Drei und eine Axt – Teil 15

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 15

Am nächsten Morgen wurde Ainur wach, mit Vira in seinem Arm. Ihre Arme und Beine umschlangen immer noch seinen Körper. Und sein Schwanz war hart. Und er befürchtete sie mit seinem pulsierenden Gemächt erschrecken zu können, deswegen rückte er ein Wenig von ihr ab. Irgendwann wurde ihm gewahr, dass es sich, mal abgesehen von seinem geschwollenen Schwanz, auch überhaupt nicht ziemte, dass sie bei ihm auf dem Boden lag. Deshalb stand er auf, zog sich zügig seine Hose an und hob sie auf und bettete sie in ihr eigenes Bett. Leise ging er zum Fluss, um zu meditieren und dann mit einer wahren Erleichterung zu pinkeln. Er beschloss seine Kampfübungen durchzugehen. Auf einem Stein balancierend ging er seine Übungen durch. Irgendwie musste er seine überschüssigen Energien loswerden.

Irgendwann wurde Vira wach. Sie lag in ihrem Bett und sie war sich nicht ganz sicher, ob sie nur geträumt hatte, bei Ainur gelegen zu haben, oder ob es wirklich geschehen war. Dann entdeckte sie eines seiner Felle in ihrem Bett. Er war wohl aufgestanden und hatte sie in ihr Bett zurück gelegt. Liebevoll strich sie über das Fell, bis sie irgendwann aufstand. Sie zog sich an, legte das Fell zurück auf seine Schlafstatt und ging nach draußen. Er hatte bereits Feuer gemacht und den Wasserkessel aufgefüllt. Sie schob das Wasser aufs Feuer und ging zum Vieh, das bereits plärrte, weil sie noch nicht gemolken worden waren. Wena schlief anscheinend noch. Nach dem melken lies sie die Tiere aus der Jurte ins Gatter laufen. Mit zwei Schüsseln mit Milch kam sie aus der Jurte. Die Hälfte der Milch von den Rindern war fürs Frühstück. Die restliche Milch goss sie mit der von den Ziegen und Schafe zusammen in einen kleinen Kessel und hing ihn neben den Wasserkessel übers Feuer. Sie wollte heute den Käse bereiten.

Nebenbei bereitete sie das Morgenmahl. Ihr Blick schweifte mehrmals zum Fluss hinunter und sie ertappte sich jedes Mal dabei, wie sie Ainur bei seinen Kampfübungen beobachtete.

Nach einiger Zeit krochen die ersten Kinder aus dem Bett und tapsten nach draußen. Die Großen schickte sie Eier suchen. Nachdem gestern keiner die Hühner eingesperrt hatte, durften sie heute wieder auf dem ganzen Hof nach den Eiern suchen. Vira hatte gerade die Kleinste im Arm und half ihr beim Anziehen, als Ainur plötzlich neben ihr stand und sich seine Tunika überzog. Er lächelte ihr verschmitzt entgegen, sie aber übergab ihm nur wortlos das Kind und wand sich hastig ab. Sie nahm den Milchkessel vom Feuer, kurz bevor ihr die Milch überkam. Sie rührte den Inhalt einer weiteren Schüssel in den Milchkessel, dann wand sie sich um, ohne aber mit dem Rühren aufzuhören und strahlte ihm entgegen.

‚Guten Morgen, Ainur!‘ Er beugte sich über den Kessel, die Kleine immer noch auf dem Arm und blickte in den Kessel.

‚Was wird das Käse?‘

Sie nickte nur unter fortwährendem Rühren und blickte dann auf den Tisch. ‚In vier Wochen ist der so weit, wie der auf dem Tisch.‘

Kejnen murmelte ein ‚Morgen!‘ und humpelte zum Abtritt. Als er zum Tisch kam, stand bereits ein Becher an seinem Stuhl und Ainur saß daneben auf der Bank und strich der Kleinen ein Brot mit Marmelade. Er sah etwas bedrückt aus. Kejnen bemerkte seine schlechte Stimmung und witzelte: ‚Onkel Ainur, schmierst du mir auch ein Brot?‘

Ainur blickte auf und funkelte ihn an, bevor er ihn ein Scheibe Brot auf den Teller legte, dann drückte er ihm das Messer in die Hand und schob ihm die Marmelade rüber. ‚Ich trag dir gerne deine Sachen hinterher, aber dein Brot schmierst du dir schön selber.‘ Kejnen grinste und nach einer langen Weile, zerbrach Ainurs schlechte Stimmung in einem Lächeln.

