Rückkehr in die Höhle des Verderbens

Rückkehr in die Höhle des Verderbens

Fortsetzung von…

Renk nahm sich zusammen und rannte los, warf dabei die Eitrige Angina um und stürzte aus der Höhle seinen beiden Weggefährten hinterher. Er konnte kaum die Hand vor Augen sehen, aber er konnte Stulle vor sich keuchen hören. Irgendwann wurde der Gang wieder etwas breiter, also mussten sie bald wieder draußen sein. Hoffentlich sind die Orks nicht mehr da draußen, sonst war es ein echt kurzer Ausflug.

Plötzlich konnte er Lunz schreien hören und wie sich seine Stimme immer mehr entfernte.

Stulle rief: ‚Lunz, wo bist duuuuuuuuuu!‘

Renk hielt inne und versuchte zu lauschen, die Stimme von Lunz war nach einem Rumsen verstummt und Stulle’s Schrei entfernte sich immer weiter. Langsam tastete sich Renk voran. Seine Hände sanken in etwas Glitschiges ein und als er sich befreien wollte, gab das Glitschige nach und er verlor den Halt und kam ins Rutschen. Mit den Worten: ‚Was zur Hööööööööööölllllleeeeeeeeeeee!‘ rutschte er scheinbar den selben Weg hinunter, wie Lunz und Stulle vor ihm.

Mit einem dumpfen Schlag landete er auf Stulle, der wiederum auf Lunz lag.

‚Wir sind entkommen!‘ hustete Stulle.

Renk sagte einfach mal nichts, weil wann sind sie schon mal nicht von dem Regen in die Traufe gekommen. Sie rappelten sich alle auf und sahen sich um, wo sie nun gelandet waren. Diese Höhle war ziemlich niedrig so das Renk schon Mühe hatte aufrecht zu stehen. Stulle stand gebückt da und Lunz setzte sich einfach wieder.

Es war alles weniger schleimig, als noch in der letzten Höhle. Eine halb abgebrannte Fackel, erhellte eine kleine Höhle, in der sich scheinbar jemand Kleines häuslich eingerichtet hatte. Stulle kicherte vor sich hin, weil alles hier so klein war. Er nahm eine kleine Spitzhacke und einen winzigen Eimer in die Hand und schmiss sich halb weg vor lachen.

Aus einem anderen Stollen waberten Worte durch die Luft und sickerten in die kleine Höhle. Nach den Lästerlichkeiten zu urteilen, die nun unaufhörlich an ihre Ohren drangen, schimpfte sich der Jemand, der hier wohnte, die nicht vorhandene Seele aus dem Leib.

Renk machte sich auf, den Worten zu folgen, weil wer gräbt, der hat bestimmt auch was gefunden. Am Ende des Ganges war tatsächlich Licht und nachdem es nicht so übel roch, wie bei der Eitrigen, kroch er frohen Mutes voran.

‚Mist Elendige, auf’m Schleim ausrutschn sollst und dir dein verkrümmtes Kreiz brechn, du räudige, widerhafte….Widerhafte!‘

Renk konnte nicht fassen, was er da sah. Ein winzig kleiner Zwerg hüpfte vor Wut vor ihm im Stollen auf und ab. Er hatte eine ziemlich kleine Schaufel in der Hand, die scheinbar gebrochen war.

‚Widerhafte Widerhafte?‘ kam es Renk aus dem Mund gepurzelt. Der Zwerg drehte sich um und starrte ihn fassungslos an. Renk räusperte sich, zog seinen Hut und sprach: ‚Meister, darf ich mich vorstellen?‘ Er wartete keine wirkliche Antwort ab und sprach einfach weiter: ‚Ich bin Renk, der alles Unmögliche möglich macht, ich bin mit meinen Gesellen in diese Höhle geraten, weil wir auf der Flucht waren vor der, vor der…!‘ seine Stimme brach gespielt. ‚Der unaussprechlichen Unaussprechlichen!‘

Stulle drängelte sich in das Geschehen und meinte neunmalklug: ‚Er meint die Eitrige Angina!‘

‚Ihr dürft ihren Namen nicht aussprechen, sonst kommt sie noch!‘ rief der Zwerg aufgelöst.

‚Nein, keine Sorgen, ich habe sie bei meiner Flucht versehentlich flach gelegt!‘ meinte Renk stolz und griff sich ans Revers seiner Weste.

‚Euch graut ja wirklich vor gar nichts.‘ würgte der Zwerg erschüttert heraus.

‚Nein, nicht so. Ich warf sie um und flüchtete!‘ rief Renk erschrocken und versuchte die Sache richtig zu stellen.

‚Genau, dass ist ja auch meine Misere!‘ erklärte der Zwerg.

‚Erzählt, wir haben viel Zeit!‘ meinte Renk und blickte zu Stulle. Der hatte sich schon im Stollen abgelegt und war schon ganz gespannt auf die Geschichte des Zwerges. Auch Renk setzte sich ab.

