The Winchester 1912 Way of Live – Sushi für den Superzombie

The Winchester 1912 Way of Live – Sushi für den Superzombie

Ich habe mein 19. Türchen bereits aufgemacht, ohne weitere Zwischenfälle, vielleicht doch kein Fluch. Hm. Mitten in meinem Morgenritual höre ich die Glastür schwingen. Ich schlurfe wie ein Zombie über den Gang, weil meine bescheuerte Teetasse sich irgendwie nicht gescheit tragen lässt. Also bringe ich sie lieber im Schneckentempo ins Büro zurück, ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten. Bei Supernatural hätten mich die geilen Winchester-Brüder schön längst gekillt, in dem sie mir den Kopf mit einer Axt abgehackt hätten. So in Gedanken versunken kann ich gerade noch eine rote Feuerwehraxt erkennen, wie sie haarscharf an meinem Kopf vorbei saust und im Türrahmen stecken bleibt. Wenn ich volles Haupthaar hätte, hätte ich wohl ganz schön Wolle gelassen.

Für einen Zombie bin ich ziemlich schnell und reagiere fauchend, schmeiße meinem Angreifer die volle Teetasse in die Fresse und mache eine Flugrolle in mein Büro. Erschreckend behände verschwinde ich hinter meiner Stellwand. Viele Legolas-in-geilen-Rüstungen-Poster grinsen Richtung Tür.

‚Für nen Zombie ist sie ziemlich schnell, Sam!!‘ Ich höre das Repetieren einer Schrotflinte. ‚Sam, alles in Ordnung?‘ meinte… Dean Winchester. Ja, Dean Winchester, wie geil. Er kommt mit einer wunderschönen Winchester 1912 Pump-Action in mein Büro gestiefelt. Traumhaft. Aber was ist das?

Himmel, was hat er da an? Ein pullundertragender Dämonenkiller in meinem Büro. Die geile Drecksau in einem Pullunder, das sieht ja mal richtig Kacke aus. Und hat er da eine Fliege um seinen Hemdskragen? Igitt.

Was habe ich nun heute schon wieder verbrochen, dass mich das Universum immer so strafen tut. Ich hab mir die Beiden doch nackt und gebondaged von der Decke hängend mit Sushi dekoriert gewünscht. Hm. Und Wasabi mit Sojasoße im Bauchnabel. Rrrrrr. Kalte Dusche. Kalte Dusche. Eiskalte Dusche.

Dean schießt durch die Trennwand und macht Legolas ein hübsches Loch, wo einmal sein Gesicht gewesen war. Ich bin stinksauer, blicke durch das Loch in meiner Trennwand. Beim zweiten Schuss, hopse ich wie ein Frosch auf die Stellwand, balanciere einen Moment auf der Kante und springe auf Dean. Während ich ihm genüsslich, die Fliege vom Hals reiße, sein Hemd zerfetzte und ihm dann in aller Seelenruhe die Kehle zerbeiße, kommt Sam mit einem ziemlich roten Gesicht in den Raum geschossen. Der Tee scheint ihm anscheinend nicht sonderlich bekommen zu sein. Er naggelte an der Axt, bekommt sie aber nicht aus dem Rahmen. Kein Wunder! Er hat ja auch so ein brechreizerregendes Outfit an. Dachten die Beiden etwa, dass wir hier im Amt alle so herumlaufen? Genau! Ich putze mir den Mund mit dem bestulpten Ärmel ab und verschmiere dabei Dean’s Blut noch mehr in meinem Gesicht, während ich von Dean’s reglosen Körper aufspringe. Ich blicke auf den Boden, sehe aber nur meine blutbespritztes Dekolletee. Blut läuft mir aus dem Mund und tropft über meine Brüste auf den Boden. Fauchend springe ich, wieder wie ein Frosch, auf Sam. Durch die Wucht meines Aufpralles, reißt der Axtstiel vom Blatt ab und Sam fällt um. Im Sturz verbeiße ich mich schon in seinem Hals. Mit letzter Kraft treibt er mir den Axtstiel in den Leib und wir bleiben beide reglos übereinander liegen. Naja, zumindest kann ich von mir behaupten, ich wäre mal auf dem geilen Sam gelegen. Hm.

