Kommst du oder gehst du?

Kommst du oder gehst du? – Eine fiktive Geschichte

6305322552_58ff66f3c6Ich komme die Treppen rauf und du sitzt da, am Treppenabsatz auf gepackten Koffern. Kommst du oder gehst du? Ich weis es nicht. Ich frage aber auch nicht. Ich sehe dich an. Du siehst an mir vorbei in einen langen Tunnel. Ich trete näher. Der Tunnel scheint dich immer mehr in den Bann zu ziehen. Ich knie mich langsam vor dich hin und schaue dir behutsam ins Gesicht. Ein Versuch deinen Blick vom Tunnel abzulenken. Ob es mir gelingt? Langsam fasse ich an dein Kinn. Dein Blick ist immer noch auf den Tunnel gerichtet. Für einen kurzen Moment kann ich ein kurzes Flackern in deinen Augen sehen, bevor sie dann wieder trüb werden. Ich trete noch näher an dich heran. Ich kann die Kälte spüren, die dich umgibt. Meine Hand wandert über deine Wange zu deinem Haaransatz. Ich bin dir jetzt so nah, dass ich dir einen Kuss auf die Stirn drücken könnte. Ich tue es. Immer noch keine Regung von dir. Mir läuft es kalt den Rücken herunter und ich versuche gegen die Kälte anzukämpfen. Ich sehe nun direkt in deine Augen und versuche den Tunnel zu brechen. Von dir kommt immer noch keine Regung. Meine Augen füllen sich mit Tränen und sie laufen mir die Wangen herunter. Ich weine, weil du es nicht kannst. Deine zitternden Hände umschlingen mich langsam. Du siehst mich für einen Moment an und dann vergräbst du dein Gesicht in eine Umarmung. Ich drücke dich an mich und ich zittere jetzt genauso wie du. So kauern wir noch eine Weile da am Treppenabsatz vor meiner Wohnung und sind unfähig uns zu bewegen.

Am nächsten Morgen wache ich auf, in meinem Bett. Du liegst in meinen Armen. Du trägst immer noch die selbe Kleidung wie gestern. Ich auch. Dein Schlaf ist ziemlich unruhig. Aber du schläfst. Die Erholung wird dir gut tun. Hoffe ich! Ich streichle dir ein paar Strähnen aus dem Gesicht und beobachte dich. Ich schaue über deine Schulter, da steht einer deiner Koffer.

Plötzlich klingelt ein Telefon. Nicht meins! Wir schrecken beide hoch. Du siehst mich entsetzt an. Es liegt hoffentlich am Telefon und nicht an mir. Das Telefon hört wieder auf zu klingeln. Wir sinken wieder in die Kissen zurück. Wir atmen beide tief durch. Du schließt deine Augen und ich spüre, wie wohl du dich in meinem Bett fühlen musst. Eine Hälfte deines Gesichts ist in eines meiner vielen Kopfkissen versunken. Du hast einen Arm unter dem Kissen und deinen Kopf geschoben, deine andere Hand zieht zunächst die Decke über deinen Körper und dann sucht deine Hand nach mir. Du nimmst meine Hand in deine und kommst dann zu Ruhe. Deine Gesichtszüge entspannen sich langsam. Ich beobachte dich weiter. Wie friedlich du aussiehst. Das Geräusch einer SMS hallt durch den Raum und im selben Moment reisst du die Augen wieder auf. Dein Gesichtsausdruck lässt mich ein ‚So eine Scheiße!‘ schier hören, obwohl du gar nichts gesagt hast. Es ist wieder still im Zimmer. Du streckst dich, ich höre deine Wirbelsäule knacken. Dann drehst du dich um zum Bettrand. Dein Arm wandert zur deinem Mantel und du förderst dein Handy zu Tage. Ich höre ein gleitendes Geräusch. Ein Samsung. Du tippst ein Wenig. Dann schnallst du mit der Zunge, wie du es immer tust, wenn du ungeduldig und genervt bist. Du stehst auf und hältst dein Handy ans Ohr.

Ruf mich nie wieder an!‘ kam es übertrieben laut aus deinem Mund. Ich höre deine Stimme eigentlich echt gerne, aber nicht wenn du böse bist. Du bist nicht böse auf mich, aber ich fühle mich so. Mich schaudert es ein wenig und ich verkrieche mich tief unter meinen Decken und tue so, als würde ich nicht zuhören. Aber es versteht sich von selbst, ich höre ganz genau zu. Du steichst nervös deine Haare aus deinem Gesicht. Ich höre ein Gekreische am anderen Ende der Leitung. Sie! Du saugst die Luft ein. Das was du jetzt sagen willst, muss etwas Entgültiges sein.

‚Ich sagte doch schon unmissverständlich, ES IST AUS!‘

Wie lange habe ich auf diesen Satz gewartet.

‚Es ist aus und damit Schluss und vorbei!‘

Hurra!

Belästige mich nicht weiter!‘

Ich höre ein: ‚Wo bist du? Bei ihr!‘ Ja, bei ihr und da bleibt er jetzt auch! Hoffe ich! Darauf habe ich viel zu lange gewartet, als dass ich dich jetzt wieder hergeben könnte.

Das geht dich nichts mehr an!‘ sagst du.

Du tippst dabei nervös auf meinem Festerbrett rum. Das geht dich nichts MEHR an, dass geht runter wie Öl. Du bist gekommen und zu bleiben. Wenn ich in diesem Moment sterben müsste, hätte ich mein Leben schon gelebt, nur für diesen einzigen Satz. Ich hatte die Hoffnung bereits seit langem aufgegeben, als ich dich traf. Du warst es, der mich immer wieder ins Licht holte. Auch wenn unsere bisherige Beziehung alles andere als hoffnungsvoll war. Du hast mich aus meinem tiefen Loch geholt. Auch wenn ich die letzten Jahre immer nur die 2. Geige war. Auch wenn ich mich in unserer Beziehung immer allein gefühlt habe. Ich konnte nie anrufen wann ich wollte. Ich konnte nie mit dir zusammen sein wann ich wollte. Ich habe immer alles allein mit mir ausmachen müssen. Ich hatte dich nie da, wenn ich dich brauchte. Ich konnte nie einen Rat von dir bekommen, wenn ich ihn gebraucht hätte. Ich habe mich in den letzten Jahren an jedem greifbaren Strohalm über Wasser gehalten. Aber ich habe nie aufgegeben und ich habe mich nicht damit abgefunden, nur die Geliebte zu sein. Ich wollte dich immer ganz, mit allen Höhen und Tiefen. Bis jetzt waren es meist nur die Tiefen. Und nach diesem verdammt langem Tief habe ich endlich mein Hoch und lasse es mir jetzt von ihr bestimmt nicht kaputt machen. Darauf habe ich zulange gewartet, als dass ich jetzt noch einmal zurückstecken könnte.

Du legst auf, ohne noch ein Wort zu sagen und wirfst dein Handy auf deinen Mantel. Du knöpfst deine Jeans auf und lässt sie lässig zu Boden gleiten. Dann kriechst du wieder unter meine Decke. Ja, meine Decke! Es wird ein verdammt schöner Tag. Das Universum hat nach langem Flehen endlich geantwortet. Das ist die Antwort. Du presst deinen Kopf zwischen meine Brüste, schiebst dabei mein Shirt hoch und küsst mein Brustbein.

Kann ich bei dir bleiben?‘ Du machst eine dramatische Pause: ‚Für immer!‘

Ich lege meine Hände um deinen Kopf und schiebe dein Gesicht in meine Blickrichtung. ‚Ich hab dir doch gesagt, dass meine Tür für dich immer offen steht, bis du kommst, um die Türe hinter dir zu schließen.‘ Gott, hatte ich diesen Satz oft zu dir gesagt. In einer hoffnungslos verrannten Situation hangelt man wirklich nach jedem Strohhalm. Nur für die Möglichkeit, dass dieser Moment eintreten könnte. Aber nun ist es soweit, ich habe die Tür hinter dir geschlossen und ich habe es gestern getan. Erinnern kann ich mich nicht mehr daran, aber ich habe es getan, völlig selbstverständlich. Du bist da und du bleibst. Wir küssten uns jetzt. Es ist zu schön, um war zu sein…

Zwölfjähriges Mädchen mit blonden Zöpfen mit einem….

Zwölfjähriges Mädchen mit blonden Zöpfen mit einem….

