Liebes Tagebuch Teil 2 1/2

Liebes Tagebuch Teil 2 1/2  (eine fiktive Weiterführung)

Endlich zu hause. Habe meine letzten Prüfungen hinter mir. Ob ich sie geschafft habe? Keine Ahnung. Es wird sich noch herausstellen, ob ich ins Mündliche muss. Was mit den Fotos ist? Was für Fotos? Ob ich mich extra dumm stelle? Nein verdammt nochmal. Die Ersten habe ich schon vor Wochen eingeworfen. Jeden Tag eines. Und seine Zahnbürste habe ich heute morgen noch eingeworfen, bevor ich in die Schule gelaufen bin. Ab morgen bekommt er dann die Fotos vom Putzen. Ob ich jetzt völlig den Verstand verloren habe? Nein ich denke nicht. Ich habe noch ein paar Abzüge gemacht für den Typ von gestern. Bevor ich die ihm gebe, werde ich ihn auf einen frischgepressten Ananassaft einladen. Jeden Tag. Hm.

Deine Schackeline (17 ½)

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Wer ficken will muss freundlich sein…Aber!

Wer ficken will muss freundlich sein…Aber!

(Von paranoid devot zu aggressiv devot und wieder zurück.)

Mittlerweile wundere ich mich schon fast nicht mehr, warum ich immer wieder genau solche Mails bekomme, wie folgende:

Hallo unbekannterweise…
ich möchte dir eine wirklich ungewöhnliche Frage stellen,
welche ich aber absolut ernst meine und hoffe damit nicht
irgendwie unhöflich zu wirken.
Und zwar würde mich interessieren, ob du lust darauf
hättest dass jemand vor dir niederkniet, und dir ganz nach
deinen Wünschen deine Füße massiert und küsst, ohne selbst
was dafür zu bekommen…
könnte dir sowas gefallen? sorry wenn die Frage zu direkt war…aber vielleicht magst du ja antworten?

Wo ich meist nur eine Antwort übrig habe, wenn ich überhaupt anworte: ‚Wird dann aber ganz schön in eng, wenn wir beide auf dem Boden sitzen und zu jemanden aufschauen, der nicht da ist….!‘

Aber ich kann halt überhaupt nicht verstehen, warum ich immer die devoten Kaputten abkriege. Ich kann doch Männer nie wieder ernst nehmen, wenn sie mit der Peitsche im Mund vor mir herum rutschen und mich dabei mit einem traurigen Hundeblick angehimmeln. Himmel, da bekomme ich ja Gedankenherpes und ich werde echt aggressiv. Ist das nicht genau das, was sie wollen, dass ich aggressiv werde und ihnen dann so richtig weh tue und ihnen dabei noch den Willen breche. Da kriege ich echt Würgereiz. Es kann doch nicht an meiner Selbstständigkeit und an meinem halbwegs selbstsicheren Auftreten liegen, dass die Männerwelt der Meinung ist, ich wäre eine echt krasse Domina und/oder der Satan und all seine Huren in einer Person und die Damenwelt denkt, ich wäre eine Lesbe mit einem Umschnalldildo. Nur weil Frau 4 Jobs hat, ihre Einkäufe alleine hoch trägt, es sich notfalls selbst besorgt und ihre künstlerische Freiheit und Einsamkeit genießt und erträgt, muss Frau doch noch lange nicht am dem Boden herum rutschende Männer auspeitschen (Nicht, dass ich das nicht könnte!) und/oder demütigen oder mit Zuhilfenahme eines Umschnalldildos egal welches Geschlecht in den Arsch vögeln. Wobei allein die Vorstellung…böse Bine…böse Bine…da wären wir wieder beim personenbezogenen Sadismus. Nur weil man jemanden so abgrundtief hasst, dass man ihn oder sie am liebsten trocken in den Arsch vögeln würde… oder noch besser jemanden organisiert, der denjenigen trocken in den Arsch vögelt… ist man noch lange nicht dominant. Aber eine verdammt befriedigende Vorstellung wäre es schon… Böse Bine…Böse Bine…Warum ist immer keiner da, der mir auf die Finger haut, wenn ich sowas schreibe….hm?

