Blutspuren im Schnee

Blutspuren im Schnee

Ich war bei den Tieren oben am Unterstand und machte mich auf den beschwerlichen Rückweg. Der Winter war zu früh gekommen, noch bevor wir das Vieh wieder vom Berg herunter treiben konnten. Wir hatten zu lange für die Ernte gebraucht. Es fehlt einfach ein Mann aufm Hof. Und der alte Knecht hat es am Ischias und kann sich kaum bewegen, sobald der kalte Ostwind kommt. Die Kinder arbeiten sich die Finger wund und ich mache die Arbeit, die vorher mein Mann erledigt hat. Ich konnte ihn nicht mal begraben, weil wir seine Leiche nie gefunden haben, als die Lawine ihn mitgenommen hat. Der Berg gibt einen nicht mehr her, wenn er einen mitgenommen hat.

Oben am Berg hab ich die Kühe gemolken, gefüttert und treibe jetzt zumindest ein paar Ziegen hinab zum Hof. Die volle Milchkanne habe ich mir auf den Rücken geschnallt und habe noch zwei kleinere Kannen in jeweils einer Hand. Das Gewicht der Kannen lässt mich noch tiefer in den Schnee einsinken, als beim Aufstieg. Aber zumindest kann ich so kaum ausrutschen. Ich schicke jeden Atemzug ein Stoßgebet in den Himmel.

Die Sonne war schon fast untergegangen. Die Sicht wurde immer schlechter. Die Ziegen liefen voraus, sie kennen den Weg besser als ich. Ich höre ein Knacken hinter mir und drehe mich, soweit es meine Kraxe eben erlaubt. Ich sehe einen riesigen Schatten hinter mir und bekomme es mit der Angst zu tun.

-Dies ist ein gestelltes Fotos!-

Shooting Winter 2009

Ich versuche loszurennen, der Schnee behindert mich aber bei meinem Lauf. Durch meine Panik angesteckt, suchen die Ziegen das Weite. Ich höre jemanden hinter mir durch den Schnee stapfen und ich kann seinen schweren Atem hören. Himmel, das muss einer von den Wilderer sein, die Nachts durch den Wald streifen. Wenn ich sein Gesicht erkenne, bringt er mich um, und das wäre nur das kleinere Übel, mit dem ich zu rechnen hätte. Unter der schweren Last kam ich viel zu langsam voran, aber ich konnte die Milch nicht einfach wegschütten, sonst haben wir nichts zu essen. Im Lauf wagte ich es nochmal meinen Kopf zu drehen. Ich sah einen wilden Hünen mit zottigen Haaren, der hinter mir her rannte. Er hielt eine Axt über den Kopf und schob den Schnee vor sich her, als er auf mich zu hechtete. Er würde mich umbringen. Ich blieb geistesgegenwärtig stehen und suchte mir einen sicheren Stand. Dabei lies ich eine meiner Kannen in den Schnee sinken und nahm den Henkel der anderen Kanne in beide Hände. Wenn er mich jetzt schon umbringen sollte, dann sollte er noch möglichst lange an mich denken. Ich warf die Kanne gegen seinen Arm und die Axt flog im hohen Bogen über meinen Kopf hinweg davon. Im Ducken nahm ich die zweite Kanne in beide Hände und holte aus. Die Milch war bereits gefroren, dass konnte mein einziger Vorteil sein. Mein Schlag saß besser als ich es zu hoffen gewagt hatte. Von der Wucht meines Schlages fiel er nach hinten um. Blut rann dampfend in den Schnee. Zitternd nestelte ich an der Aufhängung meiner Kraxe und rannte los. Als ich die Knoten endlich lösen konnte, warf ich die Kraxe von meinem Rücken. Von dem fehlenden Gewicht auf meinem Rücken kam ich ins Straucheln, stürzte und rutschte bäuchlings den Abhang herab. Meine Hände gruben sich immer tiefer in den Schnee, bis ich endlich zum Stillstand kam. Mein erleichtertes Aufatmen wurde je unterbrochen, als der Mann sich, wie ein Tier, auf mich warf. Sein Gesicht war blutüberströmt. Und er hatte eine lange Blutspur im Schnee hinterlassen, von dem Punkt, wo ich ihn zu Fall gebracht hatte bis zu dem Punkt wo ich zum Stillstand gekommen war. Mein Schlag hatte ihn noch viel rasender gemacht. Er wälzte mich herum und dabei riss er meinen Janker auf.

