Drei und eine Axt – Teil 3

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 3

Es dämmerte bereits, als Kejnen wieder erwachte. Er hatte sich im Schlaf auf die Seite gedreht. Mit beiden Armen hielt er Ziska fest umschlungen und bei jedem Atemzug presste sich ihr Körper noch dichter an den Seinen. Ihr Hintern rieb bei jeder kleinen Bewegung an seiner geschwollenen Männlichkeit. Er schloss die Augen und versuchte sich ein wenig zu beruhigen. Ohne Erfolg, sein Schwanz war zum Bersten gespannt und jede ihrer Bewegungen lies ihm schier den Verstand verlieren. Er rückte seinen Unterleib von ihr fort und lies sein Gesicht erschöpft in ihr Haar sinken. Ihre Haare rochen so gut, dass er sein Gesicht noch tiefer darin vergrub und im Duft von Milch und Honig wieder ein nickte, um gleich wieder zu erwachen, weil er sich dringend erleichtern musste. Er wühlte sich aus den Decken und Fellen und versuchte sie dabei nicht zu wecken. Auf dem Boden lagen die Kleidungsstücke, die Vira ihm in der letzten Nacht zurechtgelegt hatte. Er hob eine Tunika auf und zog sie sich über. Seine Finger tasteten über die Bettkante und am Ende des Bettes fand er seinen Stock. Schwerfällig wuchtete er seinen müden Körper hoch und humpelte aus der Jurte.

Draußen am Feuer lag der Junge in seine Felle gehüllt. Vier wachsame Augen beobachteten ihn, als er aus der Jurte trat. Zwei junge Wolfshunde lagen bei dem Jungen und hatten ihre Blicke auf jede seiner Bewegungen geheftet. Kejnen humpelt fast bis zum Fluss hinunter, um sich Erleichterung zu verschaffen. Beim Rückweg zur Jurte, starrten ihn die Wolfshunde wieder misstrauisch an und begannen zu knurren. Halef blickte kurz auf und pfiff seine Hunde zurück, damit er weiterschlafen konnte.

Als Kejnen die Jurte wieder humpelnd betrat, legte er noch ein paar Scheite in die Glut und kroch wieder ins Bett. Vira lag mit offenen Mund quer im Bett nebenan und schnarchte. Er lag nun wieder mit klopfenden Herzen neben Ziska und versuchte zu schlafen. Ziska wälzte sich im Schlaf hin und her. Sie träumte wohl schlecht. Lautlos versuchte er sie zu beruhigen.

Er betete inständig darum, dass sie nicht erwachen würde, um sich dann bei seinem Anblick noch mehr erschrecken zu müssen. Sie wurde aber trotzdem wach, er wand sein Antlitz ab, doch sie hielt ihn fest, packte sein Gesicht und zog seine Narben glatt. Dann versuchte sie zu lächeln, es gelang ihr aber nicht recht. Er strich ihr über ihr ebenmäßiges Gesicht und versuchte seine eigene Fratze nicht noch mehr durch ein Lächeln zu verzerren.

‚Alles gut?‘ fragte er.

‚Ich weiß noch nicht!?‘ antwortete sie und dann zersprang ihr ernstes Gesicht in einem bezaubernden und ansteckenden Lächeln. Er wehrte sich noch ein wenig dagegen, aber schließlich musste auch er lächeln, so wand er sich erneut ab, um ihr den Anblick zu ersparen.

‚Kejnen, ihr müsst Euch nicht für Euer Äußeres schämen. Auf Euer Innerstes kommt es an.‘ flüsterte sie in sein Ohr, dabei berührte sie ihn wieder mit ihren vollen Lippen. Dann berührte sie mit beiden Händen seine Brust.