Ich will doch auch nur einmal am Haupthaar ins Bett geschleift werden und mal so richtig (auch verbal!) bespaßt werden und auch mal soviel Vertrauen aufbringen, dass ich mich mal fallen lassen kann. Ich bin von ganzen Herzen (Live)Rollenspieler, aber egal wie viele Bälle ich in einen Raum werfe, es kommt einfach keiner zurück. Liegt vielleicht daran, dass Männer nicht Multitaskingfähig sind. Hm. Und warum klappt das immer nicht? (Jammer ich gerade?) Weil die Männerwelt von mir und meiner verspulten Versautheit dann meist auch noch so dermaßen überfordert ist, dass ich im Endeffekt immer die dominante Rolle übernehmen muss, sonst würde nämlich gar nichts passieren. Wobei es im Endeffekt eigentlich wurscht wäre, es passiert halt nichts oder es macht mir halt gar keinen Spaß. Wie gut dass es Batteriebetriebenes gibt und wenn es nur Zahnbürsten sind.

Mein größtes Problem ist, dass ich mit meinem ausgeprägten Krankenschwestersyndrom und meinem viel zu großen Herzen immer der Meinung bin, dass ich jeden Menschen sexuell reparieren müsste, damit die Welt mal ein bisschen lockerer wird. Hm. Was für eine Lebensaufgabe für eine Hobby-Sexualtherapeutin. Dass die meisten charakterlichen Unzulänglichkeiten in der Nichterfüllung in der eigenen Sexualität liegen, ist mir mittlerweile klar. Und was ist denn schon dabei, wenn man einfach mal offen ausspricht, was man gerne mal machen würde, (Vielleicht nicht gleich beim 1.Date, aber auch nicht erst nach der Hochzeit!) bevor es zu einem Problem wird. Weil nur, wenn man es offen ausspricht, dann kann man jemanden finden, der den Gegenpart übernehmen will und vielleicht sogar Spaß daran hat. Und wenn es aufs erste Mal nicht die Gewünschte sexuelle Erfüllung bringt, dann muss man es halt nochmal und nochmal und nochmal probieren. Man muss es auch erst mal begreifen, dass gerade genau dass passiert ist, was man schon immer wollte. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und man weiß ja auch nicht, ob seine Fantasien auch wirklich was zum Ausspielen sind, oder besser nur Fantasien bleiben. Also üben, üben, üben. Und wenn du denkst, dass du nichts üben musst, weil du schon alles kannst. Mann lernt nie aus! Frau übrigens auch nicht. Also üben, üben, üben. Weil nur wenn man eine Kontinuität in seine Abläufe bringt, dann kann man sich langsam an seine Grenzen herantasten. Und keine Angst vor den eigenen Grenzen aufkommen lassen. Und sein Gegenüber muss sich auch erst mal auf die neue Situation einstellen. Weil egal wie viel und wie oft man vor dem Zusammentreffen geschlechtliche Aktivitäten mit Anderen gehabt hatte, muss man sich doch immer wieder auf die neuen Begebenheiten einstellen, weil wir sind halt alle nicht gleich und wie sind alle Menschen. Und irgendwann man kann es einfach nie wieder toppen, wenn sich nicht beide völlig fallen lassen können. Paranoia bekämpfen und noch mehr Paranoia schüren.

Nun kommen wir mal ganz unverblümt zu paranoid devot, die Angst davor beim schlecht behandelt werden, schlecht behandelt zu werden. Hm. Hat vor allem sehr viel mit dem eigenen Willen zu tun und mit dem auf Grund des mangelnden Vertrauen nicht fallen lassen können. Auch wenn Mann verdammt viel mit Frau machen könnte, wenn Sie denn wollen würde, heißt es nicht, dass Mann das 24 Stunden am Tag abrufen kann. Man sollte vor allem mal drüber reden, wie weit es denn diesmal gehen soll, weil alles hat Grenzen und irgendwann hat der Spaß ein Loch. Kleiner Scherz am Rande. Es kommt ja auch immer auf die persönliche Situation an und es muss ja nicht heißen, wenn Frau es gerne mal ordentlich besorgt bekommen möchte, dass Sie ansonsten keine Zuneigung braucht. Zuckerbrot und Peitsche ist die Devise. Mann ihr dürft ja fast alles mit Ihr machen und dazu muss Mann Sie noch nicht mal überreden, phantasmagorische multiple Orgasmen sind doch Argument genug, oder? Aber der nötige Respekt sollte halt mal vorhanden sein und ein bisschen Charme und Honig ums Maul schmieren kann ja mal nicht schaden. Da bricht sich keiner was dabei ab, das gilt übrigens auch für die Frau. Und es haben ja im Endeffekt beide was davon, oder? Keiner will sich den ganzen Tag auch außerhalb vom Bett als Fickfleisch behandeln lassen. Der Ton spielt die Musik und wer ficken will muss freundlich sein. (Und mit saublöden Sprüchen kommt man doch bei keiner halbwegs intelligenten Frau weit, oder?) Ihr wollt ja auch nicht, dass das Weibchen ungefragt den Umschnalldildo auspackt und euch trocken in den Arsch vögelt, oder?