Im Augenwinkel sehe ich unglaublich schöne Schuhe und einen Mantel auf mich zu fliegen.

‚Talentiert, Frau Rösner! Sie können ja mal gar nichts, aber Hauptsach‘ literweise Blut verbritscheln.‘ Diese eindringliche Stimme bohrt sich in meinen Kopf, so wie der Axtstiel so eben durch meinen Magen gebohrt wurde. Ich blicke auf und sehe zwei zu einem Dreieck gefalteten Hände mit unglaublich langen Fingern und tollen langen, schwarzen Nägeln. ‚Und Sie, Herr Winchester, auch sehr talentiert! Einen Zombie können auch Sie nicht durch einen Holzpflock töten und erst reicht nicht, wenn man den Pflock von Hinten durch den Magen treibt. Sehen Sie, was ihre Spezialisierung auf Dämonen ihnen gebracht hat? Einen Scheißdreck!‘

Ich sehe noch einen schönen Schuh in Sam’s Seite treten. Ein Ruck zieht sich durch meinen Körper, weil der Axtstiel aus meinem Körper gezupft wurde. Die Schuhe und der Mantel entfernen sich wieder von mir, ich kann nur noch den wabernden Mantel sehen und einen Stehkragen, der hinter der Ecke verschwindet.

Eure Magnifizenz!‘ Höre ich hinter mir, als Dean bereits wieder auferstanden war. ‚Zu Diensten!‘

Sam schlägt seine milchigen Augen auf und röchelt mich an. Toll, so hab ich mir das Zusammentreffen mit Dean und Sam nicht vorgestellt. Ich küsse ihn trotzdem, auch Superzombies haben ein Privatleben…Mit einem Schmunzeln auf den Lippen werde ich in meinem warmen, weichen Felltraum wach. Ich kann Blut in meinem Mund spüren…ich glaub ich geh‘ heute Sushi essen. Woher ich wusste, dass es ein Traum ist, heute ist Samstag verdammt! Heute geht noch nicht mal der Wachmann ins Amt. Und ich wurde vor elf, ausnahmsweise mal nicht von den Zeugen Jehovas geweckt, sondern von den Winchester Brüdern. Wie geil!

Advertisements

Brot kann schimmeln, was kannst du?

Brot kann schimmeln, was kannst du?

Als ich am 18. Tage in die Teeküche ging und in den Kühlschrank blickte. Ohne Grund. So wie ich ab und zu in meinem Morgenritual inne halte und in den Kühlschrank blicke, obwohl da von mir überhaupt nichts drinne ist. Ich wundere mich dann immer, wem die Leberwurst eigentlich gehört und erwarte eigentlich täglich, dass sie damit anfängt mit mir zu sprechen. Weil langsam ist sie ein Hort für einen magischen Pilzhain. Eigentlich warte ich jeden Tag drauf, dass sich endlich jemand outet und das mittlerweile fast zur Unkenntlichkeit verschrumpelte Teil endlich weg wirft.

Ich bin mir auch nicht mehr so ganz sicher, ob sie vielleicht doch von mir ist. Hm.

Also ich blicke also in den Kühlschrank und ich mache die Tür schon wieder zu. Als ich eine schlürfende Stimme höre. Ich reiße die Tür wieder auf und blicke ungläubig auf die Leberwurst. Sie spricht allerdings nicht mit mir. Es ist die Tupperdose, die mir gerade in mein Ohr flüstert.

‚Brot kann schimmeln, was kannst du?‘

Ich blicke auf die Tupperdose. Mein Verstand ist bereits rücklings aus der Teeküche geflüchtet.

‚Ey, Mann! Jetzt wirf mich endlich weg, bevor ich mit der Leberwurst da hinten noch eine biochemische Verbindung eingehe, die die Menschheit vernichten könnte.‘

Mit einer fahrigen Handbewegung schnappe ich mir die Tupperdose und neugierig wie ich bin, muss ich natürlich hineinschauen. Ein weniger obszönes Pilzgewächs, dass einst ein Stück Butter gewesen war, grinst mich grünbläulich an. Himmel, es lebt wirklich schon. Ich schmeiße es mit samt der Tupperdose in den Mülleimer und wasche ungefähr 18tausend mal meine Hände, bis sie ganz rot und wund sind. Mit zitternden Fingern gehe ich an meinen Platz zurück, ohne mir auch nur einen Tee gemacht zu haben.

