Rückkehr in die Höhle des Verderbens

Rückkehr in die Höhle des Verderbens

Fortsetzung von…

Renk nahm sich zusammen und rannte los, warf dabei die Eitrige Angina um und stürzte aus der Höhle seinen beiden Weggefährten hinterher. Er konnte kaum die Hand vor Augen sehen, aber er konnte Stulle vor sich keuchen hören. Irgendwann wurde der Gang wieder etwas breiter, also mussten sie bald wieder draußen sein. Hoffentlich sind die Orks nicht mehr da draußen, sonst war es ein echt kurzer Ausflug.

Plötzlich konnte er Lunz schreien hören und wie sich seine Stimme immer mehr entfernte.

Stulle rief: ‚Lunz, wo bist duuuuuuuuuu!‘

Renk hielt inne und versuchte zu lauschen, die Stimme von Lunz war nach einem Rumsen verstummt und Stulle’s Schrei entfernte sich immer weiter. Langsam tastete sich Renk voran. Seine Hände sanken in etwas Glitschiges ein und als er sich befreien wollte, gab das Glitschige nach und er verlor den Halt und kam ins Rutschen. Mit den Worten: ‚Was zur Hööööööööööölllllleeeeeeeeeeee!‘ rutschte er scheinbar den selben Weg hinunter, wie Lunz und Stulle vor ihm.

Mit einem dumpfen Schlag landete er auf Stulle, der wiederum auf Lunz lag.

‚Wir sind entkommen!‘ hustete Stulle.

Renk sagte einfach mal nichts, weil wann sind sie schon mal nicht von dem Regen in die Traufe gekommen. Sie rappelten sich alle auf und sahen sich um, wo sie nun gelandet waren. Diese Höhle war ziemlich niedrig so das Renk schon Mühe hatte aufrecht zu stehen. Stulle stand gebückt da und Lunz setzte sich einfach wieder.

Es war alles weniger schleimig, als noch in der letzten Höhle. Eine halb abgebrannte Fackel, erhellte eine kleine Höhle, in der sich scheinbar jemand Kleines häuslich eingerichtet hatte. Stulle kicherte vor sich hin, weil alles hier so klein war. Er nahm eine kleine Spitzhacke und einen winzigen Eimer in die Hand und schmiss sich halb weg vor lachen.

Aus einem anderen Stollen waberten Worte durch die Luft und sickerten in die kleine Höhle. Nach den Lästerlichkeiten zu urteilen, die nun unaufhörlich an ihre Ohren drangen, schimpfte sich der Jemand, der hier wohnte, die nicht vorhandene Seele aus dem Leib.

Renk machte sich auf, den Worten zu folgen, weil wer gräbt, der hat bestimmt auch was gefunden. Am Ende des Ganges war tatsächlich Licht und nachdem es nicht so übel roch, wie bei der Eitrigen, kroch er frohen Mutes voran.

‚Mist Elendige, auf’m Schleim ausrutschn sollst und dir dein verkrümmtes Kreiz brechn, du räudige, widerhafte….Widerhafte!‘

Renk konnte nicht fassen, was er da sah. Ein winzig kleiner Zwerg hüpfte vor Wut vor ihm im Stollen auf und ab. Er hatte eine ziemlich kleine Schaufel in der Hand, die scheinbar gebrochen war.

‚Widerhafte Widerhafte?‘ kam es Renk aus dem Mund gepurzelt. Der Zwerg drehte sich um und starrte ihn fassungslos an. Renk räusperte sich, zog seinen Hut und sprach: ‚Meister, darf ich mich vorstellen?‘ Er wartete keine wirkliche Antwort ab und sprach einfach weiter: ‚Ich bin Renk, der alles Unmögliche möglich macht, ich bin mit meinen Gesellen in diese Höhle geraten, weil wir auf der Flucht waren vor der, vor der…!‘ seine Stimme brach gespielt. ‚Der unaussprechlichen Unaussprechlichen!‘

Stulle drängelte sich in das Geschehen und meinte neunmalklug: ‚Er meint die Eitrige Angina!‘

‚Ihr dürft ihren Namen nicht aussprechen, sonst kommt sie noch!‘ rief der Zwerg aufgelöst.

‚Nein, keine Sorgen, ich habe sie bei meiner Flucht versehentlich flach gelegt!‘ meinte Renk stolz und griff sich ans Revers seiner Weste.