‚Eure Seele wohnt in Euren Herzen und damit seit Ihr der schönste Mensch, den ich jeh kennenlernen durfte.‘

Er stammelte: ‚Aber…aber… ihr kennt mich doch überhaupt nicht!‘

‚Das brauche ich auch nicht, ich kann in Euer Herz sehen und dabei habe ich ein sehr gutes Gefühl!‘

‚Ihr seid wirklich die außergewöhnlichste Frau, der ich je begegnet bin.‘

Sie lächelte ihn weiter an und vergrub ihr Gesicht in seiner Tunika, noch bevor er ihre Tränen auch nur hätte sehen können, die ihr bei diesem Satz in ihre Augen schossen. Völlig überrascht von ihrer Reaktion, blieb er bewegungsunfähig liegen und brauchte einen langen Moment bis er sie endlich in die starken Arme schloss und es wagte ihr weißes Haar zu küssen.

Von seiner Geste ebenso überrascht konnte sie ihre Tränen nun gar nicht mehr zurückhalten, also schluchzte sie in seine Tunika. Er war mit der Situation schon mehr als überfordert, aber nun wusste er gar nicht mehr was los war oder was er tun konnte. Die folgenden Worte kamen ihm eher versehentlich über die Lippen, als er verzweifelt auf seufzte. ‚Wie kann ich dir nur helfen!‘

Sie drückte sich noch fester an seine Brust und murmelte dann in seine Tunika: ‚Halt mich…!‘

Kejnen zögerte noch kurz und drückt sie dann noch mehr an sich. So umklammert schliefen beide wieder ein.

Er wurde von der lieblichen Stimme dieser weißhaarigen Schönheit geweckt, die auch seine Träume begleitet hatte. Als er seine Augen öffnete, wusste er, dass es kein Traum gewesen war. Er musste jedoch ihre Hand berühren, um sicher zu gehen, dass sie wirklich echt war.

‚Wir gehen ins Holz! Wena bleibt hier.‘

‚Wie kann ich mich nützlich machen?‘

‚Sieh zu, dass die Kinder sich nicht zanken und überleg dir, wo du dass hier verstecken kannst.‘ meinte Ziska und wuchtete seine Satteltaschen aufs Bett. ‚Sie waren den Kindern zu schwer!‘

‚Oh, am Besten unter deinem Bett!?‘ fragte Kejnen unsicher.

‚Ja, wird das Beste sein!‘ antwortete Ziska und schleppte die Taschen zu ihrem Bett hinüber und verstaute sie unter ihrer Matratze. ‚Ach, deine Waffen sind vor der Jurte, die sollten wir auch aus der Reichweite der Kinder schaffen.‘

‚Ich kümmere mich darum.‘ versprach Kejnen, der sich bereits aufgerichtet und die Hose angezogen hatte.

Als er mit Ziska aus der Jurte trat, bat Wena ihn gleich am Tisch wieder platz zu nehmen. Während sie ihm das Frühstück auftischte, verabschiedeten sich Ziska, Vira und Halef. Zwei der Kinder begleiteten sie in den Wald.

Kejnen versuchte Wena irgendwie beim Kochen zu unterstützen, er kam sich aber reichlich unnütz vor und so schliff er ihr wenigstens die schäbigen Messer. Die älteste Tochter Fina versorgte mit den beiden Kleinsten die Tiere und machten ansonsten den halben Vormittag recht viel Unsinn. Er versuchte Nala, die Kleinste der Kinder, von den beiden Anderen wegzulocken, weil er sich vorgenommen hatte, die Tür zu reparieren, bevor die Damen wieder aus dem Wald zurück kamen. Nala machte sich wirklich sehr gut, obwohl sie erst 3 Jahre alt war. Am Ende des Tages hatten sie beide einen notdürftigen Waffenständer gebaut und die Tür repariert.

Als die anderen aus dem Wald zurück kamen, ging die Sonne bereits wieder unter. Mit der Hilfe der Pferde schleppten sie einige tote Bäume aus dem Wald und jeder von ihnen hatte einen Korb mit Kleinholz auf dem Rücken.

Vor dem Essen gingen die Damen sich am Fluss waschen, während Halef und der Junge das Holz in die dritte Jurte brachten. Die schäbigste der Jurten war für die Tiere ein Unterstand, dort wurde das Holz gelagert und in einem abgetrennten Teil wurden die Vorräte aufbewahrt. Kejnen humpelte den Beiden hinterher und half ihnen.

