Igor – Ein denkwürdiger Tag auf Burg Feuerhayn Teil 3

Igor 2.0

Ein denkwürdiger Tag auf Burg Feuerhayn Teil 3

Wenig später saß Igor breitbeinig verkehrt herum auf dem Hintern von Utrechts Pferd. Er blickte auf das Pferd hinter ihnen. Hengelders Arme und Beine baumelten links und rechts vom dem hinterem Pferd herab. Utrecht hatte Elvira vor sich auf sein Pferd gesetzt. Dann sprach er ruhig zu ihr, während er das Pferd über eine weite Ebene führte. ‚Lady Elvira, darf ich mich bei Euch in aller Förmlichkeit für die Ohrfeige von vorhin entschuldigen.‘ Seine Hand lies den Zügel kraftlos los. Elvira rieb sich über ihre, immer noch rote, Wange und sagte: ‚Ihr dürft!‘

Sie nahm seinen verletzten Arm und lies ihn in ihren Schoß sinken, dann ergriff sie ihrerseits den Zügel.

‚Darf ich Euch etwas anvertrauen?‘ fragte Utrecht.

‚Ich bitte darum!‘ sagte Elvira leicht näselnd. Igor, der die Beiden belauschte, wurde es richtig schlecht bei dem Gesülze. Viele kleinere und größere Begräbnishügel säumten die Ebene.

‚Ich habe nicht vor mit Euch ins Hauptquartier zu reiten.‘

‚Und was habt Ihr stattdessen vor?‘ fragte Elvira neugierig.

Sie hielten auf die drei großen Hügel im Zentrum der Ebene zu. Die immer größer wurden, um so näher sie kamen.

‚Das werdet Ihr dann schon sehen!‘ grinste Utrecht.

‚Ich hätte es wissen müssen. Ihr seid ein unglaublicher Widerling!‘ erwiderte Elvira, sie riss am Zügel und schleuderte dabei seinen Arm von ihrem Schoß. Bei diesem Manöver fielen sie beide vom Pferd. Utrecht kugelte mit Elvira zusammen über den Boden, während das Pferd mit Igor auf dem Rücken davon sprengte. Sie rangelten ein Wenig miteinander, als sich Utrecht plötzlich unter einem Stöhnen zur Seite wälzte. Elvira rappelte sich auf und schrie ihn weiter an: ‚Ihr seid nicht nur ein Widerling, Ihr seid ein, ein, ein…ein ungehobelter…. ungehobelter…Gauner!‘

Igor hielt sich beharrlich am Schwanz des Pferdes fest, während das Pferd im Zickzack zwischen den Begräbnishügeln umher irrte.

Utrecht hielt sich, mit einem schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck, den Arm. Dann stöhnte er: ‚Ich bin alles was Ihr wollt,….wenn Ihr mir….mir nur bitte helft.‘

‚Oh, Verzeihung.‘ sagte Elvira erschrocken. ‚Natürlich!‘

Sie kniete sich hin, raffte ihre Röcke und wühlte in einem Beutel, den sie unter ihrem Unterrock versteckt hatte. Utrecht richtete sich auf und schaute ihr wie hypnotisiert dabei zu, er konnte ihre Rüschenunterwäsche sehen.

‚Oh, habt Ihr da noch mehr unter Eurem Rock versteckt?‘ plapperte er und grinste sie mit einem schmerzverzerrten Lächeln an. Sie lies die Röcke und den Beutel los und verpasste ihm eine Ohrfeige. Er stürzte wieder um und hielt sich schreiend seinen Arm. Dessen ungeachtet rief sie aufgebracht: ‚Ihr seid ein widerlicher, aufgeblasener Schuft!‘ Mit einem ernsten Blick zog sie einen Dolch. Utrecht schaute sie mit weit aufgerissenen Augen an. Woher hatte sie den Dolch nun auf einmal her?