‚Euch graut ja wirklich vor gar nichts.‘ würgte der Zwerg erschüttert heraus.

‚Nein, nicht so. Ich warf sie um und flüchtete!‘ rief Renk erschrocken und versuchte die Sache richtig zu stellen.

‚Genau, dass ist ja auch meine Misere!‘ erklärte der Zwerg.

‚Erzählt, wir haben viel Zeit!‘ meinte Renk und blickte zu Stulle. Der hatte sich schon im Stollen abgelegt und war schon ganz gespannt auf die Geschichte des Zwerges. Auch Renk setzte sich ab.

‚Einst war ich einer der Größten meiner Sippe und war als Helmhalf Eisenspat bekannt. Wir gruben wahrlich Paläste in den Stein, um dort unsere Schätze anzuhäufen. Nur ich konnte nicht genug Schätze aus dem Felsen holen und grub tiefer. Tiefer noch, als meine Ahnen vor mir. Und noch tiefer. Dort traf ich auf die unaussprechlich Schleimige und habe sie befreit. Sie verliebte sich in mich, doch ich verweigerte mich. Dann verfluchte sie mich. Sie lies alles an mir schrumpfen und legte einen Bann auf mich. Da ich sie einst zurückgewiesen, werde ich Seite an Seite mit ihr leben müssen, aber sie nie mehr erblicken dürfen, was ja eigentlich nichts Schlimmes wäre, wenn der elende Gestank nicht wäre. Ich konnte nur noch einmal zu meiner Sippe gehen, um meine Schätze zu holen, dann wäre der Weg für immer versperrt. Ich ging also zu meiner Sippe und sie verspotteten mich. Seither bin ich nur noch als Zwerg Lunte bekannt. Ich packte meine Schätze und ging fort, bis die unglaublich Triefende mich einholte und den Stollen einstürzen lies, in dem ich mich mit meinen Schätzen gerade befand. Und hier steh ich nun, ich armer Tor. Hier bin ich, da hinten irgendwo ist die unentwegt Sabbernde und hinter diesem Steinhaufen ist mein Schatz.‘ weinte der Zwerg Lunte vor sich hin. ‚Ich grabe und grabe und grabe und immer wenn ich das Funkeln meines Schatzes nur erahne, da passiert irgendetwas noch Schlimmeres.‘

Renk zog ein nicht mehr so ganz sauberes Tuch aus seiner Tasche und hielt es dem Zwerg hin: ‚Helmhalf Eisenspat wir helfen Euch bei euren Problem, wenn Ihr uns den Weg nach draußen zeigt.‘

‚Und wie wollt ihr das anstellen?‘ schluchzte Zwerg Lunte.

‚Lunz wir brauchen deinen Spaten!‘ schrie er in den Stollen. Dann wand er sich wieder dem Zwerg zu: ‚Stulle gräbt hier weiter, weil er viel größer und kräftiger ist als wir alle miteinander! Der Lunz bringt den Unrat mit seinem Schild aus dem Stollen und wir zwei Beide gehen zu der unaufhörlich Klebenden und lenken sie ab.‘

‚Meint ihr, dass dies ein so guter Einfall ist?‘ fragte der Zwerg ungläubig.

‚Lasst mich einfach reden! Und am Besten kriecht Ihr einfach auf dem Boden herum, wenn Ihr sie eh nicht sehen könnt.‘ meinte Renk und quetschte sich an Stulle vorbei und kroch wieder zu der kleinen Wohnhöhle. Auf dem halben Weg kam ihm Lunz entgegen und drückte ihm den Spaten in die Hand.

‚Zum Herausbringen des Unrat könnte ihr die Seilwinde benutzen!‘ meinte der Zwerg und griff sich den Spaten und lief wieder zu Stulle. Als der Zwerg in seine Wohnhöhle kam, standen Renk und Lunz mehr oder weniger aufrecht da. Die Beiden hatten bis eben noch miteinander getuschelt.

‚Nun Lunz, mein Freund, gib mir den Hustensaft!‘ rief Renk lauthals.

‚Aber das ist unsere Letzter, was ist wenn wir eine Angina bekommen?‘ fragte Lunz kleinlaut.

‚Wenn wir die eitrige Beulige erst mal besiegt haben, wird nie wieder jemand eine Angina bekommen!‘ meinte Renk und griff sich den Trinkschlauch. ‚Das, lieber Helmhalf, ist unser Plan B, der Hustensaft!‘

Dem Zwerg wich ein: ‚Ohhhhh!‘ aus dem bebarteten Mund.

