aus. Als er seine Perücke vom Kopf zog und sie einigermaßen sorgsam auf den Perückenständer legte, wurde ihm gewahr, dass er von Svent beobachtet wurde.

‘Ich bin froh diesen Flohfummel nicht mehr tragen zu müssen.’ flüsterte er und drehte sich auf die Seite. Der Kapitän stieg über ihn hinweg und antwortete erst, als er sich aufs Bett setzte.

‘Reine Gewohnheitssache und meine Haarpracht ist längst nicht mehr so üppig wie früher.’ meinte er etwas wehmütig und strich sich über sein spärliches Haupthaar. ‘Morgen wird Euch das Kreuz ganz schön weh tun.’

Ein Gähnen war keine zufriedenstellende Antwort, also fuhr er fort. ‘Das Bett des Kapitän ist groß genug…’ meinte er und klopfte grinsend auf die Matratze.

‘Nein Kapitän, so sehr ich auch will!’

‘Keine Sorge, ich bin zu nichts mehr im Stande.’

‘Darum geht’s nicht!’

Diesmal gähnte der Kapitän und meinte dann: ‘Ist vielleicht auch besser so!’

Svent war für einen Moment eingenickt und nach einem Schnarchen kam noch ein: ‘Ich hab schon genug schwarze Schatten auf meiner Seele.’

Betretenes Schweigen hing in der Kajüte, bis der Kapitän die Stille unterbrach: ‘Aber wenn du auf meinem Schiff arbeiten willst, solltest du auch fit sein!’

Nach Beendigung seines Satzes legte sich Kapitän hin und drehte sich um.

Er hörte nur ein Grunzen vom Boden, ein Rascheln und dann bewegte sich die Matratze unter dem Gewicht von Svent. ‘Ich lieg backboard!’ konnte er die tiefe Stimme von Svent noch hören und dann schwappte der animalische Duft des ehemaligen Quartiermeisters an seine Nase.

Dem Kapitän stolperte ein kleiner Stöhner aus der Kehle und Svent musste grinsen. Es dauerte einen Moment bis sein Gast nun endlich richtig lag. Unwillkürlich kamen sie sich dabei näher, es war doch enger als gedacht im Bett des Kapitäns.

Der Kopf des Quartiermeisters kam dem Nacken des Kapitäns so nahe, dass er die Bartstoppeln auf seiner Haut spüren konnte.

‘Lass nicht zu, dass ich dir weh tu!’ flüsterte der Kapitän.

‘Ich werde mich wehren!’ grinste Svent, zwang seinen Arm unter das Kissen des Kapitän und nahm ihn fest in den Arm, als wäre er eine Puppe. Im nächsten Moment war er eingeschlafen.

Das leichte Schnarchen dieses sanften Riesen wiegte den Kapitän zusammen mit dem sanften Schaukeln seines Schiffes in den Schlaf.

 

Fortsetzung folgt… Kaffee bei acht Glasen…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 7

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 7

‘Kapitän? Wo ist mein Stiefvater?’ frug Mariebelle. Sie stand immer noch vor dem Tisch und war wohl etwas ungehalten über die Sitten an Bord der Blue Moon.

‘In Einzelhaft!’ meinte der Kapitän mürrisch und stocherte in seinem Essen herum, während er scheel auf sein leeres Glas blickte.

‘Und seine Männer?’ wollte Svent wissen. Er schaufelte sich seinen Napf voll und freute sich schon sichtlich auf etwas Warmes im Bauch.

‘Im Loch!’ meinte der Kapitän mürrisch. ‘Nun setzt Euch schon hin. Lasst uns essen. Es war ein harter Tag.’

‘Und der Tag ist erst zu Ende, wenn wir alle ordentlich untergebracht haben.’ grummelte Johann und schaufelte bereits die zweite Portion in sich hinein.

‘Kriegen denn auch alle genug zu essen?’

‘Unser Obi hat die Küche übernommen!’ mampfte Svent und grinste Obi an, der gerade wieder zur Tür herein kam.

‘Werte Missi, Euch geht es doch gut, oder? Mama würde mich sonst im Schlaf heimsuchen und mich arg ausschimpfen, wenn ich mich nicht um alle gut kümmern würde.’ rief Obi, stellte den Kessel ab und schaufelte weiter Teller und Näpfe voll.

Mariebelle wurde sichtlich kleiner und blickte Obi an wie ein kleines Kätzchen: ‘Ach Obi, es ist so viel passiert.’ Sie musste schwer schlucken und begann leise an zu schluchzen ‘Geht es allen gut?’

‘Ich füttere alle gut, weil wir sitzen alle in einem Boot.’ rief Obi und versuchte Maribelle an der Schulter zu tätscheln.

‘Ja und wir machen einen Stopp auf Madeira, um Wasser und Futter zu fassen, damit wir auch alle heil nach Tobago kriegen.’ rief der Kapitän und versuchte Obi mit Blicken dazu zu bewegen, seinen Becher nochmal zu füllen.

‘Ihr wisst doch, dass meine Mutter euch nicht so behandeln würde und wie mein Stiefvater es getan hat!’ rief Mariebelle nun aufgebracht und fing dann noch mehr an zu heulen.

