Manchmal kommt es anders…Der Killer 6

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

Der Killer 6

Donnerstag, 16.08.2012, 11.00 Uhr

Von Garmisch-Partenkirchen kommend auf der B23 Richtung österreichische Grenze

Rutger und  Ellen saßen wieder im Wagen. Ihre Haar waren nass und sie telefonierte und mailte gleichzeitig. Sie fuhren bereits über die Grenze nach Österreich. Es war noch früh und die Straßen waren frei. Er konnte also ordentlich Gas geben. Mit einem Affenzahn fuhr er die Fernpassstraße rauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Trotz der kurvigen Strecke schlief sie irgendwann ein. An einer Tankstelle hatte er ein Bickerl gekauft, er wollte eine Teilstrecke auf der Autobahn fahren. Mit überhöhter Geschwindigkeit preschte er wenig später über die Autobahn und weckte sie, als er von der Autobahn wieder abfuhr.

‚Hey, klingeln wir bei den Vinschgauern oder haben wir schon ne Spur.‘ flüsterte er.
Sie machte gähnend ihren Laptop an und blickte aufs Display. Nach einem Moment. ‚Die Spur verlor sich in Livorno. Vater möchte ihnen eine Nachricht übermitteln. Also werden wir doch klingeln müssen.‘
‚Ich wäre eher für die Version brennende Tüte mit Hundescheiße vor die Tür legen, klingeln und abhauen ‚
‚Ja, nee. Wir werden schön brav sein müssen.‘ meinte sie kurz und hantierte an ihrem Handy rum.
‚Ich hoffe wir platzen nicht unangemeldet rein.‘
‚Pappili gibt dem Don Bescheid.‘
‚Pappili?‘
‚Der Boss ist mein Vater und er hasst es, wenn ich ihn Pappili nenne.‘
‚Und der Don, wie kriegen wir den auf die Palme?‘
‚Lass mich nur machen!‘
‚Das werd ich wohl müssen, ich kann sie ja nicht alle erschießen.‘
‚So viele sind es nicht mehr, da bräuchtest du nicht mal ein zweites Magazin mitnehmen.‘
‚Ich steh nicht gerne mit runtergelassenen Hosen da. Und ich bin nicht der Einzige, der mit zwei Knarren in ein unbekanntes Haus geht.‘
‚Weder dein Haus, noch das der Vinschgauer wäre mir jemals unbekannt gewesen.‘ meinte sie so, dass er lieber die Schnauze hielt. Betretenes Schweigen begleitete die Fahrt über den Reschen. Sie fuhren durch eine Straßenschlucht, als sie das Schweigen räuspernd unterbrach: ‚Da vorne links auf den Hof.‘ Sie packte ihren Laptop in ihre Tasche.
‚Und dann?‘
‚Macht der Alfons das Tor auf und lässt uns im Schuppen parken!‘
‚Das gefällt mir aber gar nicht!‘
‚Deinem Auto wird nichts passieren!‘
‚Um mein Auto mache ich mir weniger Sorgen.‘
‚Darüber reden wir später.‘ unterbrach sie ihn unwirsch.

