Hofnarr, der Dritte

Hofnarr, der Dritte

Das ganze Schloss war in heller Aufregung.

‚Wo ist er nun? Wo er ist, habe ich gefragt!‘

Alle liefen wie aufgeschreckte Hühner durcheinander.

‚Er hat mich zu belustigen! Sofort!‘

Der Fürst war sehr ungehalten und lies seine Untergebenen die alle Räumlichkeiten durchkämmen. Ja, alle bis auf sein Hofnarr. Dieser Narr war heute Nacht nicht zu seinem eigenen allabendlichen Schauspiel angetreten. Nachdem er der einzige Spieler in seinem Schauspiel war, wird es wohl heute keinen Applaus geben.

‚Er ist dazu da um allein mir zum Gefallen gereicht zu werden!‘

Die Worte des Fürsten schallten durch das Gemäuer der Burg. Genau dazu hatte der Hofnarr in dieser Nacht genauso wenig Lust, wie schon in den Nächten davor. Und wenn der Papst höchstpersönlich anwesend wäre…

Er saß im letzten Winkel des Turmes und hatte eine Decke über seinen Kopf gezogen. Darunter hatte er seine Narrenkappe bis auf die Nase gezogen und eine Flasche vom besten Wein zwischen den Beinen. Des Fürsten bester Wein war halb leer und er halb voll, allein dafür würde er seinen Kopf verlieren, wenn er ihn nicht schon längst verloren hätte. Für das Nichterscheinen zu seiner durchlauchten Belustigung allerdings auch.

Er hörte ihn schon brüllen: ‚Ab mit seinem Kopf!‘

So oder so, würde er heute Nacht noch seinen Kopf verlieren.

Er lugte unter der Decke hervor und hielt sich seinen Spiegel vors Gesicht. Sein Blick war müde und leer, genauso wie sein Spiegelbild.

Das Zerbersten des Spiegels erschütterte selbst den Thronsaal. Als man den Narren endlich fand, war die Flasche umgestoßen und der Spiegel zerbrochen. Seine Narrenkappe lag in einer roten Lache und er saß immer noch an die Wand gelehnt da, mit der Decke über dem Kopf.

Nur ein geschultes Auge, hätte die Blutstropfen auf seinem Wams gleich entdeckt. Aber nachdem sie ihm hastig die Decke vom Kopf rissen, erblickten sie er dann sein blutüberströmtes Gesicht. Seine Hand rutschte unter der Decke hervor und aus seiner Hand kugelten zwei blutigen Klumpen. Die eine schaurige Blutspur auf den Dielen hinterließen, bis sie zwischen den Scherben liegen blieben, um sich bei den Anwesenden mit einem letzten strafenden Blick zu verabschieden.

So endet diese Geschichte mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Weil ein Junge die Kappe aus der Lache zog. Ob er den Sinn des Narren darin wieder finden möge? Auf das sein Spiel von vorne beginne.

Ihre Bestellung bitte…

Ihre Bestellung bitte… (Dez. 2008)

Es war der absolut beschissenste Arbeitstag seit langem. Die ganze Welt ist gerade heute auf die Idee gekommen, dass es eine Sozialversicherungspflicht geben könnte. Die haben heute alle auch nur bei mir angerufen, um sich von mir aufs ausführlichste Beraten zu lassen. Die 100 Fälle, die ich heute auch noch bearbeiten hätte müssen, schreien wie hungrige kleine Vogelkinder in meinem Postkorb. Dann geht auch noch der Drucker kaputt und ich muss eigentlich noch ein Mitarbeiterschulung halten. So ist es jetzt fast jeden Tag. (So ist es seit dem eigentlich jeden Tag!) Nicht, dass ich mich daran gewöhnen könnte, gewöhnen kann sich keiner an so einen Stress. Nach halb sieben steht der Hausmeister da, mit dem Zeigefinger auf der Uhr pochend und setzt mich vor die Tür. Aus der Tiefgarage raus und weiter quer durch die Stadt zum nächsten Termin. Auf dem Mittleren Ring fällt mir auf, dass ich heute noch nichts gegessen habe. Ich fahre zum McDonalds in den Drive Inn.

‚Willkommen bei McDonalds, Ihre Bestellung Bitte!‘

‚Ein Hamburger Royal TS Maxi Menü mit Sprite ohne Eis und Curly Fries, ne Mayo und ein Chicken Wrap!‘

‚Chicken Wrap mit Senfsoße!‘ (Das behaupten die jedes mal, egal an welchen McDonalds ich einen Chicken Wrap bestelle!)

‚Nein, weiße Soße, weiße Soße verdammt!‘ (Verdammt nochmal! Auf die Scheiß Senfsoße muss ich kotzen!)

‚Wirklich keine Senfsoße?‘

‚NEIEN!‘

‚Fahren Sie zum nächsten Fenster vor!‘

Da steht ein Typ und sagt mir einen Betrag, ich habe diesen schon abgezählt und reiche Geld rüber.