Ich lieg in einem hellblauen Himmelbett und ich habe geträumt, von einem 12jährigen Mädchen mit blonden Zöpfen…mit einem riesigen Schniedel. Das komische daran ist, dass das kleine Mädchen mit den blonden Zöpfen eigentlich erst aussah, wie ein guter Kumpel von mir. Diesen Kumpel kenne ich schon seit dem er sechzehn war und ich war immer wesentlich älter. Für mich war er bis zu diesem Traum immer völlig asexuell bis schwul und wie gesagt viel, viel zu jung. Gut mittlerweile ist er wesentlich älter, aber ich bin ja immer noch wesentlich älter als er. Ich hab ihn seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen und dann taucht er aus heiterem Himmel (Ohne mir bescheid zu geben!) in meinen Träumen wieder auf. Und dann gleich so intim. (Ich wusste gar nicht, dass er so einen Großen hat!) Gut seine blonden Zöpfe haben mich ein wenig irritiert. Und küssen kann er…äh…sie… oh, bin ich verwirrt. Zurück zum eigentlichen Traum, ich bin mit ihm in einem möblierten Kellerraum und wir reden, knutschen, reißen uns die Kleider vom Leib, was man eben so tut, wenn man allein in einem Raum ist. Auf Grund eines fehlenden Verhüterli und eines nicht mehr schlapp werdenden Ständer, musste ich nochmal los, um etwas ordentliches zum Anziehen für diesen Wahnsinnsschwanz zu organisieren. Erst war er noch er und als ich durch die Tür gehe und nochmal zurück schaue, sitzt da ein kleines Mädchen mit blonden Zöpfen auf einer Fensterbank, mit diesem riesigen Wahnsinnsschwengel und grinst mich dreckig an. Ich suche also einen Kondomautomaten oder ne Apotheke und hoffentlich haben die Kondome in Übergröße. Auf dem Weg treffe ich meine Eltern und meine Schwester mit samt Mann und Kindern. Sie hängen mir ein Gespräch und ich wimmle sie mit den Worten ab: „Keine Zeit, hab den perfekten Schwanz gefunden und such eine scheiß Apotheke, weil ich ganz dringend Gummis in Übergröße brauche!“ und renne weiter.

Jetzt stehe ich vorm Palazzo und der Schuhbeck frägt mich, was ich denn hier mache. Ich glaube ich habe irgendwie nicht viel an. Werde des Platzes verwiesen. Dann hab ich endlich Kondome. Anstatt „el Toro grande“ eine Hand voll Billy Boy und wache schreiend auf. Mit dem Gedanken, dass Billy Boy für jeden Schniedel zu klein sind und ich endlich den perfekten Schwanz gefunden hatte und ihn im Traum ungefickt zurücklassen musste. Und in Anbetracht der Tatsache, dass dieser Kumpel mich auch geistig völlig inspirieren würde, bin ich jetzt total durch den Wind deprimieret. Jetzt fällt mir erst auf, dass ich gar nicht zuhause bin, sondern in Sinas Bett liege und es ist himmelblau, weiß und fleischfarben. Bin jetzt völlig verwirrt, kein Schwanz in Sicht, den haben wir gestern Nacht, wegen schlechten Benehmen, an der S-Bahn ausgesetzt.

Dann fällt mir auf, dass es in dem Traum um ein enormes Geschlechtsteil ging, aber dass ist ja völlig entgegengesetzt von meinen Vorstellungen. Aber meine Definition von einem perfekten Penis sollte meinem Unterbewusstsein doch bekannt sein. Zu Groß ist doch gar nicht so gut, wie immer alle behaupten, gut zu klein ist natürlich auch für den Hausflur. Krumm und bucklig solle er sein! Des hat meine Oma schon immer gesagt. Wenn der erigierte Penis, wie eine Banane, nach oben gebogen steht, dann ist er perfekt. Die Erklärung eines ziemlich bekannten Comedian, dass der Penis wie eine Cruise Missile sein soll, damit er überall anstößt, ist gar nicht so verkehrt.

Und der Mann sollte nicht zu sehr von IHM überzeugt sein, dass wirkt sich in der Praxis dann meist nicht so gut für die Frau aus. In so einem Fall schläft Frau meistens mit dem viel zu großgeratenen Ego und ist dann vom viel zu Kleingeratenen völlig enttäuscht. Der perfekte Schwanz ist es nicht das, was Frau sucht. Es wäre zwar schon von Vorteil, wenn der perfekte Mann an dem fantasmagorischen Penis mit dran hängt. Es geht doch immer nur um das beste Stück! Was bringt der Frau, wenn Sie einen perfekten Brad Pitt bekommt, der dann eine erektile Dysfunktion hat. Das Sprichwort Dumm fickt gut, stimmt wie die Faust aufs Auge, aber Dumm ist auf Dauer auch nicht gut. Wenn Frau ihre Eroberung dann nicht mit vor die Tür nehmen kann, weil er nicht mal übers Wetter drei zusammenhängende Sätze reden kann, ohne nach jedem Halbsatz einen Grunzlaut einzufügen.

Geistige Inspiration ist also auch sehr wichtig, aber Sex mit Woody Alen oder Günter Grass… wir wollen es ja mal nicht übertrieben.

Träume schaffen große Verwirrung

Träume schaffen große Verwirrung

Ich lieg in meinem Bett auf unzähligen Kissen unter vielen Decken, einen Schal um meinen Kopf gewickelt und versuche zu schlafen. Es will mir nicht wirklich gelingen. Irgendwann habe ich dann wohl doch geschlafen. Der Fernseher schläft nicht, ich muss wieder mal mitten im Dschungel Camp eingeschlafen sein, aber jetzt bin ich wieder wach. Ich höre es kommen Nachrichten und schlafe wieder ein. Dann kommt folgender Traum durch mein Hirn geschossen. Nachtnachrichten mit einer Eilmeldung. Barack Obama ist nach seiner Amtseinführungsparty sturzbetrunken auf allen Vieren über eine stark befahrene Straße gekrochen. Ein armer völlig nüchterner Autofahrer hat ihn dann überfahren. Dabei ist Barack Obama an seinen schweren Verletzungen verstorben und der Todesfahrer wurde gleich festgenommen, zum Tode verurteilt und das Urteil wird live vollstreckt. Heute Nacht in allen Kanälen. Mit einem Schrei wachte ich auf. Wie Barack Obama ist tot. Nein, des kann nicht sein. Der hat doch gerade erst den fiesen Bush abgelöst. Hat der keine Security, die auf ihn aufpassen, wenn er betrunken ist. Da werden aber noch Köpfe rollen. Unglaublich! Die ganze Welt hat gehofft, dass er es besser machen würde. Gut, jeder könnte es besser machen, als der Bush. Der Barack Obama wär echt unser aller Hoffnung. Und dann so was. Völlig schockiert zappte ich von Sender zu Sender. Anscheinend hat es noch niemand mitbekommen, dass der Obama tot ist. Komisch. Am nächsten Morgen im Radio war auch noch nichts zu hören. Am Ende des Tages habe ich dann auch kapiert, dass ich wohl völligen Schwachsinn geträumt haben muss. Der Barack Obama ist gar nicht tot. Hurra. Die Welt kann also aufatmen. Es wär ja ganz schlimm gewesen, wenn der Bush nochmal hätte verlängern müssen. Krass ist halt, dass mir mein Unterbewusstsein so einen krassen Streich spielen konnte. Ich habe eine halbe Nacht und einen ganzen Tag ernsthaft gedacht der Herr Obama wäre tot. Und eine arme Sau wurde dafür zum Tode verurteilt wurde. Ich hätte es mir auch gleich denken können, weil auch in Amerika keine Todesstrafen live übertragen werden, oder?

Ganz verwirrt begann ich meine Woche und war mit auch am Mittwoch noch völlig durch den Wind. Dann hab ich der Olga meinen Traum erzählt und sie fängt an zu lachen und meint, dass Anfang der Woche tatsächlich ein Bericht in den Nachrichten war, dass jemand verurteilt wurde, der nüchtern einen Betrunkenen überfahren hatte. Natürlich war der Tote nicht Barack Obama und der Verurteilte wurde nicht zum Tode verurteilt, sondern auf Bewährung. Danke Olga!

In der nächsten Nacht hatte ich wieder einen Traum. Ich ziehe mit vielen Menschen in eine alte Jugendherberge. Wir wollen eine Eventsache aufziehen. Das Haus ist traumhaft. Nur die Leute. Zwei davon, die mich und ich sie nicht mehr mögen und wir nicht mehr miteinander sprechen. Wobei ich mir nichtmal sicher bin, ob die Beiden noch oder wieder miteinander sprechen. Und dann kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich auf die Idee gekommen bin freiwillig mit den zwei Messies in eine alte Jungendherberge zu ziehen. Dann waren da noch ein paar andere, an die ich mich nicht mehr erinnere. Jeder sucht sich ein Fleckchen zum Schafen. Ich gehe unters Dach. Am Speicher ist ein himmlisches Zimmer. 3, 2, 1, Meins! Verträumtes Licht bricht sich unterm Dach. Ein Himmelbett. Viele Vorhänge als Raumtrenner. Ein riesiger Flokati. Ein Zimmer wie in einem schlechten Pornofilm. Wo wir gerade bei Pornofilmen sind. Da ist noch Mitbewohner in dieses ‚Traum-WG‘. Eigentlich ein alter Bekannter. Nur ein Bekannter. Ein Kumpel. Frau kann mit ihm Pferde stellen, einen Trinken gehen,…, was man halt so tut, mit einem alten Bekannten. Hm. Was macht der in dieser Messie-WG und vorallem, was macht er in meinem Traum? Gut, ich kann mir zwar schon vorstellen, wenn wir in der selben Stadt leben würden, mit ihm zusammenzuziehen, in eine WG mit mehreren Nichtmessie-Menschen, in getrennten Zimmern natürlich. Okay, ich gebe es ja zu, ich könnte mir auch Geschlechtsverkehr mit ihm vorstellen, obwohl ich immer ein bisschen vor ihm Angst hatte und teilweise immer noch habe. Ich habe immer noch die Worte im Ohr, die er auf meinem zweiten Con als Festrolle zu mir gesagt hatte…Ich kann mich ganz entfernt an eine Massage erinnern, die dann zum Glück von omniintelligenten Killerpollen-Erzählungen unterbrochen wurde. Die erste Begegnung hatte ich unter jugendlichen Leichtsinn beiderseits abgestempelt. Es ist ja auch außer einer halben Massage nichts passiert. Angst hab ich aber immer noch, komisch eigentlich.

