Die Höhle des Verderbens

Die Höhle des Verderbens

Lunz, Renk und Stulle liefen gehetzt durch den Wald. Sie wurden von einer Truppe Orks verfolgt. Die waren zwar nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet und manche auch nur mit Arm und Beil, aber es waren echt viele. Da nimmt man doch lieber die Beine in die Hand und haut ab, bevor man noch heute Nacht als Hauptspeise auf den Tisch kommt.

Lunz war der einarmige Kämpfer der Gruppe und er hatte den Rückzug befohlen. Nachdem er sich von seinem Arm trennen musste, hatte er sich sein Schild an den Stumpf bauen lassen. Renk war ein ziemlich verschlagener Geselle mit einer Augenklappe. Als einäugiger Dieb sah er aber noch genug Wertvolles, was sich zu stehlen lohnte. Man sagt, er hätte Lunz versucht das Amputat seines Armes zu stehlen und dabei hatte er sein Auge verloren. Nun sind sie die ‚besten‘ Freunde, so wie man eben nach so einer Sache eben ‚beste‘ Freunde sein konnte. Der Stulle ist scheinbar zu nichts zu gebrauchen, aber er hatte noch alle Gliedmaßen, beide Augen, beide Ohren und seine Nase und da hatte er den beiden Anderen schon etwas voraus.

So liefen die Drei durchs Dickicht einen Hügel hinauf, bis sie an eine Höhle kamen. Ohne lange zu überlegen liefen sie hinein. Die Höhle entpuppte sich als langer, niedriger Gang, indem es finsterer war, als in einem Trollarsch und ungefähr genauso stank es auch. Die Steinwände waren nass und glitschig und um so weiter sie in den Berg liefen, um so enger wurde der Gang. Als sie nur noch kriechen konnten, machte sich Unbehaglichkeit breit. Doch Lunz sah am Ende des Tunnels ein Licht, also ging es langsam weiter. Stulle hoffte inständig, dass das Licht am Ende des Tunnels nicht ihr aller Ende bedeuten würde, weil so eng wie der Gang war, könnte Lunz vor lauter Beklemmung in diesem Tunnel eine Nahetoderfahrung erlitten haben und deswegen einen Tunnel mit einem Licht am Ende sah. Sie krochen dennoch weiter.

Irgendwann purzelten sie in eine große Kammer, an deren Ende viele Feuer entzündet waren. Es hingen viele Felsen von der Decke herab und komischerweise schienen sie auch aus dem Boden zu wachsen. Der Boden fühlte sich noch dazu merkwürdig weich an und es lag schwerer Nebel auf dem Boden, so dass man nicht sehen konnte, was da am Boden so weich war. Angewidert rappelten sie sich auf und sahen sich um. Am Ende der Höhle war ein Altar erbaut worden. Aus Dreck und ziemlich viel unerkennbaren Zeugs. Dem Geruch nach zu urteilen musste hier auch irgendwas verwesen.

‚Sind es nun Stalaktiten, Stalagmiten oder Stalagnaten?‘ fragte Renk in die Runde, während er einen Tropfstein befingerte, der aus dem Boden wuchs.

‚Er hat Titten gesagt!‘ rief Stulle und kicherte.

‚Wer hat euch nur so viele schwere Wörter beigebracht?‘ rief Lunz und drängelte sich nach vorne. ‚Aber bei Brüsten kenn ich mich nun mal besser aus, als jeder andere hier, auch wenn ich mit einem Arm nicht mehr ganz so viel Spaß dabei habe…!‘ Er griff nach einem Tropfstein, der neben ihm von der Decke hing und grinste geil in die Runde.

‚Was haben die Gesteinsformationen nun mit der weiblichen Brust zu tun?‘ fragte Renk neugierig und konnte dabei die Finger nicht von dem Tropfstein lassen, der vor ihm stand.

‚Titten hängen nach unten und deswegen, ist dieses phallische Symbol deiner nicht vorhandenen Männlichkeit, dass du da grad mit deinen diebischen Griffeln abgrapschst, ein Stalagmit und die Kawenzmänner, die von der Höhlendecke hängen, sind Stalaktiten!‘ meinte Lunz neunmalklug.

