Herbstnacht Teil 1

Herbstnacht Teil 1 (eine ganz und gar fiktive Geschichte)

Die Lichtkegel von Scheinwerfern erhellten zwei weiße Flecken in das triste Schwarz der Nacht. Ein Auto fuhr auf einer einsamen Landstraße entlang. Der Wind blies das Laub, der vereinzelnd stehenden Bäume, auf die Straße. Am Steuer saß eine Frau und sie nestelte an ihrem Radio herum. Ungeduldig drückte sie die Knöpfe und verteufelte dabei ihre Entscheidung so weit außerhalb der großen Stadt gezogen zu sein. Hier draußen gab es noch nicht mal Radioempfang. Aber hier draußen war es schön ruhig. Nur in der Nacht war es hier zu ruhig.

Das Rauschen ihres Radios begleitete ihre triste Fahrt. Sie fuhr diese Strecke viel zu oft und davon viel zu oft in der Nacht. Wenn sie heim fuhr, kam sie meistens von der Nachtschicht. An Tagen, an denen sie eigentlich keine Nachtschicht gehabt hätte, wäre sowieso im Krankenhaus meist die Hölle los gewesen und sie wäre dann auch erst im Dunkeln nach hause gekommen.

Heute war es nicht nur dunkel, es war stockdunkel und der Herbst hatte alles voll im Griff. Nebelschwaden behinderten ihre Sicht. Aber sie war eh viel zu müde, um rasen zu können, deswegen fuhr sie, dem Wetter angepasst, relativ langsam. Genau deshalb hatte sie auch das Gefühl nie anzukommen. Ihre Augen fielen ihr alle paar Minuten zu. Das Radio nervte sie jetzt so, dass sie es ausschalten musste. Dabei hatte sie einen Moment lang nicht auf die Straße geachtet. Es huschte plötzlich etwas Großes direkt vor ihrer Stoßstange über die Straße. Sie bremste refelxartig. Der Wagen geriet ins Schleudern und während sie noch krampfhaft versuchte gegenzulenken, knallte irgendwas gegen ihre Seitenscheibe. Sie blickte erschrocken zur Seite, lenkte noch energischer gegen und brachte den Wagen schließlich irgendwie zum Stehen. War das Blut an ihrer Seitenscheibe? Sie griff an die Scheibe. Es war außen. Das müssen mehrere ziemlich große Viecher gewesen sein.

Auf Grund des Nebels konnte sie draußen nichts weiter erkennen. Zitternd schob sie ihre Brille wieder auf die Nase, griff dann zum Handschuhfach und versuchte es zu öffnen. Vergeblich. Sie hatte ihre Hände nicht mehr unter Kontrolle. Völlig entnervt biss sie sich in die Hand und versuchte es nochmal. Es klappte. Sie zog eine Taschenlampe aus dem Handschuhfach, dabei fielen einige Dinge heraus. Ein ‚Mist!‘ kam aus ihrem Mund. Kopfschüttelnd schweifte ihr Blick über ihr Handy, dass in der Freisprecheinrichtung klemmte. Wie es nicht anders zu erwarten war, kein Netz. Weiter den Kopf schüttelnd, entschloss sie spontan wieder in die Stadt zu ziehen. Als sie die Autotüre aufschwang, ertönte das ‚Das Licht ist noch an!-Pfeifen‘ und sie wollte so schnell wie möglich aus dem Auto, um die Türe wieder schleißen zu können, damit das Pfeifen endlich aufhörte. Sie blieb aber beim Aussteigen an ihrem Gurt hängen. Abschnallen wäre bereits vor dem Aussteigen eine sehr gute Idee gewesen. Das machte sie jetzt auch. Sie hatte nur flüchtig wahrgenommen, dass die Tür beim Aufschwingen gegen etwas Metallenes gestoßen war und jetzt halb offen stand. An ihrem Schlüsselbein reibend stieg sie dann schließlich weitestgehend unfallfrei aus ihrem Wagen, knipste dabei die Taschenlampe an und leuchtete ziellos umher. Sie gab der Tür einen Tritt, diese fiel ins Schloss und der Pfeifton verstummte. Augenblicklich drehte sie sich um und blickte auf die Seitenscheibe. Die Taschenlampe flackerte. Die Luft zwischen den Zähnen einsaugend, haute sie die den Kopf der Stablampe nervös gegen ihre Hand, die immer noch zitterte. Das Flackern verschwand wie durch ein Wunder und sie leuchtete schnell nochmals zu der Scheibe. Es war tatsächlich Blut. Dann strahlte sie auf den Boden. Der Nebel schien sie und ihr Auto völlig umzingelt zu haben. Was war das? Ein Fahrrad? Ach, du Scheiße. Sie leuchtete wild um sich und hastete um ihr Auto herum. Ihr Eigenversuch sich selbst dabei zu beruhigen, gelang ihr keineswegs. Ihr Herz schlug so laut in ihrer Brust, dass sie das leise Stöhnen überhaupt nicht wahrnahm. Als sie um den Kotflügel der Beifahrerseite hastete, stolperte sie über etwas. Sie kam mit einer ungeschickten Bewegung zu Fall, die Taschenlampe rutschte ihr aus der Hand und rollte von der Fahrbahn die Böschung hinunter. Eine Weile blieb sie reglos liegen, bevor sie sich kopfschüttelnd an ihrem Auto hoch zog und dabei irgendwie die Beifahrertür öffnete. Das Licht ging an, das Pfeifen zum Glück nicht. Ihr Blick blieb an der Stelle haften, an der sie eben gerade gestolpert war. Wie durch ein Wunder war ihre Brille noch auf ihrer Nase. Dort lag etwas. Schwankend stürzte sie wieder zu Boden. Sie konnte nur schemenhaft einen Körper erkennen, die Tür warf einen Schatten in die eh schon viel zu dunkle Nacht. Plötzlich strahlte ihr ein Licht ins Gesicht und etwas rempelte sie an. Sie schrie laut auf. Wenn sie nicht schon längst auf dem Boden gekniet hätte, wäre sie vor Schreck und von der Wucht des Aufpralls wohl wieder gestürzt. Die Taschenlampe schlug ihr mit voller Wucht ins Gesicht und dann viel sie ihr einfach in den Schoß. Unter Schmerzen wischte sie ihre Brille vom Kopf. Ihr war, als würden ihre Sinne vollends schwinden. Sie schüttelte benommen den Kopf, damit sie jetzt nicht ohnmächtig werden würde. Dann versuchte sie das Schwirren in ihrem Kopf abzustellen, in dem sie ihren Kopf mit beiden Händen versuchte festzuhalten. So verharrte sie eine lange Weile, dabei starrte sie in den Nebel, bis ein merkwürdiges Winseln sie aus ihrer Starre riss. Ein Stöhnen. Sie griff nach der Taschenlampe, die vor ihr auf den Asphalt gerollt war. Die Lampe war irgendwie schleimig. Sie leuchtete in die Richtung, wo sie das Geräusch vermutet hätte. Der Lichtkegel fiel auf ein blutüberströmtes Gesicht. Sie schrie wieder auf und vor Schreck fiel ihr wieder die Taschenlampe aus der Hand. Dann wurde sie umgestoßen und krachte mit dem Kopf auf den Asphalt. Der Nebel verschwand und alles wurde schwarz. ‚Attila, aus!‘ Kam es aus der Richtung ihres ersten Sturzes, diesen Ruf nahm sie aber schon längst nicht mehr war…

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  1. Fortsetzung folgt….


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