Ich blicke auf den Adventskalender und traue mich nicht recht, das 18. Türchen zu öffnen. Tue es aber dann doch. Es war Schokolade drinne. Einfach nur Schokolade. Ich gehe nochmal zum Kühlschrank und werfe auch die Leberwurst weg. Es ist gut so, weil Morgen hätte sie wahrscheinlich mit mir geredet und bevor sie auch noch bei mir einziehen will, hau ich sie lieber in die Tonne.

Als ich wieder aus der Teeküche schlich, konnte sie im Mülleimer leise mit der Butter flüstern hören. Ich glaube, die beiden obszönen Pilzgewächse wollen, von unserem eh schon widerlichen Mülleimer aus, die Weltherrschaft an sich reißen. Die Butter ist ‚The Brain‘ und die Leberwurst ist ‚Pinky‘.

Schackline 17 ½ und ihre wunderschöne Blumenwiese — im Winter?

Schackline 17 ½ und ihre wunderschöne Blumenwiese — im Winter?

Eine wunderschöne Blumenwiese. Schmetterlinge faltern umher. Die unglaublich bunten und mir völlig unbekannten Blumen verströmen einen betörenden Duft. Da steht ich nun auf dieser Wiese, auf dieser wunderschönen Blumenwiese. Barfuß. Ich blicke nach unten. Meine nackten Füße stehen auf moosigen Gras. Auf meinem großen Zeh hat ein Schmetterling platz genommen. Ich blicke mich weiter um, ich stehe nicht nur auf moosigen Gras, sondern auf einer gigantischen Lichtung. Rings um mich herum bäumen sich gigantische Urwaldriesen auf, die schnurgerade gewachsen unglaublich weit in den Himmel ragen. Wie eine Kathedrale aus Bäumen und ich stehe mitten drinnen. Halleluja.

Der Himmel über mir ist strahlend blau und ich kann die Schmetterlinge sehen, wie sie den Himmel bevölkern. Die Sonne strahlt mir mitten ins Gesicht, so dass ich den Blick irgendwann abwenden muss. Ich blicke also in den Wald. Ein Hirsch verschwindet in der Dunkelheit des Waldes. Ich muss ihn durch meine hastige Bewegung aufgeschreckt haben. Langsam drehe ich mich wieder zur Wiese. Hasen hoppeln an mir vorbei. Noch mehr Schmetterlinge stoben auf und flattern auf mich zu. Es ist einfach eine wunderschöne Blumenwiese.

Verdammt. Hab ich das gerade gesagt. Ja, verdammt. Das ist aber auch eine wunderschöne Blumenwiese. Ich beginne über die Wiese zu hüpfen. Wie ein Mädchen. So wie Schackeline es tun würde. Ich habe übrigens ein Blümchenkleid an und ich kann spüren, wie mir beim Laufen Zöpfe links und rechts am Kopf baumeln. Mitten im Lauf bleibe ich stehen, fasse mir auf den Kopf und packe mir eines dieser Zöpfchen. Blond.

Okay, ich bin Schackeline. Verdammt. Wenn jetzt noch Bernadette auf mich zugelaufen kommt, um mich umzutackeln, dann dürfte es ein Traum sein.

Okay, kneifen. Hm. Kneifen hilft nicht. Jetzt rächt sich alles, was ich allen das ganze Jahr zum Geburtstag gewünscht habe. Auch bei denen, die ich in meiner Zerstreutheit vergessen haben sollte. (Alles Gute nachträglich!) Die wunderschönen Blumenwiesen als imaginäres Geschenk eigentlich echt super. Und jetzt das. So ein Mist. Ist aber eigentlich ganz schön hier. Mitten im Winter so viele Blumen und die riechen so gut. Bloß, was ist das, auf der anderen Seite der Lichtung ragen gigantische Pilze zwischen den Stämmen der Baumriesen hervor.

Ui, ui, ui, ganz viele Pilze, Fliegenpilze und so. Und sie nicken mir obszön zu. Hm. Naja, ist ja mein Traum. Da dürfen dann auch obszöne Pilzgewächse drin vorkommen. Hihi.