‚Wie geht es denn nun auf dem schnellsten Weg zu der farbenfrohen Glitschigkeit?‘ fragte Renk wissbegierig.

Der Zwerg ging zu einem Regal und zog an einem der Bretter, das Regal schwang zur Seite und zwei weitere Stollen wurden sichtbar. Beide Stollen waren mit Spinnweben verhängt. Es stank aus dem linken Gang. Der Rechte musste nach draußen führen.

‚Hier war wohl länger keiner mehr drin, werter Helmhalf!‘

Der Zwerg griff sich eine frische Fackel und zündete sie an, ein paar Fledermäuse kamen aus dem Gang geflattert, machten in der Höhle wieder kehrt und flogen in den rechten Gang davon.

‚Es drängt mich nicht zu Ihr zu gehen, es reicht völlig jeden Tag mit dem Geruch von Fäulnis und Verderben in der Nase aufzuwachen. Und nach draußen kann ich nicht.‘ meinte der Zwerg und ging voran.

Das Feuer der Fackel verbrannte die Spinnweben und so knisterte und glimmte es den ganzen Weg bis der Geruch immer stärker wurde.

‚Wir sind fast da!‘ rief der Zwerg und löschte die Fackel. Am Ende des Ganges konnte man einen Lichtschein erkennen und der Gestank lies einem bereits die Augen tränen.

‚Ich verstehe, man sollte auch nicht mit offenen Feuer in das Haus eines Alchemisten gehen, wenn an seiner Tür steht: Schießpulver im Sonderangebot!‘

‚Ihr seid wirklich ein ganz ein Schlauer. Ich habe es nur zu oft gesehen, wenn sich Gase in einem Stollen entzünden. Es ist eh ein Wunder, dass die widerwärtig Eitrige sich noch nicht selbst in die Luft gesprengt hat.‘

‚Das macht sie bestimmt mit Absicht, nur um Euch noch länger zu quälen!‘

‚Psssst! Ich kann nichts mehr sehen!‘

‚Kein Wunder, es ist stockdunkel!‘

‚Nein, ungläubiger Narr, da vorne muss ein Lichtschimmer sein!‘

‚Ja, schon. Seht ihr es denn nicht!‘

‚Nein, Verdammt, ich sagte doch ich kann sie nie wieder erblicken.‘

‚Aber das ist ja nur ihr Feuer!‘

‚Hab ich den Fluch gesprochen?‘

‚Nein, ist ja auch egal!‘ winkte Renk ab und flüsterte dann verschwörerisch: ‚Ich gehe voran und Ihr bleibt sicherheitshalber auf allen Vieren!‘

Den restlichen Weg machte sich Renk so seine Gedanken. Wenn der Zwerg auch ihr Licht nicht sehen konnte und ihr Licht auch die Fäulnisgase nicht zum Explodieren brachte, dann musste es magisch sein. Und wenn er alles magische von ihr nicht erblicken konnte, dann konnte er doch einfach mit seinem Schatz gehen. Dann war seine ganze Misere nur eine riesige Illusion. Mit diesen Gedanken betrat er die Höhle. Die Eitrige kniete vor ihrem Altar.

‚Dieser arme Zwerg ist heute gekommen, um um Eure Gnade zu betteln. Seht wie er auf allen Vieren vor Euch kriecht. Er hat Zeit seines Leben versucht gangbar zu machen, was für ihn immer verschlossen bleiben wird. Noch tiefer sinken kann er doch nicht. Wollt Ihr ihn denn nicht erlösen.‘ rief Renk mutig und zog den kriechenden Zwerg hinter sich her in die Höhle des Verderbens. Die Eitrige Angina hatte sich wohl schon wieder erholt und kam auf ihre eigene schleimige Art zu ihnen gekrochen. Und sie sah echt wütend aus! Wut schnaubend warf der Schleim Blasen aus ihrer Nase und sie rang nach Luft.

‚Und meine Wenigkeit. Ich wollte mich auch bei Euch entschuldigen, dass wir Euch vorhin mit unserer Anwesenheit überfallen haben. Wir waren nicht darauf gefasst ein so einzigartiges Wesen hier zu erblicken, dass unser einfacher Verstand uns nur die Angst gezeigt hat und wir, unzulänglich wie wir sind, nur die Flucht ergreifen konnten.‘

Das einzigartige Schleimwesen blieb auf der Stelle stehen und sie schien sich verschluckt zu haben. Sie röchelte und hustete.

