Die Verzückung des Gaffers…

Die Verzückung des Gaffers…

Ich bemerke, wie mich ein grelles Licht anstrahlt und dabei läuft mir ein eisiger Schauer über den Rücken. Meine Zähne klappern und ich versuche unter Schaudern, erst das eine Auge zu öffnen und dann das Zweite. Meine Augen benötigen eine Weile bis sie sich an die Helligkeit gewöhnen würden, aber der Schmerz in meinem Kopf erklärt mir ziemlich unmissverständlich, dass es besser wäre, die Augen einfach wieder zu schließen. Ein Luftzug fährt mir durchs Haar und lässt mich noch mehr erzittern. Ein gewaltiger Knall schockt meinen ganzen Körper, wie ein Blitzeinschlag. Ich riss die Augen auf und drehte mich blitzartig in Richtung des Knalles. Von der schnellen Drehung wurde es mir schwindelig und ich taumle, bis ich etwas Konisches auf Handhöhe zu fassen bekam und mich daraufhin daran festklammerte, als würde mein Leben davon abhängen. Ich kann mir nicht erklären, warum ich in diesem Moment von dieser Todesangst so erfüllt war, dass mir mein ganzer Körper für einen viel zu langen Moment nicht mehr gehorchen wollte.

Erst als ich mich, mit einer ziemlich steifen Körperbewegung, wieder aufrappeln konnte und meine Augen ein weiteres Mal öffnete, wurde mir nach einer ganzen Weile erst so richtig klar, dass ich mich in Mitten einer riesigen Kathedrale befand. Die Kirchentore waren wohl durch einen Luftzug zugefallen. Ich wand mich wieder um und der Lichtschein, der durch die bunten Butzenscheiben der Kirche strahlte, war weniger beeindruckend, als der Lichtstrahl, der durch ein Loch in Mitten der gewaltigen Kuppel, auf mich herab schien. Mir wurde wieder schwindelig und ich klammerte mich wieder an einen der konischen Zapfen am Ende einer der Kirchenbänke. Über meinem Kopf war die biblische Geschichte in Form von Bildern in einer, mir selten klarer gewordenen, Dramatik dargestellt, die ich kaum in Worte zu fassen vermag. Es schien mir, als ob die Gefühle der einzelnen Figuren direkt in mein Herz hinein fließen würden. Von diesen Gefühlen völlig überwältigt musste ich mich setzen, starrte aber weiter an die Decke. Von den Sonnenstrahlen komplett eingehüllt, stierte ich weiter bewegungsunfähig auf die Deckenbemalung. Männer von muskulöser Gewalt blickten auf mich herab. Es schien mir so, als würden sie mich mit ihren Augen völlig verzehren. In Mitten von ihnen eine aufreizende, in ihr rotes Haupthaar gehüllte, Maria Magdalena, deren nackten Arme auf mich zeigten, als würde sie mich seit langem erwarten. Ich schüttelte meinen Kopf, weil ich das Gesehene nicht glauben konnte. Aber das lüsterne Trugbild prangte immer noch über mir. Ich schloss die Augen und haderte mit mir selbst. Die wollüstigen Blicke der Gestalten da über mir, hatten mir die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen. Mir war irrsinnig heiß geworden. Meine verschwitzten Hände wollten mich von meiner Kleidung befreien. Als meine Hände meine nackten Brüste umschlossen, begriff ich, was ich da tat. Mit zitternden Händen raffte ich meine Bluse vor meinen Brüsten zusammen und schickte mich an aus der Kirche rennen zu wollen, aber als ich aufspringen wollte, würde ich von Etwas an die Kirchenbank gedrückt. Etwas, was mich daran hindern wollte, die Kathedrale zu verlassen. Ich war wie gelähmt. Schweißperlen standen auf meiner Stirn und die Hitze wurde immer unerträglicher. Mein Körper gehorchte mir noch weniger als zu vor und ich kämpfte mit meinem Verstand. Als ich endlich die Augen öffnen konnte, rann mir der Schweiß von der Stirn in die Augen und vermischte sich sogleich mit meinen Tränen. Ich konnte Rauchgeruch riechen, bevor mir Rotz und Wasser aus der Nase schoss.