‚Junge, verrate mir deinen Namen?‘ fragte er den rotbackigen Jungen und nickte ihm dabei freundlich zu.

‚Alur, Herr!‘ stotterte der Junge.

‚Sag, Alur. Ich hab die Plätze an eurer Tafel gezählt. Willst du mir morgen helfen einen Stuhl für mich zu bauen?‘ meinte Kejnen und tätschelte den Jungen an der Schulter.

‚Meister Kejnen, könnt ihr das denn, mit einer Lehne? Mit einer richtigen Lehne? Weil Mutter wünscht sich schon seit langem einen richtigen Stuhl mit einer Lehne.‘ fragte Halef neugierig.

‚Mit eurer Hilfe, werden wir das schon schaffen. Dann bauen wir eben gleich Zwei!‘ lachte Kejnen und sein Gesicht verzog sich wieder zu einer Fratze.

Halef drückte Alur einen der beiden letzten Körbe in die Hand und nahm selber den letzten Korb und sie verschwanden jeweils in einer Jurte. Wenig später trafen sie sich bei Wena und stapelten das restliche Holz neben der Feuerstelle auf.

Zwischen den drei Jurten hatten sie ein altes Jurtendach gespannt und darunter war die Kochstelle und der große Tisch. Gedankenversunken humpelte er zum Tisch zurück und setzte sich. Das harte Leben hier draußen in der Einöde machte ihn wirklich ziemlich nachdenklich. Er bewunderte die Damen für ihre Kraft und ihre Ausdauer. Das harte Leben mit jener Hingabe zu bewältigen, machte ihn irgendwie Stolz, obwohl er die Leute hier kaum kannte. Er hatte die getrockneten Kräuter gesehen und selbst bei dem besten Feldscher hatte er nie so viele Kräuter gesehen. In der Vorratsjurte hatte er den Käse gerochen und die vielen Flaschen gesehen. Wer weiß wie viele edle Tropfen er noch eingeflößt bekommen würde. Die drei Frauen hatten sich gut vorbereitet, denn der nächste Winter kommt bestimmt. Aber sie hatten auch viele Mäuler zu stopfen. Wena hatte neben dem Kochen, das mitgebrachte Fleisch zum Trocknen unter das Jurtendach gehängt. Dort wurde es langsam aber sicher getrocknet und geräuchert. Ziska hatte im Wald auch Beeren und Kräuter gesammelt, die nun auf dem Tisch lagen. Sie waren hier wirklich sehr gut eingespielt. Er war nun etwas beschämt darüber, dass er sie in ihrem Ablauf gestört hatte.

‚Manchmal wünschte ich auch Gedanken lesen zu können.‘ meinte Vira, als sie an den Tisch trat.

Kejnen schreckte aus seinen Gedanken hoch und blickte sie ungläubig an. Sie trocknete ihr Haar mit einem Tuch und wickelte dann kunstvoll ihre Haare hinein.

‚Ich kann keine Gedanken lesen, nicht so richtig jedenfalls.‘ zischte Ziska. Sie kam mit den Kindern zum Tisch. Die Kinder waren in Tücher gewickelt und liefen in die Jurte.

‚Wenn Ihr Euch auch waschen wollt, es ist noch genug Zeit bis zum Essen.‘ meinte Vira und blickte zu Wena hinüber, die daraufhin nickte.

‚Ja, natürlich.‘ meinte Kejnen gedankenverloren und rappelte sich wieder auf.

Die beiden Jungen rannten an ihm vorbei. Sie waren bereits im Fluss und stritten sich um die Seife, als er am Flussufer ankam. Er entkleidete sich langsam und humpelte mit seinem Stock ins Wasser.

Als er wieder aus dem Wasser kam, stand Ziska da und hielt ihm ein Tuch hin. Mit einer hochgezogenen Augenbraue ging sie ihm entgegen und wickelte ihn in das Trockentuch.

‚Wie kann ich Euch nur danken!‘ stotterte Kejnen unsicher.

Ziska lächelte ihn strahlend und küsste ihn auf die Wange. ‚Seid nicht albern, Ihr habt unsere Türe repariert.‘

Kejnen wurde von Ziska auf einen Stein geschleppt, wo sie schon seine Sachen bereit gelegt hatte.