‚Werte Angina, kann ich armer Wicht Euch behilflich sein? Habt Ihr Euch verschluckt?‘

Sie wies auf ihre Kehle und röchelte weiter. Das ging ja einfach als gedacht.

‚Trinkt doch einen Schluck aus meinem Schlauch, dann geht es Euch gleich besser, meine Teuerste.‘

Gesagt, getan. Er flößte ihr die ganze Flasche ein. Sie schluckte und schluckte und schluckte und als die Flasche leer war, zog sich Renk sicherheitshalber zurück. Er packte den Zwerg am Kragen und zog ihn zum Gang zurück.

Aus der Eitrigen sprudelte es nun heraus: ‚Was habt ihr mir gegeben?‘

‚Magischen Hustensaft, Verehrteste!‘

‚Neeeeeeeeiiiiiiin!‘ schrie sie noch und dann zerfloss sie in schillernden, farbigen Schleim und verteilte sich auf dem Boden der Höhle.

‚Ich kann wieder sehen!‘ meinte der Zwerg und seine Gestalt schien zu wachsen.

‚Los raus hier!‘ schrie Renk. Sie liefen in den Gang und Renk versuchte inständig die Fackel wieder anzuzünden. Vom Schleim verfolgt rannten sie schneller. Vor sich konnten sie schon die Bretterwand des Regals sehen.

Fortsetzung folgt… 

Im Aufzug

Im Aufzug

Draußen trieb der Sturm große, schwere Tropfen an die Fensterscheiben. Eine gigantische, schwarze Wolke hing über der Stadt. Blitze zuckten alle paar Sekunden daraus hervor und das Donnern schien gar nicht mehr verstummen zu wollen. Eigentlich will man bei dem Wetter gar nicht nach draußen gehen, aber man möchte ja auch nicht das ganze Wochenende im Büro verbringen.

Drinnen wühlte eine junge Frau in ihrer Handtasche, sie hatte es scheinbar eilig. Mit einer fahrigen Handbewegung zog sie ihr Handy hervor, tippte die Tastensperre ein, schaute kurz darauf und steckte es wieder in die Tasche, um es wenig später wieder herauszuholen, um nochmal darauf zu sehen. Dann fiel es ihr fast aus der Hand, als sie es wieder in die Taschen legen wollte. Aber nachdem sie eh im Begriff war sich hinzuknien, landete das Handy in der Tasche und die Tasche auf dem Boden. Nur von der Frau war nichts mehr zu sehen, sie war unter den Schreibtisch gekrochen, um ihre Schuhe zu suchen. Als sie wieder darunter hervor kroch, hatte sie dass Gefühl, dass jemand an ihrem Büro vorbeigelaufen war.

Gedankenverloren stieß sie sich den Kopf an der Tischplatte an. ‚Was für ein verfickter Scheißtag!‘ konnte man sie nun fluchen hören. Nein, eigentlich konnte sie ja eben keiner hören, weil sie war immer die Letzte im Büro.

Auf einem Bein hüpfend zog sie ihre Schuhe an und packte dann ihre Handtasche, ihre Jacke, einen pinken Regenschirm, ihre Stempelkarte und einen Rucksack. Sie hatte es nicht nur eilig, sie hatte anscheinend auch noch was vor heute. Es war ja auch Freitag. Das sollte man doch was vor haben? Auf wackeligen Beinen stöckelte sie über den langen Gang. Normalerweise nimmt sie den kurzen Weg in die Tiefgarage, aber heute hatte sie keinen Parkplatz mehr bekommen, deswegen musste sie heute erst mal durchs halbe Haus laufen, um zum anderen Aufzug zu gelangen.

Durch die Fenster in den leeren Büros, an denen sie vorbei lief, konnte sie die Blitze zucken sehen. Vom nächsten Donner erschrak sie trotzdem, eigentlich hätte sie es ahnen müssen, dass nach dem Blitz ein Donner kommt, aber sie lies trotzdem vor Schreck fast den Regenschirm fallen.

