Drei und eine Axt – Teil 2

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 2

‚Wem gehört das fremde Pferd im Gatter, wo ist meine Mutter und was ist mit der Tür passiert?‘ kam die Stimme eines jungen Mannes von draußen herein gerufen. Alle blickten auf einen voll bepackten und verdreckten, rothaarigen Bengel, der in der offenen Tür stand.

‚Halef, deine Mutter wäscht die Wäsche unseres Gastes und die Tür war schon kaputt, als du zur Jagd aufgebrochen bist!‘ meinte Ziska schnippisch.

Der Junge war keineswegs weniger erzürnt, als er erblickte, das ein fremder Mann im Bett seiner Mutter lag.

‚Oh, verzeiht Meister Halef. Ich bin Kejnen und die Damen haben einem alten Krüppel Obdach gewährt.‘ meinte der Krieger ruhig.

Der Junge drückte Wena einige erlegte Tiere in die Hand, lies ein Bündel Felle fallen und ging dann zum Waschtrog, um sich sein Gesicht und die Hände zu waschen. Vom Schmutz befreit, wirkte er noch jünger. Sein Blick wanderte am Boden entlang, bis er auf der Rüstung des Kriegers hängen blieb. Er hob sie auf, erkannte die Kriegszeichen daran und blickte dann wesentlich sanfter auf.

‚Meister Kejnen verzeiht mein Misstrauen, die Berichte über Eure heldenhaften Taten der vergangenen Kriege sind längst vor Euch in diese von den Göttern verlassenen Gegend getragen worden.‘ sagte der Junge und senkte dann den Kopf und fuhr fort: ‚Tante, verzeiht meine lange Abwesenheit, ich hatte nicht genug erlegt, um früher zurückkehren zu können.‘

‚Wir schaffen es schon irgendwie, Hauptsache du bist jetzt da, dann können wir morgen mit dem Holz machen beginnen. Aber iss erst mal und dann ruh dich aus.‘ sagte Ziska und wies auf den Kessel, der immer noch über dem Feuer hing.

‚Ich kann euch helfen, so gut es mir mein Zustand erlaubt.‘ meinte Kejnen hilfsbereit.

Ziska wandte sich ihm wieder zu und lächelte ihn an. ‚Wenn Ihr mir erlauben würdet, Euren Rücken und Euer Bein ansehen zu dürfen?‘

Wieder nickte er nur. Ziska aber ging zum Feuerstelle, warf einige Kräuter hinein und kam mit einem Korb voll Beutel und Tiegel zurück. Ein betörender Geruch ergoss sich in der ganzen Jurte.

‚Ihr seid eine Heilerin?‘ fragte Kejnen.

‚So etwas in der Art. Könnt ihr Euch auf den Bauch drehen?‘ fragte sie kurz.

Er versuchte es und mit ihrer Hilfe gelang es ihm auch. Sie legte sich seinen Körper so zurecht, wie sie es für erforderlich hielt. Bei näherer Betrachtung konnte sie erkennen, dass seine Haut nicht nur von Narben übersät war, sondern auch von, unter die Haut gestochenen, Bildern von Göttern und verschnörkelter Ornamente. Sein Oberkörper war von muskulöser Gewalt. Sie ertappte sich selbst dabei, wie sie mit ihrem Blick seiner Wirbelsäule folgte, bis zum Ansatz seiner Afterballen. Etwas irritiert holte sie ein Tongefäß aus dem Korb und lies sich eine ölige Substanz auf die Hand laufen, um sie dann auf seinem Rücken zu verreiben. Diese Prozedur wiederholte sie dreimal. Danach massierte sie seinen von Narben gezeichneten Rücken von oben an, bis zu seiner Hüfte. Vira kam mit der nassen Wäsche in einem Korb zurück und lies ihn aber fallen, als sie ihren Sohn erblickte. Sie begrüßte ihn überschwänglich, dann halfen sie Wena beim Verarbeiten des Fleisches und der Felle. Kejnen war unter der Massage eingeknickt und erwachte erst wieder, als sie ihm die Decke über den Rücken zog.

