Der nächste Morgen – ein grauenvoller Tag für Thelocactus Freudenbergeri!

Der nächste Morgen – ein grauenvoller Tag für Thelocactus Freudenbergeri!

Thelocactus freudenbergeri1.jpgDie Nonna weckt mich nach 3 Stunden Schlaf. Sie putzte zu Carmen und sie sang mit, jeden Ton. Ich muss einen Kopf haben, weil ich Schmerzen habe, als hätte ich einen Kopf. Zwischen den Arien flucht Die Nonna über die blöden deutschen Fußballfans und überlegt sich wahrscheinlich, wie sie ein paar tragische Unfälle einfädeln kann. Giovanni kommt irgendwann mit einer neuen Fleischlieferung und als er gerade die Kisten in die Küche trägt, kommt Diego mit einem weinerlichen Ausdruck im Gesicht ins Lokal. Er meint, seine Oma wäre verstorben und er müsse sofort nach Spanien reisen, damit er ihr wenigstens die letzte Ehre erweisen könne. Die Nonna ist weniger begeistert, aber sie gibt ihm die Woche frei und geht zum Telefon. Wenigstens bin ich den Norgerlpantscher für eine Woche los, dann kann ich versuchen in dieser Woche von meiner Alkoholsucht herunterzukommen, die ich dem blöden Diego zu verdanken habe. Die Nonna spricht ins Telefon: ‚Salvatore!‘ Dann schreit sie in einem so schnellen italienisch in den Hörer, dass ich mit meinem ziemlich beschränkten Sprachwissen nicht mehr hinterher komme. Herr Baumhauer kommt und bestellt das Übliche. Er hat Die Nonna ein Geschenk mitgebracht. Ein Strauch, so ein Gestrüpp. Mit so was kann ich nicht mal entfernt verwandt sein!

Er säuselte Die Nonna ins Ohr: ‚Eine schamhafte Sinnpflanze für das zarteste Pflänzchen in unserer Straße!‘ Ich muss kotzen. Nein, so ein Mist, ich kann gar nicht kotzen. Es ist ein echtes Drama, wenn man so gerne wollen würde, aber nicht kann. Ich versuche mich ernsthaft von der Fensterbank zu stürzen, in der Hoffnung, dass ich bei meinem Todessturz den fetten Herrn Baumhauer erwische. Aber mein Topf bewegt sich keinen Millimeter vom Fleck, so sehr ich mich auch bemühe. Wenn ich schreien könnte, würde ich es tun.

Die Nonna murmelt das italienische Wort für ‚Schwuchtel‘ und stellt das schamhafte Sinnpflänzchen neben mich. Igitt, es ist tatsächlich eine Mimose. Und diese Unterpflanze steht jetzt neben mir und heuchelt nach der Liebe von Die Nonna. Die Nonna gehört aber mir. Nur mir! Das des klar ist! Ich plustere mich zur vollen Größe auf, sofern es mir eben möglich ist. Die Mimose zittert. Sie hat Angst vor mir. Haha. Was für eine unterwürfige Schlampe. Die will doch von mir gequält werden. Nachdem sie aber zu weit von mir weg steht, kann ich sie zumindest nicht persönlich quälen. Und der Diego ist nicht da, so ein Mist. Immer wenn man ihn braucht, ist er nicht da. Norgerl zum Gießen haben wir im Moment auch nicht. Mist. Die Mimose neben mir zittert vor Erregung. Ich habe sie noch nicht mal berührt und sie ist schon total geil. Ich muss hier weg. Der Baumhauer flirtet doch allen Ernstes mit meiner Die Nonna. Und die Mimose ist durch ihr zittern doch tatsächlich näher an mich heran gerutscht. Hilfe, ich werde von einer Mimose sexuell belästigt. Ich kündige.

Die Tür geht auf und eine Frau kommt rein.