-Dies ist ein gestelltes Fotos!-

Shooting Winter 2009

Sein Blut tropfte in mein Gesicht und ich konnte seinen stinkenden Atem riechen. Ich würgte von seinem Gestank und versuchte mich unter ihm herauszuwinden. Er hält mich an meinem Röcken fest, die unter seinem Griff zerrissen. Durch meine Bewegungen grub ich mich nur noch mehr in den Schnee ein. Er versuchte mich zurückzuhalten, bekam aber wieder nur meinen Rock zu fassen und riss ihn mir bis zum Bund auf. Er grinste mich dreckig an, als er meine Unterröcke mit Blut besudelte.

Der Schnee unter mir gab nach und ich rutschte mit einer Ladung Schnee nochmal den Abhang hinab. Mit einem lauten Krachen landete ich an einem Baum und der Schnee, der von diesem Baum herunter kam, begrub mich bis zum Hals mit Schnee. Mein Angreifer warf sich mit voller Wucht auf den Schneehaufen, unter dem ich lag. Er packte mein Bein und zog mich mühelos aus dem Schnee. Ich versuchte mich an allem festzuhalten, was ich zu fassen bekam. Es half alles nichts, er war einfach zu kräftig. Er zog mich weiter den Hang hinab und ich lies es bewegungslos zu, bis er am Fuße des Berges an der großen Eiche stehen blieb. Erst jetzt sah ich, dass er seine Axt wieder in der Hand hielt. Er musste sie nach meiner Rutschpartie aufgehoben haben. Für einen Moment lies er mein Bein los, um sich nach mir zu bücken. Ich trat ihm gegen das Knie und versuchte mich aufzurappeln. Er hatte die Axt fallen gelassen und packte mich an beiden Schulter, drehte mir mit einem Ruck beide Arme auf den Rücken und zog mich hoch. Mit voller Wucht schmetterte er mich gegen den Stamm der Eiche und schob mich mit seinem Körper den Stamm hinauf. Meine Arme schrammten an der Rinde entlang. Heißes Blut rann an meinen Armen und Händen hinab. Ich verkniff mir aber jeglichen Schmerzensschrei. So an den Stamm gepinnt konnte ich mich nicht mehr wehren. Ich hing kraftlos am Stamm der Eiche fest und meine Beine baumelten ein ganzes Stück über dem gefrorenen Waldboden. Er riss mir nun auch mein Mieder und mein Hemd auf. Mit einem zufriedenen Grinsen rieb er seine blutverschmiertes Gesicht über meine nackte Brüste. Ein ekelerregendes Stöhnen kam aus seiner Kehle, als er den Kopf hob um mir ins Ohr zu flüstern: ‚Hübsches Täubchen!‘

Ich spuckte ihm ins Gesicht. Er drückte mich mit seiner Brust gegen den Baum, rieb sich dann mit einer Hand meine Spucke aus dem Gesicht und dann nestelte er an seiner Hose herum. Ich versuchte meine letzten Kräfte zu sammeln, um mich von ihm loszukämpfen, wenn er in dem richtigen Moment die Konzentration verlieren würde. Ich schloss die Augen und atmete tief durch und versuchte mich zu entspannen.

Ich spürte einen dumpfen Schlag und riss die Augen auf. ‚Lass die Finger von meiner Mutter, du Bastard!‘ hörte ich meinen Ältesten brüllen, so laut, wie ich es noch nie aus seiner Kehle vernommen hatte. Der Kopf des Wilderers lag auf meiner Brust. Sein Gewicht quetschte mich immer noch gegen den Stamm. Mein Sohn zog an etwas und der Körper des Wilderers fiel einfach nach hinten um. Ich rutschte vom Stamm herunter, bis meine Beine den Boden berührten. Meine Beine gehorchten aber nicht mehr meinem Willen und gaben nach. Ich krachte mit voller Wucht mit dem Hintern auf den Boden und bleib dann reglos an den Stamm gelehnt liegen. Mein Sohn stand immer noch mit der blutverschmierten Axt da und starrte mit einem entsetzten Blick auf das Geschehen.

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  1. Danke an die Hanna für die Bilder vom Shooting. Diese Bilder sind gestellt und es ist niemand dabei zu Schaden gekommen.


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