Vom Futterneid und Fleischfetischismus…

Vom Futterneid und Fleischfetischismus…

Liebe Leser, wahrscheinlich habt ihr ja schon mitbekommen, dass ich eine aufgeschlossene Frohnatur sein kann und mir nur schwer das Maul verbieten lasse und nur ganz selten ein Blatt von den Mund nehme. Was mir meistens nicht gerade zum Vorteil gereicht. Das Vorurteil ist es doch, dass mir manchmal das Leben ein bisschen schwerer macht, als bei Denen die vielleicht öfter mal die Schnauze halten. Dabei hab ich doch tatsächlich eine sehr extreme moralapostolische Vorstellung von vielen Dingen, die andere Leute oft nicht so sehen wie ich, bis ich sie mit der Nase drauf stoße. Ich kann von mir behaupten, eine weiße und reine Weste zu haben, auch wenn man es mir nicht ansieht, wenn man mich nur vom sehen her kennt. Harte Schale, gerechter Kerl im weichen Kern (mit Bildungsauftrag!).

Aber ist es doch im Gemüt des Menschens so verankert, dass er die Wahrheit gar nicht hören möchte, vor allem nicht wenn es sich um den horizontalen Teil im Leben handelt. Da sind die Leute aber auch immer so empfindlich. Aber eigentlich ist es ja auch schön, wenn die Menschen noch empfindlich sind, so empfinden sie doch noch was, dass lässt mich in den meisten Fällen ja noch hoffen, dass die Einsicht irgendwann vielleicht von alleine kommt. Irgendwann. Hat bei mir ja auch sehr lange gebraucht. Und glücklich mit meiner Erkenntnis bin ich eigentlich auch nicht, weil meinem Forscherdrang anscheinend auch keiner gewachsen ist. Hm. So habe ich mich nun endgültig dazu durchgerungen, einige Worte aus meinem Wortschatz zu streichen und nur noch Termine zu vergeben. Dann wünsche ich mir nichts weiter als einen prallgefüllten Terminkalender, einen Dackel und die Aussicht auf einen Shortbus. Und ich wundere und ärgere mich auch nicht mehr darüber, wenn ich an die sexuellen Grenzen oder Unzulänglichkeiten anderer stoße. Weil sich darüber zu ärgern, macht nur graue Haare und Falten. Und ehrlich mal, ich hab für meinen Geschmack schon zu viele graue Haare. Aber, wo ich halt immer noch einen unglaublichen Hals kriege, wenn ich mir das unzulängliche und neidzerfressene Gelaber dummer Menschen anhören muss, aber das steht auf einem anderen Blatt. So, dass wollte ich schon lange mal gesagt haben. Wer sich angesprochen fühlt, ist selber schuld. Ich blogge schon seit Jahren keine so persönlichen Sachen mehr, die Letzten konnte man noch bei den Lokalisten lesen und genauso lange brodelt es in mir und ich überlege wie man das Schreiben kann, ohne den netteren Menschen auf die Füße zu treten. Also gibt es keinen Grund sich angesprochen zu fühlen und wenn, dann denkt mal drüber nach, warum!

So, jetzt zum eigentlichen Thema: Beim Grübeln begibt sich es, dass obwohl mich mein Forscherdrang eigentlich nach draußen treiben müsste, um die freud’schen Problemchen in den heimischen Schlafzimmern zu erkunden, es mich doch eher unter meine eigene Bettdecke zieht (Um nicht das zu tun, was ihr wieder denkt!) und mir genau diese über den Kopf zu ziehen, wo ich dann mit meinem Lavendelkissen, meinem Knuddeltier und meinem Laptop sitze und schreibe und mir zu manchen Sachen meinen Teil denke. (siehe oben!)

Nun begab es sich, dass ich doch nach langer Zeit mal wieder nach draußen ging, obwohl es da Laut und Voll sein würde. Aber dass ich da an die Grenzen meines Verstandes stoßen würde, hätte ich auch nicht gedacht.

Ich hatte ein opulentes Mahl und tolle Gespräche an diesem Abend. Bis sich mein Gegenüber ein 500gr. Steak bestellt hatte. Dabei habe ich mir erst mal nichts gedacht. Weil ich hatte ja schon gut gegessen und Hunger hatte ich eigentlich auch nicht mehr. Aber als die Schankmaid diesen unglaublichen Brocken gebratenen Fleisches mir vor die Nase stellte, war es um mich geschehen. Ich war verliebt und erregt zu gleich. Erregt in sofern, dass ich es nicht essen wollte, ich wollte es nur ansehen. Einfach nur ansehen. Diesen phantasmagorischen Fransen Fleisch. Mir flog ein Gedanke zu, eine Sekte zu gründen. Eine Sekte des Fleisches. Des phantasmagorischen Überfleisches. Wie es da auf dem Teller liegt und mir leise zu flüstert, um mich zu verführen, es zu verschlingen, obwohl ich mehr als satt war. Wenn ich das Wunderfleisch schon nicht essen wollte, dann sollte ich dabei zusehen, wie es vernascht wird und dabei unendliche Qualen erleiden.

Und als er ein Messer in das Stück Fleisch gestoßen hatte, war es endgültig um mich geschehen. Wie dieser Traum von einem Steak unter der Berührung mit dem blanken Stahls erbebte, fast konnte man das tote Fleisch erregt zucken sehen. Wie langsam der Saft heraus floss und sich über den Teller ergoss. Wie es sein fleischig rosa Innenleben seinem neuen Besitzer zeigte, um dann Stück für Stück zerteilt und genüsslich vernascht zu werden. Und den Futterneidigen dabei zuzusehen mit Fransen des saftigen Fleisches gefüttert zu werden. Wie sie mit großen Augen wie hungrige Raubvögel nach dem Essen schnappten. Wer braucht da noch Pornos.

Nicht nur an meinem Verstand zweifelnd, trieb es mich nach Hause und ich zog es vor mich wieder unter der heimische Bettdecke zu verkriechen, nur um in der Nacht aus meinen Träumen zu schrecken, weil ich dieses phantasmagorische Überfleisch nicht gekostet hatte. Ich hatte mir diesen Genuss selbst verwehrt, weil ich es nur anblicken wollte.

Wie wird es dann sein, wenn ich wieder an den Ort des Verlangens zurück kehre und mir das Objekt meiner Begierde bestelle und es mir dann langsam und genüsslich einverleibe.

Ich werde vielleicht davon berichten…

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