Das Licht war unerträglich grell und die Hitze brannte auf meinen Wangen. Der Fluss aus meiner Nase versiegte so schnell, wie er gekommen war. Meine Nase war nun von dem verstopft, was da vorher noch so munter herausgesprudelt war. Der Druck in meinem Kopf stieg, mein Gesicht fühlte sich so an, als würde gleich mein Kopf platzen. Die Augen traten aus den Augenhöhlen. Wie auf Knopfdruck zog ich die heiße Luft durch den Mund ein. Meine Lungen brannten. Ich versuchte über meine trockenen Lippen zu lecken. Meine Zunge war ausgetrocknet und ich riss mir beim Überlecken die Lippen auf. Ich konnte kurz Blut schmecken, bevor auch das auf meinen Lippen trocknete. Meine Tränen trockneten ebenfalls schneller als sie meine Augäpfel benetzen konnten und ich konnte nur noch kurz Flammen um mich herum züngeln sehen, bevor ich ein letztes Mal meine Augen schloss, um sie vor der völligen Austrocknung zu schützen. Ich konnte die Flammen auf meinem Körper spüren und durch die aufsteigende Hitze riss mich die Haare zu Berge. Ich saß immer noch auf der Kirchenbank, aber ich hatte plötzlich keinen Boden mehr unter meinen Füßen.

Unter mir hatte sich ein Loch aufgetan und ein gewaltiger Luftstrom rettete mich einen Moment vor den Flammen. Etwas berührte meine Beine und kroch mir die nackten Beine im Hosenbein hinauf. Sanfter Druck zog mich von der Kirchenbank und ich fiel. Ich hatte nicht mal versucht mich festzuhalten. Im Fallen konnte ich ein letztes Mal den Feuersturm über mir spüren. Diese Tentakeln umschlossen meine Beine immer stärker und krochen immer höher. Der Stoff meiner Hose zerriss unter der sanften Gewalt der Tentakeln. Ich wusste nicht, ob ich nun gezogen oder gehalten wurde, weil ich immer noch fiel, bis ich mit einen leisen Platschen in kaltes Wasser eintauchte. Das Wasser fühlte sich ölig an und umschloss meinen, vom Feuer geschundenen, Körper mit sanften Wogen.

Ich öffnete langsam die Augen und konnte sehen. Das türkise Wasser, dass mich umschloss und über mir ein heller Fleck. Unter Wasser sahen die Flammenzungen so friedlich aus, wie die Haare Maria Magdalenas, die versuchten nach mir zu greifen. Die Tentakeln zogen mich weiter unter Wasser. Auch um mich herum waren Tentakeln, sie rieben mich an meinem Körper. Sie leuchteten in vielen schrillen Farben. Meine offene Bluse glitt mir von den Armen, dann wurden auch diese von Tentakeln umschlossen. Die Überreste meiner Hose zerrissen vollends unter der sanften Gewalt der Tentakeln. Sie krochen an meinem Schlüpfer vorbei und drangen in mich ein. Die Hitze stieg wieder in mir auf. Wollüstige Verzückungszustände durchschossen meinen Körper. Die Tentakeln drangen immer tiefer in mich ein und zogen mich gleichzeitig immer weiter an den Grund hinab. Mein Verstand muss wohl im Feuer geblieben sein, dann war es auch nicht möglich, dass ich ihn in dem Moment verlieren würde, als ich am Grund ein phantasmagorisches Wesen wahrnahm.

Ich konnte oder ich wollte nicht den Grund dieses Wesens erfahren, dessen Enden mich so sanft aber auch bestimmt bearbeiteten…

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