Manchmal kommt es anders… Der Killer 7

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

Der Killer 7

Donnerstag, 16.08.2012, 22.00 Uhr

Auf der Fähre Livorno – Bastia – Kabine 134

Ellen hing schon wieder am Handy und am Laptop zu gleich, während Rutger seine Waffen putzte. Er dachte nach und beim Waffen putzen konnte er am Besten nachdenken. Schade, dass die Reichweite der Wanze nicht all zu groß war. Sie hatten die Vinschgauer nur einen kurzen Moment belauschen können. Aber das hatte eigentlich schon gelangt. Er wollte ihr eigentlich noch sagen, dass die Sache mit der Wanze echt super war, obwohl er sich ziemlich geärgert hatte, dass er nicht eingeweiht war. Dass die Mafiosi immer alle miteinander verwandt sein müssen. Als Ellen endlich auflegte, blickte sie ihn grinsend an.

‚Also, dieser Farid hat in der Nähe von Bezerte ein illegales Camp und macht einfach alles für Geld.‘

‚Bizerte, Tunesien? Und wie kommt dieser Enzo nach Tunesien?‘

‚Mitm Schiff!‘ meinte sie schnippisch. ‚Der Farid kann alles organisieren. Eigentlich arbeitet er für die Sizilianer. Aber aus guter und sicherer Quelle weiß ich, dass Enzo und auch Alfons gute Kontakte zu den Sizilianern haben.‘

Rutger blickte sie nur fragend an.

‚Enzo und Alfons sind Adoptivbrüder. Und die Mutter vom Enzo ist niemand anders als die Tochter vom Eisernen, auch Der Sizilianer genannt.‘

‚Der wurde doch vor einer halben Ewigkeit erschossen!‘

‚Ja, und rate mal von wem?‘

Er blickte sie wieder ratlos an.

‚Von seiner eigenen Tochter und zwar genau vor 35 Jahren. Und wie alt ist Enzo?‘

‚Er wird 36 im ähm…!‘

‚Die Mutter vom Enzo brachte ihren eigenen Vater um, mit einer abgesägten Schrotflinte, weil der Den Vinschgauer erschießen ließ. Und Der Vinschgauer war der Vater von Enzo. Und wahrscheinlich auch von Alfons. Und die Mutter von Alfons, war die Schwester von meiner Mutter. Meine Mutter wurde übrigens auch erschossen.‘

‚Jetzt check ich gar nichts mehr.‘

‚Der Don ist gar kein Vinschgauer, er hat den Laden nur übernommen, weil alle anderen Vinschgauer tot sind oder zu dumm…!‘ Sie räusperte sich. ‚Und ich glaube er hat auch meine Mutter erschießen lassen, weil mein Vater sich in eine Vinschgauerin verliebt hatte. Der Don hatte Angst um seinen Stuhl und wenn Enzo und ich erst mal aus dem Weg sind, dann gibt es nur noch Alfons und der ist zu alt und zu …!‘ Sie brach wieder ab und blickte ihn an.

‚Ja, aber was hat das alles mit unserem Auftrag zu tun?‘

‚Der Don hat das alles eingefädelt, um uns alle aus dem Weg zu räumen.‘

‚Bitte was?‘

‚Es ist eine Falle und Enzo weiß nicht, dass er vom Don nur benutzt wird.‘

‚Und dein Vater?‘

‚Ist ein cholerischer Trinker, der peilt schon lange nichts mehr.‘

‚Dafür ist er aber ganz schön erfolgreich.‘

‚Wo ist eigentlich das Geld?‘

‚Welches Geld?‘

‚Das dir der Don gegeben hat.‘

‚Ach so. Warte!‘ Er kramte in seiner Hose.

‚Du hast das Geld in deiner Unterhose versteckt.‘

‚Das ist das sicherste Versteck, wieso?‘

‚Es sind wahrscheinlich Blüten von meinem Vater.‘

Rutger hielt ihr die Scheine hin.

‚Nee, lass mal!‘

‚Ich hab da extra eine Geldklammer in meiner Hose, direkt neben meiner Drittknarre.‘ meinte er und öffnete seine Hose.