Wind kommt auf, Pusteblumen zerstreuen ihre Samen über die Wiese. Die Schmetterlinge sind plötzlich verschwunden, aber dafür sind tausende und abertausende Seifenblasen da, die in der Luft tanzen. Der Moment ist einfach atemberaubend, aber genauso schnell wie er gekommen ist, verfliegt er auch wieder. Die Seifenblasen zerplatzen und es bleibt nur noch der Geruch von Aktenstaub zurück. Ruckartig atme ich ein, ich bin wach. Ich sitze auf dem Boden in meinem Büro, neben einer umgestürzten Palme. Neben mir ein Fußabdruck in der Erde, die auf dem Teppich zerstreut ist. Schöne Schuhe. Hm. Werden wohl meine gewesen sein. Jetzt wird mir erst gewahr, dass ich meinen Adventskalender im Arm halte und das 17. Türchen faltert.. äh …flattert.

Ich lüpfe es mit dem Fingernagel an und ein wunderschöner, bunter Schmetterling kommt aus dem Türchen und flattert einen Moment vor meinem Gesicht, bevor er aus dem offenen Fenster fliegt. Um dort draußen bei -17 ½ °C sofort zu Eis zu erstarren und in seiner letzten Bewegung langsam zu Boden segelt. Ich kann das Klirr förmlich hören, als er auf dem frisch geräumten Asphalt aufschlägt und in tausend und abertausend kleine Eiskristalle zerschellt. Es sieht ein Bisschen wie Diamantenstaub aus.

Mit Tränen in den Augen schließe ich das Fenster und höre ein Flattern hinter mir. Ich drehe mich um und tausend und abertausend Schmetterlinge bevölkern mein Büro und quellen durch die Türöffnung aus meinem Büro und assimilieren meine ganze Abteilung. Widerstand ist zwecklos. Die Killerbutterfly’s schlagen zurück… Ich wache auf, weil mein Kopf auf die Tastatur schlägt. Ich muss wohl eingenickt sein. Verwirrt blicke ich umher. Mein Adventskalender steht an seinem angestammten Platz, meine Zimmerpflanzen eigentlich auch. Nur auf dem Boden ist Erde verstreut und ein Schuhabdruck ist deutlich zu erkennen. Schöne Schuhe…

Die 16 schaurigen Versionen von Last Christmas

Die 16 schaurigen Versionen von Last Christmas

Ich fahre ins Amt. Mal wieder. Werde ich wohl noch die nächsten 34 Jahren lang machen. Im Radio läuft eine echt beschissene Version von Last Christmas. Am Ende des Grauens bekomme ich die Bestätigung, es war eine Version von Laith Al-Deen. Und des auf nüchternen Magen. Manchen Leuten sollte man eigentlich Sendeverbot erteilen, auf Lebenszeit. Noch nicht genug Schrecken am Morgen, im Radio wird nun abgestimmt, ob die Zuhörer lieber die Last Christmas Version von Semino Rossi, Al Bano und Romina Power oder Roberto Blanco hören wollen. Ich vermisse den Eimer in meinem Beifahrerfußraum. Memo an mich selbst, wieder einen Eimer klauen. Zum Glück habe ich die Einfahrt der Tiefgarage erreicht, bevor die Abstimmung vorüber ist. Kaum passiere ich die Tiefgarageneinfahrt und der Empfang bricht ab. Hurra. Mir haben die jeweiligen Jingles schon gereicht. Kaum geparkt, habe ich den vergangenen Alptraum fast wieder vergessen. Ich laufe die Treppen hoch zur Stempeluhr.
Aus dem Gehege der Empfangsroboter dudelt Florian Silbereisen’s Last Christmas. Meine Stempelkarte funktioniert nicht auf Anhieb, ich haue sie mehrmals panisch gegen die Stempeluhr und ich muss mir dabei den Mist noch einen Moment anhören, bevor endlich das nervige Fiep ertönt und ich in den Aufzügen flüchten kann. Schwer atmend drücke ich am Aufzugknopf, es dauert gefühlte 16 Stunden, bis der Aufzug kommt. Ein Betriebsfremder läuft an mir vorbei, sein Handy dudelt: Crazy Frog’s Last Christmas. Ich kotze fast auf die geschlossene Fahrstuhltür, die sich nun endlich öffnet. Ich trete ein.

