Die zweite Tür

Die zweite Tür

Ich komme viel zu früh und völlig unausgeschlafen ins Büro und mache mein zweites Türchen meines gewerkschaftlich gelieferten Adventskalenders auf, noch bevor ich überhaupt abgelegt habe. Ich kneife die Augen zu, nur für den Fall das meine Fantasie mir wieder einen Streich spielt. Aus dem Türchen springt ein hellgrüner Frosch und grinst mich geil und schleimig an. Er macht eine unmerkliche Kopfbewegung nach oben. Meine Augen schnellen nach oben. Ach, nee. Wer hat da einen Mistelzweig in mein Büro gehängt? Und dann auch noch direkt über den Adventskalender. Der Frosch sitzt immer noch da und sabbert vor sich hin. Himmel, was hab ich eigentlich verbrochen, des ist doch nicht dein ernst! Blödes Universum! Okay, ich wollte einen Traumprinzen. Ja, aber das Drumherum habe ich mir etwas anders vorgestellt. Aber da muss ich jetzt wohl durch, wenn ich anders nicht zu meinen Traumprinzen komme, muss ich wohl nen Frosch küssen. Ich mache die Augen zu, stelle mir jemanden nicht ganz so schleimigen vor und spitze die Lippen. Ich muss meinen Würgereiz unterdrücken. Mir schießen die Tränen aus den Augen. Ich küsse den ekeligen Frosch. Es macht zawusch. Mich haut’s rückwärts um und als ich auf schaue, steht Josh Hartnett vor mir. Er hat eine blutverschmierte Axt in seinen blutverschmierten Händen. Danke liebes Universum, ich habe es ja kaum zu hoffen gewagt, dass ich eine so geile Drecksau kriege und dann hat er noch eine Axt dabei. Besser kann es ja nicht laufen. Gut, er hat keine übersichtliche Frisur und er ist wahrscheinlich auch nicht so wirklich tätowiert. Aber er ist ein gut aussehender und begabter Künstler mit einer Axt. Da kann Frau schon mal ein oder zwei Augen zudrücken. Er schaut mich ein bisschen irre an. Das hätte Jack Nicholson oder Klaus Kinski wahrscheinlich auch. Hm. Was macht er jetzt da. Er holt mit der Axt aus und schreit mich an. Der denkt doch nicht, ich wäre so ein Vampirmonster, oder etwa doch. ‚Scheiße!‘ Ich halte die Hände vors Gesicht und rutsche auf meinem Hintern rücklings durchs Büro.

‚Frau Rösner, warum sitzen Sie auf dem Boden?‘ meint mein Chef und schaut mich ungläubig an. Er guckt so, als hätte ich Dreck auf der Nase. Soll ich ihm von meinem irren Axtmörder-Traumprinzen erzählen. Ich gucke in meine Hände. Alles schokoladenverschmiert. Eine leise Stimme sagt mir, dass ich nicht nur Dreck auf der Nase habe.

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