Obi kniete sich neben sie und nahm sie in den Arm. ‘Missi, ich kann Mam’sel schon hören, sie schimpf über das kleine verzogene Kätzchen!’ Er war in der Hocke genauso groß, wie die junge Lady im Sitzen. Erst jetzt erkannte der Kapitän, wie klein und verletzlich das kleine Kätzchen eigentlich war. Alles andere war nur eine schöne Fassade.

‘Katze an Bord, Glück geht fort.’ rief Johann. Er war mit dem dritten Napf fertig und machte Anstalten wieder an die Arbeit gehen zu wollen.

‘Ist Madeira so eine gute Idee?’ frug Svent.

‘Madeira soll um diese Jahreszeit echt wunderschön sein.’ grinste der Kapitän.

Svent zog nur eine Augenbraue hoch.

‘Ach, wegen der britischen Besatzung. Ich hab ein paar gute Freunde auf Madeira und die pissen den Engländern gerne ins Bier und verkaufen mir ihren besten Whiskey.’ grinste der Kapitän wieder.

‘Ihr macht Geschäfte mit Schotten?’ rief Maribelle empört.

‘Immer noch besser als mit den Engländern Geschäfte zu machen. Ihr tut ja grade so, als würde ich mit jedem ins Bett steigen.’

‘Das habe ich aber nicht gesagt.’ meinte sie beschämt.

Svent grinste wieder dreckig.

 

Fortsetzung folgt….Alle Segel am Wind….

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 6

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 6

In der Messe entzündete ein Schwarzer die Kerzen, dann deckte er fast schon liebevoll den Tisch und der Smut brachte das Essen.

‘Danke nochmal, dass ich in der Küche helfen darf.’ stammelte der Schwarze mehr zu dem Geschirr, als zum Smut.

‘Ist schon gut, ich hab mit der Gesundheit von allen genug zu tun, dass ich sogar noch zwei beschäftigen kann, um alle satt zu kriegen.’ jammerte der Smut.

Der Kapitän stand in der Tür und meinte: ‘Johann schreib das auf, dann haben wir nochmal zwei beschäftigt. Wenn Magnus bei dir in der Kabine schlafen würde, könnte er quasi eine Praxis aufmachen.’

Johann tauchte hinter dem Kapitän auf und hielt eine Schiefertafel und ein Stück Ölkreide in seinen Händen und machte sich fleißig Notizen.

Der Schwarze ging dienstbeflissen und verschwand in Richtung Kombüse.

‘Ja, das ist gut und die beiden Damen können ja auch dabei helfen, vor allem bei den Frauen und Kindern. Magnus ist immer so ruppig.’ witzelte der Kapitän.

Der Smut stand wieder in der Tür und grinste verärgert: ‘Der Bub kann mir ja bei den Nähten helfen, wenns wieder einen von der Rah wichst. Meine Hände werden bestimmt nicht ruhiger, bei dem ganzen Stress.’

Der Schwarze kam wieder und brachte noch mehr essen und meinte eher beiläufig: ‘Meine Brüder können auch helfen?’

‘Ja, das ist noch besser, dann könnt ihr im Lager vor der Kombüse schlafen, weil der Smut zieht dann in die Kabine um, wie es seinem Rang eigentlich zusteht.’ meinte der Kapitän und blickte den Smut dabei unvermindert an.
Der Smut machte ein grimmiges Gesicht und wandte sich wieder zu dem Schwarzen: ‘Obi, sag mir nochmal ihre Namen, ich hab noch nicht alle durch.’

‘Meine Brüder waren vor mir dran, Umo und Ani!’

‘Ja, sie sind gesund, wenn auch unterernährt, da ist die Küche der beste Platz.’ faselte der Smut.

‘Hab ich euch schon mal gesagt, dass ich euch alle liebe…!’ rief der Kapitän rührselig und erhob sein Weinglas. ‘…für eure Arbeit.’ Dann kippte er sich das volle Glas in den Rachen. ‘Ohne euch würde ich das alles nicht durchstehen.’

‘Meine Mama hat immer gesagt, erst Essen dann trinken.’ meinte Obi. ‘Denn das ist sonst nicht gut für das Gemüt.’ Dann grinste er über beide Ohren, zeigte allen seine strahlend weißen Zähne und goß das leere Weinglas wieder voll. ‘Wir sind alle sehr dankbar für eure Freundlichkeit uns allen Arbeit geben zu wollen. Uns ist allen bewusst, dass Ihr Euren Hals und Euer Schiff für uns alle aufs Spiel setzt.’

‘Naja, wenn ich jetzt ein Pirat bin, dann darf ich jetzt auch vor dem Essen saufen!’ rief der Kapitän und hob sein Glas erneut.

‘Kapitän, ich mach mir Sorgen.’ meinte Johann ernsthaft besorgt.

‘Johann, ist schon gut. Es war ein schwerer Tag für einen Säufer.’ säuselte der Kapitän in sein Weinglas.

Obi machte den Teller des Kapitäns mit der doppelten Portion voll und meinte, mehr zu sich selbst als zum Kapitän: ‘Meine Mama wird sich sonst im Grab umdrehen.’