‚Ihr habt doch nicht etwa Angst, Utrecht!‘ Elvira packte seinen Arm, setzte den Dolch am blutdurchtränkten Ärmel seiner Tunika an und schnitt ihn dann ganz langsam und vorsichtig auf. Um so näher sie an die Wunde kam, um so mehr sog er zischend die Luft zwischen den Zähnen hinein. Als sie mit dem Aufschneiden des Ärmels fertig war, trennte sie ihn oben an der Schulter ab. Als sie den blutigen Fetzen von der Wunde klappte, konnte man ein saugendes Geräusch vernehmen und Blutblasen quollen aus seiner Wunde. Utrecht war nun ein Wenig blasser geworden.

‚Ach, du gute Güte, das sieht aber gar nicht gut aus!‘ kam es aus Elviras Mund und Utrecht konnte nicht so recht glauben, was er da gerade gehört hatte. Seinen Blick nicht beachtend, öffnete sie eine Flasche mit einer braunen Flüssigkeit aus ihrem Beutel. Sie nippte daran und kippte den restlichen Inhalt über beide Seiten der Wunde. Er biss sich auf die Lippen und versuchte nicht nochmal zu schreien. ‚Oh, das könnte nun ein bisschen Weh tun!‘ meinte sie kühl. Irgendwie kam er mit ihren Stimmungsschwankungen gar nicht zurecht.

Sie nahm zwei strahlend weiße Tücher aus ihrem Beutel und träufelte etwas Flüssigkeit aus einer weiteren Flasche darauf. Dann hielt sie eines der Tücher an die hintere Austrittswunde und träufelte einige Tropfen in die Eintrittswunde. Mit dem zweiten Tuch verdeckte sie die Eintrittswunde, danach rieb sie die Tücher über die Wunde und murmelte etwas Unverständliches. Sein Arm wurde kochend heiß, Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn und rannen sofort über sein Gesicht. Er riss die Augen erschrocken auf und setzte wieder zum Schreien an, als sie die Tücher vom Arm nahm. Fassungslos blickte er auf seinen Arm, die Wunden waren fast verschlossen. Sie wischte das restliche Blut von seinem Arm und rieb auch über die Stelle an seiner Hand, wo sie ihn noch vor einer Stunde gebissen hatte. Auch diese Wunde verschwand langsam. Erschöpft schaute sie auf. Utrecht hatte sich vor Schmerz auf die Lippe gebissen und ein Tropfen Blut wanderte über sein Kinn. Bevor des Blut von seinem Gesicht tropfen konnte, nahm sie ihn mit dem Tuch auf und rieb ihm auch über die Lippe. Beide blickten sich wie verzaubert von diesem Augenblick an.

Igor hätte bei diesem Anblick ernsthaft kotzen können, wenn er in diesem Augenblick nicht kopfüber vom Pferd herab hängen würde. Seine Aussichten waren bei weiten auch nicht rosiger, er blickte von unten auf den Hintern des Pferdes. Er war irgendwann vom Pferd gestürzt und hatte sich im Zaumzeug verfangen. Von seiner Position aus hatte er keinerlei Möglichkeit das Pferd zu stoppen.

Utrecht und Elvira machten gerade Anstalten sich zu küssen, als eine Stimme ihr Vorhaben unterbrach. ‚Kann man Euch irgendwie zur Hand gehen, Eure Erhabenheit!‘ Beide schreckten hoch und erkannten Ignatius Pürkel, der von seinem Pferd aus, auf sie herab blickte und selten dumm grinste.

‚Lady Elvira, geht es Euch gut, hat er Euch etwas angetan?‘ fragte er und grinste über beide Ohren.

Elvira nickte zu erst, schüttelte dann den Kopf und schaute ihn entgeistert an.

‚Feiner Herr, wo ist Euer Pferd?‘ fragte Pürkel und stieg von seinem Pferd ab.

Utrecht pfiff und versuchte sich aufzurappeln, dann half er Elvira hoch.

