Akte 14 – Monster of the Week – Der Wachmann

Akte 14 – Monster of the Week – Der Wachmann

Im Amt. Montag. Es ist 18.30 Uhr. Das Adventskalendertürchen ist noch unberührt. Die Büros liegen im Dunkeln. Nur vom Gang strömt Licht herein. Man kann nur ein gleichmäßiges, mechanisches Klicken hören, alle paar Sekunden. Von Weiten ist ein lautes Türknallen zu hören. Knall. Der Klicklaut verstummt, nachdem ein langgezogenes Pfeifen zu hören ist. Man hört, wie ein Gerät eine Seite einzieht und bedruckt. Knall. Nach ein paar Sekunden kann man einen Kugelschreiber über Papier kratzen hören. Knall. Wieder das mechanische Klicken, das schätzungsweise von einem Tacker stammt. Papierrascheln und ein Knall. Schlurfende Schritte sind zu hören. Knall. Nun kann man in den Raum sehen, von dem die Bürogeräusche kamen, dort brennt noch Licht und etwas bewegt ist darin. Eine sichtlich überarbeitete Mitarbeiterin mit wirren Haaren, faltet einige Ausdrucke in der Mitte und kritzelt auf die Oberseite irgendwas Unentzifferbares. Soll das Grumpftl heißen? Knall. Die Mitarbeiterin klemmt sich die gefalteten Papiere unter den Arm und läuft aus dem Raum. Knall. Den Gang entlang, um an der Ecke scharf abzubiegen und den anderen Gang wieder zurück zulaufen. Knall. Sie bleibt stehen. Stille. Aus einem leeren dunklen Büro hört man ein Rascheln, ein Knistern, das dabei entsteht, wenn man ein Bonbonpapier öffnet. Wachsam aufblickend, verschwindet die Mitarbeiterin in ihrem Büro. Durch die halboffene Tür konnte sie den Wachmann aus dem dunklen Nachbarbüro kommen sehen. Knall. Die Tür ist zu. Augenscheinlich lutscht er an einem Bonbon. Er hinkt den Gang entlang, ein Bein nachziehend, den Elektroschocker fest in der Hand und den Rücken zum Buckel gebeugt. Igor lässt grüßen. Er zieht die Luft keuchend ein und humpelt weiter. Man kann seinen Atem hören und ein penetranter Duft nach Eukalyptus zieht ihm nach. Es muss ein Hustenbonbon gewesen sein. Bonbonklauer. Er greift nach der nächsten Türklinke und Knall. Die Mitarbeiterin blickt zu ihrem Adventskalender, das 14 Türchen steht sperrangelweit offen, panisch läuft sie drauf zu und blickt hinter das 14. Türchen. Und was sie da erblickt, lässt ihren Blutzuckerspiegel rapide gen China sinken.

Der Wachmann hörte nur noch ein: ‚NEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIINNNNNNNNNNNN!‘ weit entfernt und eine Tür knallen und die Glastür auf und zu schwingen. Grinsend humpelt er weiter, den Elektroschocker fest in der Hand. Knall.

Aus der Rubrik: Die verschwundenen Adventskalender-X-Akten 2009 – Monster of the Week

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Jetzt schlägt’s aber 13 – Doppeldrücker leben länger?

Jetzt schlägt’s aber 13 – Doppeldrücker leben länger?

Himmel ich habe verschlafen. So ein Mist. Ich springe auf, ziehe mich an, renne ins Bad und mit der Zahnbürste im Mund ins Auto. Ich rase in die Arbeit. Scheiß auf Geschwindigkeitsbegrenzungen. Als ich endlich an der Stempeluhr ankomme, ist es kurz vor 13 Uhr. Verdammt, das wird ein langer Tag heute. Mein Kopf saust, als ich auf den Aufzug warte. Ich drücke auf der einen Seite den Knopf nach oben und natürlich geht die Aufzugtür auf der anderen Seite auf. Ich drehe mich um, schlürfe resigniert hinüber und steige ein. Fiep und ich drücke den vierten Stock. Scheiß Hochsicherheitstrakt. Im ersten Stock hält der Aufzug, die Türen gehen auf, es ist niemand da. Hm. Die Türen gehen zu und der Aufzug setzt sich wieder in Bewegung, um im zweiten Stock wieder zu halten. Ich sehe noch, wie sich auf der anderen Seite die Aufzugtüren wieder schließen. Boa, immer diese Doppeldrücker! Ich werd hier eines Tages noch Amoklaufen. Ist es denn so schwer nur auf die eine Taste zu drücken, die man extra mit einem Richtungspfeil gekennzeichnet hat:

Ich will nach oben, ich drücke auf die Taste mit dem Pfeil nach oben.