‘Obi, verrate mir den Namen deiner Mutter. Sie war wohl eine sehr kluge Frau und ich freu mich noch mehr von ihren Weisheiten zu hören.’ meinte der Kapitän und begann brav zu essen, bevor ihn noch der Zorn der alten Dame traf.

‘Mam’sel, Kapitän. Alle nannten sie Mam’sel.’ meinte Svent. ‘Wir haben Sie hinter den Ställen begraben und ich vermisse ihren Eintopf und ihr Lachen.’

‘Oh, Maître Enrikson. Wohlauf?’ fragte Obi und machte eine ehrerbietige Verbeugung. ‘Mein Eintopf ist auch nicht schlecht, aber nicht so gut wie der von Mam’sel.’

‘Obi, nenn mich bitte Svent, der Maître Enrikson ist nun Geschichte.’ rief Svent und hielt ihm die Hand hin. ‘Können wir dem Schneiderlehrling einen Napf voll Suppe auf die Kajüte bringen?’

‘Mast und Schotbruch. Ich hab den Buben vergessen.’ fluchte der Smut und eilte aus der Messe. Dann kam er einen Moment später kopfschüttelnd wieder zurück und Obi hielt ihm lächelnd einen gefüllten Napf hin, mit Brot und Löffel gespickt.

Von draußen konnte man eine zierliche Stimme hören. ‘Ach, Herr Doktor. Sehen Sie nach meinem Brüder. Kann ich mitkommen?’

‘Ich bin kein Doktor. Ich bin der Smut, aber begleitet mich ruhig, bevor ich noch den Weg dorthin vergesse.’ rief der Smut und nachdem seine Hände bereits zu zittern begannen, nahm die gute Betty ihm den vollen Napf ab und folgte ihm auf dem Fuße.

‘Ihr lasst wirklich alle vom Smut behandeln.’ rief Mariebelle aufgebracht.

‘Er ist Hufschmied!’ mampfte Johann.

‘Ihr lasst wirklich alle von einem Hufschmied behandeln.’ rief Mariebelle wieder. Sie musste sich mit dem Knie auf die Sitzbank stützen, bevor sie tief Luft holen konnte. Doch bevor sie erneut etwas sagen konnte, unterbrach sie der Kapitän etwas unwirsch: ‘Er macht Witze. Er ist ein Tierarzt. Zumindest hat er eine Art medizinische Ausbildung gehabt, bevor er sich die Medikamente lieber selbst verschrieben hat, aber für uns hier an Bord haben seine Dienste immer gereicht.’

Johann schlang seinen letzten Bissen runter und meinte dann wieder, während er sich den Mund am Ärmel abwischte: ‘Er macht seine Sache wirklich gut, nur das mit den Nähten…!’ Johann fummelte an seiner Hose herum und fuhr fort: ‘Also die Unfälle an Bord sind drastisch zurückgegangen, seit ich das hier habe…’ Er riss sich ungefragt sein Hemd hoch und entblößte seinen Bauch. Darauf dominierte eine echt hässliche Narbe, worauf sich das Fräulein van der Houthen die Hand vor den Mund presste.
Der Kapitän begann zu fuchteln und bellte ihn im Befehlston an: ‘Johann, pack dein Einhorn wieder ein, du erschreckst damit unsere Lady!’
Obi goß ihr einen Schluck Wein ein und animierte sie zum Trinken. Svent prustete als er das vermeintliche Einhorn sah, verschluckte sich und bekam dann erst nach einem Moment ein Wort zustande, dass wie ‘Einhorn?’ klang, dann räusperte er sich nochmal und fuhr fort: ‘Herr Johann, habt Ihr schon mal ein Einhorn gesehen, weil das hier sieht bestenfalls aus wie ein einohriges Kaninchen!’ Danach mussten Johann und Svent so herzlich lachen, dass sogar der Kapitän und schlussendlich das junge Fräulein van der Houthen zu lächeln begann.

Fortsetzung folgt hart Backbord…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 43

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 43

OLYMPUS DIGITAL CAMERANach dem Zähneputzen kam diese Schwester wieder und brachte wieder einen Plastikbeutel in dem seine Klamotten waren und eine ominösen braunen Papiertüte.
‘Schöne Grüße vom Dr. Dalek soll ich ausrichten!’ meinte sie und drückte Tommi die Papiertüte in die Hand und Mi nahm ihr den Plastikbeutel ab.
‘Wir müssen darauf bestehen, dass Sie das Krankenhaushemdchen anlassen, wegen dem EKG. Aber die Shorts und Socken sind schon okay.’
Wolle kam aus dem Bad und packte hastig sein Handy in die Hosentasche. Schwester Emma meinte, ohne sich nach ihm umzudrehen: ‘Haben Sie etwa telefoniert?’
‘Es war ein Notfall!’ stammelte Wolle, er war ganz schön blass um die Nase.
Sie drehte sich um und grinste ihn ungläubig an: ‘Sie werden es kaum glauben, es ist immer ein Notfall!’
‘Ernsthaft, Vater hat sich arg aufregen müssen…’ flüsterte Wolle und ließ sich auf einen der Stühle fallen.
Mi ließ den Plastikbeutel fallen und musste sich erstmal setzen, bevor sie stammelnd fragte: ‘Was ist passiert?’
‘Mama steht draußen und raucht und Papa ist wohl grad auf die Intensivstation gebracht worden!’
Schwester Emma hob die Plastiktüte auf und versuchte ihn zu beruhigen: ‘Wenn Sie wollen kann ich bei meinen Kollegen nachfragen und Sie Herr Immerlinger gehen zu ihrer Mutter.’

