Deine Spuren im Sand

Jakobsweg Zeitreise – Deine Spuren im Sand

Ich bin dann aus Erschöpfung eingeschlafen und träumte süß vor mich hin, diesmal nicht von Vergewaltigern, aber von Josefine Mutzenbacher, was für meine beengten Verhältnisse gerade ausreichte…(Breitunddreckiggrins!)….als wir unsanft von einer Horde grölender Bauarbeiter und einem Riesenbagger aufgeweckt wurden. Wir müssen ganz schön blöd aus der Wäsche geschaut haben, aber die Bauarbeiter erst, als wir in unserer Mittelalterwäsche aus der Dackelgarage gekrochen kamen. Erschreckenderweise blieb ich völlig ruhig und erklärte dem Vorarbeiter, was wir hier machen und warum wir so komisch ausschauen. Es muss eine echte Attraktion für die Bauarbeiter gewesen sein, wann überrascht Mann schon mal zwei Frauen in einer Dackelgarage in einem Deckenschlafsack, mit zwei Kraxen vor dem Zelt in den Innauen. Von oben, von der Sanddüne aus, muss das Bild auch eher nach einem olivgrünen Penis mit Vorhautverengung und zwei brauen Eiern ausgesehen haben.
Es ist jetzt übrigens der 01.04.08 ca. 7.00 Uhr und wir packen ganz schnell unsere 7 Sachen und verpissen uns im wahrsten Sinne des Wortes ins Dschungelcamp….Das war die Rache des kleinen Mannes an das System, wenn auch des Dschungelcamp so unauthentisch ist!
Ich hab mich dazu entschieden meine Holzschuhe wieder anzuziehen und die Römersandalen ganz unten in die Kraxe zu packen. Die nächste Etappe war ziemlich ätzend, wie gut dass das Wetter nicht so schön war, sonst hätte es uns nochmal so aufgebrannt, wie gestern.
Ich dachte wieder über die Römer nach, wir liefen ja schließlich schon eine Zeit lang auf dem Römerradweg. Die Sandalen haben sich echt als untragbar erwiesen und ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, wie die Römer des alles so geschafft haben, wie sie es eben geschafft haben.
Seit gestern Abend habe ich die Vermutung, dass unser Trinkschlauch ein Loch hat. In der Früh schien er zwar außen trocken, aber vor lauter Bagger und Bauarbeiter, hab ich auch nicht wirklich geschaut.
Wir kamen bei Mittich auf eine große Kreuzung und haben gelbe Straßenschilder entdeckt: Passau 22 km / München 157km
Es war echt zum Heulen, ich musste wieder an den Biber denken.
In Mittich selber kamen wir an einer toten Ratte vorbei, direkt über den Friedhof zur Kirche, wir füllten unsere Wasserflaschen am Friedhofsgießwasserhahn auf. In der Kirche war, wie war es auch anders zu erwarten, niemand. Wir liefen weiter auf dem Radweg an der Bundesstraße entlang und machten bei einem riesigen Gewerbeparkbauschild Rast und frühstückten erstmal, es war gerade mal 09.30 Uhr. Der Wasserschlauch hatte tatsächlich ein Loch und ich entdeckte mehrere Risse am Fußballen meines linken Holzschuhs. Ich versuchte wieder mit Wachs die Schuhe notdürftig zu kleben. Das kann ja heiter werden.
Ich bin ja gespannt, welches Drum als erstes das Zeitliche segnet. Ich hoffe nicht die Schuhe, weil Römer und so….

Wir hatten ja zwei Rubriken, was mache ich wenn der Anderl uns abholt, mit meinem Auto und was esse ich am Samstag Abend in der Schandgeige.
Wenn ich in meinem Auto sitze und meine Handtasche hoffentlich noch im Auto liegt. Werde ich mir genüsslich die Ohren putzen und die wahrscheinlich ziemlich ekeligen Stäbchen aus dem Fenster schmeißen, mein Deo benützen und meine Haare kämmen, mir meinen Iro zum französischen Zopf flechten und meine Docs anziehen. Nächster halt ist der MC und der
Anderl muss uns zwei Chicken Wraps holen, damit wir nicht zu sehr sündigen. Zuhause dann wird erstmal die Kraxe gewogen, dann ich mit Klamotten, dann Baden mit Fichtennadelbad, nochmal wiegen ohne Klamotten und ohne Dreck, dann müssen wir verdammt viel Wäsche waschen, dann Sofa, Fernseher an und schlafen. Samstag Abend Schandgeige und ich will glaub ich Wildschwein und diese Schokoladenecken, für die ich übrigens genauso morden würde, wie für einen lauwarmen schwarzen Tee mit viel weißen Zucker…
Ich schweife ab, wir liefen also Richtung Ruhstorf a.d. Rott, der Weg wurde immer ätzender, meine Waden brannten und Hannas Füße taten weh und wir hatten schon seit einer Ewigkeit kein Jakobswegschild mehr gesehen. Auch die Hochlandrinder, die wir unterwegs trafen, machten uns den Weg nicht angenehmer. Wir latschten eine Zeit lang an der Rott entlang und kamen dann endlich an ein Jakobswegschild. Der Weg wurde zwar nicht besser, noch schöner, aber die Schilder überhäuften sich schier.

In Ruhstorf angekommen, ging es ewig durch ein Wohngebiet, bis wir endlich zum Rathaus kamen. Wir holten uns einen Stempel und gingen erstmal Einkaufen…

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