‚Warum denn so ernst, schöner Mann?‘ Teil 1

‚Warum denn so ernst, schöner Mann?‘ Teil 1

Heute Nacht in der großen Stadt ist wieder Party angesagt. Es sind allerlei Gestalten der Nacht unterwegs und zwar zu diesem Ort an dem diesmal diese total angesagte Themenparty abgehen soll. Diesen Samstag heißt es Sience-Fiction-Party in einer skurrilen Umgebung. Die skurrile Umgebung mit samt Wegbeschreibung wird erst am Abend der Veranstaltung über eine geheime Webseite herausgegeben. Und zu dieser heißen Info kommt man nur, wenn man ein Schlüsselwort hat und es ist wirklich sehr schwer an diesen Geheimcode zu kommen, der sich im Übrigen mehrmals am Abend ändert und insgesamt nur für ca. 250 Logins zur Verfügung steht. Mit diesem Login kann man sich seine Eintrittskarte ausdrucken und los düsen. Das wäre ja ganz einfach, so könnte man meinen. Aber dann hätten wir da noch einige Türsteher an denen Mann oder Frau erst mal vorbei muss. Der Dresscode ist auf jedes Partythema abgestimmt und eine Begleitung hat Mann oder Frau auch nicht mitzubringen. Der rote Faden der Veranstaltungsreihe war eigentlich eine Single-Party zu machen, wo sich wildfremde Menschen kennenlernen sollen. Ganz fern ab von irgendwelchen Zwängen, da die Freunde meistens draußen bleiben müssen. Darüber redet die ganze Stadt und jeder munkelt. Gerade von denen, die noch nicht eingeladen wurden. Bestechungsversuche bleiben da natürlich nicht aus. Einige Insider ohne Einladung stehen meist schon parat für den Fall, dass ein Newbie nicht reingelassen wird, weil er dem Dresscode nicht entspricht, dann fällt die Eintrittskarte an denjenigen, der sich am meisten Mühe gegeben hat bei seiner Körperkunst.

Zwischen Abfüllanlagen einer stillgelegten Eisfabrik wurde eine riesige Bar aufgebaut, die von der Galerie des Hinterzimmers aus betrachtet, wie ein abgestürztes Raumschiff aussieht. Einige Bardamen wuselten umher und bestücken die Kühlschränke, schneiden Limetten oder zerhacken Eis. Was Bardamen eben so tun, bevor eine Party losgeht. Alle Angestellten haben sehr skurrile Kleidung an. Die beiden Chefs laufen wie aufgeschreckte Hühner übers Gelände. Aufregung macht sich breit. Papiere werden gewedelt. Und ein Gerücht macht die Runde.

‚Hey Yo, hast du schon gehört?‘ Blaue Haare tauchen hinter einer Eisschranktür auf: ‚Und Fred, was gibt es diesmal für unglaubliche Neuigkeiten?‘ Sie, Yo mit dem blauen Kopfputz, rückt ihre Perücke zurecht, grinst dreckig um ihren Sarkasmus noch mehr Ausdruck zu verleihen und wuchtet dabei einen Sack mit Eiswürfeln in ein Waschbecken. Ihr Gesprächspartner ein großer Barkeeper in einer silbernen knallengen Hose und einer Metalantenne auf dem Kopf, machte eine äußerst schwule Handbewegung, die überhaupt nicht zum Outfit passte. Er rückte sich bei einem Schritt vorwärts in ein besseres Licht und sagte: ‚Rate mal?‘

Jetzt konnte auch Yo erkennen, dass er angemalt war, wie ein Silberfischchen. Sie grinste noch dreckiger.

‚Meine Fühler halten einfach nicht!‘ kam halb gestöhnt von hinter der Tür zum Lager.

‚Oh, Mann, Daisy, schaffst du´s einmal pünktlich fertig zu werden?‘ meinte Yo.

Ein mintgrünes Wesen kam mit dem Rücken voraus durch die Tür. In den Händen klebten zwei mintgrüne Fühler. Es drehte sich um und ein kleiner drahtiger Mann mit feinen Zügen kam zum Vorschein. In Plateauschuhen und einer Hotpants, alles Mingrün natürlich. Yo machte sich dran, dem Wesen, der anscheinend Daisy hießt, die Fühler abzunehmen und an die richtige Stelle zu kleben.

