10 Fenster für ein Halleluja.

10 Fenster für ein Halleluja.

FensterputzerIch komme erschreckend früh ins Büro und wunder mich schon, dass der Empfangsroboter aus alten Stasibeständen nicht an seinem Platz sitzt. Er wird doch nicht krank sein?! Hm. Hoffentlich ist es nichts Schlimmes. Ich wäre ja wirklich untröstlich, wenn der gute Mann nicht mehr täglich unser aller Leben schwer machen täte. Hm. Vielleicht hat er die Schweinegrippe. Hähä. Des kommt davon, wenn man überall seine Nase rein steckt.

Nach dem Stempeln geh ich beschwingt zum Aufzug und da kommt er mir entgegen geschlurft. Ich schaue ihm nach und in seiner hinteren Hosentasche steckt ein klitzekleines Klemmbrett mit einer Stricherlliste. Ich habs gewusst, ich bin nicht paranoid. Haha. Er war jetzt bestimmt bei der Parteisekretärin und hat seine Stricherlliste abgegeben. Und jetzt kontrolliert er die Duftmarken für die Hunde. Gedankenversunken gehe ich in mein Büro. Meine Pflanzen stehen alle auf dem Boden. Was ist da los. Der Fensterputzer hangelt sich wie Tarzan von Fenster zu Fenster und singt: ‚You’ll be in my heart!‘

Zumindest benutzt er die vorgeschriebene Sicherheitsausrüstung. Und ich muss schon sagen in dem Klettergurt sieht er noch schärfer aus, als sonst. Unser Fensterputzer, der Colalight-Mann unserer Verwaltung und das Objekt der Begierde und der Traum der schlaflosen Nächte der meisten Mitarbeiterinnen hier im Haus. Ich bleibe an der Tür stehen und schaue ihm verzaubert zu, was er da auch immer zu machen pflegt. Die geile Drecksau. Ich stelle mir vor, wie er nur in einem Lendenschurz bekleidet durch mein Büro schwingt. Und die Sicherheitsausrüstung ist eine Liane und die Fensterstreben sind die Dschungelbewaldung. Und ich bin natürlich Jane. Mir läuft der Sabber aus dem rechten Mundwinkel. Er schwingt zu mir rüber und nimmt mich mit auf seine Reise durch den Aktendschungel. Seine starken Arme halten mich ganz fest an seine behaarte Brust gepresst. Sein animalischer Duft lässt mir die Sinne schwinden. Ich bin so weich, wie ein Fensterleder in seinen Händen und ich stelle mir vor, wie er mich in seinem Putzeimer wäscht, (Weil ich unheimlich schmutzig bin!) und mich dann mit seinen starken Armen auswringt…

Wenn er jetzt nur eine Axt dabei hätte, dann könnte ich nicht mehr an mich halten. Er landet mit mir auf einem Baum, lehnt sich und mich nach hinten und küsst mich leidenschaftlich. Ich ziehe ein Bein hoch und erwidere den Kuss. (Himmel, des ist ja, wie in einer Teenie-Komödie!)

‚Frau Rösner, was machen Sie da mit dem Festerputzer?‘ schreit mein Chef völlig entrüstet. Wir schrecken beide von dem Kuss hoch und kommen uns zu Recht erwischt vor. ‚Und wo ist ihre Sicherheitsausrüstung, Frau Rösner! Gehen Sie sofort von dem Fensterbrett runter und lassen sie dem Mann seine Arbeit machen!‘

Himmel, mein Chef hat aber mal ein beschissenes Timing. Der geile Fensterputzer tröllt sich, wie ein geschlagener Hund und lässt mich mit dreckigen Scheiben und schmutzigen Gedanken in meinem Büro zurück. Widerwillig hebe ich meine Pflanzen wieder aufs Fensterbrett, er wird heute wohl nicht mehr kommen. Hm. Ich geh zu meinem gewerkschaftlich gelieferten Adventskalender und mache das 10. Türchen auf. Das Schokoladenplättchen sieht aus, wie ein kleiner Fensterputzer. Ich nehm ihn behutsam in den Mund und lasse ihn langsam auf der Zunge zergehen. Zumindest bin ich die erste hier im Amt, die den Fensterputzer vernascht hat.

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