‚Schon wieder frische Sachen?‘

‚Das sind Eure Sachen. Es ist auch besser, wenn Ihr nicht weiter die Kleidung meines Schwagers anhabt.‘ plapperte Ziska, während sie ihm den Rücken ab rubbelte.

‚Oh, ich verstehe.‘ räusperte Kejnen etwas beschämt, während Ziska ihm seine Tunika über den Kopf zog.

Nun kniete sie sich vor ihn hin und befreite seine Füße vom Sand und zog ihm seine Hose über die Füße. Sie stand auf und nahm seinen Gehstock in die Hand. Er ergriff seine Hose und sie half ihm beim Aufstehen. Noch bevor sie ihm den Stab reichen konnte, hatte er seine Hose über den Hintern gezogen und sie hastig geschlossen.

‚Euer Gürtel!‘ sagte sie kurz und schlang ihm den schweren Gürtel um die Hüften. Mit einer Hand zog er seine Tunika zurecht, noch bevor sie den Gürtel schloss.

‚Geht es mit den Holzschuhen? Eure Stiefel sind kaputt!‘ fragte Ziska fürsorglich.

‚Ja, ja! Es wird schon gehen.‘ meinte Kejnen, als er in die Holzschuhe schlüpfte.

Ein Gong erschall und Wena schrie: ‚Essen ist fertig.‘

‚Jetzt müssen wir uns aber sputen, Wena wird sauer, wenn wir nicht alle am Tisch sitzen…‘ rief Ziska gehetzt und schleifte Kejnen mit sich zu den Jurten hoch.

An das Essen mit allen am Tisch würde er sich noch ewig erinnern. Wie Wena noch vor ihren Kindern am Tisch einschlief und Vira wortlos mit ihrem Sohn kommunizierte. Sie hatte eine unglaubliche Art an sich, nicht zu sprechen, aber doch verstand man jedes Wort. In diesem Fall war sie sehr ungehalten darüber, dass ihr Sohn seine beiden Köter mit Essensresten fütterte. Halef hatte seine beiden Wolfshunden sehr eigenwillige Namen gegeben. Die beiden Rüden glichen sich wie ein Ei dem anderen, sie waren schier nicht auseinander zu halten. Kejnen verstand seine Beweggründung nichts ganz, bis Halef ihm die Namen erklärte. Der eine heißt Róka, der Fuchs, weil er schlau und hinterlistig ist. Weniger wie ein Wolf, mehr wie ein Fuchs und der Andere heißt Nyúl, der Hase, weil er sogar vor Hasen den Schwanz einzieht, aber schneller rennen kann als der Wind, wenn er von Róka über die Steppe gejagt wird. Ziska war nach dem Essen mit ihren Kräutern beschäftigt und war bis auf ein paar alberne Witze, den ganzen Abend recht ruhig gewesen. Die Kinder waren schon lange im Bett, als Wena wieder erwachte. Sie fing an aufzuräumen. Vira und Ziska halfen ihr dabei. Kejnen betrachtete seine kaputten Stiefel im Schein des Öllichtes. Er war sich nicht sicher, ob es sich noch lohnte sie zu reparieren, aber er hatte auch keine anderen. Diese Stiefel hatten ihn schon solange begleitet, länger noch als sein Gaul.

‚Eure Stiefel könnt Ihr morgen reparieren.‘ meinte Ziska kurz.

Kejnen lies seine Gedanken ziehen und blickte sie an. Niedergeschlagen brachte sie Kejnen in die Jurte. Wobei nicht klar war, wer da wen zu Bett brachte.

‚Wie geht’s mit dem Rücken?‘ fragte Ziska.

‚Erschreckend gut!‘ antwortete Kejnen gähnend.

‚Dann kümmere ich mich nur um Euer Bein!‘ meinte Ziska.

Sie ging ihren Korb holen und er zog seine Hose aus und setzte sich aufs Bett. Sie bat ihn lächelnd sich hinzulegen.

Während ihrer Behandlung schlief er ein.

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