Schnee

Schnee

Es muss ein Traum sein! Schnee, Ruhe, Stille. Eine Frau stapft durch den Schnee. Rote Backen, Blaue Lippen und Schnee soweit das Auge reicht. Sie läuft im Wald auf einem Hügel entlang, dass dieser Hügel ein Relikt aus der Steinzeit ist, ist ihr völlig bewusst. Die Landschaft ist aber nicht nur von den letzten Eiszeiten und den Ureinwohnern geprägt. Die Kelten und Römer haben hier genauso gewohnt und die Landschaft nach ihren Vorstellungen verändert. Später kamen allerlei Adelige und Ritter, auch Raubritter und Räuber. Die Landwirtschaft prägt die Landschaft schon seit dem die Menschen sesshaft geworden. Viele Kriege waren übers Land gezogen und wenn man mal überlegt, wie viele Menschen im Laufe der Zeit hier ums Leben gekommen sind, ob gewaltsam oder aufgrund Krankheit oder Alter, dann könnte es einem schon mulmig werden. Sie ist also noch nicht mal in der Einsamkeit allein. Jetzt wo der Schnee alles bedeckt, ist alles ganz still. Man kann die Geister der Vergangenheit fast spüren. Sie stapft weiter, der Schnee geht ihr fast bis zum Knie. Hätte sie vielleicht doch auf dem Weg bleiben sollen? Auf dem Weg kann es doch jeder, man muss schon ab und zu vom Weg abkommen, um wieder zum eigenen Weg zurückzukommen. Ihr Weg ist ihr Ziel. Sie trägt einen Kilt und sie hat sich Wollstoffstreifen und Leder um die Beine gewickelt, am Füße trägt Frau Holzschuhe. Auf den Rücken hat sie einen Korb geschnallt. Die Kraxe ist diesmal nicht schwer beladen, aber trotzdem muss sie bei jedem Schritt aufpassen, dass die nicht ausrutscht. Die Holzschuhe sind total vereist und sie muss alle paar Schritte den fest gepressten Schnee von den Sohlen abklopfen. Kalte Füße hat sie dennoch nicht, die Schurwolle tut ihre Pflicht, ob Sommer oder Winter, trägt sie Wollsocken. Sie hat immer warme Füße, die Füße schwitzen aber nicht. Die Menschen haben sich schon was dabei gedacht, als sie nadelgebundene Socken erfunden haben. Ein Hoch auf die Wikingerfrau, die sich da mal Gedanken gemacht hat. Sie hatte wahrscheinlich eine chronische Blasenentzündung und immer kalte Füße, dann erfand sie bestimmt das Nadelbinden.

Sie läuft immer noch durch den Schnee, am Ende ihres Kilts haben sich kleine Schneeklumpen gebildet, wie beim Fell eines Hundes, der durch tiefen Schnee läuft. Wie gerne hätte sie einen treuen Begleiter dabei, aber sie geht allein. Sie ist am Ende des Waldes angekommen und ihr Blick fällt nun auf ein weites Tal. Die Sonne geht über den Alpen auf. Das Morgenrot taucht das ganze Voralpenland in ein warmes Licht. Sie kommt sich vor, als wäre sie der einzige Mensch auf der Welt, wie ein Ureinwohner. Ein Neandertaler. Nur sie und die Geister der Ahnen. Es ist auch gut so, dass sie wirklich alleine ist. Sie trägt eine Fellmütze, eine Gugel, eine Wolltunika und ist mit Wolle und Fellen umwickelt. Ein Mensch in der heutigen Welt, würde die Polizei rufen oder weglaufen, wer er ihr allein im Wald begegnen würde. Früher wäre es eher weniger Ungewöhnlich gewesen. Da wäre nur die Frage gewesen, ob Freund oder Feind. Heute holt man die Polizei oder gleich einen Krankenwagen. Menschen die so rum laufen, müssen doch krank im Kopf sein. Aber wie soll man den herausfinden, wie es damals war, wenn man sich nicht in die damalige Zeit hinein versetzt. Da könnte sich so mancher Professor noch ein Scheibchen abschneiden. Sie steht immer noch an der Stelle, an der sie vorhin aus dem Wald gekommen war, der Ausblick ist einfach so atemberaubend, dass sie sich zwingen müsste, den Blick wieder auf den Weg zu richten. Einen Moment noch steht sie am Waldrand, als wäre sie dort fest gefroren. Dann läuft sie ins Tal zur Straße hinunter…. in dem Moment fährt ein oranger Schneepflug vorbei.

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