Wolle blickte sie entgeistert an und begann dann zu stammeln: ‘Ich bin Wolle, der Herr Immerlinger ist mein Vater…’ seine Stimme brach und er musste schwer schlucken.

‘Los, gehen Sie schon, Herr Wolle. Ich werde Sie nachher schon wieder herein schmuggeln.’ rief Schwester Emma, drehte sich im selben Atemzug zu Hermine um, die weiß wie eine Wand auf dem Bett saß und mit den Tränen kämpfte.
‘Frl. Hermine, Sie müssen darauf aufpassen, dass Tommi nichts Dummes mit dem Goethe anstellt.’
Wie aufs Stichwort zog Tommi Goethes Faust aus der Papiertüte.
‘Ich schick dir gleich ne Whatsapp, wenn ich Mutter gefunden hab. Versprochen!’ rief Wolle erschreckend selbstsicher. Wolle blickte Mi an und sie nickte geistesabwesend.

‘Und wir treffen uns dann wieder hier. Wenn Sie der Bulle vor der Tür nicht wieder rein lässt, eben vor der Tür.’ rief Schwester Emma und machte Anstalten aufbrechen zu wollen und fuhr dann fort: ‘Wir machen es am Besten wie bei Star Wars. Sie sind C3PO und ich bin R2D2 und habe einen Schaltkreiskollaps!’

Wolle musste lächeln.
‘Oh war das ein Lächeln.’ flüsterte sie und lächelte unwiderstehlich.
Er schluckte einen gewaltigen Klos in seinem Hals hinunter und versuchte nochmal zu lächeln, nur da es ihm diesmal nur bedingt gelang. Dann täuschte sie einen Schwächeanfall vor und Wolle brachte sie vor die Tür.
Draußen vor der Tür konnte man einen Pfleger hören: ‘Mensch Borgolte! Ist es schon wieder Unterzucker, wann gehst du endlich mal zum Arzt.’

Fortsetzung folgt…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 5

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 5

3202320569_7b3d426624_bZiemlich erleichtert kam der Kapitän aus seiner Kajüte und ging kopfschüttelnd hinüber zur ehemaligen Kabine des Lieutenant. Diesmal klopfte er und nach einem ziemlich tiefen: ‘Herein!’ öffnete er die Tür.

Drinnen stand ein großer, nackter Kerl mit einem grauen Pferdeschwanz am Waschtisch und versuchte sich die Farbe vom Körper zu reiben.

Der Kapitän räusperte sich, kam aber nicht umhin den nackten Riesen weiterhin anzustarren und hatte dabei einen phantasmagorischen Ausblick auf einen Pferdeschwanz und dabei war diesmal nicht seine ergraute Frisur gemeint.

Nach einem erneuten Räuspern, rief der Kapitän: ‘Ich such den Quartiermeister vom werten Lieutenant van der Houten.’

‘Den hamse wohl gefunden!’ meinte der nackte Riese.

‘Hat Johann nichts zum Anziehen gebracht?’ frug der Kapitän.

Der Quartiermeister schlang sich ein Handtuch um die Hüften. ‘In die Hosen vom Lieutenant passe ich nicht rein!’

Ein ‘Oh’ stolperte aus dem Mund des Kapitäns. Er musste unverwandt auf das Handtuch starren, es war nur mit Müh und Not lang genug, um… meine Fresse war der riesig. Bevor dem Kapitän ein Spuckefaden aus dem Mund laufen konnte, räusperte er sich und fuhr fort: ‘Vielleicht kann die werte Schneiderin ja eine meiner Hosen auslassen? Aber Verzeihung, ich hab mich nicht vorgestellt. Ich bin der Kapitän. Kapitän Eik Skylarson. Willkommen auf der Blue Moon!’

‘Wie geht es meiner Schwester?’ hörte er von einer der Kojen. Der Kapitän versuchte an dem Riesen vorbei zublicken und sah einen recht zierlichen, blonden Jungen unter einer Decke liegen, der ziemlich verdroschen aussah.

‘Augenscheinlich besser als Euch!’ versuchte er den Jungen zu beruhigen.

‘Der Schneiderlehrling ist ganz schön zäh, auch wenn er nicht so aussieht.’ rief der Riese. ‘Ich bin Maître Svent Enrikson. Aber nachdem ich wohl desertiert bin, bin ich einfach nur Svent.’ Und hielt dem Kapitän seine riesige Pranke hin und fuhr fort: ‘Wie kann ich Euch helfen?’

Der Kapitän rief erschrocken: ‘Wie helfen?’