‚Umdrehen?‘ flüsterte sie ihm sachte ins Ohr, dabei hatte sie mit ihren vollen Lippen die Härchen an seinem Ohr gestreift. Bevor sich seine Nackenhaare aufstellen konnten, folgte er ihrer Frage, als wäre es ein Befehl gewesen. Sie kroch umständlich aufs Bett, kniete sich hinter seinen Kopf und nahm ihn behutsam auf Höhe seiner Ohren hoch. Sie schlüpfte mit den Beinen unter seinen Körper und stützte sich mit den nackten Füßen gegen seine Hüftknochen. Ihre Knie lagen in seinen Achselhöhlen und ihre Finger umfingen sachte von hinten seinen Nacken bis vor zu seinem Unterkiefer. Sie fing an zu summen und dann streckte sie die Beine durch, bis es vier mal knackte. Langsam lies sie wieder los und massierte seine Schläfen, bis sich sein schmerzverzerrtes Gesicht wieder entspannte. Tränen waren ihm bei dieser Prozedur aus den Augen getreten, die sie ihm nun sachte aus dem Gesicht rieb. Vorsichtig zog sie die Beine wieder unter ihm hervor und bettete seine Schultern und seinen Kopf auf einem warmen Schaffell.

‚Alles gut?‘ fragte sie leise.

‚Ich weiß noch nicht!‘keuchte er so leise, dass sie ihn kaum verstand. Geschickt war sie rücklings vom Bett gesprungen und ging vom Kopfende aus ums Bett herum, um sich auf Hüfthöhe an die Bettkante zu setzen. Sie betrachtete einen Moment seine behaarte Brust und ihr Blick wanderte wieder über seinen Körper. Gedankenverloren strich sie ihm über seine Körperbehaarung zu seinem Bauchnabel und darüber hinaus. Aufgeregt schoss ihr das Blut in die Wangen, jedoch konnte man bei dem spärlichen Licht kaum erkennen, dass ihre Wangen rot leuchteten. Sie rutschte hastig bis zum Fußende und schlug behutsam die Decke zurück und betrachtete sein steifes Bein.

‚Ihr müsst unglaubliche Schmerzen haben, jeden Tag.‘ flüsterte sie mehr zu sich, als zu ihm, dabei starrte sie unverwandt auf das vernarbte und verwachsene Etwas, was einst sein Knie gewesen war. Sie rieb beide Handflächen aneinander und hielt sie dann auf sein Bein. Er konnte ihre warmen Hände spüren und dann geschah etwas Unbeschreibliches. Von seinen Zehen an fing sein Bein an zu kribbeln, dann wurde alles heiß. Als die Hitze wieder verflogen war, waren auch seine Schmerzen wie weggeblasen. Ihre Hände zitterten und ihr standen Tränen in den Augen. Langsam streckte er seine Hände aus, um die ihren festzuhalten. Auch er hatte Tränen in den Augen. So verharrten sie einen Moment, bis sie ihm mit einer Hand erneut die Tränen vom Gesicht wischte. ‚Es wird alles wieder werden, zwar nicht von heute auf morgen, aber es wird…!‘

Lächelnd trennte sie sich aus seiner Berührung und stand auf. Als sie zum Feuer ging, torkelte sie fast, kam aber gleich wieder mit zwei Bechern voll heißem Wasser ans Bett getreten. In ihrem Korb wühlend förderte sie einen Beutel nach dem Anderen hervor, um dessen Inhalt entweder in den einen oder anderen Becher zu streuen. Glücklich quietschte sie auf, als sie eine kleine Flasche fand. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht entkorkte sie die Flasche, hielt sie an die Lippen und trank. Die Luft zwischen den Zähnen ein saugend und ein Auge zukneifend, hielt sie ihm die Flasche hin.