‚Einst war ich einer der Größten meiner Sippe und war als Helmhalf Eisenspat bekannt. Wir gruben wahrlich Paläste in den Stein, um dort unsere Schätze anzuhäufen. Nur ich konnte nicht genug Schätze aus dem Felsen holen und grub tiefer. Tiefer noch, als meine Ahnen vor mir. Und noch tiefer. Dort traf ich auf die unaussprechlich Schleimige und habe sie befreit. Sie verliebte sich in mich, doch ich verweigerte mich. Dann verfluchte sie mich. Sie lies alles an mir schrumpfen und legte einen Bann auf mich. Da ich sie einst zurückgewiesen, werde ich Seite an Seite mit ihr leben müssen, aber sie nie mehr erblicken dürfen, was ja eigentlich nichts Schlimmes wäre, wenn der elende Gestank nicht wäre. Ich konnte nur noch einmal zu meiner Sippe gehen, um meine Schätze zu holen, dann wäre der Weg für immer versperrt. Ich ging also zu meiner Sippe und sie verspotteten mich. Seither bin ich nur noch als Zwerg Lunte bekannt. Ich packte meine Schätze und ging fort, bis die unglaublich Triefende mich einholte und den Stollen einstürzen lies, in dem ich mich mit meinen Schätzen gerade befand. Und hier steh ich nun, ich armer Tor. Hier bin ich, da hinten irgendwo ist die unentwegt Sabbernde und hinter diesem Steinhaufen ist mein Schatz.‘ weinte der Zwerg Lunte vor sich hin. ‚Ich grabe und grabe und grabe und immer wenn ich das Funkeln meines Schatzes nur erahne, da passiert irgendetwas noch Schlimmeres.‘

Renk zog ein nicht mehr so ganz sauberes Tuch aus seiner Tasche und hielt es dem Zwerg hin: ‚Helmhalf Eisenspat wir helfen Euch bei euren Problem, wenn Ihr uns den Weg nach draußen zeigt.‘

‚Und wie wollt ihr das anstellen?‘ schluchzte Zwerg Lunte.

‚Lunz wir brauchen deinen Spaten!‘ schrie er in den Stollen. Dann wand er sich wieder dem Zwerg zu: ‚Stulle gräbt hier weiter, weil er viel größer und kräftiger ist als wir alle miteinander! Der Lunz bringt den Unrat mit seinem Schild aus dem Stollen und wir zwei Beide gehen zu der unaufhörlich Klebenden und lenken sie ab.‘

‚Meint ihr, dass dies ein so guter Einfall ist?‘ fragte der Zwerg ungläubig.

‚Lasst mich einfach reden! Und am Besten kriecht Ihr einfach auf dem Boden herum, wenn Ihr sie eh nicht sehen könnt.‘ meinte Renk und quetschte sich an Stulle vorbei und kroch wieder zu der kleinen Wohnhöhle. Auf dem halben Weg kam ihm Lunz entgegen und drückte ihm den Spaten in die Hand.

‚Zum Herausbringen des Unrat könnte ihr die Seilwinde benutzen!‘ meinte der Zwerg und griff sich den Spaten und lief wieder zu Stulle. Als der Zwerg in seine Wohnhöhle kam, standen Renk und Lunz mehr oder weniger aufrecht da. Die Beiden hatten bis eben noch miteinander getuschelt.

‚Nun Lunz, mein Freund, gib mir den Hustensaft!‘ rief Renk lauthals.

‚Aber das ist unsere Letzter, was ist wenn wir eine Angina bekommen?‘ fragte Lunz kleinlaut.

‚Wenn wir die eitrige Beulige erst mal besiegt haben, wird nie wieder jemand eine Angina bekommen!‘ meinte Renk und griff sich den Trinkschlauch. ‚Das, lieber Helmhalf, ist unser Plan B, der Hustensaft!‘

Dem Zwerg wich ein: ‚Ohhhhh!‘ aus dem bebarteten Mund.

‚Wie geht es denn nun auf dem schnellsten Weg zu der farbenfrohen Glitschigkeit?‘ fragte Renk wissbegierig.

Der Zwerg ging zu einem Regal und zog an einem der Bretter, das Regal schwang zur Seite und zwei weitere Stollen wurden sichtbar. Beide Stollen waren mit Spinnweben verhängt. Es stank aus dem linken Gang. Der Rechte musste nach draußen führen.

‚Hier war wohl länger keiner mehr drin, werter Helmhalf!‘

Der Zwerg griff sich eine frische Fackel und zündete sie an, ein paar Fledermäuse kamen aus dem Gang geflattert, machten in der Höhle wieder kehrt und flogen in den rechten Gang davon.

‚Es drängt mich nicht zu Ihr zu gehen, es reicht völlig jeden Tag mit dem Geruch von Fäulnis und Verderben in der Nase aufzuwachen. Und nach draußen kann ich nicht.‘ meinte der Zwerg und ging voran.

