Alpenroadmovie 5

Alpenroadmovie 5

Mittwoch, 15.08.2012, 07.50 Uhr

Immer noch am Reschen-Pass im Grenzgebiet zwischen Österreich und Italien.

Enzo keuchte schwer als sie ihn ins Auto auf die Beifahrerseite setzte. Sie packte die Tasche auf den Rücksitz.

‚Gib mir meine Waffe, aus der Seitentasche!‘ japste er.

‚Wenn du mich erschießt, dann fahr ich dich nirgendwo hin.‘

‚Die ist nicht für dich, Blume.‘

‚Die ist wohl für mich! Enzo, alter Freund.‘ meinte der Don ruhig und tauchte hinter Blume auf. ‚Wir waren immer gute Freunde gewesen…!‘

‚Hör schon auf, ihr habt schon gegen mich verloren, als ich noch im Kindergarten war.‘

‚Du bist grad nur ein halber Mann, Enzo!‘

‚Ja, aber ich habe die nette Lady und die braucht keine Eier, um einen alten Mann zu erschießen.‘

Blume zog die Waffe und das Magazin aus der Tasche. Sie hatte keine Ahnung was sie da tat, aber sie steckte das Magazin in die Waffe, lud durch und legte den Finger an den Abzug.

‚Woher weiß eine kleine Krankenschwester wie man mit einer Pistole umgeht?‘

‚Ich sehe viel Fern!‘ meinte sie schnippisch.

‚Ich wünsch euch beiden viel Glück. Fräulein Blume, wenn Sie mal Hilfe brauchen, meine Tür steht Ihnen immer offen. Und Enzo, Farid schickt dich nach Hause, wenn Gras über die Sache gewachsen ist, ja!‘

Blume ging vorne um den Wagen herum und setzte sich hinters Steuer. Enzo nahm ihr die Waffe ab, dabei bemerkte er, dass ihre Finger zitterten. Während Alfons das Tor öffnete, startete sie den Wagen. Enzo nickte dem Don zu, als sich der Wagen in Bewegung setzte. Alfons blickte ihnen hinterher, als sie auf den Hof fuhren.

‚Links Richtung Bozen!‘

‚Yes, Miss Daisy!‘ flüsterte Blume und sprengte den Wagen auf die Straße. Als sich der Staub wieder gelegt hatte, waren sie bereits verschwunden und Alfons hatte das Tor wieder geschlossen.

Er entsicherte die Waffe und steckte sie unter den Sitz.

‚Was hast du jetzt vor?‘ fragte sie ohne ihn dabei anzublicken.

‚Du bringst mich nach Sardinien!‘

‚Und dann?‘

‚Müssen wir uns trennen!‘

Ihr Kinn zitterte, als er das sagte.

‚Blume, bei Farid wärst du nicht sicher.‘ versuchte er sie zu beschwichtigen und griff mit seiner Hand nach ihrer. 

‚Bin ich überhaupt irgendwo sicher?‘ krächzte sie und schluckte schwer.

‚Nachhause kannst du auch nicht, da warten sie vielleicht schon auf dich!‘

‚Wie kommen die auf mich?‘

‚Ich…ich hab gestern gesehen, dass die ersten zwei Scheine jedes Bündels Falschgeld sind und die sind durchnummeriert.‘

‚Und das heißt?‘

‚Das sie die Scheine in der Tanke zurückverfolgen können und die Tanke hatte bestimmt eine Kamera.‘

‚Und was mache ich jetzt?‘

‚Hast du jemand, der sich um deine Angelegenheiten in Deutschland kümmern kann? Jemand harmloses!‘

‚Ich kann jemand anrufen!‘

‚Ja, aber nicht von deinem Handy aus!‘

‚Was meinst du mit: ‚Meine Angelegenheiten regeln‘?‘

‚Ich würde dir empfehlen, alles aufzulösen und zu kündigen.‘

‚Und dann?‘ keuchte sie quietschend. Langsam wurde sie hysterisch.

‚Ich hab ein Haus auf Sizilien! Da kannst du untertauchen und…‘ seine Stimme brach.

‚Und, was?‘

‚Auf mich warten?‘ fragte er kleinlaut. Er schluckte schwer und blickte sie an.

‚Bleibt mir denn was anderes übrig?‘ meinte sie ernst und blickte ihn einen Moment an, um gleich wieder auf die Straße zu blicken. Dann grinste sie ziemlich fies und blickte ihn wieder an: ‚Wenn du mich mit deinen Bambiaugen anschaust!?‘

Nun zitterte sein Kinn, er nahm seine Hand an den Mund blickte sie mit Tränen in den Augen an.

‚Mensch Bambi, fang jetzt nicht an zu heulen. Ich kann mich eh kaum zurückhalten…‘ Sie wurde von einem Schluchzer unterbrochen.

‚Ich heule nicht, mir ist was ins Auge gefallen.‘

‚In welches?‘

‚In Beide!‘

Schließlich musste beide wieder lachen. Er nahm seine Hand vom Mund und griff wieder nach ihrer.

‚Ich hab Angst!‘

‚So taff wie du bist, kann ich kaum glauben, dass du Angst hast.‘

‚Ich bin froh, dass ich mir vorhin nicht in den Fuß geschossen habe.‘

‚Eigentlich bin ich froh, dass du mir nicht in den Fuß geschossen hast.‘

Sie lachten wieder. Sie bewegte ihre Hand zum Schaltknüppel, um sie wenig später auf seinen Oberschenkel zu legen. Er jedoch griff ihr kurz an die Schulter und legte seine Hand zwischen ihrem Rücken und dem Sitz ab.

‚In Bozen können wir Proviant und Kleidung kaufen. Die Fähre geht erst am Abend von Livorno nach Korsika.‘

‚Korsika?‘

‚Dann fahren wir weiter quer durch die Insel und setzen über nach Sardinien. In Cagliari wartet Farid auf mich und du kannst die Fähre nehmen, nach Marsala. Ich hoffe, ich kann auf der Fähre ins Internet, dann bereite ich alles vor.‘

Ein ‚Häh!‘ stolperte aus ihrem Mund.

‚Ich muss der Nonna Bescheid geben, dass du kommst.‘

‚Deine Großmutter?‘

‚Eigentlich ist es die Mama von Alfons und mir.‘

‚Alfons ist dein Bruder?‘

‚Adoptivbruder!‘

‚Ihr seht euch auch überhaupt nicht ähnlich.‘

‚Er ist ein waschechter Vinschgauer!‘

‚Und du?‘

‚Bin der Sohn einer sizilianischen Mutter!‘

‚Hm! So siehst du allerdings auch nicht aus.‘

‚Mein Vater war auch ein waschechter Vinschgauer!‘

‚Dein Vater ist tot?‘

‚Ja, die Familie…!‘

‚Die haben ihn umgebracht?‘

‚Die fanden es nicht so prickelnd, dass eine ihrer Töchter einen blonden Bastard großzieht.‘

‚Und da willst du mich in die Höhle des Löwen schicken.‘

‚Bei der Nonna bist du sicher!‘

Sie blickte ihn ungläubig an.

‚Meine Mama hat den Tod meines Vaters gerächt… mit einer abgesägten Schrotflinte.‘

Fortsetzung folgt im AlpenRoadMovie 6

 

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