‚Einen großen Schluck von Ziska’s schöne Träume und es sind alle Sorgen nur noch Schäume!‘ lachte sie und führte ihm die Flasche zum Mund. Gehorsam trank er einen großen Schluck. Dem Ersticken nahe, brachte er nur ein: ‚Bei allen Göttern!‘ hervor und blickte sie erschrocken an. Er konnte einfach nicht glauben, dass so ein ätherisches Wesen so eine starkes Gebräu hätte brauen können.

Ihr Grinsen wurde nur noch breiter, als sie die Flasche entgegen nahm und wieder verkorkte. Als Nächstes lies sie sich wieder Öl in die Hände träufeln und nahm sich nun seinem Bein an. Sie massierte von seinen Fuß aus nach oben. Sie machte ihm einen Kräuterumschlag um sein Knie, gab ihm seinen Tee zu trinken und massierte dann seinen Oberschenkel. Meister Kejnen hatte wieder die Augen geschlossen und genoss die liebevollen Berührungen dieser Schönheit. Sie hielt erst inne, als ihr gewahr wurde, dass sich die Decke in seiner Körpermitte langsam anhob. Behutsam deckte sie ihn wieder vollständig zu und ging zum Feuer, um Holz nach zulegen.

Dabei stolperte sie fast über den Wäschekorb, in dem die nasse Wäsche immer noch vor sich hin tropfte. Erst Feuer, dann die Wäsche, dachte sie sich und humpelte weiter zur Feuerstelle.

Beim Wäsche aufhängen summte sie wieder vor sich hin. Vira kam herein und blickte zum Bett hinüber.

‚Was hast du mit ihm gemacht?‘ zischte sie vorwurfsvoll.

‚Nichts!‘ verteidigte sich Ziska, zuckte mit den Schultern und legte den Finger auf den Mund.

Vira deute auf die, selbst bei dem schummrigen Licht deutlich zu erkennende Beule in der Decke und zog dabei bei Augenbrauen hoch.

‚Ich hab ihm nur sein Bein massiert!‘ flüsterte Ziska.

‚Genau!‘ meinte Vira ungläubig, sie trat noch näher an Ziska heran und schnupperte an ihrem Mund. ‚Hast du wieder ’schöne Träume‘ getrunken?‘

Ziska nickte und grinste unschuldig und schuldbewusst zugleich.

‚Dann gib mir auch einen Schluck!‘ forderte Vira und übernahm an der Wäsche, damit Ziska die Flasche holen konnte.

Am Bett angekommen, wühlte sie in ihrem Korb. Kejnen drehte sich auf die Seite. ‚Ich hoffe, ich bin den Damen nicht zu Nahe getreten…!‘ räusperte sich Kejnen leicht beschämt.

‚Nein, Meister Kejnen, keinesfalls. Nach einer meiner Behandlungen sollt Ihr Euch so wohl wie nur erdenklich möglich fühlen und bei Männern gehört das da eben dazu.‘ meinte Ziska beschwichtigend, aber nicht ohne ihm noch einmal auf seine immer noch geschwollene Männlichkeit zu blicken. ‚Ich lege Euch frische Kleidung ans Bett für morgen früh, nicht dass ihr mir mit…!‘ Sie räusperte sich: ‚…ähm noch die Kinder erschreckt..!‘ Sie fuhr nicht fort, weil sie ein Lachen zu unterdrücken versuchte. Sein beschämter Ausdruck zerbrach in ein Lächeln, das aber sein Gesicht wieder in etwas Abscheuliches verwandelte. Ziska packte sein Gesicht und zog es glatt. Dann lies sie blitzartig von ihm ab und kramte wieder in ihrem Korb.

‚Das hab ich eigentlich für Vira gemacht, gegen ihre Falten!‘ flüsterte sie, wackelte mit einem Tiegel vor seinem Gesicht herum und hielt sich dabei einen Finger vor den Mund. Ehe er etwas erwidern konnte, schmierte sie ihm schon das Gesicht damit ein.

‚Womit habe ich Euch verdient? Euch haben die Götter geschickt!‘ meinte Kejnen feierlich.