Und seit wann verdammt noch mal haben wir denn Fahrstuhlmusik? Schwerlich zu erraten, eine grauenerregende Synthesizer Instrumental Version von Last Christmas. Mal wieder werde ich von unfähigen Doppeldrücker unnötiger Weise in diesem Grauen noch länger festgehalten, länger als man es hätte ertragen können. Den Brechreiz unterdrückend flüchte ich im 3. Stock aus dem Aufzug und laufe das letzte Stockwerk zu Fuß hinauf. Und ich laufe nie die Treppen. Aber heute bin ich wohl wieder mal der Stereo-Prügelknabe.

Los, quält mich weiter, bis es mir aus den Ohren blutet. Wenn ich dann erst aufgrund einer weiteren Last Christmas Version einen unheilbaren und blitzartig gewachsenen Trommelfellkrebs bekomme und die nächsten 1000 Jahre langsam und qualvoll ohral verblute, werde ich dann irgendwann aufgrund meines Sündenkontos unwiderruflich in die Hölle kommen. Und dann kann ich mich endlich erholen. Weil schlimmer kann es ja wohl nicht mehr kommen! Die Hölle wird wie ein Traumurlaub werden. Im Schmelztiegel mit lauter versauten Sündern, wie geil. Und ein Vorgeschmack auf den Schmelztiegel könnte man sich jeden Morgen in unserem Treppenhaus holen, wenn man öfter Treppen laufen würde. Auch im Winter kann man in unserem Treppenhaus Kakteen und Geier züchten.
Nach Luft schnappend stürze ich durch die Glastür und die nächste Glastür… aus dem ersten Büro kommt eine Version von Last Christmas, die ich viel zu spät erkannt habe, sie war von den Preluders.

Himmel, hat der Tag noch ein Ende und Weihnachten ist noch weit. Bitte, was habe ich eigentlich in meinen früheren Leben nur verbrochen, dass mich das Universum so strafen tut. Aus dem zweiten Büro kommt eine asiatische Version von, ratet mal, Last Christmas. Ich habs ja fast nicht erkannt, aber spätestens beim Refrain. Ich flüchte in mein Zimmer, aber ein weiterer Klingelton fegt mir quasi die Bürotür von hinten ins Kreuz. Die Chipmunks geben sich’s mal wieder echt dreckig. Ein gequietschtes Last Christmas lässt mir beinahe mein Essen von Gestern wieder durch den Kopf gehen. Blitzartig beruhigt sich mein Magen, als ich an den Sündenschmelztiegel denke.
Ich sitze noch nicht ganz auf meinem Stuhl und mein PC ist noch nicht mal hochgefahren. Das Guten Morgen-Ritual hat also noch nicht mal begonnen. Geschweige denn, dass ich meinen Adventskalender auch nur berührt hätte. Da ruft mein Chef an, ich soll zu ihm ins Büro kommen. Noch durch die geschlossene Bürotür meines Chefs höre ich die 16 Tenöre Last Christmas lauthals grölen. Ich falle mit der Tür ins Haus in Ohnmacht. Ich sehe eine geschüttelte und gerührte Version vom Original Last Christmas vor meinem inneren Auge. Bevor auch nur irgendjemand Erste Hilfe leisten hätte können, reiße ich die Augen wieder auf und sehe gestreifte, karierte und gefleckte George Michaels um meinen Kopf herum schwirren, die ganz gräulich Last Christmas summen und eine andere Schwuchtel, mit einem gar seltsamen Umschnall-Keyboard…. Hilfe.