Irgendwann waren alle wach und saßen endlich am Tisch und aßen.

Halef fragte: ‚Was steht denn Heute an?‘

Vira blickte ihn etwas ungehalten an: ‚Holz, Holz, Holz!‘

‚Wir haben noch die zwei umgestürzten Bäume, die wir gestern hergebracht haben, am Waldrand liegen.‘ meinte Halef.

‚Oh ja, die hab ich ganz vergessen.‘ gab Vira zu.

‚Wollt ihr da nur Feuerholz draus machen oder wollt ihr was bauen?‘ fragte Ainur.

‚Ein neues Regal wäre toll.‘ säuselte Wena.

‚Halef. War noch was übrig vom Bau der Stühle?‘ fragte Kejnen.

‚Nicht mehr viel!‘ antwortete Halef.

‚Ich versuchs heute nochmal zu Otar durchzukommen. Lamina wie geht es dir heute?‘ wechselte Ziska geschickt das Thema.

‚Oh ähm, gut soweit. Ich würd mich gerne nützlich machen!‘ anwortete Lamina.

‚Wolle, Wolle, Wolle!‘ meinte Wena und grinste dabei Vira an.

‚Kann ich. Wie dünn wollt ihrs denn.‘ meinte Lamina.

Wena stand auf und küsste Lamina auf eine Stelle in ihrem Gesicht, wo keine großen Verletzungen waren. ‚Dich schickt der Himmel. Wir schaffen es kaum, die Wolle zu verarbeiten, neben der ganzen anderen Arbeit.‘

‚Eigentlich müsste ich auch noch Kräuter suchen.‘ meinte Ziska.

‚Du meinst wohl Pilze?‘ witzelte Vira.

Ziska grinste. ‚Vielleicht können wir am Nachmittag ein bisschen in den Wald, Lamina.‘

Lamina nickte nur und lächelte, während Halef unterm Tisch nach ihrer Hand suchte.

‚Sag mal, wo sind denn eigentlich die Reiter, die der Khan hier zurück gelassen hatte.‘ fragte Kejnen.

‚Ach, die sind mit den Tieren wieder auf die Ebene geritten und zwei von ihnen sind auf der anderen Seite vom Tal und sammeln dort Holz.‘ berichtete Vira.

‚Ah gut, nicht dass sie Ainur erschießen, wenn er wie ein wildes Tier durch den Wald rennt und die Wildschweine mit bloßen Händen erwürgen will.‘ meinte Kejnen und musste herzhaft lachen.

‚Hier gibt es Wildschweine?‘ fragte Ainur freudig erregt.

‚Die kommen erst im Winter, in der Hoffnung hier was zum Fressen zu kriegen.‘ meinte Halef.

‚Sind dann alle Fertig. Wir brauchen den Tisch für die Wolle!‘ meinte Wena.

‚Und vergiss den Käse nicht.‘ meinte Vira.

‚Ähm, Ziska, darf ich Euch nochmal um die Salbe für mein Pferd bitten.‘

‚Ach, Euer Pferd. Ich schaue es mir an. Vielleicht können wir einen Umschlag machen!‘

Halef, Kejnen, Ainur, Alur, Fina und Vira gingen in den Wald. Während die anderen drei Mädchen, Nala, Lina und Lona bei Lamina blieben, um sich um die Wolle zu kümmern.

Ziska ging zu Otar in die Jurte, Wena folgte ihr. Wenig später brachte Wena Ziska aus der Jurte und setzte sie auf Kejnen’s Stuhl ab. Dann lief sie wieder in die Jurte.

Lamina stürtze zu Ziska und wollte ihr etwas zu trinken bringen. ‚Ist schon gut! Danke! Ich muss mich nur setzen.‘

Wena kam mit Tränen in den Augen aus ihrer Jurte. ‚Er hat mich erkannt. Er fragt nach euch Kindern.‘ Sie Mädchen sprangen fast gleichzeitig auf und stürmten an ihr vorbei in die Jurte.