Stulle kicherte nur wieder dümmlich und blickte auf den Boden. Irgendwas Widerliches huschte zwischen seinen Beinen hindurch und kroch wieselflink im Schutz des Bodennebel hinweg und davon.

‚Ich glaub hier drinne ist irgendwas Lebendiges!‘ flüsterte Stulle erschrocken.

‚Ihr wagt es den Tempel des Ver….!‘ krächzte eine heisere Stimme und ging dann in einem nicht endend wollenden Hustenanfall über, aus dem nur noch die Worte: ‚Entweihen!‘ und ‚Maden!‘ zu vernehmen waren. Das Husten wurde durch das Wiederhallen in der Höhle so grausam verstärkt, dass sie sich den Auswurf am Ende des Hustenanfalles schier bildlich vorstellen konnten, als sie ihn auf den Boden klatschen hörten.

‚Wer seid ihr? Zeigt euch?‘ rief Renk mutig und ging schnurstracks auf den Altar zu, um sich nach etwas Wertvollen umzusehen. Er ging ein paar Steinstufen zum Altar hinauf und nun sah er, was den Boden überzog. Eine bunt, schillernde Masse eines pilzartigen Gewächses, das sich bei jedem Windhauch zu bewegen schien. Und das was er auf dem Altar erblickte, drehte ihm schier den Magen um. Und der Inhalt seines Magens schwappte in seine Mundhöhle. Seltsam, er hatte seit Tagen nichts zum Beißen bekommen, wo kommen denn nun die Bröckchen ein.

Plötzlich tauchte hinter ihm eine gekrümmte Gestalt auf, die er erst bemerkte, als sie laut hinter ihm nieste und ihm der Rotz gegen die Schulter und sein Gesicht klatschte, als er sich vor Schreck umdrehte. Angewidert wischte er sich eine zähe, gelbe Masse aus dem Gesicht, die verdächtig nach Eiter und Fäulnis roch. Da war er wieder, sein Mageninhalt. Er schluckte schwer.

Die kranke Gestalt, die vor ihm stand, war wohl mal eine alte Frau gewesen. Ihr ganzer Körper war von Bladern und Eiterbeulen überzogen und die paar Stofffetzen, die sie noch am Leibe trug, schienen bereits mit ihr verwachsen zu sein. Der Rotz lief ihr unentwegt aus der Nase und vermischte sich mit dem blutigen Geifer, der ihr aus dem Mund rann. Ihr Atem war nur ein Rasseln und er hatte die Vermutung, dass sie Kettenringe verschluckt haben musste, die jetzt bei jedem Atemzug in ihrer Lunge tanzten. Sie hustete wieder und brachte irgendetwas Breiiges hervor, was sie sogleich auf die pilzverkrusteten Stufen spie, worauf das breiige Etwas sofort fortzulaufen schien. Renk schüttelte den Kopf. Schleim hat keine Beine und kann folglich auch nicht laufen.

‚Sie hat dich vollgeschleimt.‘ rief Stulle reichlich verspätet. Er war wirklich zu nichts zu gebrauchen, nicht mal für blöde Kommentare.

Renk taumelte nach hinten und versuchte nach Möglichkeit nichts zu berühren und stotterte: ‚Wer seid ihr!‘

‚Ich bin die Eitrige Angina und willkommen in der Höhle des Dahinsiechens.‘ Sie hustete wieder. ‚Im Tempel des Verderbens!‘ Sie spie die Sätze förmlich heraus. ‚Im Hort des Schleims!‘ Ihre Stimme hatte nun ein unerträgliches Quietschen angenommen.

Die Lunz machte das Zeichen des Rückzugs. Die Orks waren ihm wohl lieber, als die Eitrige Angina. Und schon waren Stulle und Lunz wieder in dem Gang verschwunden, aus dem sie vorhin gepurzelt waren. Nur zwischen Renk und der Freiheit stand die Eitrige Angina.

Fortsetzung folgt….

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