Fürs Protokoll ich würde nie etwas tun, was der Gegenüber nicht möchte. Und ich möchte dem Mann danach noch in die Augen sehen können.

Ach, ja. Dominaz ist nicht: Ich will aber zu sagen oder am Kopf rumzuschieben, damit Frau den Schwanz bis zum Anschlag in den Mund nimmt. Das ist eigentlich nicht wirklich nötig. Es soll tatsächlich Frauen geben, die einen natürlichen Spieltrieb besitzen und/oder sich aus reinem sportlichen Eifer oder persönlichen Vergnügen daran haben, sich den Schwanz bis zum Anschlag in den Rachen zu schieben. Also Hände weg vom Kopf und lass die Frau mal machen und schaut (euch gefälligst die Bilder auf dem Rücken an, dafür sind sie da! ) ihren geilen Arsch an oder macht einfach die Augen zu und lass euch fallen. Wenn man eingespielt ist, dann kann man immer noch Sperenzchen machen. Wenn ihr auf Magenflüssigkeit auf euren Schwänzen steht, müsst ihr das sagen, bevor das Weibchen den Schwanz im Mund hat. Wenn Sie euch überhaupt keinen Bock hat, euch einen zu Blasen, ist das auch Okay. Wenn es nicht immer das Thema ist, dann machen sie es ganz von allein. Falls es nie kommt, habt ihr euch schon mal überlegt, dass entweder euer Schwanz ungut schmeckt und/oder evtl. euer Sperma. Selbiges gilt natürlich auch für den Geschmack beim Weibchen. Einfach mal selber probieren und das ist nicht pervers, wenn man wissen will, wie man schmeckt.

Also Augen, Ohren und vor allem den Mund auf im Straßenverkehr, dann klappt es auch mit den Unfallverhütungsvorschriften…

So, jetzt zu meiner persönlichen Situation. Nachdem ich ja ganz genau weiß was ich will, muss Mann nicht zwanghaft versuchen mich zu verändern, dass ist leider schon ein Wenig zu spät. Das soll aber nicht heißen, dass ich nicht kompromissbereit bin. Das würde sich aber auf Gegenseitigkeit beziehen. Und nachdem ich die Hoffnung mittlerweile ernsthaft aufgegeben habe meinen Traummann (mit übersichtlicher Frisur, tätowiert, einem phantasmagorischen, ausreichend funktionierenden Penis, natürlichen Spieltrieb und einer großen Küche und den Frau beim Sex nicht an der Hand nehmen muss!) zu finden, werde ich wohl in den sauren Apfel beißen und … nein ich werde nicht lesbisch und das mit der Nonne funktioniert nicht. Ich werde mir jetzt einen devoten Mann suchen, ich werde ihn aber nur dann dominieren, wenn er mir dafür einen halbwegs tauglichen Traummann anschleppt. Und wenn das nicht klappt, bin ich mit meinem Aber am Ende.