Das Tor ging auf und ein älterer Mann stand am Tor, als sie hinein fuhren. Kaum stand der Wagen, sprang Ellen mit ihrer Tasche aus dem Auto und umarmte den älteren Mann.
‚Onkels Alfons!‘ kam aus ihrem Mund.
Fast von Sinnen sprang Rutger aus dem Wagen und blickte sie fragend an.
‚Eigentlich ist Alfons mein Cousin!‘ meinte sie entschuldigend.
Rutger musste nach Luft schnappen, hatte aber keine Zeit mehr, sich ein Bild von der Lage zu machen, weil sie ihn gepackt hatte und schleppte ihn über ein paar Stufen hinauf in einen Vorraum. Es sah verdächtig nach einem Puff aus. Nur keine Nutten.
‚Wo sind die Nutten?‘ platzte es aus ihm hinaus.
‚Die ham frei!‘ meinte dieser Alfons.
‚Die haben immer frei, komm jetzt!‘ meinte Ellen ungehalten und zog ihn zu einer Tür hinüber.
Sie klopfte nicht, sondern riss die Tür auf und platze herein und aus ihr heraus. ‚Onkel Don, gut siehst du aus.‘
Rutger schritt durch die Tür. Es waren ihm entschieden zu viele Verwandte in diesem Raum.
Der Don küsste Ellen auf die Stirn und sie setzte sich auf die Stuhllehne, neben den Don und zog ihren Laptop aus der Tasche. ‚Vater möchte mir dir reden.‘
‚Willst du mir deinen Begleiter nicht vorstellen, mein Kind?‘
‚Oh ja, natürlich. Das ist Rutger, er versucht auf mich aufzupassen.‘
‚Rutger, Sie wissen, dass Sie ein toter Mann sind.‘ meinte der Don und lachte grausam.
Rutger nickte nur, lies seinen Kopf gesenkt und hielt dem Don die Hand hin. Dann hob er langsam den Kopf und sah den Don an. Dieser nahm seine Hand und drückte sie herzlich.
‚Mach es ihm nicht zu schwer, du weißt doch, dass mein Bruder ein schrecklicher Unmensch ist.‘ sprach er zu Ellen, bot aber Rutger gleichzeitig mit einer kleinen Handbewegung einen Stuhl an. Rutger setzte sich.
‚Ach Onkel Don, Rutger muss nur mit zum Shoppen nach Bozen. Da wird er schon nicht dran sterben.‘
Der Don zog seine Augenbraue hoch und meinte: ‚Shoppen?‘ Und sein Blick sagte: ‚Ja nee! Alles klar!‘
Ellen klappte den Laptop hoch. Der Bildschirm flackerte. Rutger konnte das Bild zwar nicht sehen, aber als er die Worte hörte, wusste er Bescheid. ‚Was dauert da so lange. Wo hat der Stronzo seinen Führerschein gemacht, in der DDR?‘
‚Geliebter Bruder, wie geht es dir?‘
‚Wie soll es mir schon gehen, du elender Schwanzlutscher.‘
‚Rede nicht so vor deiner Tochter.‘
‚Ich rede, wie es mir passt. Wo ist mein Geld?‘
‚Dein Geld? Du beliebst zu scherzen.‘
‚Ich will mein Geld zurück, sonst sprenge ich den ganzen Berg in die Luft.‘
‚Du wirst dich doch nicht am Vinschgauer Kulturerbe vergreifen wollen.‘
‚Ich will das Geld und den Kopf von diesem Enzo.‘
‚Sonst noch irgendwelche Wünsche, lieber Bruder. Wir sehen uns zu Weihnachten!‘ meinte der Don und klappte ganz langsam den Laptop zu.
‚Wage es nicht…Vaffancu…!‘ konnte man noch, hören bevor die Verbindung abbrach.
‚Kaum zu glauben, dass wir miteinander verwandt sind, nicht?‘ meinte der Don.

Betretenes Schweigen bedrückte die Stimmung im Raum noch mehr. Und wieder war es Ellen, die das Schweigen unterbrach, in dem sie aufstand und meinte: ‚Wir müssen dann los!‘ meinte sie kurz. Sie küsste ihren Onkel auf beide Wangen und lächelte. Dann quietschte sie: ‚Shoppen!‘
‚Ja, ihr wolltet ja Shoppen gehen.‘ meinte der Don. ‚Da will ich euch nicht weiter aufhalten. Schaut doch beim Rückweg nochmal vorbei. Alfons kocht uns was Schönes.‘
‚Ja, Onkel Don, dass wäre schön. Ansonsten sehen wir uns Weihnachten.‘
‚Gute Fahrt, mein Engel. Und Rutger, passen Sie auf meinen Sonnenschein auf.‘
Ellen packte den Laptop und Rutger gab dem Don die Hand zum Abschied. Als sich ihre Hände trennten, hatte Rutger ein Bündel gefaltete Geldscheine in der Hand. ‚Sie soll sich was Schönes kaufen.‘
Ellen zog nur eine Augenbraue hoch und machte dann aber einen Knicks und sagte: ‚Danke, Onkel Don! Das ist lieb von dir!‘
Alfons brachte sie zum Wagen, er flüsterte Ellen zu, so dass Rutger es nicht hören konnte.
‚Pass auf dich auf, dem Enzo steht das Wasser bis zum Hals und bevor er ins Gras beißt, nimmt er uns noch alle mit.‘
‚Onkel Alfons, wir gehen nur Shoppen.‘ meinte Ellen, stieg ein und Alfons schloss die Tür. Er eilte zum Tor, um es zu öffnen. Rutger lies den Wagen und fuhr langsam aus dem Schuppen. Als sie wieder auf der Straße waren, atmete er tief durch und setzte zum Reden an. Sie unterbrach ihn gleich mit einem ‚Scht!‘
Erst jetzt sah er, dass sie einen Stöpsel im Ohr hatte und sie schob ihm den zweiten Stöpsel ins Ohr und er lauschte, während er seinen Wagen ins Tal jagte. ‚…Farid Bescheid! Wollen wir hoffen, dass sie die Fähre heute nicht mehr kriegen.‘
Rutger nahm den Stöpsel aus dem Ohr und gab noch mehr Gas. In Livorno hatten sie beinahe einen Unfall, weil jemand, der so aussah wie Super Mario, mit einem Lieferwagen versuchte zu wenden und in dem Moment auf ihre Fahrbahn fuhr, als sie angerast kamen. Es grenzte schier an einem Wunder, aber sie schafften die Fähre, die am späten Abend in Livorno ablegen sollte. Ellen organisierte eine Kabine und Rutger brachte das Auto an Bord. Sie trafen sich an Deck und gingen zur Kabine mit der Nummer 134.

Fortsetzung folgt im AlpenRoadMovie10! Es lohnt sich!

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