Klappentext

Klappentext

Halt die Klappe, lies und dann kauf das Scheiß Buch. Das ist die Aussage eines Klappentextes. Da wird der Inhalt des Buches in zwei Sätzen zusammengefasst, für eine Geschichte für die der Autor vielleicht Jahre gebraucht hat, um das in Worte zufassen, was sich in seinem Kopf zusammen gesponnen hat. Oder irgendeine Zeitungskritik, von jemanden, der auch nur eine schlechte Inhaltsangabe gelesen hat, oder Bestenfalls den Klappentext der Erstauflage. Ich mag das Wort Klappentext nicht, es ist ein Typisch deutsches Unwort. So wie alles in Deutschland eine Normbezeichnung hat, hat auch der Klappentext eine Norm bekommen. Und wie ich es hasse in eine Norm gepresst zu werden.
Ich überlege wirklich schon lange, wenn ich mal eine meiner Geschichten soweit bekommen, dass tatsächlich einen Klappentext schreiben muss, dann muss da ja irgendwas stehen. Warum muss da was stehen? Seit Anbeginn der Buchbinderei, werden Einbände von Büchern aus Papier oder Leder gemacht. Damals gab es keinen blöden Klappentext, um die Kauffreudigkeit des Kunden anzuspornen. Damals hat man jedes Buch gelesen, dass man in die Finger bekam, die Auswahl war meist nicht groß. Damals wurden Bücher solange gelesen, bis sie auseinander gefallen sind oder sogar mühsam repariert. Allein die Beschaffenheit des Buches sagte oft schon so viel über das Buch aus. Und seit wann gibt es den Klappentext überhaupt? Seit dem die Menschheit auch den Einband bedrucken kann. Himmel, ich verfluche den Erfindungsreichtum der Menschen, wenn sie uns wenigstens den Klappentext erspart hätte. Ich finde Menschen, die Aufgrund des Lesens eines Klappentextes ein Buch kaufen, echt komisch. Gut ich finde auch Briefmarkensammler komisch. Die finden mich bestimmt auch komisch. (Überlege mir gerade, wie ich aus Versehen in einen Philatelistenkongress rein platze und mich alle pullundertragenden Teilnehmer anstarren, weil sie auch viel lieber auf die Fetischparty gehen würden, auf die ich eigentlich wollte, als ich dir Tür verwechselt hatte….)
‚Wenn sie denken, dass der Inhalt dieses Klappentextes wichtige Entscheidungshilfen für den Kauf dieses Buches enthalten würde, dann haben sie sich geirrt. Der Autor findet Menschen, die sich von Klappentexten beeinflussen lassen, äußerst suspekt. Lesen sie das Buch und machen sie sich selbst ein Bild darüber. Wenn sie unbedingt einen Klappentext brauchen, um ein Buch kaufen zu können, kaufen Sie sich bitte ein Buch von Günther Grass.‘
Mein Klappentext ist vielleicht ein bisschen Kontraproduktiv, aber die Menschen wissen woran sie sind, wenn sie ihn lesen. Wenn sie deswegen mein Buch nicht kaufen, dann kann ich sie insgeheim mit Verachtung strafen, dass sie nicht hinter die Fassade gesehen haben… man weiß nur was drin steht, wenn man das Buch auch aufschlägt.
Ich habe eine Fleißaufgabe für meine ganzen klappentextlesenden Freunde, geht doch mal in ein Buchladen und kauft ein Buch, weil euch der Titel anspricht oder euch ein Gefühl leitet, wenn ihr das Buch in die Hand nehmt. Zu hause könnt ihr den Klappentext lesen und überlegt euch, ob ihr das Buch gekauft hättet, wenn ihr es nur von hinten betrachtet hättet.
Eines weiß ich, ich würde kein Buch kaufen auf dem Klappentext steht. Wobei, wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht warum so viele Menschen ein Buch kaufen, auf dem ‚Feuchtgebiete‘ steht.
Viel Spaß beim Stöbern….
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