‘Ich will für meine Überfahrt bezahlen, aber ohne Hosen, keine Taschen, also auch kein Geld. Also muss ich sie abarbeiten.’

‘Ja, der Johann kann bestimmt Hilfe gebrauchen. Aber ich bräuchte erstmal Hilfe mit den beiden Damen.’ rief der Kapitän und ließ sich erschöpft auf einen Hocker fallen. ‘Die beiden Damen bringen mich noch um meinen Verstand, wenn sie noch länger in meiner Kajüte sich selbst überlassen sind.‘

Der Riese lehnte sich gegen den Waschtisch und meinte großherzig: ‘Ich kann gerne an Deck schlafen, dann können die Damen meine Koje haben.’

‘Also wenn hier jemand auf Deck schläft, ist es der Kapitän. Alles ist besser, als nochmal ohne Anklopfen in meine eigene Kajüte zu platzen.’ schnaubte der Kapitän.

Der Junge stemmte sich hoch und rief erschöpft: ‘Ich red mit den Beiden, es darf ohnehin niemand mitbekommen, was die beiden miteinander treiben.’

‘Den Jungen kann man mit den Beiden aber auch nicht alleine lassen!’ stellte Svent völlig ernst fest und blickte auf den Jungen herunter. Dann aber zerbrach seine ernste Miene in ein dreckiges Grinsen. ‘Nicht dass sie dein jugendliches Gemüt noch völlig versauen.’

‘Schlaf du doch bei den Beiden!’ rief Jaren schnippisch.

‘Ich denke mein unschuldiges Gemüt kann dem Treiben nicht beiwohnen.’ grinste Svent.

‘Sagt der, der nur ein Handtuch anhat.’ maulte Jaren nach.

‘Am Besten würfeln wir, wer wo schläft, aber bei mir würde der Junge auch nur unnötig versaut werden. Also steht es mir eigentlich überhaupt nicht zu, mich über das Treiben der beiden Damen zu echauffieren.’ erklärte der Kapitän und wunderte sich mal wieder über sich selbst, denn nicht mal Johann wusste davon. Er stand auf und fuhr fort: ‘Aber auf einem Schiff voller ausgehungerter Männer, ist es besser, die Mannschaft nicht auf dumme Gedanken zu bringen.’

Svent musste leicht grinsen und sagte: ‘Also wenn ich eine Hose habe, helfe ich wo ich kann.’

‘Unser Smut ist sowas wie ein Arzt, er soll sich den Jungen nochmal ansehen. Ich geh mich mal um eine passende Hose kümmern. Wir sehen uns zum Abendessen in der Messe und dann reden wir…ich hab da noch einige Fragen.’ erklärte der Kapitän und ging wieder zur Tür.

‘Ein Hemd wäre auch nicht schlecht, nicht dass ich Euch noch auf falsche Gedanken bringe.’ grinste Svent und rieb sich den Bart. Danach waren seine Finger wieder schwarz.

Aber das bekam der Kapitän schon nicht mehr mit, weil er bereits kopfschüttelnd aus der Tür gestürzt war. Kaum war er aus der Kabine gestürzt, riss er nun endgültig die Perücke vom Kopf und raufte sich die Haare.

Wo war Johann? Er musste jemanden anschreien!
Fortsetzung folgt ohne Mast und Schotbruch…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 4

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 4

3202320569_7b3d426624_bDer Kapitän schlenderte über Deck, rieb sich seine Schlaghand und belauschte seine Männer beim Tuscheln. Von Meuterei hörte er. Er drehte sich um, zog eine Augenbraue hoch und begann Selbstgespräche zu führen: ‘Also ich bin der Kapitän und da kann ich ja schlecht gegen mich selbst meutern. Nur weil ein Teil der Obrigkeit die eigenen Gesetze mit Füßen tritt, muss der Kapitän ja nicht blind mitmachen. Ich wollte schon immer mal Sklaven befreien. Madeira wir kommen.’

Dann hörte er nur noch ‘Piraterie’. Damit könnte er leben.

Er grübelte so vor sich hin und fand sich vor seiner Kajüte wieder. Er trat gedankenverloren ein und als er beide Damen bei einer inniger Liebkosung ertappte, klopfte er doch an die bereits offene Tür, um sie umgehend zu schließen. Seine Männer würde durchdrehen, wenn sie das sehen würden, was ihn eher kalt ließ.

Selbst das Öffnen der Tür, noch das Klopfen, weder das Schließen der Tür oder seine Schritte hatten die Damen bei dem gestört, was sie da taten. Er war wie zu einer Salzsäule erstarrt. Doch als er zu viel nackte Haut sah, löste sich seine Starre und er räusperte sich. Die Damen stoben regelrecht auseinander und während Maribelle eher gelassen ihre Kleidung zurecht rückte, zog sich die andere einfach nur die Decke über den Kopf.

Er räusperte sich nochmal und meinte eher zu seinen Schuhen: ‘Ich wollte nicht stören, aber wir haben alle abgewaschen und noch 2 falsche Neger gefunden.’

Die Andere zog die Decke wieder vom Kopf und stotterte: ‘Jaren, wie geht es meinem Bruder?’