‚Lass ihn drinnen und mach keine Witze!‘

‚Ich mach keine Witze, ich bin ein toter Mann!‘

‚Noch siehst du aber ganz lebendig aus.‘

‚Aber wir stecken da mitten drin. Wenn wir den Enzo nicht schnappen, bin ich tot und vielleicht sogar du. Wenn wir ihn schnappen, ist Enzo tot. Wenn Enzo die Sizilianer eingeschaltet hat, dann sind wir alle schon längst tot. Komisch, dass wir noch leben? Und wenn dein Vater das mit uns rauskriegt, er schießt er mich und wenn der Don alles Andere rauskriegt, erschießt er dich und dann erschieß ich ihn und Alfons legt mich um. Willst du mich nicht vielleicht gleich erschießen?‘ meinte Rutger und hielt ihr seine Knarre hin.

‚Nein, du Spinner. Ich werd dich nicht erschießen. Wir versuchen mit Enzo zu reden und machen einen Gegenplan.‘

‚Du bist verrückt!‘

‚Das sagt man den Vinschgauern im Allgemeinen nach.‘

‚Dann bist du nur halb verrückt!‘

‚Ein halbverrückte Halbwaise, mit zwei Knarren!‘

‚Jetzt machst du mir Angst.‘

‚Du bist ein Auftragskiller mit drei Knarren und hast vor mir Angst?‘

‚Ja!‘

‚Wieso?‘

‚Weil, weil!‘

‚Deine Argumentationskette ist der Bringer!‘ meinte sie, nahm ihm die Waffe ab und setzte sich auf seinen Schoss. ‚Los zeig mir, was du noch für mich in deiner Hose versteckt hast.‘

‚Leg zuerst die Waffe weg!‘ stammelte er.

Sie legte die Waffe weg, griff in seine Hose und holte die Drittwaffe heraus. ‚Los, zeig mir was!‘

‚Was?‘

‚Was Schönes!‘

‚Ich kann nicht arbeiten, wenn man mir eine Waffen an den Kopf hält.‘

‚Dann nimm sie mir doch ab!‘

‚Ich will dir nicht weh tun!‘

‚Warum nicht?‘

‚Weil weil!‘

Sie hob nur wieder eine Augenbraue und entsicherte die Waffe.

‚Weil mich das nur unnötig geil macht!‘

‚Dito!‘

Ein blitzschnelle Bewegung später, hatte er ihr die Waffe abgenommen, sicherte sie, war mit ihr im Arm aufgesprungen und setzte sie auf den Tisch. Die offene Hose rutschte ihm von den Hüften. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht legte er die gesicherte Waffe auf den Tisch und schob ihr den Rock hoch.

‚Keine Unterwäsche!‘ flüsterte er und ging auf die Knie.

‚Was machst du da?‘ fragte sie schnippisch.

‚Ich kann nicht anders, ich muss dich einfach kosten!‘ flüsterte er mehr zu ihrer Muschi, als zu ihr.

‚Nur zu!‘ quietschte sie, als er mit seiner Zunge in sie stieß. Er nahm seine Finger zur Hilfe und wenig später schrie sie: ‚Fick mich, bitte! Fick mich!‘

Sie versuchte vergeblich ihm am Kopf zu sich hoch zu ziehen, deswegen lies sie sich ganz langsam vom Tisch gleiten. Er fing sie auf, lies sie auf seinen Schoß sinken und stürzte nach hinten. Sie griff zwischen ihre Beine, holte seinen Schwanz aus seiner Unterhose.