Endlich bei den Aufzügen angekommen, drückte sie an die Mauer gelehnt irgendwie den Knopf, ohne etwas fallen zu lassen. Während des Wartens blickte sie auf dem Boden, der Boden war nass und der Reißverschluss an beiden Schuhen war offen, kein Wunder dass sie so wackelig auf den Beinen war. Sie zog den Rucksack richtig an und machte mit der freien Hand den Reißverschluss zu. Dann der andere Schuh, dann ordnete sie ihre Klamotten und stellte sich vor die Tür des einen Aufzuges. Es dauerte ewig bis dieses nervige Geräusch endlich erklang und die Aufzugtüren des anderen Aufzuges auf glitten. Sie lief zum hell erleuchteten Aufzug und rutschte fast auf dem nassen Fliesenboden aus. Im Aufzug drückte sie auf 0 und es passierte nichts. Mit einer komischen Verrenkung rieb sie ihre Hüfte an einem kleinen Kasten. Es piepste und sie drückte nochmal auf Null. Sie hörte wie sich die Türen schlossen. Aber sie sah nicht, wie plötzlich eine Hand die beiden Türen aufhielt. Durch das Geräusch des Sicherheitsmechanismus der Aufzugtüren, schreckte sie auf und drehte sich blitzschnell um. Die Türen glitten wieder auf und ein Mann trat in den Aufzug. Es war einer der unzähligen Arbeitern, die für die Renovierungsarbeiten im Gebäude tätig waren. Erschrocken war sie trotzdem. Mit der Handtasche und dem Regenschirm vor die Brust gepresst, rutschte sie nach hinten und machte dem Mann platz.

Er grinste nur breit und meinte: ‚Hab ich Sie erschreckt?‘

Sie lächelte gezwungen und nickte verhalten mit dem Kopf.

Er drückte auf -1 und die Aufzugtüren schlossen sich erneut. Sie lehnte sich erschöpft nach hinten an die Wand des Aufzugs und seufzte leise. Er musterte sie und suchte anscheinend nach den passenden Worten. Als sie etwas Nasses auf ihrem Kopf spürte, drehte sie sich erschrocken um und befühlte mit zitternden Fingern die Wand und blickte dann nach oben. Es kam Wasser vom Rand der Deckenverkleidung herein und floss die hintere Wand hinunter. Sie nahm den Rucksack ab und befühlte auch diesen. Er tropfte und sie lies ihn zu Boden gleiten.

Er hatte ihren Blick verfolgt, nachdem sie ihm den Rücken zugedreht hatte und konnte durch die vom Wasser durchsichtige Bluse ihren BH-Träger sehen. Dann bückte sie sich und er musste sich zwingen nicht auf ihren Hintern zu starren, also blickte er auf die Deckenverkleidung und sah dann aber das Selbe wie sie noch einen Moment zuvor. Wasser im Aufzug. Kopfschüttelnd kam er einen Schritt näher, berührte sie mit seinem muskulösen Oberkörper und befühlte die Seitenwand und murmelte: ‚Was für ein verfickter Scheiß!‘

In dem Moment, als sie beide sich bewusst wurden, dass ihre Körper für einen Moment aneinanderklebten, ging das Licht im Aufzug aus und das Geräusch was mit der Dunkelheit einher ging, war ja im Krieg der Sterne ganz spannend, wenn die Energiezufuhr für den Traktorstrahl von Obi Van Kenobi nach und nach abgeschaltet wird. Aber wenn man in einem Aufzug steht, will man dieses Geräusch garantiert nicht hören. Zumindest stoppte der Aufzug nicht so abrupt, wie man sich es vielleicht gedacht hätte. Aber er stoppte merklich. Sie lies den Regenschirm und ihre Handtasche fallen und krallte sich am Handlauf des Aufzugs ein. Langsam zog sie die Luft durch die Zähne ein und ging in die Knie.

‚Keine Panik Lady, die Bremsen funktionieren auch ohne Strom!‘ Er tastete nach ihr und griff nach ihrem Handgelenk. Sie schreckte zurück, lies aber doch seine Berührung zu. Er kam ihr näher und sie konnte seinen betörenden Körpergeruch wahrnehmen und plötzlich wurde es wieder hell. Er hatte eine kleine Taschenlampe in der Hand und leuchtete im Aufzug umher. Mit einem endgültigen Rumsen blieb der Aufzug stehen und sie landete auf ihrem Hintern und er fiel elegant auf die Knie. Wasser spitze auf. Sie spürte wie ihr Hintern nass wurde und versuchte sich gleich wieder aufzurappeln. Ihm war die Taschenlampe aus der Hand gerutscht und rollte über den Boden. Er kroch über den Boden und schnappte sich das Licht, steckte es in seinen Gürtel und wollte ihr dann eigentlich zur Hand gehen. Sie stand aber schon wieder, mit der Tasche und dem Regenschirm wieder an den Körper gepresst. Das Licht in seinem Gürtel schwankte bei jedem seiner Bewegungen und beleuchtete gegen die Seitenwand. Er kam ihr näher und griff wieder nach ihrer Hand.