‚Ja, Grüssi!‘ sie schritt auf Die Nonna zu und redet einfach weiter: ‚I bin die Anita Lagleder! I bin vom Bund emanzipierter Landfrauen Bayerns e.V.. Mir würdn gerne ihr Hinterzimmer mieten, für unsere Jahreshauptversammlung.‘

Die Nonna schaut sie entgeistert an, trabt aber dann zum Reservierungsbuch und schlägt es auf. Sie setzt ihre Brille auf die Nase, die sie immer um den Halshängen hat, wenn sie sie nicht auf hat. Jetzt sieht sie aus wie eine Stubenfliege. Sie schaut die Frau Lagleder fragend an.

Frau Lagleder ergreift wieder das Wort: ‚Ists am Samstag recht?‘ Die Nonna nickt. ‚Mir san ung’fähr 45 Landfrauen! Wir nehmen dann eine große Vorspeisenplatte und haben sie auch was Vegetarisches.‘

Die Nonna klappt das Buch zu und geht in die Küche. Sie murmelt das italienische Wort für Vegetarier und scheucht den Giovanni in den Schankraum.

Nachdem die Beiden ein Menü ausgekartelt hatten, geht die Frau Lagleder wieder und Herr Baumhauer bekommt von Die Nonna persönlich sein Schnitzel serviert.

Hat er da ein Herz aus Ketchup auf seinem Teller? Die Nonna geht mir doch nicht fremd, so eine Schlampe. Und wo wir grad bei Schlampe sind, die Mimose reibt sich an meinen Stacheln. Jetzt erzittert sie völlig erregt und zieht sich zusammen und jetzt steht sie ganz ruhig neben mir und macht keinen Mucks mehr. Wie, war das jetzt etwa alles, wir haben doch noch gar nicht angefangen. Ich wusste nicht, dass es eine erektile Dysfunktion auch bei Mimosen gibt.

Endlich ist der Herr Baumhauer weg und die Nonna trällert jetzt: ‚Herzilein, du musst nicht traurig sein!‘ Die Nonna geht zur Vorderseite der Bar und tritt gegen die Wandvertäfelung. Ein Brett fällt aus der Wandverträfelung und ein Geheimversteck kommt zum Vorschein. Dann zieht Die Nonna eine Flasche Ramazotti aus dem Versteck. Genüsslich gießt sie sich ein Glas mit Eis und Zitrone ein und singt weiter. Ich könnte kotzen. Nein, da war ja was, ich kann ja gar nicht kotzen. Die Mimose hat sich wieder beruhigt und macht sich wieder über meine Stacheln her. Was geht denn mit der. Ich geb ihr jetzt mal eine halbe Minute, bis sie wieder genug hat. Egoistische Schlampe.

Der Bierlieferant kommt. Endlich. Er heißt Elmar Wucher und er macht der Familie Calabrese immer einen guten Preis. Er hat nämlich eine Zementallergie. Er liefert nicht nur Bier, sondern auch den Schnaps. Sehr gut, da können die Emanzen ja kommen. Hoffentlich ist bis Samstag der Diego wieder da. Ich befürchte ich muss mich betrinken lassen, wenn die Fau Lagleder wieder kommt. Der Wucher geht und drückt quasi dem Großneffe Guiseppe die Klinke in die Hand. Er bringt uns die Weinlieferung.

‚Ah, Nonna, ich soll dir Ausrichten, dass Onkel Salvatore um 17.00 Uhr kommt und für den Spanier einspringt.‘

‚Guiseppe, wann lernst du endlich deine Muttersprache?‘ fragt Die Nonna und haut dem Bengel einen liebevollen Schlag in den Nacken.

Die Mimose ist gerade schon wieder über meine Stacheln hergefallen. Ich komme mir jetzt richtig benützt vor. Sie hat mich benützt. Unglaublich. Die Sonne geht langsam unter. Endlich. Die Mimose zieht wieder die Blätter ein und bewegt sich irgendwie gar nicht mehr. Toll, erst macht sie mich unnötigerweise geil, dabei wollte ich mich doch für Die Nonna aufsparen und dann lassen mich alle einfach unverrichteter Dinge stehen und die Mimose will einfach nicht mehr mitspielen. Was für eine Schlampe. Jetzt zittere ich, weil ich sowas von fickrig bin und dabei fallen mir jetzt auch noch meine Blüten ab. Wenigstens schau ich morgen wieder Normal aus. Das Universum wird doch nicht mal ein Einsehen mit mir haben.

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