Jakobsweg Zeitreise – Im Vorfeld

Jakobsweg Zeitreise – Im Vorfeld

Das Vorhaben den Jakobsweg zu gehen, das kann ja jeder, machen tun es nur wenige und durchziehen tut es kaum einer, aber in mittelalterlichen Klamotten zu gehen, ist schon ganz schön außergewöhnlich. Und dann noch mit Holzschuhen und mit einer Kraxe auf dem Rücken, des ist wirklich schon ganz schön einzigartig bescheuert. Dann haben wir uns in den Kopf gesetzt von Passau bis Santiago zu laufen. Ein fast wahnwitziges Vorhaben. Ich habe mir gedacht, bevor ich in der Weltgeschichte rum raufe, sollte ich vielleicht erstmal meine Heimat kennenlernen.

Wir reden schon lange davon und planen tun wir auch schon lange, aber endlich soll es soweit sein….vom 30.03.08 bis 04.04.08 waren wir unterwegs….Ein erster Materialtest, eine Woche, wie weit man kommt, mit der Ausrüstung, mit dem eigenen Körper usw.
Wir haben in einer Woche ca. 60 km geschafft und ich habe ca. 80 Tagebuchseiten geschrieben, die ich nun versuche aufzuarbeiten…
Ich hab mir im Vorfeld eigentlich keine großen Gedanken gemacht, warum ich den Jakobsweg eigentlich gehen will. Die Idee an sich war es, die mich davon überzeugt hat, damit anzufangen. Die Suche nach der Authentizität, nach dem Leben wie es früher war… als die Menschen nur das besaßen, was sie tragen konnten und nur so weit laufen konnten, wie ihr Körper es ihnen erlaubte, dem Wetter und der Landschaft hilflos ausgeliefert. Damals kam dann auch noch die heimische Tierwelt hinzu, die durchaus gefährlich sein konnte und die Räuber und Wegelagerer und der Neid und die Mißgunst der anderen Menschen.
Was die Wanderung aus mir machen wird und welche Menschen wir begegnen werden, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Oder ob wir die Menschen verändern, denen wir begegnen, daran wagte ich gar nicht zu denken. Ich war der Meinung, dass wir wahrscheinlich schon in Passau festgenommen werden und unsere Pilgerschaft im Irrenhaus endet. Oder dass wir ausgeraubt, vergewaltigt oder vom LKW überrollt werden. Dann bezweifelte ich, dass meine Holzschuhe halten würden, geschweige denn die Kraxen, meine Knie oder meine Knöchel. Dann dachte ich im Vorfeld an den Muskelkater und dass wir einfach aufgeben würden und aus Bequemlichkeit nicht weitermachen würden. Als es dann zu Ostern auch noch zu schneien anfing, wurde die Angst immer größer, dass wir einfach erfrieren würden und uns keiner findet, weil wir irgendwo authentisch im Wald übernachten wollten.
Die Vorbereitungszeit war wie immer zu kurz. Ich hab längst nicht alles fertig genäht was ich gerne mitgenommen hätte haben wollen, dann wollte ich noch für alles eine Ledertasche machen, damit unterwegs wirklich nichts nass wird. Die Überlegung alles ganz authentisch zu machen, macht mich ganz Wahnsinnig. Hält auch alles was ich da näh? Wir hatten kein Deo und keine Schminke dabei, nur eine Rosmarinkernseife. Einfach verrückt!
Der Plan war am Donnertag vor der Wanderung Volksküche im Vereinsheim, am Freitag Nachmittag auf ein Wikingerspiel der Falkenklinge und am Sonntag sollte uns der Anderl nach Passau fahren, und dann würde es losgehen.
Die Woche vor Ostern war eh schon so turbulent, da ich eh schon so verwirrt war, zum Thema Bine und die Männer hab ich ja schon viel geschrieben. Meine Verwirrung stieg von Tag zu Tag, mir liefen viele Männer über den Weg, alte Freunde, alte Liebhaber, neue Bekannte, was meine Verwirrung nicht wirklich entwirrte. Aber nachdem mein Terminkalender eh schon ziemlich voll war, hab ich alles, also auch die Männer, auf nach der Wanderung verschoben, wo ich sie oder die Männer mich, dann eh vergessen hätten.
Aber was bringt es mir eine alte Liebe wieder aufzuwärmen, um dann erstmal eine Woche pilgern zu gehen. Außerdem hatte ich ja noch so viel zu machen, ich würde ja nie fertig werden, wenn ich mir jetzt noch den Kopf verdrehen lassen würde.
Zu allem Überfluss fing es auch noch an zu schneien, und ich wünsche mir es würde damit aufhören. Ich als Winterkind, bin den ganzen Winter mangels Schnee nicht zu meiner Winterwanderung gekommen. Wünsche mir jetzt, dass es jetzt sofort zu schneien aufhört und umgehend Frühling wird. Versteh das wer will, ich nicht.
Mein Terminplan macht mich auch völlig wahnsinnig, ich muss tatsächlich zugeben, dass ich mir mit der Volksküche und dem Con (LARP-Veranstaltung) am Wochenende zu viel aufgehalst habe und es gab keinen Tag, an dem ich nicht alles hinschmeißen wollte. An einem Tag war ich sogar kurz davor meine Mitbewohnerin rauszuschmeißen, die noch dazu meine Pilgerschwester ist. Wir haben in der Woche vor der Wanderung verdammt viel gestritten. Es war eigentlich auch immer begründet und ich hatte oft recht und gerade deswegen hätte ich vielleicht einfach mal des Maul halten sollen. Aber dann wäre mir ja der Genuss des Streitens entgangen. Das ist auch so eine schlechte Charaktereigenschaft an der ich während meiner Wanderschaft arbeiten muss.

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