‚Musst du allein essen, heute?‘

‚Des geht Sie nichts an!‘

‚Oh, du musst allein essen heute!‘

‚Kann ich mein Wechselgeld haben?‘

Beim Überreichen des Wechselgeldes streichelt er mir über die Hand. Ich gebe Gas und fahre zum nächsten Fenster. Da steht der Kerl wieder da. (Der hat sich aber ganz schön beeilt!)

‚Musst du allein essen heute?‘

‚Kann ich verdammt nochmal mein Essen haben!‘

‚Woher kommst du?‘

‚Von der Arbeit und gehen Sie mir jetzt endlich mein Essen, sonst…!‘

Da wird er auch schon von einer Kollegin zur Seite geschubst und ich kriege endlich mein Essen! Sein Glück!

Hab fest vor, an dem selben McDonalds wieder hinzufahren und wenn ich da nochmal sexuell Belästigt werde, dann zieh ich den Typen aus seinem Glaskasten und wisch mit ihm den Boden, bis zu seinem Geschäftsführer, bei dem ich mich dann auch noch beschwere. Komme nie zwischen mich und mein Essen, verdammt!

(Damals gab es noch die guten alten Chickenwraps, heul!)

Der Mehlwurm

Der Mehlwurm

Der Mehlwurm ist eines der nichtswürdigste Wesen in der heutigen Zeit. Auch in der Vergangenheit war er nicht sonderlich beliebt, der sogenannte Mehlwurm ist die Larve des Mehlkäfers und ist bis heute hauptsächlich in Backstuben zu finden. Neben Mehl, Getreide und andere Ungezieferarten fressen sie auch mal ganz gerne ihre eigenen Artgenossen. Bevor die Menschheit Backstuben erfunden hat, haben sie im Waldunrat (Mulm) gelebt. Diese evolutionäre Tatsache bezeichnet man als Kulturfolger. Sie folgen dem Fortschritt und überleben mitten unter uns.

Der Trick, wie diese Art solange überleben konnte, ist, dass die unzähligen Eier des Mehlkäfers klebrig sind. An den Eiern bleibt dann Staub und/oder Mehl kleben und so sind sie kaum von dem anderen Dreck unterscheidbar. Dieser Tarnmodus schützt die Brut vor ihren natürlichen Feinden.

So, jetzt werden sich einige Fragen, wieso ich einen total langweiligen Artikel über Mehlwürmer schreibe? Ich will mir selbst nicht vorgreifen, also bitte lesen sie weiter. Auch wenn sie bereits Gähnen.!

Kaum einer nimmt dieses kleine possierliche Tierchen zur Kenntnis. Aber so manch einer nimmt sie in den Mund und/oder lässt es von anderen in den Mund nehmen. Wo einerseits der arme Mehlwurm, mit unzähligen seiner Artgenossen in einem engen Plastikbehältnis gepfercht, sein Dasein fristet, um dann wiederum qualvoll an einem Haken aufgespießt zu werden, um in seinem zappelnden Todeskampf als Henkersmahlzeit für so manchen gefräßigen Fisch endgültig das Zeitliche zu segnen, ist er andererseits nur banales Lebendfuttermittel für so manch skurriles Haustier. Und nachdem alle Insekten laut dem Tierschutzgesetz nicht als Tiere gelten, ruft es auch keinen Tierschützer auf den Plan, wenn dieses niedlichen, kleinen Würmer von perversen Köchen zu Vorspeisen verarbeitet werden. Ihr Leben ist im Vorratskammern von Insektenküchen zwar angenehmer als in diesen kleinen Plastikbehältnissen, aber am Ende sterben sie qualvoll in Aspik.

Doch bevor man sie in Glibber ertränkt, werden sie noch mit Karotten oder Äpfel gefüttert, damit sie nach ihrem Fressen schmecken. Die Überlegung irgendwas stinkendes Ungenießbares in ein Insektenlokal zu schmuggeln, um es ihnen als Mahlzeit darzureichen, würde im Endeffekt auf jeden Fall irgendjemand zum Kotzen bringen. Haha.

Ich schweife irgendwie schon wieder vom Wesentlichen ab. Der Mehlwurm, wird von vielen einfach so in den Mund genommen, wird aber nicht einmal ein Bisschen dafür gewürdigt. Jeder von uns hat den Mehlwurm schon als Demütigung für einen anderen armen Menschenwurm zweckentfremdet, ohne allerdings an das armselige Leben eines solchen auch nur einen Gedanken zu verschwenden. Rettet das Andenken an den gemeinen Mehlwurm, los macht mit…

Allerdings auf die Frase ‚Schlag mich, beiss mich, gib mir Tiernamen!‘ gibt es halt auch nur eine Antwort: Mehlwurm!

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