‚Baby, hast du schon gehört?‘ Es war wohl nicht Yo gemeint, sondern das Silberfischchen Fred: ‚Ja, Sweetheart, ich wollt es Yo grad erzählen!‘

‚Wie, du weißt es noch gar nicht!‘ meinte Daisy zu Yo.

‚Die Bullen haben sich eingeschleust!‘ meinte eine Barkeeperin in einem sexy Raumanzug im Vorbeigehen. ‚Undercover, verstehst du!‘

‚Oh, menno Mel, ich wollte es doch erzählen!‘ kam es gleichzeitig von den beiden Barkeepern.

Mel kam wieder zurück, am Raumanzug herumnestelnd, und meinte: ‚Hey, des weiß ja eh schon jeder!‘

Yo meinte nur: ‚Drohen sie nicht schon seit Jahren unsere Partys hochgehen zu lassen?‘ Sie machte eine dramatische Pause. ‚Und, waren sie schon mal da? Und warum überhaupt? Wir machen hier etwa etwas Ungesetzliches? Ich hasse den Staat und alle seine Behörden!‘ Sie grinste jetzt noch breiter und holte tief Luft, als wollte sie einen wichtigen Vortrag halten. Da meinte Mel schnippisch, bevor Yo weiterreden konnte: ‚Ich dachte, seit dem der Boss mit dem Typen vom TÜV vögelt, haben wir keine Probleme mehr mit den Behörden.‘

Yo lies die Luft wieder heraus, als der Boss plötzlich hinter Mel auftauchte: ‚Ihr wisst ja!‘

‚KEINE NUMMERN, KEINE NAMEN!‘ kam von allen Mitarbeitern gleichzeitig, die für einen Moment sämtliche Arbeit ruhen ließen, um genau diesen Satz zu sagen.

Mel wurde schlagartig hochrot im Gesicht und war plötzlich ganz still.

‚Aber das gilt nicht für untereinander, oder?‘ Daisy lehnte sich an Fred´s Brust, küsste ihm die Brustwarze und spielte ein bisschen mit der Zungenspitze an seinem Piercing.

‚Hey Mann Daisy, wie oft muss ich dir des noch sagen, ich blas dir keinen!‘ meinte Yo und alle lachten.

Der Boss wurde wieder ernst: ‚Ein bisschen mehr Disziplin!‘

‚Frisch, fromm, fröhlich, frei!‘ meinte Yo.

‚Also dann an die Arbeit!‘ er schaute auf seine Uhr: ‚Wir machen… jetzt auf!‘

‚Zack,Zack!‘ salutierte Yo und verschob dabei wieder ihre Perrücke.

Kaum war der Boss außer Hörweite, meinte Mel: ‚Er ist so ernst, seit er mit dem Typen vom TÜV vögelt!‘

‚Ich habe das gehört!‘ meinte Jeff, der Halbbruder vom Boss. Er war vor ein paar Wochen plötzlich aufgetaucht und in die Firma mit eingestiegen. Sein Auftauchen war äußerst mysteriös gewesen. Irgendwas stimmt da nicht, aber das bekam Yo schon noch raus. Yo hatte ihn schon viel früher kennengelernt. In dem ein oder anderem Club. Sie hatte ihn abgeschleppt, ein paar Mal und mit ihm gevögelt, so drei, vier, acht Mal. Vielleicht auch viel öfter. Es ging einige Wochen so, dass sie sich immer wieder abgeschleppt hatten. Sie hatte sich bis über beide Ohren in ihn verknallt, was für sie äußerst ungewöhnlich war. Und sie dachte, dass er sich auch in sie verknallt hatte. Das hatte sie sogar schriftlich. Dann war er für zwei Wochen wie vom Erdboden verschluckt und verschwunden, bis er plötzlich als ihr neuer Vizechef vorgestellt wurde. Sie war sich ziemlich unsicher, sie wusste nicht was sie denken sollte. Und ziemlich verarscht kam sie sich auch vor. Er behandelte sie wie den letzten Dreck, es war so als wäre er ein anderer Mensch. Und jetzt spielte er sich als Chef auf. Es war einfach zum Kotzen wie er sich aufführte! Aber geil war er trotzdem. Mit einen miesen Grinsen meinte Yo: ‚Der Herr Wirtschaftsingenieur!‘

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