Der Thelocactus Freudenbergeri und seine Begegnung der dritten Art.

Der Thelocactus Freudenbergeri und seine Begegnung der dritten Art.

Meine MimoseMitten in der Nacht wache ich auf, weil sich in meinem Blumentopf irgendetwas echt seltsam an fühlt. Es ist stockduster im Lokal und ich bekomme ernsthaft Gänsehaut. Dann nehme ich den Geruch war. Ein süßlicher Geruch beißt mir in meiner nicht vorhandenen Nase. Auf der Digitalanzeige des Radios steht auf 03:47. Ich habe zwar keine Augen, aber soviel kann ich gerade noch sehen. Es dauert noch eine ganze Weile bis die Sonne aufgehen wird und Die Nonna kommt, um mich zu retten. Dann bemerke ich, dass sich in meinem Topf etwas rührt. Hilfe, da ist was Lebendiges in meinem Topf. Das Universum mag mich einfach nicht, erst geht mir Die Nonna mit dem fetten Herrn Baumhauer fremd, dann vergenußwurzelt mich diese blöde Mimose am laufenden Band und jetzt hab ich irgendwas Lebendiges in meinem Blumentopf.

Wenn ich weglaufen könnte, dann würde ich es tun. Der Tag fängt ja gut an, bevor er überhaupt angefangen hat. Hilfe! Hilllllfeeeee! Warum hört mich denn keiner? Ich kann ja gar nicht reden! Hiilllllfeeeee! Ich werde jetzt einfach eingehen. Einfach so. Lebe Wohl geliebte Die Nonna. Vielleicht werde ich ja als Pudel wieder geboren. Dann können wir zusammen in die Heimat fahren. Plötzlich wird es mir ganz anders, ich kann die Digitalanzeige vom Radio nicht mehr erkennen. Ich bin blind. Aber ich habe doch gar keine Augen, ich kann gar nicht blind sein. Es ist aber so dunkel hier und das Lebendige in meinem Blumentopf wird immer größer und größer. Ich bekomme enorme Beklemmungen. Das macht mir Angst. Warum hilft mir denn niemand. Die Nonnnaaaaa, hilf mir. Und hier stinkt so. Und dieser Geruch ist es, der hat mich blind gemacht. Ich will hier raus, verdammt nochmal. Vor Angst zitternd warte ich auf den Sonnenaufgang. Dann sehe ich bestimmt wieder was. Es dauert scheinbar eine halbe Ewigkeit, bis ich endlich wieder etwas erkennen kann. Vor mir ist etwas in meinem Topf aufgegangen. Bloß was ist es, ich kann es nicht genau erkennen. Wenn ich Augen hätte, dann könnte ich wenigstens schielen. Die Anzeige vom Radio steht auf 00:00. Wir hatten wohl Stromausfall und ich dachte ich muss sterben. Plötzlich höre ich ein Pfeifen, vielleicht kann Die Nonna nicht ohne mich schlafen. Die Nonna, bitte rette mich! Bitte! Die Tür geht auf und der Große Bruder Mario Calabrese kommt zur Tür herein. Er geht zur Bar, tritt gegen die Wandvertäfelung und holt die Flasche Ramazotti hervor, trinkt aus der Flasche, beißt in eine Zitrone und geht wieder aus seinem Lokal. Der Auftritt des Großen Bruders hat mich so von meinem Problem abgelenkt, dass ich gar nicht bemerkt habe, dass er das Licht angelassen hatte. Jetzt kann ich sehen was in meinem Topf wächst. Nein, des kann doch nicht wahr sein. Ich habe einen Ableger bekommen. Ein so einen Großen. Nein, es sind eigentlich drei. Und die Ableger zittern vor sich hin. Mir schwant arges. Die blöde Mimose hat mich angebumst und jetzt hab ich drei total empfindliche Ableger. Toll. Geht es eigentlich noch schlimmer? Kann mich das Universum nicht gleich umbringen. Muss ich vorher noch ordentlich gequält werden, oder wie?

