Matrix 5 – Reloaded BlackBieberl

Matrix 5 – Reloaded BlackBieberl

chick-48008_640Draußen ist es Dunkel und ich schleiche in die Arbeit. Die Lichter der Stadt strahlen mir entgegen, als ich über die Donnersberger Brücke ziehe. Es sind kaum Menschen unterwegs. Nur vereinzelnd stehen Arbeitszombies herum und warten auf ein Weiterkommen. Es muss wirklich noch echt früh sein. Ich sehe eine schwarze Katze um eine Ecke verschwinden, als ich am Hauptzollamt vorbei laufe. Ich blicke zurück und sehe die schwarze Katze nochmal um eine Ecke verschwinden. Die Ampel ist grün und ich laufe über die Straße. Jetzt geht es durchs Viertel, das übrigens von Tag zu Tag immer verkommener wird. Nachdem es noch nicht hell ist, krauchen die Ratten noch nicht aus ihren Löchern, um ihren Tag mit einem Bier und einem Chantre zu beginnen. Die herumhartzenden Menschen in diesem Viertel, sind um 10 Uhr schon auf dem ‚richtigen‘ Level, wenn ich an einem normalen Arbeitstag mit einem Auto vorbeifahre. Was ist eigentlich mit meinem Auto, dass muss ja schon ziemlich kaputt sein, wenn ich mal mit der S-Bahn fahre. Hm. Egal. Ich laufe an einem Schnapsladen vorbei und gehe auf das große Haus zu, mit der roten Schüssel auf dem Turm über dem ein roter Ball schwebt. Liebevoll Matschauge genannt, beheimatet es den Hort meiner täglichen Arbeit. (Von mir manchmal liebevoll Gehirnpresse genannt!) Ich gehe durch die Drehtür und durch den Glasdurchgang und muss unwillkürlich an meine Lieblingsgeschichte, geschreiben von H.P. Lovecraft, denken. Ja, die Stelle mit den obszönen Pilzgewächsen. Da gehen die Romanfiguren durch eine schleimige Höhle. Und im Dunkeln mit sehr viel Vorstellungskraft könnte der Glasdurchgang auch obszöne Pilzgewächsen beherbergen, vor allem wenn man das Putzpersonal hier im Haus nur zur Genüge kennt. Wenn es nach den Talenten unserer Putzfirma gehen würde, wären die Pilzgewächse schon groß geworden und hätten ihr eigenes Bewusstsein.

Ich gehe zur Stempeluhr. Der Empfangsroboter aus alten Stasibeständen sitzt nicht an seinem Platz und die Stempeluhr macht ein merkwürdiges Geräusch. So ein Piepsen. Fiep. Fiep. Fiep. Ich fahre mit dem gläsernen Fahrstuhl nach oben und höre immer noch dieses komische Fiepen. In meinem Büro ist alles Dunkel, auch meine Kollegin ist noch nicht da. Hm. Komisch. Mein gewerkschaftlich gelieferter Adventskalender steht auf dem Siteboard und ich höre wieder dieses Fiepen. Ich öffne das fünfte Türchen und ein gelbes Bieberl springt heraus. Es sagt: ‚Follow the white Rabbit!‘ und springt vom Siteboard. Im Flug wechselt das Bieberl mehrmals die Farbe auf schwarz und dann wieder zurück auf gelb. Es scheint irgendwie so, als wäre dieses Bieberl plötzlich zweidimensional, also eine Fläche und es wäre auf einer Seite gelb und auf der Anderen schwarz. Ich habe nicht gemerkt, das mittlerweile ein weiteres Bieberl aus dem Kalender gesprungen war. ‚Follow the white Rabbit!‘ Und noch eins ‚Follow the white Rabbit!‘ und noch eins ‚Follow the white Rabbit!‘. Die Worte lappen übereinander. Ich stolpere nach hinten zu meinem Schreibtisch. Ein Bieberl nach dem anderen springt sprechend aus dem Adventskalender. Ein Meer aus gelben und schwarzen Bieberl überströmen mein Büro. Ich ziehe die Beine hoch und setze mich auf meinen Schreibtisch. Die Bieberl wechseln zwischen schwarz und gelb und zwischen Zwei- und Dreidimensionalität. Surreal ist nur annähernd der Ausdruck, für das was da gerade in meinem Büro abgeht. Das Meer aus bunten Bieberl steigt und steigt. ‚Follow the white Rabbit!‘. Wäre ich am ersten Tag doch nur dem blöden Osterhasen gefolgt und hätte den Adventskalender in die Tonne getreten. Die Bieberl steigen weiter an und ich stehe irgendwann auf meinem Schreibtisch und die Bieberl gehen mir bis zum Hals. So geht die Welt für mich zu Grunde. An einem BlackBieberl erstickt. Eine nicht gerade erquickende Vorstellung. Die Bieberl steigen mir über den Kopf und ich kriege keine Luft mehr. Ich muss wirklich ein schwarzes Bieberl im Mund haben. So eine Scheiße und warum ist keiner im Amt, der mich rettet… man kann sich nicht mal auf seinen Staat verlassen… ich werde wach und ringe nach Luft. Ich liege in meinem Bett. Hustend taste ich nach der Flasche Cola, die neben mir liegt. Ich kriege sie nicht auf. Ich ziehe keuchend die Luft ein, dann huste ich nochmal und bringe einigen Federn hervor, die nun aus meinem Mund fliegen. Sie sind schwarz und gelb. Die Colaflasche geht mit einem Rück auf und verspritzt ihren Inhalt über mich und meine halbe Wohnung. Ich bin nass und klebrig… und erschreckend wach, ohne auch nur einen Schluck von der Cola getrunken zu haben. Überall liegen angesiffte Feder herum. Geld und schwarz. Himmel, heute ist Samstag, da geht doch kein Staatsdiener freiwillig ins Amt. So einen (sur)realen Alptraum hatte ich schon lange nicht mehr.

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