Das folgende hat mich dann doch ein bisschen entsetzt und verwirrt. Er kommt in mein Zimmer hochgekraxelt und meint, es wären Gäste da, die schon letztes Jahr gebucht hatten und die hätten jetzt drauf bestanden einen Platz zu kriegen. Die sind so viele, dass er jetzt keinen Schlafplatz mehr hätte und fragt, ob er bei mir pennen kann. Ist ja kein Problem. Er holt seine Sachen. Die anderen sind einkaufen, weil wir morgen ja Frühstück zu servieren hätten. Die Gruppe würde in die nahe gelegene Pizzaria gehen, da hatten sie auch schon vor Jahren vorbestellt. In der Jugendherberge ist außer uns keiner mehr. Er kommt wieder die Leiter zum Speicher hoch. Er gibt der Bodenklappe einen Tritt und sie fällt mit einem Krachen zu. Ich schrecke auf. Er legt seinen Rucksack auf den Boden. Eine Isomatte rollt über die Bodenbretter, er wirft seinen Schlafsack daneben und schmeißt mir sein Kissen ins Gesicht. Ich nehme das Kissen in die Hand und ich kann seinen Geruch am Kissen riechen. (Träume mit Geruch machen mich immer ganz fertig, weil die dann immer noch realistischer sind!) Dann setzt er sich zu mir ans Bett und lächelt mich an. Wer jetzt denkt, dass jetzt Szenen aus einem billigen Pornofilm folgen, hat sich geschnitten. Es ist eher wie eine dramatisch-theatralisch Romantikszene aus Fackeln im Sturm der Leidenschaft. Wir schauen uns stundenlang (so scheint es) an. Wie romantisch. Dann halten wir Händchen, stundenlang. Wie romantisch. Dann liegen wir uns stundenlang in den Armen. Wie romantisch. Und wir kuscheln und streicheln uns stundenlang. Wie romantisch. Natürlich sind wir vollständig bekleiden. Was für eine Verschwendung wertvoller Sendezeit. Des ist ja wirklich nicht auszuhalten. Dann haben wir uns geküsst. Um Himmels Willen, des geht ja gar nicht. Er küsst wie ein kleines zwölfjähriges Mädchen mit blonden Zöpfen. Ich bin dann aus Langeweile wohl aufgewacht, reichlich verwirrt.

Komisch, dass hätte ich ihm nicht zugetraut, das er so ein Softie ist geschweige denn ein zwölfjähriges Mädchen mit blonden Zöpfen. Und ich hätte auch nicht gedacht, dass ich so ein Softie bin. Zumindest glaube ich besser küssen zu können. Ich hatte anscheinend so viel Angst vor ihm, dass ich ihm ernsthaft nicht an die Wäsche gegangen bin. Seltsam.



Wie ein verschwundenes Käseschinkentoast…

Wie ein verschwundenes Käseschinkentoast….

den Beweis für die Existenz einer intelligenten außerirdischen Lebensform beweist.

Ich komme heute mit zwei Käseschinkentoasts ins Büro. Dann heißt es wir haben jetzt eine Besprechung. Ich beiße in eines meiner beiden Brote, lege es auf das andere Brot und mache die Alufolie wieder zu, damit es nicht vertrocknet und gehe mit meinem Bürostuhl zum Besprechungszimmer. Die Besprechung verschiebt sich um 15 Minuten und ich gehe mit dem Umweg übers Teekammerl in mein Büro zurück. Ich lasse meinen Bürostuhl stehen und nehme meine beiden Teetassen mit schwarzem Tee mit. Ich stelle sie am Ersatzschreibtisch ab und hole meinen Stuhl.

Danach gehe ich wieder zum Teekammerl und hole einen Kinderpingui aus dem Kühlschrank, weil mir die Brösel von dem einem Bissen Brot noch immer im Halse stecken und ich auf Grund meiner Halsschmerzen beschlossen habe, dass Brot erstmal nicht mehr zu essen. Ich nehme ein Telefongespräch an und dann ist auch schon die Besprechung. Ich nehme noch einen Schluck vom Tee und gehe ohne auf das Käseschinkenbrot zu achten mit meinem Stuhl wieder raus.

Als ich zurück komme, ist die Alufolie auseinander gepackt und das angebissene Brot ist weg. Nach Kontrolle sämtlicher Ablageflächen und Mülleimer konnte ich das angebissene Brot nicht wieder finden und nachdem ich einen krassen Hunger habe, kann ich es auch schlecht gegessen haben.

Entweder bin ich oder mein Brot, oder Beide in ein Riss des Raumzeitkontinuum geraten und mir und meinem Magen fehlt jetzt die Zeit, und somit auch die Erinnerung, dass ich jetzt tatsächlich dieses Brot gegessen habe. Die Schmerzen die ich dabei gehabt haben muss, mal ganz außer Acht gelassen. Ich bin ja schließlich krank….im Hals.

Oder mein Brot wurde von Aliens entführt, weil die eine Speichelprobe von mir haben wollten und deswegen genau das angebissene Brot weg ist und das Andere eben noch da ist. Um Himmels Willen, die wollen mich klonen.

Oder wir haben einen Fehler in der Matrix und mein Brot liegt jetzt irgendwo auf der Autobahn und verursacht einen schlimmen Autounfall.

Fürs Protokoll meine Handtasche inklusive meinem Geld, EC-Karte, Ausweis, Führerschein sind noch da und mein Laptop, Fotoapparat, Handy auch. Fremdpersonen kommen nicht in mein Büro bzw. nicht in die Verwaltung wegen dem Datenschutz, da hier niemand Zutritt hat und meine Kollegen sind nicht so arm dran, dass sie ein angebissenes Brot klauen müssen, außerdem waren die alle mit mir in der Besprechung. Die Putzfrauen kommen erst heute Abend und die hätten das zweite Brot gleich mit verschwinden lassen.

Fragen über Fragen. Ich habe ein mords umgedrehtes Deja-vu-Erlebnis und ich habe keine Drogen genommen oder Alkohol getrunken.

Obszöne Pilzgewächse

Obszöne Pilzgewächse

Ich will schon seit Wochen über obszöne Pilzgewächse schreiben und mir fällt nichts Gescheites ein, was ich zu diesem Thema schreiben könnte. Auch den Tipp ich soll mir doch einen Porno ansehen, dann würde ich auf andere Gedanken kommen, habe ich nicht beachtet. Ich will ja auch nicht auf andere Gedanken kommen, ich will eine Geschichte über obszöne Pilzgewächse schreiben. Es ist eigentlich schon ganz schön armselig, dass mir zu diesem Thema nichts einfällt, nein eigentlich ist es schon ganz schön armselig, dass man über etwas über obszöne Pilzgewächse schreiben will. Ich habe diese beiden Wörter im Hörbuch vom H.P. Lovecrafts Sammlung zum Necronomicon Band 4 aufgeschnappt und seit dem beschäftigt mich die Möglichkeit, darüber zu schreiben.

Auch nach einem Googleversuch werde ich auf einen Vampireroman verwiesen. Beim genaueren Lesen, stellte ich fest, dass die Sequenz in dem Vampirbuch genau den selben Wortlaut hat, wie beim Lovecraft. Seltsam. Gedanken sind frei, aber Schwarz auf Weiß anscheinend noch freier. Abschreiben war doch schon in der Schule nicht erlaubt. Des bestärkt mich noch mehr in meiner Annahme, dass obszöne Pilzgewächse in der Welt des geschriebenen Wortes ihren Platz bekommen müssen. Ich denke schon den ganzen Nachmittag darüber nach, obwohl ich eigentlich meine Küche aufräumen müsste. Ich dachte es wäre ganz einfach, innerhalb zweier Wochen Urlaub, meine Wohnung auf Vordermann zu bringen und etwas über obszöne Pilzgewächse, das Geschlechtsverhalten von Neandertalern incl. einer Geschichte über ein Pony, über Schnappatmung, nochmal über Schnee und natürlich über verdammt viel Geschlechtsverkehr zu schreiben, aber ich kann ja nicht mal was über obszöne Pilzgewächse schreiben und meine Küche habe ich ja schließlich auch nicht aufgeräumt. Das stimmt eigentlich auch nicht ganz, ich habe meine Küche dreimal versucht aufzuräumen, aber es liegt immer noch jeder Menge Geschirr rum, des eigentlich gespült werden sollte. Es dauert wahrscheinlich nicht mehr lange, dann bilden sich….jaaaaa endlich da sind sie, die obszönen Pilzgewächse. Ich bin kein Messi, ich bin ein Genie. Gut Wahnsinn und Genie liegt ja bekannter Maßen eng beieinander.

