Der Mehlwurm

Der Mehlwurm

Der Mehlwurm ist eines der nichtswürdigste Wesen in der heutigen Zeit. Auch in der Vergangenheit war er nicht sonderlich beliebt, der sogenannte Mehlwurm ist die Larve des Mehlkäfers und ist bis heute hauptsächlich in Backstuben zu finden. Neben Mehl, Getreide und andere Ungezieferarten fressen sie auch mal ganz gerne ihre eigenen Artgenossen. Bevor die Menschheit Backstuben erfunden hat, haben sie im Waldunrat (Mulm) gelebt. Diese evolutionäre Tatsache bezeichnet man als Kulturfolger. Sie folgen dem Fortschritt und überleben mitten unter uns.

Der Trick, wie diese Art solange überleben konnte, ist, dass die unzähligen Eier des Mehlkäfers klebrig sind. An den Eiern bleibt dann Staub und/oder Mehl kleben und so sind sie kaum von dem anderen Dreck unterscheidbar. Dieser Tarnmodus schützt die Brut vor ihren natürlichen Feinden.

So, jetzt werden sich einige Fragen, wieso ich einen total langweiligen Artikel über Mehlwürmer schreibe? Ich will mir selbst nicht vorgreifen, also bitte lesen sie weiter. Auch wenn sie bereits Gähnen.!

Kaum einer nimmt dieses kleine possierliche Tierchen zur Kenntnis. Aber so manch einer nimmt sie in den Mund und/oder lässt es von anderen in den Mund nehmen. Wo einerseits der arme Mehlwurm, mit unzähligen seiner Artgenossen in einem engen Plastikbehältnis gepfercht, sein Dasein fristet, um dann wiederum qualvoll an einem Haken aufgespießt zu werden, um in seinem zappelnden Todeskampf als Henkersmahlzeit für so manchen gefräßigen Fisch endgültig das Zeitliche zu segnen, ist er andererseits nur banales Lebendfuttermittel für so manch skurriles Haustier. Und nachdem alle Insekten laut dem Tierschutzgesetz nicht als Tiere gelten, ruft es auch keinen Tierschützer auf den Plan, wenn dieses niedlichen, kleinen Würmer von perversen Köchen zu Vorspeisen verarbeitet werden. Ihr Leben ist im Vorratskammern von Insektenküchen zwar angenehmer als in diesen kleinen Plastikbehältnissen, aber am Ende sterben sie qualvoll in Aspik.

Doch bevor man sie in Glibber ertränkt, werden sie noch mit Karotten oder Äpfel gefüttert, damit sie nach ihrem Fressen schmecken. Die Überlegung irgendwas stinkendes Ungenießbares in ein Insektenlokal zu schmuggeln, um es ihnen als Mahlzeit darzureichen, würde im Endeffekt auf jeden Fall irgendjemand zum Kotzen bringen. Haha.

Ich schweife irgendwie schon wieder vom Wesentlichen ab. Der Mehlwurm, wird von vielen einfach so in den Mund genommen, wird aber nicht einmal ein Bisschen dafür gewürdigt. Jeder von uns hat den Mehlwurm schon als Demütigung für einen anderen armen Menschenwurm zweckentfremdet, ohne allerdings an das armselige Leben eines solchen auch nur einen Gedanken zu verschwenden. Rettet das Andenken an den gemeinen Mehlwurm, los macht mit…

Allerdings auf die Frase ‚Schlag mich, beiss mich, gib mir Tiernamen!‘ gibt es halt auch nur eine Antwort: Mehlwurm!

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