‚Du freust dich ja gar nicht mich zu sehen.‘

‚Ich kann unter Druck nicht arbeiten!‘

Sie kroch von seinem Schoß und meinte: ‚Quit pro quo!‘ Dann nahm sie seinen Schwanz in den Mund und saugte an ihm, bis er steif genug war. Im nächsten Moment saß sie wieder auf seinem Schoß, schob sich seinen Schwanz hinein und fickte ihn. Kurz bevor er kam, packte er sie, hob sie hoch und warf sie hinter sich aufs Bett. Wie ein wildgewordenes Tier kroch er zu ihr aufs Bett. Sie kroch rückwärts nach hinten, bis sie vom Kopfende aufgehalten wurde. Er packte sie an einem Bein, drehte sie auf den Bauch und zog sie zu sich her, bis sein Schwanz kurz vor ihrem Loch war. Er griff sich seinen Schwanz und wischte mit ihn an ihrer Muschi entlang. Sie wand sich lustvoll und versuchte mit den Händen an die Bettpfosten zu gelangen. Ganz langsam ließ er seinen Schwanz in sie hinein gleiten, aber nur um ihn gleich wieder heraus zu ziehen. Das machte er ein paar Mal hintereinander, bis er sich über sie wälzte und sie solange rammelte, bis er schreiend kam.

Fortsetzung folgt im AlpenRoadMovie11! Es lohnt sich!

Alpenroadmovie 10

Alpenroadmovie 10

Donnerstag, 16.08.2012, 16.00 Uhr

Hafen, Bonifacio, Korsika

Enzo und Blume saßen auf einer gemütlichen Bank in Bonifacio am Hafen in einem kleinen Café. Vor ihnen lagen halbleere Teller auf dem Tisch, zwei Tassen und eine Kanne mit Kaffee. Blume schlief in seinem Arm und er hangelte nach seiner Kaffeetasse. Seine Wunde schmerzte wieder und er rutschte nervös auf der Bank umher. Er kam sich zu Recht wie auf dem Präsentierteller vor. Die Kellnerin war schon zweimal da gewesen. Sein Französisch war heute ziemlich grausam, aber er schaffte es ihr irgendwie zu verstehen zu geben, dass sie noch nicht fertig waren mit dem Essen. Sie brachte unaufgefordert zwei Gläser Wasser, die Rechnung und Alufolie. Er zahlte und bedankte sich überschwänglich. Sie schien aus seinem Gestammel heraus tatsächlich Gedanken lesen zu können.

Das Fährschiff lief ein und endlich kam Bewegung in die Sache. Blume wurde wach, als er sich regte, um die Reste einzupacken. Völlig neben sich versuchte sie nach einem der Gläser zu greifen. Die Autos rollten an ihnen vorbei.

‚Ich glaube wir können langsam zum Auto gehen!‘ meinte Enzo.

Bambi trank das Wasser in einem Zug leer und stellte das Glas hin.

Sie fuhren an Bord. Dieses Fährschiff war viel kleiner, als das Letzte. Es gab keine Kabinen. Sie beschlossen also im Auto zu bleiben. Das war auf dieser Fähre nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht. Das entsprach zwar nicht den Sicherheitsbestimmungen, aber ging am Ende viel schneller.

Bambi kletterte auf den Rücksitz und lehnte ihren Kopf gegen die Scheibe.

‚Darf ich zu dir auf den Rücksitz?‘ fragte Enzo.

‚Natürlich Bambi!‘ meinte Blume

Er machte die Tür einen Spalt auf, zwängte sich aus dem Auto und ging zum Kofferraum. Sie hörte ein Knacken, der Kofferraum öffnete sich und Enzo grinste sie an. Er gab ihr die Tüte mit dem Proviant und zwei Decken.

‚Vorsicht bitte!‘ meinte er schließlich und die Rückbank klappte nach hinten um. Der Kofferraum wurde vorsichtig geschlossen und Enzo tauchte wenig später an der Seitentür wieder auf.

‚Ist da noch frei, schöne Frau?‘

‚Flirtest du mit mir?‘

‚Hatte gerade nichts anderes vor.‘ Er lächelte und kroch zu ihr auf den Sitz. Sie bemerkte sein schmerzverzerrtes Gesicht.