Ich will nach unten, ich drück auf die Taste mit dem Pfeil nach unten.

Ist ja nicht so schwer!

Der Aufzug hat mittlerweile im dritten Stock gehalten und ich habe mir schon überlegt, mit meinem Laptopkabel Amok zu laufen. Aber nachdem keiner im Gang war, habe ich die Doppeldrücker nochmal verschont. Murphys Law wurde ausschließlich dafür erfunden, um mich den ganzen lieben Tag damit zu ärgern, morgens, mittags, abends, Tag ein Tag aus…

Es ist bereits weit nach 13 Uhr, als ich endlich im vierten Stock ankam. Ich schleiche mich den Gang entlang, in der Hoffnung von niemanden entdeckt zu werden.

‚Jetzt schlägst aber 13, Frau Rösner!‘ höre ich aus dem Büro meines Chefs. Ich humple in einer devoten Haltung vorbei und versuche zu lächeln, während ich meine Mütze zum Gruß lüpfe.

Ich denke mir das Obligatorische: ‚Ja, ja, leck mich am A…!‘

Das morgendliche Wachwerd-Ritual, wenn auch ein wenig spät, beginnt: (Und wehe ich werde von einem Kollegen gestört, bevor mein Hintern zum ersten Mal auf meinem Stuhl sitzt und ich meinen Tee getrunken habe…)

Bürotür auf, Tasche auf den Schreibtisch, Jacke aus und über den Stuhl, PC an, ab in die Teeküche, Wasser aufsetzen, wieder zurück ins Büro, Fenster auf, Blenden und Außenjalousien runter (auch im Winter!), Passwort eingeben, mit Teebeutel und Tassen zurück ins Teekammerl, die Tassen waschen, Tee aufgießen, ab ins Büro, Tür zu und verkriechen bis mit der Wachmann mich raus wirft. Wäre ich nicht so übernächtigt gewesen, wäre mir bereits an dieser Stelle aufgefallen, dass wir einen Fehler in der Matrix haben und somit die Glaubwürdigkeit dieser Geschichte rapide gen China sinkt.

Aber ich arbeite bis ich kurz vor 18.30 fieberhaft an meinen Fällen und werde erst durch lautes Türen zuschlagen von meiner Arbeit hochgeschreckt. Irgendwann bleibt mir noch mal das Herz stehen. Der Wachmann dreht wieder seine Runden unten im dritten Stock und knallt die Türen, damit ihn auch ja jeder hört. Ich blicke zu meinem Adventskalender. Verdammt, den habe ich heute ganz vergessen. Ich denke mal wieder nicht nach und mache das 13. Türchen auf und hole ein kleines Schokoladenhandy (oder so was in der Art) heraus und vernasche es, dann renne ich zum Drucker, um meine Ausdrucke zu tackern.

Die Abteilung ist wie ausgestorben, was mich aber nicht weiter verwundert. Ist ja wie jeden Tag um 18.30 Uhr hier im Amt. Ich renne aufs Klo und als ich nach meiner Verrichtung den Toilettenraum wieder verlassen wollte, steht der Wachmann vor mir. Wir erschrecken beide und er zückt einen Elektroschocker.

Ich höre nur noch ein Knistern…brrrrrzzzzzl… und schrecke aus dem Schlaf hoch.

Verdammt Frau Rösner, wir haben den 13. Dezember 2009, es ist genau 13.00 Uhr und du hast geschlafen und geträumt, weil es Sonntag ist und am Sonntag will keiner arbeiten.

Aus der Rubrik: Die verschwundenen Adventskalender-X-Akten 2009

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