Ich bin vorhin im Dunkeln in die Küche geschlichen, damit mich die Arbeit nicht sieht und habe im Kühlschrank mein letztes Red Bull gesucht. Vielleicht verleiht mir Red Bull ja Flügel und mir fällt dann ein preisverdächtiger Text über obszöne Pilzgewächse ein, aber nachdem ich noch nicht mal Licht im Kühlschrank habe, hätte ich beinahe eine offene Dose pasteurisierte Tomaten getrunken. Dann habe ich weitergesucht und ich finde etwas verrunzeltes in meinem Kühlschrank, beulig und kalt und echt ekelig. Ich habe das Gefühl, das dieses Dings, was ich da gerade abtaste bestimmt grün ist. Um Himmels Willen, es sind zwei davon. Und wie ekelig die beiden sind. Ich stolpere weitgehend unfallfrei zurück zum Lichtschalter und stelle fest….nein, es sind keine obszöne Pilzgewächse….mich sehen zwei alte grüne Paprikas traurig und verschrumpelt an. Ich hatte sie gekauft und danach meine Abneigung für Paprikas wieder entdeckt und habe sie dann mit Absicht im Kühlschrank vergessen, bis sie sich heute im Dunkeln als obszöne Pilzgewächse getarnt haben, um sich wieder in mein Leben zu schmuggeln. Ich gehe wieder zum Kühlschrank und schmeiße sie angewidert ins Gemüsefach zurück und da schimmert mich mein letztes Red Bull lächelnd an. Trink mich. Trink mich. Ich knie vor meinem Kühlschrank und nehme das Red Bull in die Arme, reiße es auf und setzte an. Hinter mir höre ich ein huschendes Geräusch und mich fröstelt es. Jetzt bemerke ich erst, dass ich außer meiner weißen „Hello Kitty“-Unterwäsche nichts weiter anhabe. Es ist wie im schlechten Horrorfilm. Ich weis ich darf mich jetzt nicht umdrehen, weil ich ja bestimmt nicht die Quotenjungfrau in diesem Streifen bin, auch wenn ich „Hello Kitty“-Unterwäsche trage und die Bibel neben dem Kopfkissen liegen habe. Das Böse weiss, dass unter der Bibel, sich die Abenteuer von Josefine Mutzenbacher verstecken. Die Bibel stürzt in diesem Moment vom Bücherstapel, genau auf die DVD-Fernbedienung und der DVD-Player startet mit einem lauten Stöhnen. Wie kommt den nur der Porno in den DVD-Player, so was aber auch.

Durch diese Ablenkung vom Wesentlichen abgelenkt, drehe ich mich doch um und starre entsetzt auf die Verlängerung meines roten Ingo, der unterm Fenster steht. Das Bild scheint während meines Entsetztensschreies immer zu auf mich zu und wieder weg zu springen. Auf dem Ingo sitzt ein kleines verlassenen Kaseschinkenbrot, in einem Pelzmantel gekleidet und es sagt mit einer niedlichen Stimme: „Mama?“ Das Red Bull fällt mir aus der Hand und grüne Flüssigkeit fließt über den Boden. Der typische Geruch von Gummibärchen erströmt sich von Boden aus durch die ganze Küche. Ich zwinkere in der Hoffnung dieses in obszöne Pilzgewächse gehüllte Käseschinkenbrot würde einfach durch mein Zwinkern verschwinden. Aber nein, es sitzt noch da, aber es redet eigentlich gar nicht. Es kann ja nur ein Traum sein, Red Bull ist auf keinen Fall grün. Ich gehe vorsichtig näher und es stellt sich heraus, dass meine Fantasie mir wohl einen Streich gespielt hat. Da stehen nur meine Kräutertöpfchen, mit den mittlerweile vertrockneten Überresten, meiner mittlerweile auch echt antiken historischen Kräutersammlung. Und ich habe mein Red Bull immer noch in der Hand…

Die zweite Tür

Die zweite Tür

Ich komme viel zu früh und völlig unausgeschlafen ins Büro und mache mein zweites Türchen meines gewerkschaftlich gelieferten Adventskalenders auf, noch bevor ich überhaupt abgelegt habe. Ich kneife die Augen zu, nur für den Fall das meine Fantasie mir wieder einen Streich spielt. Aus dem Türchen springt ein hellgrüner Frosch und grinst mich geil und schleimig an. Er macht eine unmerkliche Kopfbewegung nach oben. Meine Augen schnellen nach oben. Ach, nee. Wer hat da einen Mistelzweig in mein Büro gehängt? Und dann auch noch direkt über den Adventskalender. Der Frosch sitzt immer noch da und sabbert vor sich hin. Himmel, was hab ich eigentlich verbrochen, des ist doch nicht dein ernst! Blödes Universum! Okay, ich wollte einen Traumprinzen. Ja, aber das Drumherum habe ich mir etwas anders vorgestellt. Aber da muss ich jetzt wohl durch, wenn ich anders nicht zu meinen Traumprinzen komme, muss ich wohl nen Frosch küssen. Ich mache die Augen zu, stelle mir jemanden nicht ganz so schleimigen vor und spitze die Lippen. Ich muss meinen Würgereiz unterdrücken. Mir schießen die Tränen aus den Augen. Ich küsse den ekeligen Frosch. Es macht zawusch. Mich haut’s rückwärts um und als ich auf schaue, steht Josh Hartnett vor mir. Er hat eine blutverschmierte Axt in seinen blutverschmierten Händen. Danke liebes Universum, ich habe es ja kaum zu hoffen gewagt, dass ich eine so geile Drecksau kriege und dann hat er noch eine Axt dabei. Besser kann es ja nicht laufen. Gut, er hat keine übersichtliche Frisur und er ist wahrscheinlich auch nicht so wirklich tätowiert. Aber er ist ein gut aussehender und begabter Künstler mit einer Axt. Da kann Frau schon mal ein oder zwei Augen zudrücken. Er schaut mich ein bisschen irre an. Das hätte Jack Nicholson oder Klaus Kinski wahrscheinlich auch. Hm. Was macht er jetzt da. Er holt mit der Axt aus und schreit mich an. Der denkt doch nicht, ich wäre so ein Vampirmonster, oder etwa doch. ‚Scheiße!‘ Ich halte die Hände vors Gesicht und rutsche auf meinem Hintern rücklings durchs Büro.

‚Frau Rösner, warum sitzen Sie auf dem Boden?‘ meint mein Chef und schaut mich ungläubig an. Er guckt so, als hätte ich Dreck auf der Nase. Soll ich ihm von meinem irren Axtmörder-Traumprinzen erzählen. Ich gucke in meine Hände. Alles schokoladenverschmiert. Eine leise Stimme sagt mir, dass ich nicht nur Dreck auf der Nase habe.

Faröhliches erstes Türchen

Faröhliches erstes Türchen

Ich öffne mein erstes Türchen meines gewerkschaftlich gelieferten Adventskalenders und was sehen da meine entzündeten Augen in dem Plastikgefängnis sitzen. Ein kleiner Osterhase. Hoppla, was geht da ab? Er schüttelt sich und springt mit seinem Sack aus dem Adventskalender. Seine Ostereier verteilen sich über den Tisch. Ich schüttle den Kopf. Er murmelt unverständliche Hasstiraden gegen Weihnachten, hoppelt davon und zeigt mir noch den Mittelfinger, bevor er verschwindet. Ich schüttele ein weiteres Mal meinen Kopf. Als ich wieder auf den Kalender blicke, merke ich dass sich in meiner Hand etwas echt komisch an fühlt. Ich gucke entsetzt auf meine Hand und da schmilzt ein Schokoladenstückchen vor sich hin. Man kann nicht mehr erkennen, ob es tatsächlich ein Osterhase war. Ich lecke die Schokolade von meiner Hand und in dem Moment kommt mein Chef in mein Büro. Ob ich ihm von dem Osterhasen erzählen soll? Nein, er könnte mich ja für völlig verrückt halten.

Wo ist der Stau geblieben?