Nein, dass ist nicht Wham, es ist Modern Talking. Mein Dieter Bohlen hat meinen Verstand übernommen. Eine andere Hölle. Verdammt, wo ist mein Schmelztiegel. Ich rapple mich auf und torkle in mein Büro zurück. Dort bewege ich mich den ganzen Tag nicht mehr raus, bis ich um 18.30 zum Drucker gehe. Aus meinem Nachbarbüro kann ich den Radio hören. ‚N Sync mit Last Christmas. Währenddessen ein Putzmann die Türen wischt. Er ist ein Neuer, so ein Rastaman und ratet mal, es gibt auch eine Reggae Version von Last Christmas. Im Druckerraum packe ich nur meinen Zettelkram und renne wieder ins Büro. Ich werfe die Papiere auf meine Tastatur und bevor ich meine Tasche packen kann, höre ich einen ziemlich geilen E-Gitarrenriff aus meinem Adventskalender. Ich gucke wie ein Schwaiberl, wenn’s blitzt und mache dann völlig hypnotisiert das 16. Türchen meines gewerkschaftlich gelieferten Adventskalender auf. Im Deckel steht in winzig, kleinen Lettern geschrieben: A Tribute to AC/DC…und die Version von Riff/Raff von Last Christmas bringt mich nicht nur um den Verstand, sondern fast zum Weinen, weil die Version mal richtig geil ist.

http://www.youtube.com/watch?v=8czIhxCRO_Y

 

Munich 20:15

Munich 20:15

Die Dämmerung kroch ganz langsam über die Stadt, so langsam eben, wie die letzten Sonnenstrahlen ihr warmes, rotes Leuchten über sie getaucht hatte und sich nun langsam wieder zurückzogen, wie ein Hund mit eingezogenen Schwanz, besiegt nach einem Kampf.

Ich wache auf, von meinem eigenen Sabber, der mir vom Kinn in mein Dekolleté tropft. Schlaftrunken wische ich mit meinem Ärmel meine Wange trocken und stecke meine beärmelte Hand zwischen meine Brüste.

Ich checke es halt jetzt erst, dass ich im Auto sitze, komisch ich muss wohl auf dem Lenkrad eingeschlafen sein. An der Ampel, alles klar. Der Motor meines Wagens läuft noch und der Exorzist in meinem CD-Player auch, also kann es ja nicht lange her sein, als ich eingeschlafen bin. Ich zieh die Hand aus meinem Ausschnitt. Eine Menge Spucke für einen Sekundenschlaf. Ich blicke auf die Ampel. Die ist aus. Nicht blinkend aus, sondern ganz aus. Ich blicke gedankenverloren auf die Kreuzung. Da war ja niemand. Keiner. Kein Auto. Kein Fußgänger. Kein Radfahrer. Auch keine Tram. Hatten wir wieder Fußball-WM und war Deutschland wieder im Endspiel und ich habe es mal wieder nicht mitbekommen?

Vorsichtig krieche ich mit meinem Auto ganz langsam über die Kreuzung, die Nadel vom Tacho bewegt sich quasi nicht. Die Digitalanzeige meines Autos zeigt mir 20:15 Uhr und die Außentemperatur von 20 °C an. Wir müssen Sommer haben… afo… away from office… Amt macht einfach brainfucked. Schließlich bin ich drüber über die Kreuzung und fahre auf die Donnersberger Brücke. Und eigentlich sollte ich mich nicht mehr darüber wundern, dass meine Arbeit mir scheinbar den Resetknopf meines Gehirns durchgedrückt hat. Kein Wunder, dass mir der Sabber aus dem Mund läuft. Aber, ich checks echt nicht. Kein Auto. Kein Fußgänger. Kein Radfahrer. Auch keine Busse. Die Anzeigen an den Haltestellen sind aus und ich rausche wieder von der Brücke und blicke über die Stadt. Sie erstrahlt in der Restsonne und ansonsten strahlt halt mal gar nichts. Stromausfall. Ein richtig großer Stromausfall vielleicht. So ein Stromausfall, der beim RTL einen Sendeplatz bekommen hätte. Hm. Wie geil.

Kein Auto behindert meinen Heimweg. Auch mal schön. Auf der Landshuter Allee bemerke ich, wie der Grünstreifen ziemlich hoch gewuchert, langsam die Fahrbahn begrünt. Komisch die Stadtwerke schlafen wohl auch in letzter Zeit oder es ist ein echt langer Stromausfall und ich hab halt die letzten Wochen und Monate mal gar nichts mitgekriegt. Hm. Ich fahre eh in der Mitte der beiden Spuren und scheiße auf die Schlingpflanzen, die in meiner Fantasie mein Auto fressen wollen.