‘Unser Smut kümmert sich um alle. Keine Sorge. Sorgen mache ich mich eher um die Kinder und die Schwangere, die wir aus den Kisten gezogen haben.’

‘Mein Stiefvater ist so ein habgieriger Bastard.’ rief Mariebelle und die Andere fing an zu weinen und verkroch sich wieder unter der Decke.

‘Also, noch ist das meine Kajüte, also bitte beschränkt eure Privatsachen auf die Abendstunden. Ich bin es nicht gewohnt, dass ich an meiner eigenen Tür klopfen muss.’

‘Verzeihung Kapitän, aber Betty ist meine …’ sie schluckte. ‘Wir haben nicht mehr viel Zeit. Auf Tobago wartet mein Verlobter.’

‘Jetzt verstehe ich gar nichts mehr.’ stammelte der Kapitän und ließ sich auf seinen Stuhl fallen.

‘Also Jean Fils san’Enclore ist mein Verlobter und wartet auf Tobago auf mich und Betty ist meine Schneiderin und…’ Ihre Stimme brach und sie fing ebenfalls an zu schluchzen, auch wenn es vielleicht nur gespielt war, verfehlte das Schluchzen seine Wirkung nicht.

Er legte sich die Finger auf den Mund. ‘Sch… sch… sch… sch! Das könnte ich vorhin ja sehen. Und wer sind die beiden Herren, die wir gerade befreit haben?’

‘Ach, einer ist Jaren, Bettys Bruder und der Andere ist… war der Quartiermeister von meinem Stiefvater.’ schluchzte Mariebelle.

‘Darf ich fragen was mit Eurer Mutter ist?’

‘Die ist auf Tobago und dekoriert unser neues Haus.’

‘Werte Mariebelle, Euch ist hoffentlich klar, dass wenn Ihr werter Vater je auf Tobago ankommt, wir alle wegen Piraterie gehängt werden.’

‘Stiefvater!’ stolperte aus ihrem Mund und dann meinte sie schnippisch: ‘Dann werft ihn doch über Bord. Meiner Mutter und mir macht das bestimmt nichts aus und meine Mutter würde es Euch vergolden, wenn Ihr es mit Euren eigenen Händen tun würdet.’

‘Selbst für den Mord an einem Offizier dieser Pseudoregierung werde ich wohl nicht nur gehängt, sondern geköpft.’

‘Dann mache ich es selbst. Wo ist er?’ rief Mariebelle und versuchte von der Koje aufzuspringen. Dann hielt sie sich die Hand an den Kopf und musste sich wieder setzen.

‘Darüber reden wir noch! Ich sehe jetzt nach Jaren und ich möchte mit dem Quartiermeister sprechen.’ meinte der Kapitän, blickte sie scheel an und stand von seinem Stuhl auf. ‘Außerdem hab ihr nicht besonders viel an, also bleibt ihr besser hier. Johann sucht schon fieberhaft nach Euren Kisten.’

Er tippe an seiner Perücke, als hätte er seinen Hut an. Dann nickte er den beiden Damen zu und machte auf der Stelle kehrt, um zur Tür zu gehen.

Wo war eigentlich sein Hut und er musst Johann danach fragen und warum hatte Johann für die beiden Damen nur so knappe Hemdchen gefunden und wo hatte er diese Hemdchen nur her? Langsam war aus seinem Affenstall ein wahres Irrenhaus geworden. Er überlegte sich, seine Perücke vom Kopf zu reißen, um sich seine letzten Haare zu raufen.

 

Fortsetzung folgt mit drei Handbreit Wasser unterm Kiel…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 3

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 3

3202320569_7b3d426624_bDer Kapitän stand auf Deck und blickte fast schon sehnsüchtig auf den Horizont.

‘Kapitän, wir haben noch zwei falsche Neger gefunden, in der Baumwolle!’ rief Johann ganz aufgeregt und warf dann noch ein: ‘Sachen gibts!’ hinterher.

 

Sehr gut, da wird unsre Lady Mariebelle aber froh sein.’ meinte der Kapitän noch zur See gewandt und fuhr dann im Befehlston fort: ‘Lass die Passagierkabinen ausräumen. Schau was wir von den Sachen den armen Schweinen zum Anziehen geben können und gib den zwei falschen Negern was Ordentliches zum Anziehen und die Kajüte vom Lieutenant. Und die Anderen könnt ihr wieder beziehen, oder? Verteile die armen Schweine so, dass jeder einen sauberen und trockenen Schlafplatz hat. Ich will wissen, ob es allen gut geht. Der Smut soll sich alle anschauen, wenn sie sich gewaschen haben. Und er soll sich einen für die Küchenarbeit raussuchen.’

Johann fiel seinem Kapitän ins Wort: ‘Aber wir können doch nicht…’

‘Magnus liegt mir seit der letzten Überfahrt in den Ohren, dass er Hilfe in der Kombüse braucht.’ rief der Kapitän mit einem Tonfall, als würde er sich eigentlich nicht erklären müssen, weil er schließlich der Kapitän ist, aber es trotzdem tat.

‘Ja, aber…’ rief Johann wieder empört.