Wo ist der Stau geblieben? Oder der Angriff der omniintelligenten Killerpollen…

Nachdem gestern alle Menschen, denen ich begegnet bin, wie aufgeschreckte Hühner, den morgigen Tag schon schlechter geredet haben, als er der Wahrscheinlichkeit nach werden würde, hab ich mich dann bis in die Abendstunden völlig von dieser ‚Morgen bricht die Welt zusammen‘-Hysterie anstecken lassen. Ich war dann quasi auch ein aufgeschrecktes Huhn und hab dann natürlich auch alle mit der ‚Morgen bricht die Welt zusammen‘-Hysterie angesteckt. Diese Hysterie ging wie eine ansteckende Lauffeuerkrankheit durch die ganze Stadt und jeder war irgendwie infiziert. Da waren sie wieder die omniintelligenten Killerpollen. Ich hab mir ernsthaft Gedanken gemacht, die Nacht in meinem vor der Arbeit parkenden Auto zu verbringen.
Ich bin dann aber doch nach hause gefahren, mit dem festen Entschluss, heute alles ganz ruhig angehen zu lassen. Ich habe mir keinen Wecker gestellt. Um 09.00 Uhr bin ich völlig entspannt erwacht, hab mich nochmal umgedreht. Irgendwann bin ich ins Bad und hab den Radio angemacht und die Verkehrsmeldung besagte: ‚München? Stau? Überall alles dicht!‘
Dann legte ich mich erstmal mit Fichtennadelbadezusatz zur völligen Entspannung in die Wanne. Ich habe in aller Seelenruhe meinen Kopf rasiert und meine (Rest)Haare gewaschen und mir echt Zeit gelassen. Hab mich ganz langsam angezogen und für die Arbeit fertig gemacht.
Um 10.50 Uhr verließ ich das Haus und um 10.55 verließ ich mein Wohngebiet. Alle Straßen waren völlig ausgestorben. Kein Mensch war zu sehen. Vereinzelt kamen mir völlig entspannte Autofahrer in ihren Autos entgegen. Völlig entspannte Fußgänger mit ihren völlig entspannten Dackeln gingen spazieren. Es war so, als wäre nichts passiert. Als würde niemand streiken. Es war so als wäre Neujahr, nur ohne Schmutz auf den Straßen. Im Radio läuft wieder die Meldung: ‚München? Stau? Überall alles dicht!‘ Ich zweifle an meinem Verstand und suche noch verzweifelter nach dem Haken. Selbst als in die große Stadt hinein fuhr, konnte ich kein bisschen Chaos erkennen. Es war sogar viel zu ruhig auf den Straßen. Es war fast so, wie beim Endspiel der Weltmeisterschaft, da war ich auch mit dem Auto unterwegs und außer mir niemand. Mein Hirn spielt mir bestimmt einen Streich und ich bin im Stau des Jahrhunderts eingeschlafen und habe bestimmt wieder einen diesen Endzeitalpträume. Bestimmt klopft gleich ein Alien in Polizeiuniform aus senffarbenen Latex an meinem Autofenster und bietet mir mein lang verschwundenes angebissenes Käseschinkentoast an. Ich haue mir zu Sicherheit erst auf die Hand und dann auf die rechte Backe. Dann halte ich auch noch die Linke hin. Scheiße ich werde mein angebissenes Käseschinkentoast wohl nie wieder sehen und es ist immer noch kein Verkehrschaos in Sicht. Ich glaube der Stau streikt auch. Die Bushaltestellen sind leer. Und da fährt sogar ein Bus. Hm. Die Verdi wird doch nicht nachgegeben haben. Ein Wunder ist geschehen. Nein das kann nicht sein, nicht die Verdi. Die omniintelligenten Killerpollen sind bestimmt schon in mein Gehirn eingedrungen und malen mir Trugbilder auf die Augen. Ich fahr auf den Zubringer auf den Mittleren Ring durchs Olympia Zentrum und es ist einfach kein Auto da. Unglaublich. Auf dem Ring ist normaler Verkehr. Auf der Donnersberger Brücke ist so gut wie nichts los. Die einzige kleine Verkehrsbehinderung ist ein Schulbus vor mir, als ich in das Wohnviertel im Westend einfuhr. Um 11.10 Uhr war ich an der Stempel Uhr.
Soviel zum Thema ‚Morgen bricht die Welt zusammen‘-Hysterie. Am besten ist es doch wirklich sich einfach von allen am Arsch lecken zu lassen und sich einfach mal nicht stressen zu lassen. Einfach alles so machen wie immer und sich mal Zeit für sich nehmen. Dem Volksmund mit der eigenen Hysterie eine aufs Maul hauen. Dann hat ‚Murphys Law‘ keine Chance einen fertig zu machen.

Nachtrag: Ich bin heute nach der Arbeit noch in der Stadt unterwegs gewesen. Vom Westend in den Norden und dann nach hause und ich bin erschreckender Weise heute den ganzen Tag nicht einmal im Stau gestanden. Unglaublich.

Aus gegebenen Anlass einfach mal die Schnauze halten.

Aus gegebenen Anlass einfach mal die Schnauze halten.

Aus gegebenen Anlass, wie ich das hasse, wenn mein Chef eine Bereichsbesprechung mit diesen Worten beginnt. Er sagt das immer, wenn einer von uns etwas ausgefressen hat, oder wenn gar jemand verpetzt wurde, etwas ausgefressen zu haben. Meistens bin ich dran beteiligt, auf die einen oder anderen Weise. Obwohl die für mich bestimmten Anschisse mit der Zeit auch immer weniger werden. Ich komme mir meistens vor, wie bei CSI Berufsgenossenschaft, wenn wir (meistens ich) was echt wichtiges herausgefunden haben, dann ist ein Anschiss schon okay, aber angesprochen fühlt man sich irgendwie immer, wenn er diesen Satz sagt. Und ein schlechtes Gewissen hab ich eigentlich auch immer, auch wenn ich mal keinen verpetzt habe und/ oder ausnahmsweise mal nicht an allem Schuld bin. Nicht das ich eine Petze bin, aber wenn etwas schief läuft, dann muss man auch mal zum Chef gehen und was sagen und zwar bevor das Kind in den Brunnen fällt, weil ausbaden muss es eh meistens ich, also mach ich es lieber, bevor die Kacke am dampfen ist. Manchmal komme ich mir wirklich vor wie bei der Feuerwehr, wegen dem ständigen Eisen aus dem Feuer holen und so.

Aber ich bin schon wieder völlig am Abschweifen, was vielleicht auch ganz gut so ist, weil ich vorhin so grantig war und jetzt hab ich mich schon ein bisschen beruhigt. Dann kann ich hoffentlich, dass folgende etwas Objektiver schildern.

Also ich bin heute mit Olga bei den Schaumschlägern gewesen, um meinen Tag mit ein wenig Kunst am Wort ausklingen zu lassen, in der staden Zeit. Ein bisschen krank bin ich eh grad und völlig fertig sitze ich also mal wieder in der ersten Reihe und lausche den Künstlern. Ich nehme jedes Wort auf, was ihnen von den Lippen fliegt, es ist wiedermal sehr geistreich und schön, hätte beinahe mal wieder fast geweint, weil es grad a so schön war.

So und vor der Pause kommen 3 Damen, wohl Bekannte von einem Künstler. Die Damen sind schon leicht angedüdelt und werden in der Pause auf die Plätze hinter uns gesetzt. Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht, obwohl ich es schon echt nervig fand, dass die zuspät gekommen sind und dabei waren wir heute auch schon ganz schön spät.

Eine vor den Damen hatte ein echt lautes Organ. Eigentlich sollte ich ganz ruhig sein, weil ich auch ein echt lautes Organ habe. Dann ging die Vorstellung weiter und hinter mir war immer noch eine leichte Unruhe. Die Künstler waren brillant, geistreich und sau gut drauf, es sind ja alles alte Hasen gewesen. Und die Dame hinter meinem Ohr gab zu jedem Satz der Künstler ihren geistig minderbemittelten Senf dazu.

Gut, ich sag auch oft was, auch laut, wenn mir von der Bühne so zusagen der Ball zugeworfen wird. Und ich bin auch oft laut und schreie immer öfter viel Beifall und bin ein Groupie und führ mich bestimmt auch noch öfter auf, (Aber ich halte auch oft genug die Schnauze, weil ich immer der Meinung bin, dass die Künstler ihre Ruhe haben wollen, wenn sie ihre Performance machen!) aber ich hoffe inständig ich bin wenigstens ab und zu ein bisschen geistreich und lustig. Und nicht so peinlich wie die Dame da hinter mir. Ich finde es schon nicht mehr lustig und ich verstehe schon kaum mehr einen Satz der Künstler, weil die Alte da hinter mir die Schnauze nicht halten kann. Des was die Frau als verstümmelte Wortfetzen aus dem Mund quellen lässt, hat echt keinerlei Unterhaltungswert und ich bin schon sichtlich genervt. Wie gut, dass ich meine Olga, den Ruhepol dabei habe, die mich hoffentlich vor dem bevorstehenden Amoklaufen zurückhält. Ein Künstler macht sich schon Notizen und ich bete inständig bis inbrünstig dafür, dass dieser Abend demnächst noch in einer anderen Geschichte (vielleicht etwas geistreicher als ich es gerade hier tue) den Weg in die Öffentlichkeit findet.

Eigentlich hätte ich mich umdrehen sollen und zu der Frau sagen sollen: „Das eine Frau in ihrem Alter sich von mir Jungspund eigentlich nicht sagen lassen müsste, dass man bei einer Leseshow während der Lesung eigentlich die Schnauze zu halten hat!“

Gut das ich mich nicht umgedreht habe, weil mir so ein Satz in der Hektik bestimmt nicht eingefallen wäre und ich wahrscheinlich ernsthaft aggressiv und unfreundlich rübergekommen wäre.

Also habe ich dann doch die Schnauze gehalten, weil ich wollte ja die Vorstellung nicht stören.

So, jetzt frage ich mich, warum immer ich (die vor denen euch eure Eltern immer gewarnt haben) das Gefühl habe den Moralapostel spielen zu müssen, wenn es noch nicht mal Damen wissen, wie man sich aufzuführen haben, die wahrscheinlich unter der ganzen Schminke meine Mutter hätte sein können.

Die Gesellschaft ist es, die uns alle in solche Formen pressen will, aber wenn dann diese Form nur unter Alkoholeinfluss zu ertragen ist, dann bleibe ich doch lieber außerhalb der Norm und nüchtern und halte ab und zu mal meine Schnauze.