Das Feuer der Fackel verbrannte die Spinnweben und so knisterte und glimmte es den ganzen Weg bis der Geruch immer stärker wurde.

‚Wir sind fast da!‘ rief der Zwerg und löschte die Fackel. Am Ende des Ganges konnte man einen Lichtschein erkennen und der Gestank lies einem bereits die Augen tränen.

‚Ich verstehe, man sollte auch nicht mit offenen Feuer in das Haus eines Alchemisten gehen, wenn an seiner Tür steht: Schießpulver im Sonderangebot!‘

‚Ihr seid wirklich ein ganz ein Schlauer. Ich habe es nur zu oft gesehen, wenn sich Gase in einem Stollen entzünden. Es ist eh ein Wunder, dass die widerwärtig Eitrige sich noch nicht selbst in die Luft gesprengt hat.‘

‚Das macht sie bestimmt mit Absicht, nur um Euch noch länger zu quälen!‘

‚Psssst! Ich kann nichts mehr sehen!‘

‚Kein Wunder, es ist stockdunkel!‘

‚Nein, ungläubiger Narr, da vorne muss ein Lichtschimmer sein!‘

‚Ja, schon. Seht ihr es denn nicht!‘

‚Nein, Verdammt, ich sagte doch ich kann sie nie wieder erblicken.‘

‚Aber das ist ja nur ihr Feuer!‘

‚Hab ich den Fluch gesprochen?‘

‚Nein, ist ja auch egal!‘ winkte Renk ab und flüsterte dann verschwörerisch: ‚Ich gehe voran und Ihr bleibt sicherheitshalber auf allen Vieren!‘

Den restlichen Weg machte sich Renk so seine Gedanken. Wenn der Zwerg auch ihr Licht nicht sehen konnte und ihr Licht auch die Fäulnisgase nicht zum Explodieren brachte, dann musste es magisch sein. Und wenn er alles magische von ihr nicht erblicken konnte, dann konnte er doch einfach mit seinem Schatz gehen. Dann war seine ganze Misere nur eine riesige Illusion. Mit diesen Gedanken betrat er die Höhle. Die Eitrige kniete vor ihrem Altar.

‚Dieser arme Zwerg ist heute gekommen, um um Eure Gnade zu betteln. Seht wie er auf allen Vieren vor Euch kriecht. Er hat Zeit seines Leben versucht gangbar zu machen, was für ihn immer verschlossen bleiben wird. Noch tiefer sinken kann er doch nicht. Wollt Ihr ihn denn nicht erlösen.‘ rief Renk mutig und zog den kriechenden Zwerg hinter sich her in die Höhle des Verderbens. Die Eitrige Angina hatte sich wohl schon wieder erholt und kam auf ihre eigene schleimige Art zu ihnen gekrochen. Und sie sah echt wütend aus! Wut schnaubend warf der Schleim Blasen aus ihrer Nase und sie rang nach Luft.

‚Und meine Wenigkeit. Ich wollte mich auch bei Euch entschuldigen, dass wir Euch vorhin mit unserer Anwesenheit überfallen haben. Wir waren nicht darauf gefasst ein so einzigartiges Wesen hier zu erblicken, dass unser einfacher Verstand uns nur die Angst gezeigt hat und wir, unzulänglich wie wir sind, nur die Flucht ergreifen konnten.‘

Das einzigartige Schleimwesen blieb auf der Stelle stehen und sie schien sich verschluckt zu haben. Sie röchelte und hustete.

‚Werte Angina, kann ich armer Wicht Euch behilflich sein? Habt Ihr Euch verschluckt?‘

Sie wies auf ihre Kehle und röchelte weiter. Das ging ja einfach als gedacht.

‚Trinkt doch einen Schluck aus meinem Schlauch, dann geht es Euch gleich besser, meine Teuerste.‘

Gesagt, getan. Er flößte ihr die ganze Flasche ein. Sie schluckte und schluckte und schluckte und als die Flasche leer war, zog sich Renk sicherheitshalber zurück. Er packte den Zwerg am Kragen und zog ihn zum Gang zurück.

Aus der Eitrigen sprudelte es nun heraus: ‚Was habt ihr mir gegeben?‘

‚Magischen Hustensaft, Verehrteste!‘

‚Neeeeeeeeiiiiiiin!‘ schrie sie noch und dann zerfloss sie in schillernden, farbigen Schleim und verteilte sich auf dem Boden der Höhle.

‚Ich kann wieder sehen!‘ meinte der Zwerg und seine Gestalt schien zu wachsen.

‚Los raus hier!‘ schrie Renk. Sie liefen in den Gang und Renk versuchte inständig die Fackel wieder anzuzünden. Vom Schleim verfolgt rannten sie schneller. Vor sich konnten sie schon die Bretterwand des Regals sehen.

Fortsetzung folgt… 

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