‚Pürkel, du räudiger Sohn einer läufigen Hündin, endlich. Du hast doch getrödelt!?‘ entgegnete Utrecht immer noch aufgebracht von der Tatsache, dass Pürkel sie gerade beim Beinaheknutschen erwischt hatte. Er umarmte ihn trotzdem erschreckend herzlich.

‚Oh nein, ich hab nicht getrödelt. Ich hab erst mal Stulpe befreit!‘

‚Und wo ist Stulpe?‘ fragte Utrecht.

‚Er wollte Lady Esmeralda retten, bevor Euer Bruder noch die ganze Burg in die Luft jagt.‘ erwiderte Pürkel, hob den blutigen Fetzen auf, zog eine Augenbraue hoch und blickte auf den nackten Arm von Utrecht und fuhr fort: ‚Hättet Ihr Euren Abgang nicht etwas weniger spektakulär gestalten können, es langt doch völlig, dass wir Beutelrock geopfert haben.‘

‚Pürkel, wir haben Beutelrock nicht wirklich geopfert, er wollte es so!‘ sagte Utrecht trotzig, aber irgendwie ungläubig. Er war mit dem Vorschlag von Beutelrock nämlich nicht einverstanden gewesen.

‚Blickt ihr’s eigentlich noch, Hengelder ist tot. Er ist vorhin in meinen Armen gestorben…!‘ Elviras Stimme brach und sie schluchzte einmal laut auf.

‚… Pürkel …warum machst du mit dem da gemeinsame Sache!‘ Dabei wies sie auf den verdutzt drein blickenden Utrecht.

‚Lady Elvira, das erklärt Euch besser Hauptmann Beutelrock!‘ meinte Pürkel ganz selbstverständlich.

‚Ja Pürkel, da hast du recht. Der Beutelrock lässt uns eh die ganze Drecksarbeit alleine…!‘ pflichtete Utrecht bei, kam aber nicht dazu seinen Satz zu vollenden, da Elvira klamm heimlich in Ohnmacht gefallen war.

‚Ich glaub, du musst es ihr vielleicht doch irgendwie selber erklären!‘ witzelte Pürkel.

Utrecht war währenddessen zu Elvira hinunter gestürzt und versuchte ihr zu helfen.

‚Pürkel jetzt hilf mir doch, ich hab doch keine Ahnung von so was!‘ winselte Utrecht.

‚Euer Hochwohlgeboren, kann ich Euch etwa zur Hand gehen!‘ Sie hatten auch Hauptmann Stulpe nicht kommen hören.

‚Äh… Stulpe…wo ist dein Pferd?….Ähm…Und wo ist Lady Esmeralda?‘ stotterte Utrecht.

Stulpe machte auf seine Art und Weise Meldung: ‚Lady Esmeralda fängt gerade mit meinem Pferd deinen blöden Gaul und den Beutelrock ein! Und sie wollte das Ritual vorbereiten!‘

‚Vertraut die Herrin etwa Eurer magischen Inkompetenz nicht!‘ warf Pürkel ein. Er grinste wieder breit, half aber dann Utrecht dabei, die immer noch bewusstlose Elvira auf sein Pferd zu hieven.

‚Ich frag besser nicht, was du mit der jungen Lady gemacht hast?‘ witzelte nun Stulpe und beobachtete die Beiden dabei, wie sie emsig abmühten.

‚Mauritius, halt endlich dein vorlautes Mundwerk und hilf uns!‘ rief Utrecht schon leicht verärgert und stieg hinter Elvia’s reglosen Körper in den Sattel.

‚Ich wusste gar nicht, dass Engel so schwer sind!‘ meinte Stulpe.

‚Genaugenommen ist sie gar kein Engel!‘ erklärte Pürkel neunmalklug.

‚Elfe….Fee….Was auch immer! Ich werde es ihr jedenfalls nicht erklären!‘ stellte Utrecht fest, griff die Zügel und lenkte das Pferd in Richtung der drei großen Begräbnishügeln.

‚Ach, der feine Herr reitet voraus und das blöde Fußvolk macht das, was es am Besten kann!‘ beschwerte sich Stulpe breit grinsend.