‚Ja, die Götter mussten einen ziemlich albernen Tag gehabt haben, als sie uns Ziska geschickt haben!‘ meinte Vira und hielt ihnen einen Stapel Wäsche hin. Ziska kicherte nur und verdeckte ihr Gesicht mit den beiden Gefäßen.

‚Willst du was fürs Gesicht, oder was fürs Gemüt?‘ konterte Ziska und hielt einmal den Tiegel hoch und ihr die Flasche hin.

‚Wenn ich erst betrunken bin, kann es mir völlig egal sein, wie viele Falten ich im Gesicht habe!‘ meinte Vira, warf die Wäsche aufs Bett und schnappte ihr die Flasche aus der Hand. Ziska schmierte sich mit völlig überzogenen Gesten das Gesicht mit der Salbe ein. Vira stöhnte laut auf, als sie die Flasche wieder von den Lippen nahm. Dann gab sie die Flasche Kejnen, der sie die ganze Zeit interessiert beobachtet hatte. ‚Habt dank! Für alles!‘ sagte er, bevor er die Flasche zum Trinken an den Mund führte. Nach diesem Schluck keuchte er wieder, als wäre er dem Ersticken nahe. Vira schnappte sich den Tiegel aus Ziska’s Hand, machte einen Diener und torkelte zum anderen Bett hinüber. ‚Ich wünsche allseits schöne Träume!‘ meinte sie noch, mehr zum Tiegel, als zu den Beiden anderen. Mit einem lauten Poltern stützte sie aufs Bett und blieb reglos liegen.

‚Sie verträgt nicht so viel!‘ flüsterte Ziska mit vorgehaltener Hand und machte mit der anderen Hand eine Trinkbewegung.

‚Das habe ich gehört!‘ meinte Vira.

Ziska kicherte vor sich hin und bliebt seine Hand haltend am Bett sitzen. Nach einiger Zeit lehnte sie sich an den Bettpfosten und nickte ein. Meister Kejnen träumte von den erhabensten Momenten in seinem Leben und von diesen drei Frauen, die er heute kennen lernen durfte. Irgendwann sackte ihr Körper vom Bettpfosten und blieb in gekrümmter Haltung am oberen Teil des Bettes liegen. Ihr Hintern und ihre Beine hingen über die Bettkante hinaus.

Mitten in der Nacht wurde Vira wach und schwankte zu ihnen hinüber. Kejnen schreckte hoch, als Vira Ziska’s Beine aufs Bett hob und ihren Körper am Hintern unter seine Decke schob. Er hielt immer noch den Kopf erhoben und blickte sie etwas ungläubig an. Vira machte beruhigende Geräusche, strich ihm über die Stirn und seine Haare und gab ihm damit zu verstehen, dass er weiter schlafen sollte.

Ziska hatte sich an seinen Arm geklammert und schlief in aller Ruhe weiter, während er mit pochenden Herzen neben ihr lag und nicht wagte auch nur ihr Haupthaar zu berühren. Er kam sich vor wie ein Junge, der zum ersten Mal bei einer Frau liegen würde.

Über sich selbst wundernd lag er noch eine ganze Weile wach da, bis er endlich ein döste, um einen gefühlten Augenblick später wieder geweckt zu werden, als sie sich im Schlaf noch einmal drehte und auf seiner Schulter liegen blieb. Ihren festen Hintern drückte sie gegen seine Seite und seinen Arm presste sie fest an ihre Brust. Weil sein Herz vor Aufregung raste, hatte er Angst, es würde so laut Schlagen, dass sein Herzschlag sie wecken könnte. Angesichts einer Übermacht an Feinden vor einer Schlacht hatte er nie Herzrasen bekommen, aber wenn eine vollständig bekleidete Frau seinen Arm gegen ihren bedeckten Busen drückte. Er war einfach zu lange allein. Sein Knie fing wieder an zu toben und sein Schwanz richtete sich erneut auf. Trotz all dieser Umstände schlief er irgendwann wieder völlig erschöpft ein.

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