‚Du hast wieder Schmerzen!‘

‚Kann ich dir eigentlich was verheimlichen?‘

‚Nein, Enzo. Kannst du nicht!‘ meinte sie, während sie nach Schmerztabletten kramte. ‚Du trinkst zu viel Kaffee und zu wenig Wasser!‘

Sie gab ihm die Tabletten und kramte nach einer Flasche Wasser. Er nahm artig die Tabletten und sie zog ihm das Hemd aus, um nach seiner Wunde zu sehen.

‚Sieht eigentlich ganz gut aus.‘ flüsterte sie mehr zu sich, als zu ihm und drückte an der Wunde herum.

‚Ahhhh!‘ schrie er und sie hielt ihm den Mund zu.

‚Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um zimperlich zu werden.‘

Er sagte nochmal:‚Aua!‘ durch ihre Hand hindurch. Sie lies schlagartig von ihm ab und nahm ihn in den Arm. Langsam lehnte sie sich nach hinten und er lies sich von ihr betten. Behutsam deckte sie ihn zu und streichelte seinen Kopf.

‚Schlaf ein bisschen!‘

‚Ich kann schlafen, wenn ich tot bin!‘

Sie knallte ihm eine. ‚Rede nicht so!‘

‚Bin ich erst mal im Camp, bin ich ein toter Mann. Die werden mich da durch die Mangel drehen, bis ich einer von ihnen bin. Und wenn ich wieder zurück bin, hab ich die Behörden an den Hacken kleben. Weil es kommt nichts gutes aus nem Camp von Farid.‘

‚Hättest du dir das nicht vorher überlegen können, bevor…!‘ Ihre Stimme brach und sie musste schlucken.

‚Bevor ich in deinen Wagen gestiegen bin?‘ fragte er.

‚Zum Beispiel!‘

‚Oder bevor ich mich in dich verliebt habe!‘

‚Nein, bevor dir klar war, dass dein Leben keine Zukunft hat…!‘ Tränen liefen ihr die Wangen herab. ‚…Bevor ich mich in dich verknallt habe!‘

‚Blume bitte, ich will mich mit dir nicht streiten!‘ flüsterte er, als er sich umdrehte und sie zu küssen versuchte. Sie wehrte sich dagegen. ‚Weine nicht, kleine Blume und lass uns die nächsten zwei Tage nicht mehr streiten. Die Nonna lässt sich was einfallen, sie wird nen Anfall kriegen, wenn ich nicht bis Weihnachten wieder zu Hause bin.‘

‚Weihnachten also?‘

‚Ich möchte bis Weihnachten wieder zu Hause sein!‘

‚Ist das ein Versprechen?‘

‚Ich bete inständig darum, dass ich es nicht gezwungen bin, es brechen zu müssen!‘

Fortsetzung folgt: Manchmal kommt es anders… Killer 7! Es lohnt sich!

Manchmal kommt es anders…Der Killer 6

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

Der Killer 6

Donnerstag, 16.08.2012, 11.00 Uhr

Von Garmisch-Partenkirchen kommend auf der B23 Richtung österreichische Grenze

Rutger und  Ellen saßen wieder im Wagen. Ihre Haar waren nass und sie telefonierte und mailte gleichzeitig. Sie fuhren bereits über die Grenze nach Österreich. Es war noch früh und die Straßen waren frei. Er konnte also ordentlich Gas geben. Mit einem Affenzahn fuhr er die Fernpassstraße rauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Trotz der kurvigen Strecke schlief sie irgendwann ein. An einer Tankstelle hatte er ein Bickerl gekauft, er wollte eine Teilstrecke auf der Autobahn fahren. Mit überhöhter Geschwindigkeit preschte er wenig später über die Autobahn und weckte sie, als er von der Autobahn wieder abfuhr.