Jakobsweg – Ich muss mehr sündigen…

Jakobsweg Zeitreise Ich muss mehr sündigen…

Pilgern 2009

Die letzten 2,5 Kilometer bis Pfarrkirchen sind die absolute Hölle. Es ging den Berg jetzt wieder doppelt so steil wieder runter, den ich vorhin noch halbwegs munter hinaufgeschlichen bin. Ich musste mich an den Gartenzäunen festhalten, sonst hätte ich den Berg nicht wieder hinunter geschafft. Meine Wade macht ein komisches Geräusch, ich glaube meine Achillessehne ist angerissen. Na, hoffentlich kommt jetzt nicht Orlando Bloom um die Ecke und schießt mir im Legolas-Style in die Wade. Nach einer halben Ewigkeit bin ich dann unten am Berg angekommen und kaum ist der Weg wieder gerade, geht meine Blase auf, die ich ja eigentlich gar nicht haben sollte. Mein Leben ist ein Alptraum. Würde jetzt gerne was schönes und niedliches kaputt machen. Was für eine Scheiße. Ich humple also weiter und versuche meinen Fuß zumindest an der offenen Blase nicht zu belasten. Mit einer Kraxe auf dem Rücken ist das nicht unbedingt leicht. Das Universum muss mich ganz schön hassen. Habe ich etwa nicht genügend gebetet. Das glaube ich nicht. An irgendwas muss es doch liegen, dass ich so eine Pechsträhne habe. Vielleicht habe ich ja wenigstens etwas im Lotto gewonnen. In der Liebe klappte es ja immerhin auch nicht. Ich glaube ich hänge mich jetzt einfach mit samt meiner Kraxe auf und mache Schluss mit der Scheiße. Und vorher erschlage ich noch ein paar Katzen und deren Besitzer mit meinem Pilgerstab.

Ich finde keinen Baum an dem ich mich aufhängen könnte und an dem Bach an dem ich vorbeikomme, hätte ich nicht mal eine Katze ertränken können. Also schleppe ich mich weiter. Wenn sich meine Blase jetzt noch entzündet, dann hätte ich eine doppelte Blasenentzündung, das wäre mir fast der Spaß wert damit zum Arzt zu gehen.

Irgendwie bin ich zwar jetzt schon in Pfarrkirchen, aber ich laufe an einer Umgehungsstraße entlang. Ich komme mir jetzt noch mehr einsam und alleine vor. Das Alleinsein macht mir ja eigentlich nichts aus, weil ich eigentlich gerne alleine bin, alleine schreibe ich die besten Geschichten, alleine lenkt mich keiner ab. Aber ich bin jetzt irgendwie schon im nächsten Level von Alleine angekommen, ich fühle mich irgendwie unvollständig. Als würde mir etwas zum Leben fehlen. Jemand zum Leben fehlen. Niemand bestimmtes, einfach jemand, der mir Vollständigkeit gibt. Ich glaube ich habe sie wirklich nicht mehr alle beisammen. An Unvollständigkeit grenzende Tatsachen sozusagen. Dazu gibt es auch ein schönes Filmzitat von Echte Kerle. Ich hoffe ich kriege es aus dem Stegreif hin. Wenn ein Kopffüßler (Tintenfisch, Krake, was auch immer) zu lange alleine lebt, dann fängt er an, vor Einsamkeit, sich die Arme abzubeißen. Wie gesagt, es ist ein Filmzitat. In Wirklichkeit ist es bei den Kopffüßlern so, dass die Männchen gleich nach dem ersten Geschlechtsakt sterben und die Weibchen zwischen legen und schlüpfen des Nachwuchses sterben. Beides ist nicht besonders aufmunternd. Wenn der jungfräuliche Kopffüßler sich die Arme abbeißt, weil er keine Frau abkriegt oder wenn er stirb, weil er eine Frau abgekriegt hat. Himmel, jetzt bin ich noch viel mehr deprimiert als vorher.

Ich bin ja eigentlich auf dem Jakobsweg und schleppe mich und meine Kraxe nach Pfarrkirchen. Ich muss schon wieder aufs Klo und mein linker Fuß fühlt sich so an, als wäre er eine einzige Blase. Jetzt achte ich nicht mehr wirklich auf die Jakobswegschilder, sondern will nur noch so schnell wie möglich zu meinem Auto. Ich bin so im Arsch, dass ich kaum noch weiter kann. Ich achte nur noch auf die Bahngleise und überlege, wie ich am schnellsten zu meinem Auto komme, ohne aber dabei völlig aufzugeben. Ich habe nicht vor mich dahin fahren oder tragen zu lassen. Ich komme an einem Autohaus vorbei und es fragt mich ein alter Mann, was ich da mache. Ich bin dankbar für die kleine Pause und erkläre ihm kurz, was ich da mache. Er kramt in seiner Hosentaschen und drückt mir 2 Euro und 20 Cent in die Hand. Ich soll ihm eine Kerze stiften, wenn ich in Altötting ankomme.