Das letzte Date – Drama in 3 Akten

Das letzte Date – Drama in 3 Akten

Frau läuft nackt, aber mit einer perfekten Frisur, vom Bad ins Schlafzimmer und reißt wahllos, so scheint es, Klamotten aus dem Schrank und zieht ein Shirt nach dem anderen an und wieder aus. Dann läuft sie wieder ins Bad um Klamotten auf der Heizung zu wenden. Dann schnappt sie sich einen Föhn und föhnt eine Hose trocken, die sie jetzt anscheinend anziehen will. Dabei kuckt sie in den Spiegel und sieht ein Haar ihrer Augenbraue, des da wohl nicht hingehört und zückt kurzerhand einen Nassrasierer und schneidet bei dem Versuch, dass eine Haar zu erwischen, aufgrund einer eintreffender SMS, die halbe Augenbraue weg. So eine Scheiße. Sie ist den Tränen nahe. Der Föhn ist wegen Überhitzung auch ausgegangen und riecht unangenehm nach verbrannten Plastik. Sie rennt hysterisch wieder ins Schlafzimmer um wieder nach dem perfekten Outfit zu suchen. Dann fällt ihr ein, dass sie ja gerade eine SMS bekommen hat und geht ins Wohnzimmer, um nach ihrem Handy zu suchen. Sie wühlt in ihrer Handtasche und findet anscheinend alles andere, nur nicht ihr Handy. Dann tutet es noch mal und sie lauscht auf wie ein Jagdhund auf der Pirsch. Schnüffelnd geht sie ins Bad, da kam auch das Geräusch her und ein komischer Geruch. Der Föhn läuft wieder. Die Hose ist auch trocken. Der verschmorte Geruch ist nicht zu orten. Sie schnüffelt an der Hose und sucht nach ihrem Handy und nach dem Gestank. Es ist der BH, der jetzt auch schon durch ist. Sie schnuppert dann auch am BH, rümpft die Nase. Aber nach dem dies ihr einziger Ausgeh-BH ist, muss sie ihn anziehen, auch wenn er stinkt. Sie schnappt sich ein Deospray aus dem Schrank und sprüht den BH großzügig ein. Dann zieht sie ihn an. Gänsehaut umzieht ihre Schultern, ihren Rücken und ihre Brüste. Ihre Nippel stellen sich auf. Ganz schön kalt. Scheiß Deo! Sie schnappt sich den durchsichtigen Stringtanga von der Heizung und zieht ihn an. Der ist ganz schön heiß. Aua! Sie dreht die Heizung ab und geht wieder ins Schlafzimmer. Das perfekte Outfit?! Wenig später kommt sie mit einem Shirt in der Hand und wieder ins Bad. Da macht sich nochmal die SMS bemerkbar. Das Handy liegt zwischen zwei Handtuchstapel gerutscht auf der Waschemaschine. Sie klappt es auf und schaut auf den Display. ‚Bis um 20 Uhr dann. Freu mich.‘ Dann klappt sie das Handy wieder zu und steckt es in den BH. Wenig später zieht sie es wieder heraus, weil sie vorhin die Uhrzeit nicht beachtet hatte, klappt es wieder auf und schaut nochmals aufs Display. Oh, sie muss sich jetzt aber ganz schön beeilen, wenn sie noch halbwegs pünktlich hinkommen will. Sie hängt das Handy an den Stringtanga und zieht das Shirt an. Etwas aufreizendes, aber doch relativ hochgeschlossen, für meine Verhältnisse, denkt sie. Auf dem Weg ins Wohnzimmer schaut sie wehleidig auf den Stapel mit ihren Korsetts. Nicht gleich beim ersten Date, denkt sie weiter. Genau deswegen hat sie sich keine Kondome in die Handtasche gesteckt. Und sie wird auch aus dem Grund kein Korsett anziehen. Des bringt Mann nur dazu den ganzen Abend mit ihren Brüsten zu sprechen und endet dann höchstwahrscheinlich in seinem Bett. Und das wollen wir doch nicht beim ersten Date. Oder doch, dann muss sie aber auch Kondome einstecken. ‚Und warum ist keiner da, der mir auf die Finger klopft.‘ Sie nimmt pinkgeringelte Strümpfe von der Wäscheleine und zieht sie hüpfend an. Das Handy fällt auf den Boden. Sie hebt es auf und steckt es wieder in den BH. Sie zieht die Strümpfe bis über die Knie. Dann schaut sie wieder auf die Korsetts. Dann haut sie sich auf die Finger. Böses Mädchen, bloß keine versauten Gedanken! Aus dem Grund ist Selbstbefriedigung von dem ersten Date auch für eine Frau sehr wichtig. Dann alles viel entspannter. Aber dazu ist sie nicht gekommen. Sie schaut auf das Display des Videorekorders. Es wird höchste Zeit. Sie rennt ins Bad und zieht die Hose an. Auf dem Weg ins Wohnzimmer zieht sie den Gürtel durch die Schlaufen und geht zielstrebig auf ihre Handtasche zu und zieht einen Deoroller hervor. Sie schiebt den Deoroller unters Shirt und macht einige komische Bewegungen. Dann steckt sie das Deo wieder in die Handtasche. Sie spielt an ihrem Hundehalsband herum und entschließt sich es an der Handtasche zu lassen, da wo es immer hängt, wenn sie es nicht anhat. Sie wirft nochmal einen Blick in die Handtasche, nickt und geht in den Gang. Die Schuhe, die sie jetzt wählt, sind definitiv nicht zum Laufen gemacht worden. Die Pfennigabsätze sind an die 10cm lang. Die Schuhe sind nur fürs Sitzen entworfen worden, vielleicht noch zum Liegen, sie haut sich wieder auf die Finger. Sie zieht sie an und strauchelt einwenig, als sie wieder auf beiden Beinen steht. Diese Schuhe sind definitiv nicht zum Laufen da, aber sie sind einfach geil. Dann zieht sie ihre Designerjacke Marke Eigenbau über. Sie sperrt ihre Haustüre auf und schaut nochmal auf den Wandspiegel um ihr Gesamtbild zu überprüfen. Nein, was ist das? Ein Pickel? Nein! Mitten auf der Nase. Wie kommt der denn da hin? Aus der Pubertät ist sie doch schon lange raus! Oder? Was nun? Ausdrücken? Nein, dann sieht es nur noch schlimmer aus. Sie kratzt aber dann doch dran rum, kurz und schmerzlos wird der Pickel mit einem gezielten Kratzer geköpft und gut ist! Ohne einen weiteren Blick in den Spiegel ist sie wieder den Tränen nahe und verlässt dann aber zügig die Wohnung. Sie überlegt noch kurz doch Kondome mitzunehmen, sicherheitshalber. Sie schließt aber doch die Türe und sperrt von außer ab. Sie will einmal was richtig machen. Sie tippelt die Treppen runter und denkt panisch dran, was passieren würde, wenn sie jetzt die Treppe runter fallen würde und sich dabei der Inhalt ihrer Handtasche dann über das ganze Treppenhaus verteilt. Das würde ihre Hausbesorger auf den Plan rufen, die dann über den, aus der Handtasche gepurzelten, Stringtanga stolpern würden. Für alle Fälle hat sie eine Reisezahnbürste und den Wechseltanga dabei. Frau kann ja nie wissen, was passiert. Aber keine Kondome dabei haben, weil sie ja alles richtig machen will. Sie ist dann doch unbeschadet bis zum Auto gekommen und fährt los. Während der Fahrt kramt sie in der Handtasche. An der nächsten Ampel schüttet sie den ganzen Inhalt auf den Beifahrersitz. Sie klappt die Sonnenblende runter, ein Spiegel kommt zum Vorschein. Ein Frauenauto eben. Am Beifahrersitz ist nämlich kein Spiegel in der Sonnenblende. Der Pickel ist jetzt nur noch ein angetrockneter Schorf. Sie kratzt noch einmal drüber und wie durch ein Wunder ist der Pickel nun kaum mehr zu sehen. Ein Stoßgebet ans Universum schickend, zieht sie eine Nagelfeile aus dem Verhau am Beifahrersitz. Und macht sich die Fingernägel sauber und feilt ein bisschen, bis sie an der Ortsgrenze an der ersten Ampel stehen bleibt. Sie zieht sich schnell mit einem aus dem Verhau geborgenen Kajal einen Unterlidstrich. Dann wird es grün. Sie fährt weiter mit einem halbgeschminkten Auge. An der nächsten Ampel kommt das zweite Auge dran. An der Dritten der Feinschliff. Unterwegs zu vierten Ampel sucht sie nach einem anderen Kajal für den Oberlidstrich und nach dem Lidschatten. Die vierte Ampel ist grün, so ein Scheiß. Es geht jetzt Überland und es sind am Samstag Abend nur Sonntagsfahrer unterwegs. War ja klar. Sie entschließt sich während des hinter Sonntagsfahrern hinterherschleichen die Nägel zu lackieren. Und des ist ein Kunst für sich, während der Fahrt sich die Nägel klarlacken, ohne einen Unfall zu bauen und ohne von der Polizei angehalten zu werden. In der großen Stadt angekommen, mit perfekten Nägeln, die noch an der Lüftung etwas trocknen müssen. An der ersten Ampel ist nun das Oberlid dran. Der Kajal ist abgebrochen. So ein Mist. Sie fischt einen Kajalspitzer von der Ablage vorm Beifahrersitz und spitzt den Kajal an. Der Dreck wird in den Fußraum des Beifahrers gebröselt. (Da wo der ganze andere Müll vor sich hin lebt!) Die nächsten Ampeln sind rot und die Schminke ist fast perfekt. Jetzt geht es an die Augenbrauenrestaurierung. Im Halbdunkel würde es kaum auffallen, wenn Mann nicht weiß, dass die eine Augenbraue nur halb anwesend ist. Hoffentlich ist in der Bar kein grelles Licht, des wäre ihr Todesurteil. Sie versucht sich zu beruhigen. Wir treffen uns ja schließlich nicht im Schlachthaus, oder? An der nächsten roten Ampel werden die Wimpern sexy aufgetuscht. Neben ihr hält ein Wagen und der Fahrer starrt ungläubig zu ihr herüber. Beide verpennen das Grün und werden kollektiv abgehupt. Vor Schreck kommt sie mit der Wimperntusche an ihr Haupthaar. So ein Mist, jetzt hat sie auch noch eine schwarze Strähne. Den restlichen Weg beschäftigt sie sich mit ihren Lippen und mit dem Gesamtbild. Endlich angekommen und gleich einen Parkplatz gefunden. Ein Wunder. Das ist ein gutes Omen. Das Date muss perfekt werden, da ist sie sich ganz sicher. Der Mister Right wartet sicher schon in der Bar nur auf sie und kann es bestimmt kaum erwarten ihr spontan einen Antrag zu machen.