Aber woher kommt der komische Geruch. Ich kucke auf die Seite. Die Mimose geht gerade mit dem Sonnenlicht auf und entfaltet sich zu voller Größe, um sich dann gleich an meinen Stacheln zu reiben und sich dann wieder zusammen zuziehen. Hey, du Schlampe du, hab mal ein bisschen Rücksicht, ich bin nicht nur schwanger, sondern auch allein erziehend. Jetzt kann ich ihre Blüten sehen und oben auf jeder Blüte prangt jeweils ein großer gebogener Stachel. Diese Stacheln kommen mir verdammt bekannt vor. Ich wusste nicht, dass sich Mimosen überhaupt mit einem wie mir kreuzen lassen, aber so wie es aussieht geht es schneller, als man denkt. Ich zahle aber keine Alimente für eine mehrfache Vergewaltigung. Diese empfindliche Sinnschlampe und jetzt zieht sie wieder die Blätter ein und will nichts mehr von mir wissen. Himmel, wie soll das nur weitergehen.

Die Nonna kommt trällernd zur Tür herein. Sie stellt den Radio wieder auf die richtige Uhrzeit und stellt ihn dabei an. Umberto Tozzi´s ‚Ti Amo‘ brüllt aus dem Radio und Die Nonna kommt richtig in Stimmung und singt lautstark dazu. Jetzt bemerkt sie mich und kommt zu mir rüber. ‚Du böser kleiner Kaktus, was hast du heute Nacht bloß mit der armen kleinen Mimose getrieben!‘ Sie gießt die Mimose jetzt allen Ernstes mit meinem Pellegrino, dann geht sie ohne mich zu gießen und holt einen hässlichen pinken Porzellanpudel von einer anderen Fensterbank und stellt ihn zwischen mich und meine Peinigerin. Wenigstens etwas. Sie geht in die Küche und kommt mit einem Putzlappen wieder. ‚Du wollüstiges Stachelmonster, du brauchst wohl eine Abkühlung.‘ Dann windet sie den Putzlappen über mir aus. Igitt. Nass, kalt und widerlich dreckig. Ich kündige. Ich werde ständig falsch verstanden und misshandelt. Mein Leben ist wirklich die Hölle. Schlimmer kann es ja jetzt nicht mehr kommen. Aus dem Radio ertönt jetzt Howard Carpendale´s ‚Hello Again‘ und dazu wimmert die Mimose vor sich hin. Wie schaffe ich es nur, mich auf der Stelle zu entleiben. Giovanni kommt mit einer Lieferung meiner entfernten Verwandten herein. Das Geschrei von ihnen kommt mir gerade recht, dann übertönt es hoffentlich das schamhafte Trennungsgewimmer von der Sinnschlampe. Sie zittert jenseits des Porzellanpudels wieder vor sich hin. Haha. Das hat sie nun davon. Wenn ich eine Zunge hätte, würde ich sie ihr rausstrecken. Giovanni kommt wieder aus der Küche und entdeckt mich. Er bekommt einen für meinen Geschmack viel zu langen Lachanfall. Als er sich wieder beruhigt hat, macht er ein Handyfoto von mir und sagt: ‚Ja, was hat er denn da? Was hat er denn?‘ Jetzt krault mich dieser schwule Vegetarier an meinem Ableger, dass macht mir Angst. ‚Wie nett, ein stacheliger Pimmel mit zwei schrumpeligen Eiern dran!‘ Nett ist die kleine Schwester von Scheiße. Ich will sofort eine ganz große Knarre und genug Munition, dann könnte ich die Schwuchtel auf der Stelle erschießen und dann mich. Wenn ich Arme und Hände hätte. Im Radio läuft jetzt Trude Herr’s ‚Weil ich so sexy bin‘ und ich werde ohnmächtig.


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