Alpenroadmovie 10

Alpenroadmovie 10

Donnerstag, 16.08.2012, 16.00 Uhr

Hafen, Bonifacio, Korsika

Enzo und Blume saßen auf einer gemütlichen Bank in Bonifacio am Hafen in einem kleinen Café. Vor ihnen lagen halbleere Teller auf dem Tisch, zwei Tassen und eine Kanne mit Kaffee. Blume schlief in seinem Arm und er hangelte nach seiner Kaffeetasse. Seine Wunde schmerzte wieder und er rutschte nervös auf der Bank umher. Er kam sich zu Recht wie auf dem Präsentierteller vor. Die Kellnerin war schon zweimal da gewesen. Sein Französisch war heute ziemlich grausam, aber er schaffte es ihr irgendwie zu verstehen zu geben, dass sie noch nicht fertig waren mit dem Essen. Sie brachte unaufgefordert zwei Gläser Wasser, die Rechnung und Alufolie. Er zahlte und bedankte sich überschwänglich. Sie schien aus seinem Gestammel heraus tatsächlich Gedanken lesen zu können.

Das Fährschiff lief ein und endlich kam Bewegung in die Sache. Blume wurde wach, als er sich regte, um die Reste einzupacken. Völlig neben sich versuchte sie nach einem der Gläser zu greifen. Die Autos rollten an ihnen vorbei.

‚Ich glaube wir können langsam zum Auto gehen!‘ meinte Enzo.

Bambi trank das Wasser in einem Zug leer und stellte das Glas hin.

Sie fuhren an Bord. Dieses Fährschiff war viel kleiner, als das Letzte. Es gab keine Kabinen. Sie beschlossen also im Auto zu bleiben. Das war auf dieser Fähre nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht. Das entsprach zwar nicht den Sicherheitsbestimmungen, aber ging am Ende viel schneller.

Bambi kletterte auf den Rücksitz und lehnte ihren Kopf gegen die Scheibe.

‚Darf ich zu dir auf den Rücksitz?‘ fragte Enzo.

‚Natürlich Bambi!‘ meinte Blume

Er machte die Tür einen Spalt auf, zwängte sich aus dem Auto und ging zum Kofferraum. Sie hörte ein Knacken, der Kofferraum öffnete sich und Enzo grinste sie an. Er gab ihr die Tüte mit dem Proviant und zwei Decken.

‚Vorsicht bitte!‘ meinte er schließlich und die Rückbank klappte nach hinten um. Der Kofferraum wurde vorsichtig geschlossen und Enzo tauchte wenig später an der Seitentür wieder auf.

‚Ist da noch frei, schöne Frau?‘

‚Flirtest du mit mir?‘

‚Hatte gerade nichts anderes vor.‘ Er lächelte und kroch zu ihr auf den Sitz. Sie bemerkte sein schmerzverzerrtes Gesicht.

‚Du hast wieder Schmerzen!‘

‚Kann ich dir eigentlich was verheimlichen?‘

‚Nein, Enzo. Kannst du nicht!‘ meinte sie, während sie nach Schmerztabletten kramte. ‚Du trinkst zu viel Kaffee und zu wenig Wasser!‘

Sie gab ihm die Tabletten und kramte nach einer Flasche Wasser. Er nahm artig die Tabletten und sie zog ihm das Hemd aus, um nach seiner Wunde zu sehen.

‚Sieht eigentlich ganz gut aus.‘ flüsterte sie mehr zu sich, als zu ihm und drückte an der Wunde herum.

‚Ahhhh!‘ schrie er und sie hielt ihm den Mund zu.

‚Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um zimperlich zu werden.‘

Er sagte nochmal:‚Aua!‘ durch ihre Hand hindurch. Sie lies schlagartig von ihm ab und nahm ihn in den Arm. Langsam lehnte sie sich nach hinten und er lies sich von ihr betten. Behutsam deckte sie ihn zu und streichelte seinen Kopf.

‚Schlaf ein bisschen!‘

‚Ich kann schlafen, wenn ich tot bin!‘

Sie knallte ihm eine. ‚Rede nicht so!‘

‚Bin ich erst mal im Camp, bin ich ein toter Mann. Die werden mich da durch die Mangel drehen, bis ich einer von ihnen bin. Und wenn ich wieder zurück bin, hab ich die Behörden an den Hacken kleben. Weil es kommt nichts gutes aus nem Camp von Farid.‘

‚Hättest du dir das nicht vorher überlegen können, bevor…!‘ Ihre Stimme brach und sie musste schlucken.

‚Bevor ich in deinen Wagen gestiegen bin?‘ fragte er.

‚Zum Beispiel!‘

‚Oder bevor ich mich in dich verliebt habe!‘

‚Nein, bevor dir klar war, dass dein Leben keine Zukunft hat…!‘ Tränen liefen ihr die Wangen herab. ‚…Bevor ich mich in dich verknallt habe!‘

‚Blume bitte, ich will mich mit dir nicht streiten!‘ flüsterte er, als er sich umdrehte und sie zu küssen versuchte. Sie wehrte sich dagegen. ‚Weine nicht, kleine Blume und lass uns die nächsten zwei Tage nicht mehr streiten. Die Nonna lässt sich was einfallen, sie wird nen Anfall kriegen, wenn ich nicht bis Weihnachten wieder zu Hause bin.‘

‚Weihnachten also?‘

‚Ich möchte bis Weihnachten wieder zu Hause sein!‘

‚Ist das ein Versprechen?‘

‚Ich bete inständig darum, dass ich es nicht gezwungen bin, es brechen zu müssen!‘

Fortsetzung folgt: Manchmal kommt es anders… Killer 7! Es lohnt sich!

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