Ich blicke wieder in die Ferne und sinniere darüber nach, wo die bei uns im Amt das Stromaggregat versteckt haben und wer da literweise Diesel einfüllt. Der alte Wachmann mit dem Elektroschocker schlürft gerade humpelnd in meine Gedanken, mit einer Dieselkanne in der anderen Hand und tränkt das hungrige Aggregat. Schlürf. Das Einzige was in der großen Stadt noch leuchtet, ist das rote Matschauge in meinem Rücken und die Kegel meiner Scheinwerfer.

Über dem Olympiagelände kreisen die Krähen im Wind. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, machen sie eigentlich immer, wenn der Wind über den Olympiapark pfeift. Ist ein sehr ergreifendes Bild. Und die Einzigen, die heute Nacht Spaß haben, sind wohl die Krähen im Wind. Mir war vorhin gar nicht aufgefallen, dass Wind ging. Die Bäume biegen sich im Wind. Krasser Wind eben. Langsam wird die Sicht immer schlechter, weil die Sonne nun vollends untergegangen ist. Jetzt wäre eigentlich der Moment, an dem die Straßenbeleuchtung angehen müsste und das beklemmende Gefühl vertreiben sollte, dass sich jetzt langsam aber sicher in meinem Magen ausbreitet. Pfeifendeckel. Die Nacht fällt. Himmel, heut kommt das Dunkel aber schnell, wir sind doch nicht in Afrika. Keine Lichter gehen an, die große Stadt bleibt im Dunkeln.

Ein gelber Mond geht über den Bäumen des Olympiageländes auf und die schwarzen Krähen geben den merkwürdigen Vorahnungen, die sich nun langsam in meinem Kopf zusammenbrauen, den nötigen Antrieb. Paranoia lässt grüßen. Der gelbe Mond strahlt sein surreales Licht, wie ein Flakscheinwerfer, übers Olympiagelände. Aber wenigstens hat der Mond ein Einsehen und leuchtet heute Nacht.

Der Wind ist noch heftiger geworden und Blätter und kleine Äste wehen über die Straße. Der Wind treibt auch große, schwere Wolken über den Himmel, die nun zu weilen den Mond verdecken. Mist. Das war es dann mit dem Flakscheinwerfer. Als allerdings ein rollender, runder Busch vor meinem Auto über die Straße huscht, bremste ich scharf und blicke ihm ungläubig nach. Da ist doch was faul. Es ist keine Sau auf der Straße, aber rollende Büsche springen über die Fahrbahn. Verdammt. Ich lasse die Scheiben ein Wenig hinunter und der Wind bringt frische klare Luft herein, erschreckend frische Luft. Komisch. Ich stehe mitten in der großen Stadt unweit von der am schlimmsten, feinstaubbelasteten Stelle der Stadt und es riecht nach einer blühenden Alm im Nachtwind. Ich blicke wieder auf die Digitalanzeige meines Autos und es ist 20:15 Uhr und es hat nur noch 15°C. Ich schüttle meinen Kopf und blicke wieder auf die Anzeige: 20:15 Uhr und nur noch 13°C. Der Fehler in der Matrix wird von den Hintergrundgeräuschen des Exorzisten nur noch verstärkt. Ich schalte schnell meinen CD-Player aus, bevor noch Blut und Schlonze aus den Lautsprechern fließt. In der Matrix ist alles möglich. Verzweifelt warte ich auf eine doppelte schwarze Katze, die vom Wind über die Straße getrieben wird. Nein, keine Katze. Aber ein zweiter rollender Busch. Hm. Da sind sie wieder meine zwei Probleme.

Nachdem nach wie vor niemand hier ist, auch keiner kommt, wende ich mitten auf dem Verbindungsstück zum Frankfurter Ring und fahre äußerst verkehrswidrig in Richtung Mittlerer Ring zurück, um zu sehen, ob sich da was rührt. Sich wie der letzte Mensch auf Erden fühlen, hab ich mir nie so nervenzerreißend vorgestellt.

Regen setzt ein. Unglaublicher Regen. Ich schließe schnell die Fenster, werde aber trotzdem ziemlich nass. Der Regen riecht gut und fühlt sich sauber an. Aber draußen geht der Punk ab. Ich fahre langsam weiter. Große Äste stürzen auf die Fahrbahn und mein Scheibenwischer macht nicht mehr so wirklich mit. Ich komme noch bis zu einer der Brücken zwischen Olympiahalle und BMW. Ich habe bereits das Gefühl, dass mein Auto im Rollen schon Aquaplaning kriegt. Ich kann nicht genau sagen, unter welcher der Brücken ich nun stehe, weil einfach alles dunkel ist, hier. So dunkel, wie im Arsch eines Homophobikers.

Da die höchste Stufe meines Scheibenwischer nicht mehr nachkommt und ich die Lichter meiner Scheinwerfer nicht mehr erkennen kann, obwohl ich scheinbar unter einer Brücke stehe, schalte ich meinen Scheibenwischer aus. Ich blicke paranoid auf die Digitalanzeige meines Autos und es ist ja kaum zu erraten: 20:15 Uhr und 6°C. Die Tankanzeige, sie leuchtet schon. Meine Güte, warum tanke ich eigentlich nie voll. Ich mache vorsichtshalber den Motor aus, schalte aber die Warnblickanlage und den Radio an. Immer noch der Exorzist. Zitternd schalte ich von CD auf Radio. Rauschen. Ich drücke nervös auf den Sendersuchlauf. Ich warte eine halbe Ewigkeit. Nichts. Nur Rauschen. Ich drücke auf AM und wieder auf den Sendersuchlauf. Rauschen. Ein Blitz erhellt den Himmel. Ich kann für den Bruchteil einer Sekunde die BMW-Welt sehen. Beziehungsweise, das was davon übrig ist. Bevor ich begreife, was ich da scheinbar durch die nasse Scheibe zu erkennen glaube, lässt der folgende Donner die Scheiben meines Autos erzittern. Augenblicklich hatte ich ein Pfeifen im Ohr. Der Radio rauscht immer noch und ich starre wie gebannt auf meine Windschutzscheibe. Ich kann meinen Atem sehen. Alles Klar. Kann ich aus der Horrorstory noch aussteigen? Geistesgegenwärtig lasse ich den Motor an und mach den Scheibenwischer wieder an.

Auf der Digitalanzeige steht, wie wahr es auch anders zu erwarten: 20:15 Uhr und -4°C. Jetzt kriege ich Panik. Der nächste Blitz macht die Nacht zum Tage und ich kann erkennen, dass die BMW-Welt tatsächlich eingestürzt ist. Weil…. Donner. Ich schrecke zusammen und fasse mir ganz unwillkürlich ans Herz. Das Pochen übertönt nun das Pfeifen in meinem Ohr und ich blicke aus dem Seitenfenster, da wo eigentlich der Olympiaturm hätte sein müssen. Der nächste Blitz bestätigt meine Vermutung. Der Turm ist über den Ring gestürzt und hat die BMW-Welt zermalmt. Den nächsten Donner höre ich schon gar nicht mehr. Mein Verstand hat sich wohl bereits auf die Socken gemacht, so dass das nächste Bild vom Blitz erhellt mich den Verstand nicht mehr verlieren lassen hätte können. Große Tentakeln glitten über den umgestürzten Turm und waberten auf mein Auto zu. Dahinter kam ein riesiges dunkles Auge zum Vorschein und die monströse Hand eines klavierspielenden, grünen Riesen und dann war wieder alles dunkel. Das Rauschen des Radios drang wieder an mein Ohr. Und dann kommt tatsächlich etwas aus dem Radio…

Düüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüh. Ich schrecke hoch. Weil hinter mir jemand hupt, ich bin an der Ampel eingeschlafen. An der Donnersberger Brücke. Die Ampel schaltet auf rot. Ich wische mir den Sabber vom Kinn. Im Radio läuft: Last Christmas. Es ist 18:47 Uhr, es hat -4°C.

Eine hell erleuchtete Trambahn fährt an mir vorbei. Das öffentliche Reality-Live in dieser Tram kommt mir surreal vor. Menschen in dicken, bunten Jacken und bunten Einkaufstüten, die nur nach Hause wollen, um die Tür vor dem Horror des Alltags hinter sich zuzuschlagen. Es wird Grün. Ich gebe Gas und fahre auf die Donnersberger Brücke, die Stadt blinkt und leuchtet wie nie.

P.S. Ich hatte wohl vergessen, mein 15. Türchen vom Adventskalender zu öffnen.

%d Bloggern gefällt das: