Der Thelocactus Freudenbergeri in Sachen Liebe.

Der Thelocactus Freudenbergeri in Sachen Liebe.

‚Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!‘

Mein Leben ist ein furchterbarer Alptraum. Mein unehelicher Ableger juckt wie nichts Gutes und er wird von Tag zu Tag immer größer und er zittert. Während mich seine Mutter nun endgültig verlassen hat, musste ich mir hier das langsame Treiben unseres Aushilfskellners Onkel Salvatore ansehen. Sie hat unsere Romanze nicht überlebt und bei der Langsamkeit von Onkel Salvatore, werde ich einen weiteren Tag hier nicht überleben. Sie ist einfach klamm und heimlich über Nacht eingegangen. Und nun habe ich einen weiteren Tag mit dem Onkel Salvatore vor mir, ich werde bei seinem Anblick langsam aber sicher verenden. Meine Mimose und ich hatten nur einen Tag und ich einen ziemlich unfreiwilligen Geschlechtsakt. Und nun diesen juckenden Bengel an meinen Lenden. So eine Scheiße, ich habe keine Lenden. Aber wenn ich welche hätte, dann würde er mir genau dort rauswachsen und noch mehr jucken. Und ich habe keine Hände, mit denen ich mich kratzen könnte. Aber was juckt es mich eigentlich, ich brauch bestimmt nur noch einen Tag in diesem Irrenhaus, bis ich schließlich und endgültig eingehen werde.

Aber wenn ich Hände gehabt hätte, dann hätte ich meine Mimose festhalten können, dann wäre sie mir vielleicht nicht entschlafen. Nein, wenn ich Hände gehabt hätte, dann hätte ich sie davon abgehalten, mir einen Bengel zu machen, weil sie genau diesen Fortpflanzungsakt nicht überlebt hat. Himmel, sie ist aus Liebe zu mir eingegangen. Die Fortpflanzung war zu aufregend für sie. Beim Geschlechtsverkehr mit mir entschlafen, ich muss mich umbringen. Ich bin nur außerstande mich umzubringen. Wie deprimierend. Und einen weiteren Tag hier überlebe ich wirklich nicht. Und was bleibt, ist dieser Bengel, mein Bengel. Er zittert und juckt. Aber er ist meiner. Aber andererseits hoffe ich, dass er bald abfällt und auf eigenen Beinen steht. Heul. Beine haben wir ja auch nicht, sonst wäre ich schön längst in das elektrische Fleischmesser von der Schwuchtel in der Küche gelaufen und hätte mich hoffentlich endgültig fremd entleibt. Als Trost bleibt mir der Anblick meiner verdorrten Geliebten und die Überreste, die neben mir im Blumentopf vor sich hin verrotten. Meine Mimose wird nie wieder für mich zittern. Die Liebe kann ganz schön grausam sein. Wenn sie vor der Tür steht, dann hast du was besseres zu tun, als die Türe zu öffnen und sie bleibt vor verschlossener Tür stehen und geht langsam aber sicher ein. Und wenn du dann endlich begriffen hast, dass sie vor deiner Tür gestanden hat, dann rennst du ganz aufgeregt zur Tür und da steht aber niemand mehr, es bleibt nur der schwache Duft zurück, der Duft meiner Mimose. Ich werde ihren Duft nie vergessen. Ein Problem habe ich nur, ich wäre nie zur Tür gekommen, weil ich nicht laufen kann. Wer bringt mich um, von mir aus auch die Schwuchtel. Warum bringt mich nicht einfach jemand um.

Während ich versuche mich in meinem Selbstmitleid zu ertränken, kommt Onkel Salvatore. Er braucht eine halbe Ewigkeit bis er bei der Tür ist und dann noch eine ganze Weile, bis er endlich im Lokal steht. Gut, er versucht zu stehen. Der alte Zausel wird nur noch von seiner Haut zusammengehalten. Er muss wesentlich älter als Die Nonna sein.

Die Nonna kommt im selben Augenblick wieder ins Lokal und erblickt zuerst die Mimose und dann Onkel Salvatore. Mit einer hochgezogenen Augenbraue kommt sie auf mich zu, schüttelt den Kopf und packt sich die Mimose. Und sie nimmt sie mir einfach weg. Weg. Nein, nicht in den Müllschlucker. Nein, bitte nicht. Jetzt bin ich allein. Allein, allein! Allein, mit einem pinken Porzellanpudel und meinem Baby. Und keiner will mich umbringen. Die Welt und das Universum hat einfach kein Einsehen mehr. Und wenn es nach Gott geht, dann schmort meine Mimose jetzt in der Hölle, weil sie schließlich lasterhafte Dinge an mir verrichtet hat und weil sie eine….eine…ja, weil sie eine Schlampe war. Eine Schamhafte. Und ich armes Opfer komme, dann in den Himmel, oder wie? Vielleicht sollte ich noch ein Bisschen sündigen, bevor ich mich umbringen lasse, oder ich schaffe es tatsächlich mich selbst umzubringen, in dem ich mich von der Fensterbank stürze. Das wäre dann Sünde genug, damit ich in die Hölle komme, zu meiner Liebsten. Hm. Onkel Salvatore ist schon an der Theke angekommen und lehnt nun keuchend an einem Barhocker. Die Nonna schüttelt auch seit Tagen nur noch den Kopf. Einfach ein Irrenhaus hier. Der fette Herr Baumhauer kommt und muss gar nichts bestellen, wir wissen ja eh was er da jeden Tag in sich rein schaufelt. Onkel Salvatore serviert gerade das Weißbier. Er tapert mit dem Glas in der Hand durch das Lokal. Zum Glück hat Die Nonna ihm das Tablett weggenommen. Er hatte in den letzten Tagen so viele Biere fallen lassen, dass die Nonna diese Zwangsmaßnahme einfach übers Herz bringen musste. Nun trägt er das Bier in einer gefährlichen Schräglage zum Tisch vom Herrn Baumhauer. Die Nonna hatte ihn heute an einen anderen Tisch gesetzt, wahrscheinlich weil sie nicht wollte, dass er das mit meiner Mimose mitbekam. Bis Onkel Salvatore am Tisch von dem Herrn Baumhauer angekommen ist, ist nicht nur der Schaum zusammengefallen, sondern auch der Herr Baumhauer kläglich vertrocknet und alle anderen kriegen schier einen Herzinfakt. Es ist wie ein Unfall, bei dem man einfach nicht wegsehen kann. Es ist echt nicht auszuhalten. Das Servieren des Schnitzels überlebe ich einfach nicht. Will uns denn keiner erlösen. Keiner. Wirklich keiner. Das habt ihr jetzt davon, ich stürze mich jetzt von der Fensterbank…

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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. Hab den halben Text vor einer halben Ewigkeit geschrieben, vergessen und heute wiedergefunden und fertiggestellt. Hm. Keine Sorge, es wird einen nächsten Teil geben, vom Kaktus, seiner Mimose und von seinem Blick von der Fensterbank aus auf seine kleine Welt.
    die Bine


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