‚Wollen wir mal sehen, ob der Notruf funktioniert?‘ Sie nickte, blickte ihn aber immer noch recht verschreckt an und er zog sie einfach mit zu dem Bedienfeld. Er drückte den Notruf. Stille. Er drückte noch mal. Stille. So etwas wie ‚Mist, verdammter!‘ kam aus seinem Mund. Er hämmerte auf den Knopf, aber irgendwie war ihm schon klar, dass der Notruf nicht funktionierte. Plötzlich ertönte ein Freizeichen. Es wählte automatisch und dann kam ein Dü-dü-dü. Er drückte wieder. Der Dü-dü-dü Belegtton verstummte und nach einem Moment kam wieder der Belegtton. Sie blickte ihn an und meinte nur: ‚Was für ne verfickte Scheiße?‘

‚Da hat wohl jemand die Telefonrechnung nicht bezahlt?‘

Beide zogen instinktiv ihr Handy aus der Tasche und blickten auf das Display. ‚Kein Netz!‘ murmelten beide. Er steckte das Handy wieder weg und versuchte mit den Händen die Aufzugtüren zu öffnen. Sein Shirt war vorhin nass geworden und so zeichneten sich seine Muskeln noch deutlicher ab. Sie ertappte sich erst dabei, dass sie ihn beobachtete, als sie wie hypnotisiert den Kopf schief legte und ihr nach einiger Zeit der Sabber aus dem Mund lief.

‚Was für ein verfickter Scheiß!‘ schrie er laut auf und er drosch wütend gegen die Aufzugtüren. Sie schreckte von ihren schmutzigen Gedanken auf und blickte ihn verstohlen an.

Er dachte er hätte sie wieder erschreckt, drehte sich langsam zu ihr um und kam ihr näher: ‚Sorry, ich glaub wir sitzen hier fest, bis uns der Wachmann findet!‘

‚Dann können wir uns ja hier häuslich einrichten bis Montag morgen!‘

‚So, schlimm wird es schon nicht kommen, mein Chef kriegt’s kotzen, wenn ich den Firmenwagen heute nicht mehr zurück bringe.‘ meinte er cool und klimperte mit einem Schlüssel in der Hosentasche. Automatisch blickte sie auf seine Hose und wurde schlagartig rot im Gesicht, als sie die Beule in seine Hose entdeckte.

‚Ich muss Ihnen was beichten.‘ stammelte er.

Sie dachte nur: Sei bitte nicht schwul! Sei bitte nicht schwul! Und blickte ihn wissbegierig an. ‚Ich hab Sie vorhin beobachtete, als Sie unter ihrem Schreibtisch etwas gesucht haben!‘ Nun wurde auch sein Gesicht wesentlich roter, als vorhin.

‚Hab ich’s mir doch gedacht, Sie Schlingel!‘ schimpfte sie ihn spielerisch.

Der Aufzug rutschte noch ein Wenig tiefer, sie fing an zu quietschen und er stürzte zu ihr hinüber, um sie festzuhalten. ‚Jetzt sollten die Bremsen aber festgefahren sein!‘

Ihr Gesicht streifte seine Bartstoppel, als er sie zu sich hinüber zog. Ihre Knie wurden weich, als sie wieder seinen Geruch wahrnahm. Der Aufzug sackte noch weiter ab und er konnte sie nun nicht mehr halten. Sie rutschte an ihm vorbei und als der Aufzug ruckartig zum Stehen kam, konnte er sie sich auch nicht mehr auf den Beinen halten und stürzte er auf sie drauf. Sie stöhnte laut auf, als er sie mit seinem Gewicht auf den Boden pinnte.

Der Aufzug sackte noch weiter ab, sie atmete schwer, er hob seinen Körper ein Wenig an und flüsterte: ‚Kommen Sie an meine Taschenlampe!‘

Sie griff an seinen Gürtel, fand zuerst alles andere, nur nicht die Taschenlampe.