Irgendwann stand Ziska einfach auf und schwankte in die Jurte. Wo Lamina sie, dann später im Bett liegend und an die Jurtendecke starrend, vorfand. Sie stand den ganzen Tag nicht wieder auf und sagte auch keinen Ton. Lamina flüsste ihr hin und wieder Tee ein, aber zu mehr war sie nicht zu bewegen. Kejnen kam am Nachmittag zu den Jurten zurück gehumpelt. Er hatte einen Gaul vollbeladen mit Körben voll Kleinholz dabei. Lona kam ihm entgegen gelaufen. Die zweitälteste Tochter von Wena war immer sehr still und zurückhaltend und vor allem wenn ihre ältere Schwester nicht da war. Er hatte sie noch nie rennen sehen. Sie meinte schüchtern und aufgeregt zu gleich. ‚Lamina macht sich große Sorgen um Ziska. Sie liegt in ihrem Bett und starrt an die Jurtendecke, seit dem sie Vater geheilt hat.‘

‚Lass uns rasch das Pferd von seiner Last befreien.‘ meinte Kejnen. ‚Geht es deinem Vater wenigstens besser.‘

‚Ja, er hat mit uns geredet, jetzt schläft er wieder.‘

Wenig später humpelte er zur Jurte hoch und ging wortlos in die Jurte. Langsam humpelte er zu Ziska hinüber und setzte sich auf die Bettkante. Er griff nach ihrer Hand und küsste sie. Sie regte sich nicht und starrte weiter auf das Jurtendach.

‚Ziska?‘ flüsterte er. Sie blinzelte nicht mal. ‚Ziska, zwinker, wenn du mich verstehst.‘ Er rüttelte sie. Es war ziemlich unheimlich, weil sie auf gar nichts reagierte. ‚Ich flöße dir den unaussprechlichen Schnaps ein, wenn du dich nicht rührst.‘

Sie zog die Luft in ihre Lunge und zwinkerte einmal. Tränen liefen aus ihren Augen.

‚Ich werte das als ja!‘

Sie schüttelte den Kopf.

‚Und nun?‘

‚Heißes Wasser, roter Beutel.‘ flüsterte sie.

‚Einen Moment!‘ Er stand auf, humpelte aus der Jurte und kam wenig später mit einem Krug mit heißen Wasser wieder. Sie schnellte hoch und setzte sich auf. Nach ihrem Korb hangelnd, blickte sie zu ihm. Tränen liefen ihr die Wangen herab. Mit zitternden Fingern griff sie sich doch die Flasche mit ihrem Schnaps. Er hatte das Bett erreicht, als sie die Flasche ansetzte. Ihr fiel fast die Flasche aus der Hand, weil sie zu Schluchzen begann. Er nahm ihr die Flasche weg und meinte: ‚Du musst mir mit dem Tee helfen, ich weiß nicht wie viel ich von dem Roten nehmen soll?‘

Sie schluckte schwer und legte sich wieder hin. ‚Vier Priesen in den Krug.‘ Dann drehte sie sich um und rollte sich zusammen.

Er stellte den Krug und die Flasche ab und streute das rote Zeug in den Krug. Dann kroch er ein Stückchen näher zu ihr aufs Bett und strich ihr über den Rücken. Ihr Körper zitterte und sie fing wieder an zu schluchzen. Er nahm eine Decke und deckte sie liebevoll zu. Irgendwann setzte sie sich auf und stürzte in seine Arme. Er hielt sie und versuchte sie zu beruhigen, obwohl er immer noch nicht wusste, was eigentlich los war. Irgendwann flößte er ihr den Tee ein.

Vira steckte den Kopf bei der Tür herein und Kejnen winkte sie zu ihm.

‚Was ist denn los?‘

‚Ich habe keine Ahnung!‘

‚Ziska, spinn dich aus und lass den Mann sich waschen!‘

Ziska drehte ihren Kopf und blickte sie an. Tränen liefen ihr immer noch übers Gesicht. ‚Ich habe gesehen, wo er sie verloren hat. Ich reite da morgen hin.‘

‚Du reitest nirgendwo hin und vor allem nicht alleine.‘ meinte Vira.

‚Ich will mit Halef reden.‘

‚Halef wäscht sich. Und ich will, dass du was isst.‘

‚Ich würd mich gern waschen und was essen, ich komm dann wieder!‘ meinte Kejnen.

Ziska rutschte von seinem Schoß, drehte sich um und legte sich wieder hin.

‚Ich schick dir Lamina mit dem Essen und ich nehm die Salbe fürs Pferd mit!‘

Sie nickte und zog dann die Decke über den Kopf. Kejnen stand auf und Vira begleite ihn nach draußen. Wenig später kam Lamina mit einem Krug Tee und einer Schüssel mit Suppe herein.