Der zweite Akt des letzten Date(s)

Wenig später betritt Frau die besagte Bar. Er ist nicht da. Sie fragt den eigentlich schnuckeligen Barkeeper, ob jemand einen Tisch für Zwei vorbestellt hätte, auf seinen oder ihren Namen? Der Barkeeper verneinte und verwies sie an die Bar. Er schaute auf die Uhr. Es wäre ja erst acht, meinte er noch. Frau sitzt nun gelangweilt an der Bar rum. Den Kopf in die Hand gestützt betrachtet sie sich verträumt an der Spiegelverkleidung hinter der Bar. Zwischen einer Flasche Glen Grant und einer Flasche Tullamore Dew war so viel Platz, dass sie ihre Frisur und ihre Schminke überprüfen konnte. Der Barkeeper stellte sich mit einem ‚Bestell was‘-Blick vor ihr Spiegelbild. ‚Ich nehm ein kleines Wasser!‘ sagte sie kleinlaut, in der Hoffnung er würde ihr Spiegelbild wieder freimachen. Mit wenigen Handgriffen und einem enttäuschten Blick, war ein kleines Wasser mit Eis und Zitronenscheibe vor ihrer Nase und der Barkeeper immer noch im Weg. Er musterte sie. Sie kramte in ihrer Handtasche nach ihrem Handy. Nichts. Sie kramt weiter. Immer noch nichts. Sie kratzt sich am Kopf. Dabei kam sie an ihren Busen und bemerkte, dass ihr Handy ja immer noch im BH steckte. Sie wühlte in ihrem Ausschnitt und zog mit zwei Fingern das Handy zum Vorschein. Der Barkeeper schaute ihr fasziniert dabei zu. In dem Moment als das Handy wieder ans nächtliche Tageslicht kommt, vibriert es und rutscht ihr aus den Fingern. Mit einem Platsch fällt es ins kleine Wasser. So schnell konnte sie gar nicht kucken, da rettete der Barkeeper ihr Handy, indem er das Glas schnappte und über sein Schwammtuch kippte. Das Handy schlitterte heraus und er nahm es mit einem Handtuch und trocknete es behutsam ab. Mit einer eleganten Handbewegung reichte er das Handy über die Theke und öffnete es, als wäre es die Weinkarte. Eine SMS blinkte vor sich hin. Das Handy hatte anscheinend keinen Schaden davon getragen. Er war es. Bestimmt. Sie nahm das Handy an sich und schaute die SMS an. ‚Hab nen Einsatz, komme später!‘ Ihre Miene versteinerte sich. Toll, jetzt sitzt sie da wie bestellt und nicht abgeholt. Ein weiteres kleines Wasser wurde vor sie hingestellt. ‚Ist es kaputt?‘ Sie schüttelte den Kopf und tippte eine Antwort. ‚Bin schon da und warte auf dich!‘ Dann tippte sie wieder zurück zu der SMS von ihm. Er hatte sie schon vor einer halben Stunde geschickt. Komisch. In ihrem BH gibt es wohl kein Netz. Sie klappt das Handy wieder zu und legt es mit einem Sicherheitsabstand neben ihr Glas und trank. Kaltes klares Wasser. Sie kratzte sich wieder am Kopf. Der Barkeeper schaute sie immer noch an. Sie seufzt. Jetzt schaute er sie mitleidig an und stellte ihr einen Glen Grant hin. ‚Der geht aufs Haus!‘ und das ‚der‘ betonte er so, als ob dies nicht der Letzte werden würde. Dann vibrierte das Handy wieder. Sie schnappte es und klappte es mit einer geschickten Bewegung mit einem Daumen auf. Er. ‚Steck mitten in ner Ringfahndung. Dauert noch.‘ Ohne zu antworten klappte sie es wieder zu und nahm den Whiskey, setzte ihn an und stürzte ihn hinab. Ihr Magen krampfte sich zusammen und dann spürte sie erst, wie es in ihrer Kehle brannte. Sie zog die Luft zwischen die Zähne ein und schaute zum Barkeeper. Er grinste sie an und zückte ein weiteres Glas und den Glen Grant. Sie nickte. Er tauschte die Gläser. ‚Nostromo‘ sagte sie und genoss diesen Whiskey. Mist, warum habe ich mein Strickzeug nicht dabei, dann würde ich mich jetzt nicht aus Langweile besaufen müssen, dachte sie. Sie nippte nochmal an dem Whiskey und jetzt sprudelten viel zu viele Gedanken durch ihren Kopf:

Warum bloß wollte ich alles richtig machen und bin nicht gleich nach dem ersten Zusammentreffen mit dem Arsch ins Bett gestiegen. Weil du es richtig machen wolltest! Ach. Im Bett wart ihr bereits. Ohne Geschlechtsverkehr. Ist ja eigentlich nicht meine Art, aber ich wollte ja alles richtig machen. Und jetzt sitzt ich hier ungefickt und vor lauter perfekte Frisur, perfekte Klamotte und perfektes Date, hab ichs mir vorher nicht selber besorgt und jetzt bin ich rattig ohne Ende und er steckt in einer Ringfahndung. Ein Glugglugg unterbracht ihren inneren Monolog und ein weiterer Whiskey wurde vor sie hingestellt. Der Barkeeper schaute auf die Uhr. Es war schon nach neun. Er schaute sie besorgt an. Sie konnte schier sein Gedanken lesen. Schon nach neun. Und es sprudelte wieder: Normalerweise gehe ich nie vor Mitternacht aus dem Haus und dann vorallem nicht mit so einer biederen Schleckfrisur. Scheiße. Dabei hat er letzten Mittwoch noch zu mir gesagt, dass er früher so in mich verknallt war, aber ich hätte angeblich immer einen Freund gehabt. Fürs Protokoll: Ich hatte in den seltensten Fällen einen Freund. Ich habe früher immer für ihn geschwärmt und dabei war immer meine beste Freundin hinter ihm her und er hatte immer eine Freundin. Hm. Warum hatte des eigentlich damals mit ihr nicht geklappt? Hm. Er ist bestimmt nie gekommen. Haha. Wegen Ringfahndungen!‘ Sie erschrak vor ihrer eigenen Stimme. Sie hatte wohl laut gedacht und wurde in ihrem nicht mehr so ganz so inneren Monolog immer lauter. Ist das peinlich! Wie gut, dass außer ihr und dem Barkeeper keiner in der Bar ist. ‚Er ist n Bulle?‘ kam es von hinter der Theke. Sie nickte und trank wieder. Er schaute wieder auf die Uhr. Schon kurz vor zehn. Sie stürzte den restlichen Whiskey runter. ‚Noch einen!‘ schon leicht lallend.

Sie verspürt ein komisches Jucken. Im BH?! Sie kuckt vorsichtig in den Ausschnitt. Kann aber im Dunkeln nichts erkennen. Sie hätte ein helleres Shirt anziehen sollen.

Sie zieht das Shirt ein bisschen vor, um mehr Licht ins Dunkle zu bringen. Der Barkeeper zündet ein Feuerzeug neben ihrem Ohr an. ‚Hast du da noch was drin versteckt?‘ Sie kuckt ihn entsetzt an. Eigentlich hätte sie sagen sollen, dass ihn das einen Scheißdreck angeht. Aber weil sie schon ein wenig angesäuselt war, wurde sie nur hochrot im Gesicht und zog sie Schultern hoch. ‚Nö!?‘ Er steckte das Feuerzeug wieder ein, irgendwo unter der Schürze, schätzungsweise in die kleine Feuerzeugtasche seiner Jeans. Sie wankte aufs Klo. Auf der Toilette wurde ihr erst richtig bewusst, wie betrunken sie war. Auf der Schüssel sitzend untersuchte sie ihre Brüste. Um Himmels Willen! Sie hat einen Ausschlag auf den Brüsten. Vom Deo? So eine Scheiße! Und er ist Schuld. Am Waschbecken haut sie sich Wasser ins Gesicht und betrachtet ihr Spießerfrisur. Sie kommt kopfschüttelnd aus der Toilette und wurschtelt sich kurzerhand durchs Haupthaar. Jetzt kann man mehr von ihren Haaren oder beziehungsweise deren nichtvorhandenensein erkennen. Wieder an der Bar angekommen, schaut sie sicherheitshalber aufs Handy. Nichts. Aber schon viertel nach zehn! Neben ihrem Wasser stand wieder ein Whiskey. ‚Das ist aber der Letzte!‘ und sie stürzte ihn runter, setzte das Glas wieder ab. Sie starrte ein wenig vor sich hin und spielte an ihrem Wasserglas. Die Hand wieder ins Gesicht gestürzt oder umgekehrt. Die Haare stehen ihr irgendwie wirr vom Kopf weg. Sie schloss die Augen. Eine SMS schreckt sie auf. Sie war wohl kurz eingenickt. Sie nahm ihr Handy, machte es auf und schaute nach der SMS: ‚Bin total fertig. Muss jetzt schlafen.‘ Von dem Gesichtsausdruck, der ihr jetzt übers Gesicht huschte, wird es zum Glück nie ein Bild geben, weil es auch kein Wort für dieses Gefühl geben kann, dass in ihr gerade hoch kocht. Sie schrieb zurück: ‚Wie bitte? Des ist nicht dein Ernst?‘ Um Fassung ringend schaut sie auf und sagt trocken und gefühllos: ‚Zahlen!‘ Der Barkeeper legte ihr die Rechnung auf einem Silbertablett, mit den Worten, die keine Frau (egal in welcher Lebenslage) von einem Mann hören will, hin: ‚Wenn ich nicht schwul wär, würd ich dich mit nach Hause nehmen.‘ Die Rechnung übersiegt ihr Wochenbudget um einiges und dafür hasste sie ihn noch mehr. Er hatte diese Schickimickikneipe ausgesucht und sie dort hinbestellt. Und nachdem diese Bar anscheinend davon lebt, arme versetzte Singlefrauen erst abzufüllen und dann mittellos zu machen, sucht sie schnell das Weite. Vor der Türe versuchte sie ihn anzurufen. Er hatte sein Handy ausgeschaltet. Sie ging zu ihrem Auto. Da wo sie es abgesellt hatte, war es nicht mehr. Haben die Scheißbullen jetzt auch noch mein Auto abgeschleppt. Sie ist eh so betrunken, dass sie auf keinen Fall mehr fahren könnte, selbst wenn ihr Auto noch da wäre, wo sie es abgestellt hatte.