Toll, ich hatte mich innerlich eigentlich schon entschlossen aufzugeben und nachhause zu fahren. Was mache ich denn jetzt, ich kann doch jetzt nicht aufgeben und die 2 Euro einfach behalten. Es ist echt nicht einfach aufzugeben und sich seine Niederlage einzugestehen. Am schwierigsten ist es seine Schwäche vor anderen zu zeigen. Kurz bevor ich den Jakobswegs endgültig verlasse, um zu meinem Auto zu gehen, sehe ich wie der Weg einen Berg hinauf geht zu der Wallfahrtskirche Gartlberg, die ich heute wohl nicht mehr sehen werde. Selbst ohne Kraxe würde ich zwar rauf kommen, aber wahrscheinlich nicht mehr runter. Ich verlasse den Jakobsweg und frage mich zum Bahnhof durch. Kurz vor dem Bahnhof, kommt mir eine Frau mit ihrem Kind entgegen. ‚Ui, schau mal der Nikolaus!‘ meint das Kind. Sehr witzig. Hohohoho.

Wenig später bin ich an meinem Nemo angekommen. Mit zitternden Fingern binde ich die Kraxe von meinem Rücken und lasse sie einfach auf den Boden fallen. Ich krame nach meinem Schlüssel und drücke aufs Knöpfchen, wuchte meine Kraxe auf den Beifahrersitz und verpisse mich erst mal hinter mein Auto. Da war sie wieder meine Blasenentzündung und diesmal sind mir mögliche Zuschauer scheiß egal. Dann lasse ich mich auf den Rücksitz meines Autos fallen und bleibe erst mal eine geschlagene Stunde reglos liegen. Dann beschloss ich meine Füße zu untersuchen. Ich habe 6 Blasen auf dem Fußballen und zwei an der Seite, davon ist eine nicht nur bereits aufgeplatzt, sondern sieht schon ziemlich unschön aus.

Meine Füße fühlen sich so an und sehen auch so aus, als wäre ein Panzer drüber gefahren. Das liegt jetzt wohl an meinen Bi(e)nchensocken, mit meinen Pilgersocken, wäre das wohl auch nicht passiert. Der rechte Fuß scheint halbwegs in Takt zu sein.

Und mein Arsch tut mir weh, ich befürchte meine Kraxe hat mir beim Laufen so den Arsch versohlt, dass ich jetzt bestimmt blaue Flecken am Hintern hab.

Mein Fazit ist, dass ich im letzten Jahr anscheinend zu wenig gesündigt habe, so dass sich der Weg irgendwie nicht gelaufen werden will. Aber ich werde nicht aufgeben. Ich werde Stück für Stück weiter machen und irgendwann werde ich wohl mal an meinem Ziel ankommen, wo auch immer dieses Ziel sein wird. Und ich werde dieses Jahr zum Jahr der Sünde ausrufen.

Am nächsten Tag bin ich nach Altötting gefahren und habe zwei Kerzen angezündet. Eine für mich und eine für den alten Mann. Nur die 2 Euro habe ich behalten, es ist ein 2 Eurostück aus Spanien. Das ist ein Zeichen, oder? Trotz meiner Niederlage, habe ich jetzt einen Arsch voll Glücksbringer aufgeladen, die mir hoffentlich für die Zukunft mehr Glück bringen werden. Naja, mein Dieter Bohlen (Tinnitus) nervt zwar wieder, aber dem werde ich jetzt als erstes das Maul stopfen.