‚Hey, klingeln wir bei den Vinschgauern oder haben wir schon ne Spur.‘ flüsterte er.
Sie machte gähnend ihren Laptop an und blickte aufs Display. Nach einem Moment. ‚Die Spur verlor sich in Livorno. Vater möchte ihnen eine Nachricht übermitteln. Also werden wir doch klingeln müssen.‘
‚Ich wäre eher für die Version brennende Tüte mit Hundescheiße vor die Tür legen, klingeln und abhauen ‚
‚Ja, nee. Wir werden schön brav sein müssen.‘ meinte sie kurz und hantierte an ihrem Handy rum.
‚Ich hoffe wir platzen nicht unangemeldet rein.‘
‚Pappili gibt dem Don Bescheid.‘
‚Pappili?‘
‚Der Boss ist mein Vater und er hasst es, wenn ich ihn Pappili nenne.‘
‚Und der Don, wie kriegen wir den auf die Palme?‘
‚Lass mich nur machen!‘
‚Das werd ich wohl müssen, ich kann sie ja nicht alle erschießen.‘
‚So viele sind es nicht mehr, da bräuchtest du nicht mal ein zweites Magazin mitnehmen.‘
‚Ich steh nicht gerne mit runtergelassenen Hosen da. Und ich bin nicht der Einzige, der mit zwei Knarren in ein unbekanntes Haus geht.‘
‚Weder dein Haus, noch das der Vinschgauer wäre mir jemals unbekannt gewesen.‘ meinte sie so, dass er lieber die Schnauze hielt. Betretenes Schweigen begleitete die Fahrt über den Reschen. Sie fuhren durch eine Straßenschlucht, als sie das Schweigen räuspernd unterbrach: ‚Da vorne links auf den Hof.‘ Sie packte ihren Laptop in ihre Tasche.
‚Und dann?‘
‚Macht der Alfons das Tor auf und lässt uns im Schuppen parken!‘
‚Das gefällt mir aber gar nicht!‘
‚Deinem Auto wird nichts passieren!‘
‚Um mein Auto mache ich mir weniger Sorgen.‘
‚Darüber reden wir später.‘ unterbrach sie ihn unwirsch.

Das Tor ging auf und ein älterer Mann stand am Tor, als sie hinein fuhren. Kaum stand der Wagen, sprang Ellen mit ihrer Tasche aus dem Auto und umarmte den älteren Mann.
‚Onkels Alfons!‘ kam aus ihrem Mund.
Fast von Sinnen sprang Rutger aus dem Wagen und blickte sie fragend an.
‚Eigentlich ist Alfons mein Cousin!‘ meinte sie entschuldigend.
Rutger musste nach Luft schnappen, hatte aber keine Zeit mehr, sich ein Bild von der Lage zu machen, weil sie ihn bereits gepackt hatte, um ihn über ein paar Stufen hinauf in einen Vorraum zu zerren. Es sah verdächtig nach einem Puff aus. Nur keine Nutten.
‚Wo sind die Nutten?‘ platzte es aus ihm hinaus.
‚Die ham frei!‘ meinte dieser Alfons.
‚Die haben immer frei, komm jetzt!‘ meinte Ellen ungehalten und zog ihn zu einer Tür hinüber.
Sie klopfte nicht, sondern riss die Tür auf und platze herein und aus ihr heraus. ‚Onkel Don, gut siehst du aus.‘
Rutger schritt durch die Tür. Es waren ihm entschieden zu viele Verwandte in diesem Raum.
Der Don küsste Ellen auf die Stirn und sie setzte sich auf die Stuhllehne, neben den Don und zog ihren Laptop aus der Tasche. ‚Vater möchte mir dir reden.‘
‚Willst du mir deinen Begleiter nicht vorstellen, mein Kind?‘
‚Oh ja, natürlich. Das ist Rutger, er versucht auf mich aufzupassen.‘
‚Rutger, Sie wissen, dass Sie ein toter Mann sind.‘ meinte der Don und lachte grausam.
Rutger nickte nur, ließ seinen Kopf gesenkt und hielt dem Don die Hand hin. Dann hob er langsam den Kopf und sah den Don an. Dieser nahm seine Hand und drückte sie herzlich.
‚Mach es ihm nicht zu schwer, du weißt doch, dass mein Bruder ein schrecklicher Unmensch ist.‘ sprach er zu Ellen, bot aber Rutger gleichzeitig mit einer kleinen Handbewegung einen Stuhl an. Rutger setzte sich.
‚Ach Onkel Don, Rutger muss nur mit zum Shoppen nach Bozen. Da wird er schon nicht dran sterben.‘
Der Don zog seine Augenbraue hoch und meinte: ‚Shoppen?‘ Und sein Blick sagte: ‚Ja nee! Alles klar!‘
Ellen klappte den Laptop hoch. Der Bildschirm flackerte. Rutger konnte das Bild zwar nicht sehen, aber als er die Worte hörte, wusste er Bescheid. ‚Was dauert da so lange. Wo hat der Stronzo seinen Führerschein gemacht, in der DDR?‘
‚Geliebter Bruder, wie geht es dir?‘
‚Wie soll es mir schon gehen, du elender Schwanzlutscher.‘
‚Rede nicht so vor deiner Tochter.‘
‚Ich rede, wie es mir passt. Wo ist mein Geld?‘
‚Dein Geld? Du beliebst zu scherzen.‘
‚Ich will mein Geld zurück, sonst sprenge ich den ganzen Berg in die Luft.‘
‚Du wirst dich doch nicht am Vinschgauer Kulturerbe vergreifen wollen.‘
‚Ich will das Geld und den Kopf von diesem Enzo.‘
‚Sonst noch irgendwelche Wünsche, lieber Bruder. Wir sehen uns zu Weihnachten!‘ meinte der Don und klappte ganz langsam den Laptop zu.
‚Wage es nicht…Vaffancu…!‘ konnte man noch, hören bevor die Verbindung abbrach.
‚Kaum zu glauben, dass wir miteinander verwandt sind, nicht?‘ meinte der Don.