‚Nein! Die andere Taschenlampe!‘ flüsterte er.

Entschuldigend grinste sie ihn an, fand dann doch die Lampe und zog sie hervor. Kurzerhand steckte sie die Taschenlampe zwischen ihre Brüste. Er lies sich langsam wieder auf sie herab. Der Aufzug bewegte sich wieder weiter nach unten. Er zog es vor sich nicht weiter zu bewegen.

‚Nicht mehr bewegen!‘ zischte er.

‚Hatte ich nicht vor!‘ keuchte sie.

‚Ich hoffe ich bin nicht zu schwer für Sie!‘

‚Sie sollten sich langsam mal vorstellen, bevor ich Sie frage, ob Sie da unten noch eine Taschenlampe für mich versteckt haben!‘

Er wurde nur wieder rot im Gesicht und stammelte: ‚Hans!‘

‚Tine, freut mich!‘ keuchte sie.

‚Tine, können Sie unter mir hervorkriechen? Ich will Sie wirklich nicht zerquetschen!‘

‚Ich versuche es.‘ Sie rutschte ein Wenig auf die Seite und er lies sich ganz langsam auf den Boden sinken. Schwer atmend kam er neben ihr zum Liegen. Der Aufzug rutschte ein weiteres Stück nach unten und machte ein knirschendes Geräusch. Sie klammerten sich aneinander und blieben noch eine ganze Weile reglos liegen, bis sich der Aufzug wirklich nicht mehr bewegte. Er blickte sie ernst an und sie erkannte den Anflug von Angst in seinen Augen. ‚Sie werden doch jetzt keinen Schiss kriegen, Hans!‘

‚Ehrlich, langsam bin ich mir nicht mehr sicher, ob die Aufzüge hier dem Sicherheitsstandard entsprechen!‘

Sie grinste ihn an und küsste ihn auf die Nase. ‚Runter kommen Sie immer, hat meine Oma immer gesagt.‘

Er versuchte zu Lächeln, es gelang ihm aber nicht recht, stattdessen schluckte er schwer. Sie küsste ihn auf den Mund. Etwas unbeholfen erwiderte er ihren Kuss und unternahm behutsam mit seiner Zunge einen Ausflug zu ihrer Zunge. Sie stöhnte leise und erwiderte den Küss etwas Energischer. Seine Lippen wanderten von ihrem Mund, über ihren Hals und wollte zu ihren Brüsten, als plötzlich die Aufzugtüren aufgestemmt wurden. Sie beide sprengten auseinander und blickten auf den immer größer werdenden Spalt und einen umherwandernden Lichtkegel.

‚Hallo, hier ist der Wachmann vom Empfang!‘ kam es von ziemlich weit oben.

‚Verficktes Timing!‘ kam aus ihrem Mund. Es war aber so leise, dass es nur Hans gehört hatte. Das Gesicht des Wachmannes tauchte am oberen Ende des Aufzuges auf und dann kniete er sich hin und hielt ihnen die Hand hin.

‚Wir hatten einen Stromausfall!‘ meinte der Wachmann. ‚Los kommen Sie, der Aufzug ist schon ganz unten, weiter runter geht es nicht!‘

Hans half ihr beim Aufstehen. Sie sammelte ihre Sachen zusammen und gab sie dem Wachmann. Plötzlich wurde sie hochgehoben und der Wachmann half ihr durch die Öffnung. Nachdem sie in Sicherheit war, hangelte er sich nach oben.

‚Macht es Ihnen was aus, ihre Autos aus der Garage zu fahren, ich muss langsam die Alarmanlage scharf machen.‘

Hans nahm ihre Sachen vom Boden auf und schob Tine zu der Tür, die zur Tiergarage führte. ‚Kommen Sie, Tine! Ich bring Sie heim!‘ meinte er ernst, zwinkerte ihr aber dann mit einem Lächeln auf den Lippen zu. Als die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel, packte er sie am Hintern und drückte sie gegen die Wand. Aus seiner Kehle drang ein zufriedenes Geräusch, als er sein Kinn an ihrem Hals rieb. Sie stöhnte leise und knabberte an seinem Ohrläppchen.

Ich hab gehört, dass Beziehungen, die auf extremen Erfahrungen beruhen, nicht von Dauer sind!‘ flüsterte er ihr ins Ohr.
‚Dann muss unsere Grundlage Sex sein!‘ flüsterte sie und küsste ihn hart und unnachgiebig.

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