‚Ihr Beiden deckt den Rückzug und untergrabt nicht immer meine Autorität!‘ erwiderte Utrecht, stupste Pürkels Pferd leicht in die Seite und ritt langsam fort.

‚Ich hab doch jetzt gar nichts gesagt.‘ beschwerte sich Pürkel.

‚Es wird Zeit, dass ihm der Beutelrock mal wieder die Leviten eintrichtert.‘ sagte Stulpe mehr zu sich selbst.

‚Das habe ich gehört!‘ rief Utrecht ihnen über Schulter hinweg zu und ritt nun etwas schneller davon.

Lady Esmeralda hatte die beiden Pferde zu den drei großen Begräbnishügeln getrieben. Igor hing unter Utrechts Pferd fest und bot Esmeralda einen echt mitleidigen Anblick. Er wand sich wie ein Wurm, in der Hoffnung das Pferd würde sich in den nächsten Minuten nicht nochmal erleichtern. Sie musste herzhaft lachen, stieg dann ab und band die beiden Reitpferde an einer vertrockneten Wurzel, eines seit langer Zeit verdorrten Baumes, fest.

‚Igor, in was hast du dich da wieder verstrickt!‘ lachte Esmeralda.

Igor sein sämtliches Blut war ihm in den Kopf und in den Buckel gelaufen. Er konnte weder Arme, noch Beine richtig bewegen und er jammerte wie ein Kleinkind, sie möge ihn doch endlich von seinen Leiden erlösen.

‚Igor nein, dein Tag der Pastete ist noch lange nicht gekommen!‘ Esmeralda stand vor dem Gaul und rieb sich am Kinn. Sie überlegte, wie sie Igor so befreien konnte, ohne dabei das ganze Zaumzeug vom Pferd zu lösen. Dabei sprach sie mehr zu sich selbst, als zu Igor: ‚Wenn ich den Nippel hier durch die Lasche ziehe, dann müsstest du eigentlich…!‘ Igor fiel mit einem lauten Aufschrei zu Boden. ‚…Oh, Verzeihung!‘

Igor rappelte sich blitzschnell auf, weil er möglichst schnell von dem Pferd wegkommen wollte. Er hatte nur nicht bedacht, dass ihm sämtliche Extremitäten eingeschlafen waren. Es zog ihm beim Hochhasten erst die Beine weg, als wären sie nicht nur taub, sondern aus warmen Wachs. Beim Umfallen wollte er sich mit den Armen abstützen. Weit gefehlt, er flog mit der Nase in den Dreck. Esmeralda kicherte etwas schadenfroh, es war ihr auch kaum zu verübeln, der Anblick von Igor war einfach zu albern gewesen. An ihm war wirklich ein Schelm verloren gegangen.

Immer noch feixend nahm sie das Pferd, mit dem Leichnam von Hengelder Beutelrock auf dem Rücken, am Zügel und schritt den mittleren Hügel hinauf.

Vor Igors Nase kroch eine enorme Nacktschnecke und hinterließ eine widerliche Schleimspur. Er überlegte nicht lange und schnappte nach der Nacktschnecke. Er konnte ja nicht wissen, wann er das nächste Mal etwas gegen sein Magenknurren bekommen würde.

Esmeralda drehte sich nochmal zu Igor um und fragte ihn verdutzt. ‚Igor kommst du? Ich brauche deine Hilfe… Und hast du da etwa gerade eine Nacktschnecke gegessen?‘

Igor schluckte schwer und versuchte dann nochmal aufzustehen und loszulaufen. Er taumelte der Herrin hinterher, als wäre er ganz schön betrunken.

Werbeanzeigen
Published in: on 25. September 2012 at 18:27  Schreibe einen Kommentar  
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

The URI to TrackBack this entry is: https://callabutterfly.wordpress.com/2012/09/25/igor-ein-denkwurdiger-tag-auf-burg-feuerhayn-teil-3/trackback/

RSS feed for comments on this post.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: