Brot kann schimmeln, was kannst du?

Brot kann schimmeln, was kannst du?

Als ich am 18. Tage in die Teeküche ging und in den Kühlschrank blickte. Ohne Grund. So wie ich ab und zu in meinem Morgenritual inne halte und in den Kühlschrank blicke, obwohl da von mir überhaupt nichts drinne ist. Ich wundere mich dann immer, wem die Leberwurst eigentlich gehört und erwarte eigentlich täglich, dass sie damit anfängt mit mir zu sprechen. Weil langsam ist sie ein Hort für einen magischen Pilzhain. Eigentlich warte ich jeden Tag drauf, dass sich endlich jemand outet und das mittlerweile fast zur Unkenntlichkeit verschrumpelte Teil endlich weg wirft.

Ich bin mir auch nicht mehr so ganz sicher, ob sie vielleicht doch von mir ist. Hm.

Also ich blicke also in den Kühlschrank und ich mache die Tür schon wieder zu. Als ich eine schlürfende Stimme höre. Ich reiße die Tür wieder auf und blicke ungläubig auf die Leberwurst. Sie spricht allerdings nicht mit mir. Es ist die Tupperdose, die mir gerade in mein Ohr flüstert.

‚Brot kann schimmeln, was kannst du?‘

Ich blicke auf die Tupperdose. Mein Verstand ist bereits rücklings aus der Teeküche geflüchtet.

‚Ey, Mann! Jetzt wirf mich endlich weg, bevor ich mit der Leberwurst da hinten noch eine biochemische Verbindung eingehe, die die Menschheit vernichten könnte.‘

Mit einer fahrigen Handbewegung schnappe ich mir die Tupperdose und neugierig wie ich bin, muss ich natürlich hineinschauen. Ein weniger obszönes Pilzgewächs, dass einst ein Stück Butter gewesen war, grinst mich grünbläulich an. Himmel, es lebt wirklich schon. Ich schmeiße es mit samt der Tupperdose in den Mülleimer und wasche ungefähr 18tausend mal meine Hände, bis sie ganz rot und wund sind. Mit zitternden Fingern gehe ich an meinen Platz zurück, ohne mir auch nur einen Tee gemacht zu haben.

Ich blicke auf den Adventskalender und traue mich nicht recht, das 18. Türchen zu öffnen. Tue es aber dann doch. Es war Schokolade drinne. Einfach nur Schokolade. Ich gehe nochmal zum Kühlschrank und werfe auch die Leberwurst weg. Es ist gut so, weil Morgen hätte sie wahrscheinlich mit mir geredet und bevor sie auch noch bei mir einziehen will, hau ich sie lieber in die Tonne.

Als ich wieder aus der Teeküche schlich, konnte sie im Mülleimer leise mit der Butter flüstern hören. Ich glaube, die beiden obszönen Pilzgewächse wollen, von unserem eh schon widerlichen Mülleimer aus, die Weltherrschaft an sich reißen. Die Butter ist ‚The Brain‘ und die Leberwurst ist ‚Pinky‘.

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Schackline 17 ½ und ihre wunderschöne Blumenwiese — im Winter?

Schackline 17 ½ und ihre wunderschöne Blumenwiese — im Winter?

Eine wunderschöne Blumenwiese. Schmetterlinge faltern umher. Die unglaublich bunten und mir völlig unbekannten Blumen verströmen einen betörenden Duft. Da steht ich nun auf dieser Wiese, auf dieser wunderschönen Blumenwiese. Barfuß. Ich blicke nach unten. Meine nackten Füße stehen auf moosigen Gras. Auf meinem großen Zeh hat ein Schmetterling platz genommen. Ich blicke mich weiter um, ich stehe nicht nur auf moosigen Gras, sondern auf einer gigantischen Lichtung. Rings um mich herum bäumen sich gigantische Urwaldriesen auf, die schnurgerade gewachsen unglaublich weit in den Himmel ragen. Wie eine Kathedrale aus Bäumen und ich stehe mitten drinnen. Halleluja.

Der Himmel über mir ist strahlend blau und ich kann die Schmetterlinge sehen, wie sie den Himmel bevölkern. Die Sonne strahlt mir mitten ins Gesicht, so dass ich den Blick irgendwann abwenden muss. Ich blicke also in den Wald. Ein Hirsch verschwindet in der Dunkelheit des Waldes. Ich muss ihn durch meine hastige Bewegung aufgeschreckt haben. Langsam drehe ich mich wieder zur Wiese. Hasen hoppeln an mir vorbei. Noch mehr Schmetterlinge stoben auf und flattern auf mich zu. Es ist einfach eine wunderschöne Blumenwiese.

Verdammt. Hab ich das gerade gesagt. Ja, verdammt. Das ist aber auch eine wunderschöne Blumenwiese. Ich beginne über die Wiese zu hüpfen. Wie ein Mädchen. So wie Schackeline es tun würde. Ich habe übrigens ein Blümchenkleid an und ich kann spüren, wie mir beim Laufen Zöpfe links und rechts am Kopf baumeln. Mitten im Lauf bleibe ich stehen, fasse mir auf den Kopf und packe mir eines dieser Zöpfchen. Blond.

Okay, ich bin Schackeline. Verdammt. Wenn jetzt noch Bernadette auf mich zugelaufen kommt, um mich umzutackeln, dann dürfte es ein Traum sein.

Okay, kneifen. Hm. Kneifen hilft nicht. Jetzt rächt sich alles, was ich allen das ganze Jahr zum Geburtstag gewünscht habe. Auch bei denen, die ich in meiner Zerstreutheit vergessen haben sollte. (Alles Gute nachträglich!) Die wunderschönen Blumenwiesen als imaginäres Geschenk eigentlich echt super. Und jetzt das. So ein Mist. Ist aber eigentlich ganz schön hier. Mitten im Winter so viele Blumen und die riechen so gut. Bloß, was ist das, auf der anderen Seite der Lichtung ragen gigantische Pilze zwischen den Stämmen der Baumriesen hervor.

Ui, ui, ui, ganz viele Pilze, Fliegenpilze und so. Und sie nicken mir obszön zu. Hm. Naja, ist ja mein Traum. Da dürfen dann auch obszöne Pilzgewächse drin vorkommen. Hihi.

Wind kommt auf, Pusteblumen zerstreuen ihre Samen über die Wiese. Die Schmetterlinge sind plötzlich verschwunden, aber dafür sind tausende und abertausende Seifenblasen da, die in der Luft tanzen. Der Moment ist einfach atemberaubend, aber genauso schnell wie er gekommen ist, verfliegt er auch wieder. Die Seifenblasen zerplatzen und es bleibt nur noch der Geruch von Aktenstaub zurück. Ruckartig atme ich ein, ich bin wach. Ich sitze auf dem Boden in meinem Büro, neben einer umgestürzten Palme. Neben mir ein Fußabdruck in der Erde, die auf dem Teppich zerstreut ist. Schöne Schuhe. Hm. Werden wohl meine gewesen sein. Jetzt wird mir erst gewahr, dass ich meinen Adventskalender im Arm halte und das 17. Türchen faltert.. äh …flattert.

Ich lüpfe es mit dem Fingernagel an und ein wunderschöner, bunter Schmetterling kommt aus dem Türchen und flattert einen Moment vor meinem Gesicht, bevor er aus dem offenen Fenster fliegt. Um dort draußen bei -17 ½ °C sofort zu Eis zu erstarren und in seiner letzten Bewegung langsam zu Boden segelt. Ich kann das Klirr förmlich hören, als er auf dem frisch geräumten Asphalt aufschlägt und in tausend und abertausend kleine Eiskristalle zerschellt. Es sieht ein Bisschen wie Diamantenstaub aus.

Mit Tränen in den Augen schließe ich das Fenster und höre ein Flattern hinter mir. Ich drehe mich um und tausend und abertausend Schmetterlinge bevölkern mein Büro und quellen durch die Türöffnung aus meinem Büro und assimilieren meine ganze Abteilung. Widerstand ist zwecklos. Die Killerbutterfly’s schlagen zurück… Ich wache auf, weil mein Kopf auf die Tastatur schlägt. Ich muss wohl eingenickt sein. Verwirrt blicke ich umher. Mein Adventskalender steht an seinem angestammten Platz, meine Zimmerpflanzen eigentlich auch. Nur auf dem Boden ist Erde verstreut und ein Schuhabdruck ist deutlich zu erkennen. Schöne Schuhe…

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