Betretenes Schweigen bedrückte die Stimmung im Raum noch mehr. Und wieder war es Ellen, die das Schweigen unterbrach, in dem sie aufstand und meinte: ‚Wir müssen dann los!‘ meinte sie kurz. Sie küsste ihren Onkel auf beide Wangen und lächelte. Dann quietschte sie: ‚Shoppen!‘
‚Ja, ihr wolltet ja Shoppen gehen.‘ meinte der Don. ‚Da will ich euch nicht weiter aufhalten. Schaut doch beim Rückweg nochmal vorbei. Alfons kocht uns was Schönes.‘
‚Ja, Onkel Don, dass wäre schön. Ansonsten sehen wir uns Weihnachten.‘
‚Gute Fahrt, mein Engel. Und Rutger, passen Sie auf meinen Sonnenschein auf.‘
Ellen packte den Laptop und Rutger gab dem Don die Hand zum Abschied. Als sich ihre Hände trennten, hatte Rutger ein Bündel gefaltete Geldscheine in der Hand. ‚Sie soll sich was Schönes kaufen.‘
Ellen zog nur eine Augenbraue hoch und machte dann aber einen Knicks und sagte: ‚Danke, Onkel Don! Das ist lieb von dir!‘
Alfons brachte sie zum Wagen, er flüsterte Ellen zu, so dass Rutger es nicht hören konnte.
‚Pass auf dich auf, dem Enzo steht das Wasser bis zum Hals und bevor er ins Gras beißt, nimmt er uns noch alle mit.‘
‚Onkel Alfons, wir gehen nur Shoppen.‘ meinte Ellen, stieg ein und Alfons schloss die Tür. Er eilte zum Tor, um es zu öffnen. Rutger lies den Wagen und fuhr langsam aus dem Schuppen. Als sie wieder auf der Straße waren, atmete er tief durch und setzte zum Reden an. Sie unterbrach ihn gleich mit einem ‚Scht!‘
Erst jetzt sah er, dass sie einen Stöpsel im Ohr hatte und sie schob ihm den zweiten Stöpsel ins Ohr und er lauschte, während er seinen Wagen ins Tal jagte. ‚…Farid Bescheid! Wollen wir hoffen, dass sie die Fähre heute nicht mehr kriegen.‘
Rutger nahm den Stöpsel aus dem Ohr und gab noch mehr Gas. In Livorno hatten sie beinahe einen Unfall, weil jemand, der so aussah wie Super Mario, mit einem Lieferwagen versuchte zu wenden und in dem Moment auf ihre Fahrbahn fuhr, als sie angerast kamen. Es grenzte schier an einem Wunder, aber sie schafften die Fähre, die am späten Abend in Livorno ablegen sollte. Ellen organisierte eine Kabine und Rutger brachte das Auto an Bord. Sie trafen sich an Deck und gingen zur Kabine mit der Nummer 134.

Fortsetzung folgt im AlpenRoadMovie10! Es lohnt sich!

Drei und eine Axt – Teil 18

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 18

Von draußen konnte man das Pferd in der Höhle ein letztes Mal wiehern hören und dann wurde es still. Sehr still, bis die Frauen wieder mit ihrem Klagegesang anfingen.

Die Krieger brachten Holz und legten es an beiden Seiten der Höhle ab und stapelten es zu zwei Feuerstellen zusammen. Dann kam der Khan und seine Frau. Zwei Speere wurden mit einem Band verbunden und wurde jeweils vor den Feuern in den Boden gerammt. So entstand ein Tor, durch das zuerst Otar und Wena liefen. Beide waren am ganzen Körper mit Blutspritzern übersät. Der Khan trat vor sie und sie knieten sich hin. Mit einem Krug voll Milchschnaps übergoss er Beide und begrüßte sie in ihrer Mitte. Orsolya zückte einen Dolch und schnitt das untere Drittel von Otars Zopf ab und öffnete sogleich sein Haar. Auch Wena öffnete ihre Haare. Dann kamen die Kinder völlig verängstigt und blutig aus der Höhle, auch diese wurden mit dem Schnaps übergossen. Die beiden Frauen öffneten die Zöpfe der Kinder und nahmen sie liebevoll in die Arme. Die Kinder starten stumm vor sich hin.

Halef kam mit Vira aus der Höhle. Das Blut tropfte immer noch von ihm herab und Tränen hatten in seinem blutigen Gesicht saubere Streifen hinterlassen. Er schritt durch das Tor zum Khan, der auch Halef mit dem Schnaps übergoss. Orsolya schnitt ihm den Zopf ab und der Khan drückte Halef den Krug in die Hand und sprach: ‚Als Sippenoberhaupt ist es nun an dir…‘

Halef nahm den Krug und während er sprach, drückte er dem Khan die Hand seiner Mutter in die Hand, er übergoss ihre Hände mit dem Schnaps, wären Orsolya ihr die Zöpfe öffnete.

‚Mein Khan, als Sippenoberhaupt dieser Familie bitte ich Euch zu bezeugen, dass ich die Hand meiner Mutter freigebe. Mein Herz und meine Hand haben die Götter zu den bernsteinfarbenen Augen dieser jungen Schönheit geführt und mehr vermag meine Liebe nicht.‘ Er ging nun zu Lamina hinüber, um sich vor ihre Füße zu knien und ihr die Füße mit dem Schnaps zu übergießen und ihr seinen Geburtsritusknochen vor die Füße zu legen.

‚Ich will gerne Euer Zeuge sein, aber gibt es jemanden, den ich in die Hand deiner Mutter versprechen kann?‘ rief der Khan und drehte sich zu den Anderen um.

Ainur stürzte auf die Knie, blickte gen Himmel, erhob die Arme und spie ein Dankgebet hervor.

‚Mein Herz und meine Hand gebe ich für diese Frau.‘ rief er laut und machte Anstalten auszustehen, doch der Khan war schon bei ihm angekommen und blickte ihn ernst an. Halef war aufgestanden und lies die völlig verwirrte Lamina einfach stehen.

‚Schmied schwöre, dass du die Sitten unserer Ahnen ehrst und ihre Seele nach ihrem Tod für ihre Pflichten im Jenseits freigibst.‘

Halef wusch Ainur die Hände.

‚Ich schwöre!‘ rief Ainur und der Khan legte Viras Hand in die von Ainur und Halef goss den Rest des Inhalts über ihre Hände.

Dann zückte Halef einen Dolch, ritzte sich in die Hand. ‚Bei meinem Blut segne ich diese Verbindung.‘ Er träufelte sein Blut über die verschlungen Hände seiner Mutter und Ainur.