‚Ich soll dir die Suppe bringen.‘ Lamina setzte sich ans Bett und stellte die Suppe und den Krug neben dem Bett auf eine Kiste. Dann zog sie an der Decke und rückte näher an Ziska heran. ‚Und ich soll solange hier blieben, bis du die Suppe gegessen hast.‘ Ziska reagierte nicht. Lamina tätschelte ihren Rücken und redete weiter. ‚Aber keine Sorge, die Suppe ist noch kochend heiß, du kannst sie eh noch nicht essen.‘

Nach einer Weile regte sich Lamina und flüsterte: ‚Ich habe dich und das Pferd vergessen. Tut mir leid…!‘

‚Vira wollte sich das Pferd ansehen und mir geht’s so weit ganz gut. Der Rücken juckt.‘ meinte Lamina gähnend. ‚Und ich bin echt müde!‘

‚Halef soll dir nachher den Rücken versorgen!‘ meinte Ziska und gähnte auch.

‚Darf ich mich zu dir legen, bis er kommt.‘

Ziska hob einladend die Decke. Lamina zog ihre Schuhe aus und legte sich zu ihr. Rücken an Bauch schliefen sie ein, bis Halef zu ihnen ans Bett kam. Er blickte in die Schüssel und bemerkte, dass Ziska nichts gegessen hatte.

‚Ich werd aber nicht mit Kejnen in einem Bett schlafen!‘ meinte er und setzte sich ans Bett. Lamina schreckte hoch und Ziska wurde davon wach. ‚Wenn du nichts isst, reite ich mit dir nirgendwo hin!‘

Sie nickte, setzte sich auf und lies sich von Halef füttern. Lamina drehte sich nur um und legte den Kopf auf seinen Oberschenkel.

‚Kannst du ihren Rücken mit der Tinktur behandeln?‘ fragte Ziska.

‚Ja.‘

‚Du solltest dann schlafen gehen, wir müssen morgen früh los.‘

‚Tante Ziska, so wie du beieinander bist, finde ich, solltest du dich noch einen Tag ausruhen.‘

‚Ich weiß nicht, ob das Pferd deines Vaters so lange warten kann.‘

‚Bitte was?‘

‚Ich hoffe, dass meine Vision mich nicht trügt!‘

Nach dem letzten Bissen flößte er ihr noch Tee ein und dann durfte sie sich wieder hinlegen. Lamina war mittlerweile wieder eingeschlafen, also legte er sich auch dazu. Ziska griff nach seiner Hand. Als seine Augen sich schlossen, sah er die selben Bilder, die sie in ihrer Vision gesehen hatte.

Als Kejnen wieder ins Zelt kam, fand er alle drei im selben Bett liegend vor und sie schliefen in aller Seelenruhe. Der Krug mit dem Tee war halb leer und die Suppe hatte sie wohl aufgegessen. ‚Halef, wenn ich in deinem Bett schlafen soll, brauchst du’s nur zu sagen. Aber mit deinen Hunden werde ich nicht kuscheln.‘ flüsterte Kejnen.

Halef riss die Augen auf und blickte ihn verwirrt an. ‚Wir reiten morgen früh.‘ stammelte Halef noch verwirrter.

‚Nein, so wie ihr beieinander seid, solltet ihr noch einen Tag warten.‘ rief Kejnen ernst.

‚Ich habe das gesehen, was sie gesehen hat und wir müssen uns beeilen. Das Pferd meines Vaters lebt noch…. noch lebt es, wir müssen uns beeilen.‘

Er zog die Flasche des Unaussprechlichen aus dem Korb und drückte ihm die Flasche in die Hand. ‚Trink und morgen früh sehen wir weiter.‘ sagte Kejnen in seinem üblichen Befehlston.

Halef trank. Dann stand er auf, packte vorsichtig die schlafende Lamina und trug sie in sein Bett. Er kniete sich zu ihr und flüsterte in ihr Ohr. ‚Lamina wach auf, wir müssen deinen Rücken versorgen.‘

Lamina setzte sich halb auf, zog ihre Tunika aus und legte sich wieder hin. Kejnen brachte ihm den Korb von Ziska rüber.

‚Braucht ihr noch was? Habt ihr genug gegessen?‘ meinte Kejnen erschreckend fürsorglich.

Lamina schüttelte ihren Kopf und Halef blickte ihn dankend an, als er den Korb nach der Tinktur durchwühlte.

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