Ruf des Feuers

Ruf des Feuers
Ich stehe im flackernden Licht. Reglos. Lautlos. Der Schweiß läuft mir den ganzen Körper herab. Die Hitze ist unerträglich. Kein kühles Lüftchen erfrischt mein Gemüt. Die Sonne ist bereits seit langem unter gegangen. Die Dunkelheit beginnt mich zu umfangen, aber die nächtliche Kühle lässt auf sich warten. Es ist alles still, nichts regt sich in mir. Nur alles um mich herum scheint in Bewegung zu sein. Schwindelerregend dreht sich alles um mich herum. Nur ich nicht. Ich stehe starr und still da und verharre wie gelähmt, unfähig mich zu bewegen. Das Feuer tanzt um mich herum. Der Ton dringt zurück in mein Ohr. Stimmengewirr. Bierseelige Unterhaltungen. Ein Summen. Irgendjemand singt in der Ferne ein Lied. Gewaltige Trommelschläge. Die Worte verlieren sich in der Menge, nur die Melodie dringt tief in mein Herz. In diesem Moment wird mir bewusst, dass ich mich um mich selbst bewege und alles andere um mich herum still steht. Das Feuer tanzt um mich herum, weil ich damit spiele. Nein. Das Feuer spielt mit mir und es nimmt mich in Besitz und macht mich ihm Untertan. Ich kämpfe mich frei. Es wird bei einem Versuch bleiben. Die Flammen umfangen mich und holen mich zurück in den Brennpunkt. Ich bäume noch einmal auf, ein letztes Ankämpfen gegen die Hitze und das Feuer. Plötzlich gehen die Flammen zurück, so wie sie gekommen waren. Alles ist dunkel. Ich stehe schweißgebadet in mitten einer Menschenmenge, die sich langsam auflöst. Ein zarter Windhauch kühlt meine Haut und meine Nackenhaare stellen sich auf. Die Nacht umfängt mich nun voll und ganz. Ich kann die Melodie nicht mehr hören, aber in meinem Herzen hallt sie nach. Das Feuer beherrscht mich noch immer, auch wenn es längst erloschen scheint. Ich komme nicht davon los, bin aber doch frei. Frei, wie der Wind. Doch begebe ich mich wieder in seine Fänge, wenn die Dämmerung über einen neuen Tag hereinbricht. Nachts ruft das Feuer wieder nach mir. Es verlangt nach mir und ich gebe untertänigst dem Verlangen nach. Ich entzünde wieder die Flammen und zeigen allen, wie es in mir brennt.

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