Jakobsweg – Die Sache mit den Blasen…

Jakobsweg Zeitreise Die Sache mit den Blasen…

Pilgern 2009

Ich bin also immer noch in Brombach und mache noch ein paar Fotos. Dann packe ich doch meine Sachen und laufe weiter, der Römerweg gewinnt, den ich gleich einschlagen werde. Der arme Tankwart wird dann doch ohne mich auskommen müssen. Hm. Schade. Er hatte aber auch keine übersichtliche Frisur. Ich laufe also die historische Römerstraße nach Pfarrkirchen. Ja, historischer Asphalt unter meinen Holzschuhen reibt mir Millimeter für Millimeter von meinem Profil und reibt auch mich völlig auf, es geht bergauf und zwar gefühlte 5 Kilometer. Ein Auto nach dem anderen kommt mir entgegen oder überholt mich. Einige bremsen sogar ab, bevor sie mich passieren. Ich komme also kaum voran, weil ich ständig stehenbleiben muss, damit ich nicht vom Fahrtwind der vorbeirasenden LKW´s umgeweht werde. Meine Angst vom LKW überfahren zu werden, kommt mir mittlerweile nicht mehr so abwegig vor. Es ist purer Realismus und der blanke Horror. Der Weg ist eigentlich total schön und die Aussicht ist schlichtweg der Hammer, aber zum Genießen komme ich leider nicht, weil ich gerade ernsthaft versuche zumindest meine Unfallverhütungsvorschriften fürs Pilgern einzuhalten. Die da währen. Möglichst unauffällig schnell vorwärts zu kommen! Ich habe ja auch total unauffällige Klamotten an, die zum größten Teil knallrot sind, ich habe diese riesige Kraxe auf dem Rücken und tausend Pilgerglöckchen kündigen jede meine Bewegungen schon kilometerweit an. Und zum Thema schnell sag ich nur gefühlte 5 km berauf. Zweitens bloß kein unnötiges Aufsehen erregen! Des kann ich ja wohl auch völlig vergessen. Die Autos die nämlich abbremsen, machen das nur, weil sie nicht im Graben landen wollen, weil sie vor lauter Gucken nicht mehr mitkriegen, wo sie hinfahren. Drittens den Pilgerschaft immer griffbereit um sich zumindest irgendwie gegen die Automobile wehren zu können. Das funktioniert eigentlich ganz gut, aber darauf möchte ich mich im Ernstfall eigentlich auf nicht verlassen, weil mein alter Pilgerstab sogar das Parieren mit einer Larpwaffe nicht unbedingt überlebt hat. So, ich zwinge sie jetzt einen riesigen Bogen um mich zu machen, die Schweine. Ich brauche jetzt noch mehr Platz auf der viel zu engen Straße. So. Jetzt habt’s es.