‘Auch wenn ihr mich immer als Sklaventreiber beschimpft, bin ich euch jemals den Lohn schuldig geblieben?’ lamentierte der Kapitän.

‘Ach ich soll sie alle auf die Lohnlisten schreiben? Auch die Frauen und Kinder?’ meinte Johann pflichtbewusst und begann in seiner Tasche nach einer Liste zu kramen.

Ich bin doch kein Unmensch, Johann!’ rief der Kapitän und erst dann schien er das eben gesprochene wirklich zu verstehen und schrie regelrecht: ‘Was für Kinder?’

‘Da sind auch Frauen und Kinder dabei?’ erklärte Johann nun leicht ärgerlich, weil der Kapitän ihm aber auch nie zuhörte, fuhr aber doch mit ruhiger Stimme fort. ‘Ich hab mindestens eine Schwangere gesehen!’

Der Kapitän kam ins Straucheln. Er ging kopfschüttelnd unter Deck und Johann lief ihm hinterher.

‘Ich möchte, dass die Frauen und die Kinder den vorderen Laderaum bekommen. Schaff die Kisten vom Lieutenant nach hinten. Die Schwangere wird ein richtiges Bett brauchen. Notfalls müssen wir doch eine Kabine mit Ihnen besetzen.’ meinte der Kapitän und ging schnurstracks zum hinteren Laderaum.

‘Ach und schau bei allen Sachen, die du in die Hände bekommst und vor allem in die Kisten vom Leutnant, was wir auf Madeira zu Geld machen können und ich bin gespannt, ob es tatsächlich eine Aussteuer von der jungen Lady gibt.’ flüsterte der Kapitän ziemlich geheimnistuerisch, dann brach seine Stimme und er flüsterte mehr zu sich selbst als zu Johann: ‘Ehrlich, ich hab keine Ahnung, wie ich das alles bezahlen soll. Meine alte Lady und ich waren schon völlig abgebrannt, als wir diesen vermeintlichen Auftrag von den Franzaken angenommen haben.’

Links und rechts vom hinteren Laderaum waren ein paar Verschläge, die eigentlich für Schmuggelware gedacht waren, aber im Moment war einer der Verschläge von dem Herrn Lieutenant belegt. Die Männer des Lieutenant waren vorne im Loch untergebracht worden.

‘Johann, hast du nicht genug zu tun?’ fragte der Kapitän, bevor er den Verschlag öffnete.

Eine kleine Lampe hing über der Tür und flackerte schummrig. Der Lieutenant war an die Bordwand gekettet worden. Er hob den Kopf und ein Knebel ließ ihn eher unfreiwillig grinsen.

‘Lieutenant, was für ein abartiger Bastard seid Ihr eigentlich. Kinder und Schwangere in die Kisten zu strecken. Die wären bis Tobago alle verreckt.’ spie der Kapitän ihm entgegen.

Der Lieutenant versuchte sofern es die Fesseln zuließen mit den Achseln zu zucken. Dafür verpasst der Kapitän ihm einen harten Schlag ins Gesicht.

‘Das ist für die Schwangere und jetzt geh ich die Kinder zählen und dann komm ich wieder.’

Der Lieutenant tat so, als hätte ihn der Schlag nur gestreift. Aber Blut begann aus seiner Nase zu laufen. Der Kapitän schlug ihm nochmal, diesmal aufs Auge.

‘Ach und dass ist für das junge Ding, dass ihr mit Schuhcreme angemalt habt….’

Dann ging der Kapitän wieder und ließ den Lieutenant blutend zurück. Die Tür knallte und die Lampe erlosch.

 

Fortsetzung folgt auf hoher See…

Eine Blüte für meine Gedanken – Tag 19

ErikaTag 19

Um so länger ich hier auf dieser Insel war, um so weniger Zeit hatte ich ein Auge in das Tagebuch zu werfen. Deshalb heute nur ein paar Zeilen. Mir geht es gut und wir sind schon wieder unterwegs weiter zum Holzfällergebiet.

Wenn sie hier wirklich Bäume fällten, wären die Mapori bestimmt nicht so ganz begeistert.

Mal sehen, was der morgige Tag so bringt.

Mit aller Liebe, die ich aufbringen kann,

dein Elmar

~*~

Mehr davon auf Inseln der Macht

Bild & Bearbeitung by Enno 

Eine Blüte für meine Gedanken – Tag 18

Tag 18 

ErikaWas soll ich sagen, die Nacht war wieder kurz und der Busch rannte, als wäre sonst wer hinter ihm her.

Ich bin mir gar nicht sicher ob ich noch beim richtigen Tag war, aber wir sind heute tatsächlich an den Baumwollfeldern der Mapori angekommen und liefen den ganzen Tag an den Feldern entlang. Doch hier war nichts, kein Mapori und auch nicht die Schwestern der verwirrten Mapori aus dem Sumpf.

Der Busch war immer noch an meiner Seite. Ich nenne ihn mittlerweile Stumpen. Ich glaub er hat nichts dagegen, wenn ich ihn so nenne.