Das ist ja wohl das allerletzte Date!

Sie torkelte Richtung U-Bahn auf ihren Highheels durch die große Stadt. Sie war so aufgewühlt, dass sie an der nächsten U-Bahn-Station vorbeilief und noch bis zur Nächsten laufen würde. Sie irrte durch ein Wohngebiet und als sie wieder einigermaßen klar im Kopf war, fand sie sich vor einem Haus wieder, in dem jemand gewohnt hatte, der ihr zu seinen Lebzeiten sehr nahe gestanden hatte. Jetzt war alles vorbei. Heulend schleppte sie sich weiter. Das Universum hat einfach kein Einsehen heute. Irgendwann kam sie dann bei der nächsten U-Bahn-Station an und versuchte möglichst unauffällig und möglichst schnell nachhause zu kommen. Sie zog sich eine Kurzstrecke, mehr Geld hatte sie nicht mehr. Unauffällig, war sie schon in normaler Verfassung nicht, aber nun liefen ihr die Tränen wie Sturzbäche übers Gesicht. Sie rotzte alle paar Minuten in ihr letztes Taschentuch. Alles hatte sie dabei, nur nicht genug Taschentücher. Sie wechselte zur S-Bahn und musste erstmal 40 Minuten warten, bis ihre nächste Bahn kommen würde. Die Welt ist einfach Scheiße. Ihre S-Bahn kam. Sie setzte sich und nickte ein. Durch ein: ‚Die Fahrkarten! Bitte!!‘ wurde sie unsanft geweckt und mit der Kurzstrecke bekam sie dann schließlich ein 40 Euro Ticket als Strafe. Dafür, dass sie ja bei diesem Date mal alles richtig machen wollte. Jetzt war sie nicht nur sauer und angepisst, sondern stinkwütend. Sie betet inständig ans Universum, dass jetzt eine Gruppe egal welcher Idioten sie blöd anmachen würden. In ihr brodelt es richtig. Nicht nur vor Wut, nein auch der Whiskey brodelte in ihr. Kurz vor dem Aussteigen an ihrem Heimatort kotzte sie noch den Mülleimer voll. Dann wankte sie aus der Bahn. Zumindest hat sie der Bahn noch ein Paar Naturalien dagelassen. Vielleicht muss sie ja deswegen die 40 Euro nicht voll zahlen. Hm. Das sie ja keinen Cent mehr in der Tasche hat, muss sie nun nach Hause laufen, bis zu ihrer Wohnung sind es schlappe 5 km. Nach dem ersten Kilometer, entschloss sie sich entgültig ihre Schuhe auszuziehen und ohne weiter zulaufen. Bei der Hälfte fuhr ein Bus an ihr vorbei. So eine Scheiße, wo kommt der denn her? Sie lief los. Vielleicht erwischt sie den Bus an der nächsten Haltestelle. Vielleicht wartet er ja auf sie? Sie kann gerade noch die Rücklichter des Busses am Ende der Straße erkennen. Dann biegt er ab und ist aus ihren Augen verschwunden. So eine Scheiße. Schlimmer kann es ja wohl nicht mehr kommen. Es zuckt ein Blitz über den Himmel und dann erschrak sie von dem Donner, der gleichzeitig einen Platzregen mit sich brachte. Das Universum kann jetzt mit ihr oder ohne sie untergehen. Jetzt ist alles egal. Ein begossener Pudel ohne Schuhe sitzt am Straßenrand und heult. Schlimmer kann es wirklich nicht mehr werden.

Ein Wagen hält. ‚Hey, du krasse Gotikfrau. Du kommen mit ficken auf Friedhof?‘ sie schaut auf und ihr kommt nur ein: ‚Wie bitte?‚ heraus. ‚Kommst du mit, ficken auf Grabstein!‘

Sie fasst sich ein Herz und entgegnete den Männern in dem Wagen: ‚Euch geht’s ja wohl nimma ganz gut, oder? Von was träumt ihr eigentlich Nachts? Natürlich komme ich mit, mit euch Vollhupen. Auf den Friedhof! Für Geschlechtsverkehr auf einem Grabstein! Alles klar? Und die Erde ist eine Scheibe. Ihr macht mir meinen Tag heute wirklich perfekt. Das hat mir gerade noch gefehlt, dass mir ein paar Gangster Geschlechtsverkehr anbieten. Das muss mein Glückstag sein. Was glaubt ich eigentlich was euch dazu privilegiert, dass ich krasse Gothicfrau mit euch ficken möchte? Geschlechtsverkehr auf einem Grabstein mit euch wollte ich ja auch schon immer mal haben. Das ist ja wirklich der Traum meiner schlaflosen Nächte. Ihr habt euch wohl ein bisschen zu viel Haargel auf die Birne geschmiert. Und jetzt kommt mir bloß net damit, dass ich irgendwelche Vorurteile gegenüber meinen ausländischen Mitbürgern hätte. Nein, ihr hab Vorurteile gegenüber krasser Gothicfrauen. Verpisst euch bloß. Ich krasse Gothicfrau will nämlich allein sein. Allein! Allein! Verdammt noch mal! Gefickt wird hier keiner! Höchstens ihr. Wenn ich euch meine Highheels bis zum Anschlag in den Arsch schiebe. Ja. Auf dem Grabstein. Das hättet ihr wohl nicht gedacht, dass ich dabei den aktiven Part und ihr dabei den passiven Part habt. Wie gut dass ich zufällig einen Umschnalldildo in meiner Handtasche mit mir rum schleppe. Na, hab ihr noch Lust. Ihr könnt euch schon mal frei machen. Lasst es uns gleich hier machen. Auf eurem abgewichsten Schlampenschlepper!‘ Quietschende Reifen unterbrachen ihren Monolog. Die Typen waren einfach weitergefahren. Sie stand auf der Straße, in einer Hand Schuhe schwingend und in der anderen Hand einen echt gefährlichen Deoroller aus Plastik. Es hatte wieder zu Regnen aufgehört. Das war heute wirklich der einzige Moment, der ein bisschen Unterhaltungswert hatte. Der restliche Weg war zwar noch weit, aber nicht mehr ganz so hart, wie es vorher den Anschein hatte.

Am nächsten Morgen wachte sie auf, in ihrem Bett. Allein. Ihre Highheels lagen vor dem Bett auf ihrer Jacke. Neben den Schuhen lag ihr Deoroller. Sie lächelte. Jetzt bemerkte sie, dass sie tierische Kopfschmerzen hatte. Sie versuchte aufzustehen. Ein Blick auf ihre Füße, trieben ihr wieder Tränen in die Augen. Ihre pinkgeringelten Strümpfe waren völlig zerstört. Sie zog sie von ihren dreckigen Füßen. Aua. Sie hatte mehrere ziemlich fiese Blasen an den Füßen. Und die Ballen waren wundgelaufen. Dann zog sie ihr Handy aus der Tasche. Sie schrieb eine bitterböse SMS an ihn. Dann schwor sie sich, nie wieder zu einen Date zu gehen, mit Schuhen, die nur zum Sitzen entworfen wurden.

Ein paar Wochen später, sie hatte das Date schon fast wieder vergessen, traf sie ihn. Er schlenderte mit einer anderen Frau Hand in Hand an ihr vorbei. Sie überlegte ernsthaft einen Polizistenmord zu begehen. Auch wenn sie dann auf der Flucht von seinen Kollegen erschossen werden würde. Nein, das was er eigentlich nicht wert. Sie musste sich ja nicht noch unglücklicher machen als sie eh schon ist. Sie entschied sich dann, es mit einer Beamtenbeleidigung bewenden zu lassen.

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