Ich hab mir auch lange überlegt, wieso auf einem Pilger- und Wanderweg so viele Autos fahren. Es ist wohl die Vollsperrung der Hauptverkehrsader zwischen Bad Birnbach und Pfarrkirchen. So eine Scheiße. Und alle Einheimischen fahren nun auf meinem Pilgerweg und halten mich von meiner echt nötigen Erholung ab. Ich werde zunehmend aggressiv. Ist jetzt nicht unbedingt das, was man bei einer Pilgerreise erwarten würde und vorallem nicht am ersten Tag. Ich bin endlich oben auf diesem Scheißberg angelangt und muss schon die ganze Zeit pinkeln. Ja, da ist sie wieder meine Blasenentzündung. Aber nachdem ein Auto nach dem Anderen an mir vorbeifährt und ich im Moment die einzige Attraktion zu sein scheine, möchte ich die Massen jetzt nicht mit einem Live Gewandungspinkeln erfreuen. Ich laufe also schneller und genieße wieder die Aussicht nicht unbedingt. Ich komme jetzt in einen Wald und es kommt mir ein bisschen unheimlich vor, dass die vorbeifahrenden Autos immer dann vorbeikommen, wenn ich eine geeignete Stelle zum Pinkeln gefunden habe. Ich verfluche meine Blasenentzündung, weil meine Kraxe gerade und heute das erste Mal so richtig gut sitzt. Und wie vom Universum bestellt kommt ein versteckter Rastplatz in Sicht, ich werfe also meine Kraxe ab und renne hinter die Büsche und es kommt auch ausnahmsweise kein Auto vorbei. Puh. Geschafft. Die Verfassung meiner Nieren macht mir aber richtig große Sorgen. Ich schultere meine Kraxe wieder und versuche mir dabei die Nieren nicht abzuschnüren. Hm. Ein sinnloses Unterfangen. Ich laufe also weiter, die Kraxe fühlt sich nicht gerade perfekt auf meinem Rücken an, aber jetzt geht’s weiter. Die LKW´s kommen nun gleichzeitig von vorne und von hinten. Ich kriege ernsthafte Panik. Meine Hirngespinste kommen nun auf die glorreiche Idee, dass es für einen Vergewaltiger eigentlich total perfekt wäre, eine hilflose Pilgerin ins Auto zu zerren, weil man wie eine Schildkröte auf dem Rücken, sich nicht unbedingt gut wehren kann. Die Autos werden immer weniger, was mein blödes Gefühl nicht besser macht, jetzt würde mich noch nicht mal einer retten. Das Einzige was dem eingebildeter Vergewaltiger gewiss sein kann, wenn er mich wirklich vergewaltigen sollte, er steckt sich hoffentlich mit der schlimmsten Blasenentzündung seines Lebens an. Und zu meinem Glück werde ich bestimmt davon schwanger, was einen DNA-Test dann ziemlich sicher machen würde, wenn man ihn erwischt. Er kommt dann nicht nur in den Knast, sondern dann auch gleich in die Hölle, weil wer Pilger vergewaltigt kommt mal ganz sicher in die Hölle. Und ich bekomme einen neuen Messias, weil das arme Würmchen ja schließlich auf dem Jakobsweg gezeugt wurde. Hm. Ich werde dann wieder Katholik. Super. Auf was Frau alles kommt, wenn man gerade einen paranoiden Anfall hat. Ich laufe also noch schneller und irgendwann zwingen mich dann meine Füße zu einer Pause. Ich befürchte nun ernsthaft Blasen zu bekommen. Das Wort BLASEN verfolgt mich irgendwie schon seit Wochen. Ich sollte echt aufhören vom Blasen zu schreiben, davon kriegt Frauen dann nur Blasen und eine Blasenentzündung. So eine Scheiße. Ich mache also Pause und habe eine grandiose Aussicht auf die Wallfahrtskirche Gartlberg bei Pfarrkirchen. Ich mache ein paar Fotos. Dann gehe ich weiter. Ich weigere mich irgendwie immer noch zuzugeben, dass man in Holzschuhen tatsächlich Blasen kriegen kann. Es ist echt unglaublich, ich behaupte seit Jahren, dass ich keine Blasen kriege und vor allem nicht in Holzschuhen. Des kann jetzt nur an den Omega3 Fettsäuren liegen, mit denen ich meine Holzschuhe vor ein paar Tagen noch, mit Leinsamenöl, behandelt habe. Hätte ich jetzt meine alten, mit Olivenöl behandelten, Holzschuhe angezogen, hätte ich mir durch das riesige Loch wahrscheinlich einen sauberen Schiefer eingezogen, aber ich hätte bestimmt keine Blasen bekommen. Warum nur musste ich sie mir im Schlosspark vom Kastell de Haar auch kaputt laufen. Und ich hätte dem Katze doch einen Blasen sollen und ihn dann auf einer Hängebrücke vergewaltigen sollen, dann würde es mir jetzt wenigsten was ausmachen, dass er sich nicht gemeldet hat. Jetzt bin ich einmal im Leben ernsthaft brav und dann ist es mir das Erste mal in meinem Leben scheißegal, dass mein Traummann sich nicht bei mir meldet. Hm. Das Männer Frauen nicht verstehen und umgekehrt, ist echt begründet, aber wenn sich Frauen noch nicht mal selber verstehen, dann hackt es echt aus. Himmel würde ich jetzt gerne eine Ersatzkatze quälen. Himmel, ich pilgere grade, warum ist keiner da, der mir auf die Finger haut. Mir wäre jeder Schuhbruch echt lieber als Blasen am Fuß. Mir wäre Blasen auch lieber als ne Blasenentzündung, aber es ist ja noch nicht mal ein Vergewaltiger in Sicht. Mensch Bine, wie kann Frau nur Vergewaltigungsfantasien haben und gleichzeitig Angst davor haben vergewaltigt zu werden. Es ist echt unglaublich. Ich war tatsächlich kurz davor, dass ich die Jakobsbibel aus der Kraxe hole und den weiteren Weg mich damit selbst geißle. Ein Wetter zieht auf, jetzt kommt wirklich alles zusammen, ich werde bestimmt gleich vom LKW überfahren und dann noch vergewaltigt, ausgeraubt und irgendjemand bringt dann aufgrund meines Notizbuches meine Ideen als seine Bücher raus und wird dann reich. Die Hölle wird sich freuen, aber ich werde es wohl nicht überleben…Ich packe mein Wimmerl in die Kraxe und beginne jetzt richtig Gas zu geben, ich habe keine Lust darauf auch noch nass zu werden. Und Scheiß auf alles was mit Blasen zu tun hat.

Fortsetzung folgt….

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