Ich hörte ein merkwürdiges Singen und wunderte mich schon, weil es war wirklich niemand hier. Die Felder waren abgeerntet und um uns herum waren nur die trockenen Baumwollpflanzen. Wir liefen den ganzen Tag an den leeren Blütenständen der Baumwollpflanzen vorbei und vor uns lagen endlose weite braune Felder.

Der Tag neigt sich dem Ende zu und die untergehende Sonne warf ihre letzten Strahlen über das trockene Gestrüpp. Das Licht schien mir unwirklich und machte mir ein wenig Angst. Ich geb es ja nur ungern zu, aber die Gänsehaut wandert mir den Nacken hinauf, obwohl es ziemlich heiß war heute. Vielleicht hatte ich auch einen Hitzschlag, das könnte auch das merkwürdige Summen in meinem Kopf erklären.

Geliebte Erika, ich hoff du verzeihst mir die wenigen Zeilen, mir tut alles weh, vor allem mein Kopf.

Guten Nacht.

Der Elmar

P.S. Nachtrag: Ich hatte heute Nacht einen merkwürdigen Traum. Erika, ich hoffe insgeheim, dass du diese Zeilen nie lesen wirst. Aber was soll ich sagen, ich bin auch nur ein Mann. Ich schreibe diese Zeilen in der Gewissheit, dass meine Seele rein ist, weil es war nur ein Traum, ein Traum.

Ich lief wieder die Baumwollfelder entlang und zunächst war es mir nicht klar, dass ich träumte. Merkwürdig war nur, dass die Baumwolle nicht abgeerntet war. Sie stand in ihrer vollen Pracht, Baumwollbüschel an Baumwollbüschel. Das Summen war wieder da oder es war immer noch da und langsam schwoll der Singsang wieder an, so wie ich ihn am Tag zuvor schon einmal gehört hatte.

Und dann sah ich sie. Die Schwestern. Und dann begriff ich erst. Sie sahen alle aus wie die Säerin, nur viel jünger und noch leichtfüßiger als sie. Und noch etherischer, wenn das überhaupt möglich war.

Ich hatte den Eindruck im Schlaf gestorben zu sein und das war das was nach dem Tode kam, ein Traum. Ihr Gesang erregte mich. Die jungen Dinger tanzten um mich herum und lullten mich mit ihrem Gesang ein.

Im nächsten Augenblick lag ich auf einer mit Baumwolle bedeckten Bettstatt mitten im Wald. Ich war sauber und nackt und ich roch unglaublich gut. Nun war mir völlig klar, dass es ein Traum sein musste, ich konnte mich nicht daran erinnern, wann ich mal selbst meinen eher animalischen Körpergeruch als wohlriechend bezeichnet hatte. Die Maporischwestern kamen singend auf mich zu und tanzten um meine Lager herum. Sie stürzten im Tanz auf die Knie und krochen zu mir rüber. Das was nun geschah war doch eher animalisch und ich vermag es kaum aufs Papier zu bringen, was sie mit mir taten. Ich war mir nun nicht mehr so ganz sicher, ob es wirklich ein Traum gewesen war. Ich konnte nicht nur meinen Geruch riechen, ich roch auch sie und jede von ihnen roch nach einer anderen Blume. Und ihre Berührungen konnte ich noch immer spüren, auch jetzt noch in dem Moment als ich diese Zeilen schreibe. Die Wirklichkeit hat mich zwar wieder, da ich das Tagebuch in meinen Händen halte, doch mein Verstand war immer noch auf Wanderschaft. Die nackten Leiber der Schwestern hatten mich immer noch derart im Griff, dass ich froh war, dass der Busch noch tief und fest schlief. Ich glaub ich war der einzige Besucher auf Secundum, der einen augenscheinlichen Eindruck davon hatte, wie sich nackte Mapori anfühlen, wie sie schmecken und riechen und… am Liebsten würde ich im Erdboden versinken, ich verliebter Göckel kann mich doch nicht nochmal verliebt haben. Und so starre ich auf den Sonnenaufgang über die Baumwollfelder und ich kann ihr Singen wieder hören…

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Eine Blüte für meine Gedanken – Tag 17

Tag 17

ErikaMorgenstund hat Gold im Mund und das Tagwerk ist erst zu Ende wenn die Sonne untergeht. Dieser Busch hat wirklich ungeahnte Energien, ich habe keine Ahnung wo wir sind, also im Wald, aber das ist als Standortangabe nicht gerade hilfreich. Wald haben die hier wirklich soweit das Auge reicht, egal wie hoch der Berg auch sei, auf dem man gerade steht.

Nun ist der Busch endlich eingeschlafen und ich kann mir endlich ein kleines Feuerlein machen, um mir ein paar Wurzeln, Nüsse, Beeren und Pilze, die ich unterwegs sammeln konnte, zu einem undefinierbaren Brei zusammen kochen.
Bäh, aber irgendwas im Magen zuhaben, ist besser als nichts.

Das Feuer geht gleich aus und ich muss die Asche noch verscharren, der Busch mag es nicht besonders, wenn ich Feuer mache. Ich verbrenne ja auch seine Artgenossen.

Ich muss aufhören,

der Elmar

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