Orsolya schritt an ihnen vorbei und murmelte zu ihrem Mann: ‚Die Trauerzeit!‘

Der Khan murmelte ungehalten etwas Unverständliches in sich hinein und räusperte sich: ‚Es ist dir nicht erlaubt sie innerhalb der Trauerzeit…‘ Er räusperte sich wieder und wurde von der puren Anwesenheit der weißen Hexe unterbrochen. Sie war blutüberströmt aus der Höhle getreten, blieb zwischen den beiden Feuern stehen und schrie wieder. Dann brach sie zusammen. Ihr Körper bäumte sich auf und sie zitterte am ganzen Körper und wälzte sich über den Boden.

Kejnen, der sie Szenerie gespannt verfolgt hatte, löste sich aus den Reihen und humpelte in Richtung Ziska. Als er bei ihr ankam, lief ihr blutiger Schaum aus dem Mund und röchelte nur noch. Der Khan und seine Frau drehten sich um, ließen sich einen weiteren vollen Krug geben und eilten Kejnen hinterher.

Die völlig verdutzte Lamina stand immer noch mit offenen Mund da und starrte abwechslungsweise auf Halef und auf den verzierten Unterschenkelknochen eines Schafes, der immer noch vor ihren Füßen lag. Vira und Ainur waren sich mittlerweile in die Arme gestürzt und küssten sich. Halef blieb neben ihnen stehen und flüsterte ihr ins Ohr. ‚Mutter, ich hoffe du verzeihst mir, dich überrumpelt zu haben.‘ Die Beiden blickten auf und starrten ihn fragend an. ‚Ich hab gestern euer Gespräch mit angehört. Ich wollte es nicht, aber man konnte kaum weg hören.‘

‚Dummer Junge, wie kann ich denn böse auf dich sein. Los geh zu deinem Mädchen!‘ meinte sie und blickte zu Lamina hinüber, die bereits Tränen in den Augen hatte und Anstalten machte auf die Knie zu sacken. Hastig drehte er sich um und konnte Lamina gerade noch auffangen, bevor sie umstürzte. Er stürzte selbst auf die Knie und hielt sie ihm Arm.

Kejnen hatte sich unter Schmerzen vor Ziska auf den Boden gekniet und berührte ihre Füße. Der Khan goss den Schnaps über Ziska und schüttete den Rest über Kejnen. Was das nun wieder zu bedeuten hatte, wusste Kejnen nicht, hatte aber auch keine Zeit sich darüber zu wundern, denn Ziska lief bereits blau an. Blitzschnell zog er sie zu sich heran und drehte sie auf die Seite. Er packte sie am Kinn und schob ihren Kopf zurück. Beherzt griff er in ihren Mund und befreite ihn von dem Schleim, er ihren Rachen verstopft hatte. Einen schrecklich langen Moment geschah nichts. Kejnen griff tiefer in ihren Rachen und sie würgte endlich. Orsolya schnitt blitzschnell die Zöpfe an den Enden auf und hielt ihr die Haare hoch. Ziska erbrach literweise Blut und Schleim vor Kejnen auf den Boden, der nicht im Mindesten von ihr abrückte, sondern weiter ihr Kinn hielt und ihren Rücken streichelte.

‚Dummes Kind, Pferdeblut auf nüchternen Magen zu trinken!‘ flüsterte Orsolya und öffnete langsam ihre Zöpfe. Kejnen kniete immer noch auf einem Knie vor Ziska und versuchte sie zu beruhigen. Er würde ohnehin nie wieder hochkommen, sein Knie schmerzte und sein Bein war mittlerweile taub.

‚Ich wusste nicht, dass deine Haare einst rot gewesen sind, Kejnen.‘ raunte Ziska und machte Anstalten aufzustehen. Die weiße Hexe war wie der Khan, eben noch völlig am Ende aller Kräfte und im nächsten Augenblick wieder das blühende Leben. Verstehe das wer will, Kejnen schüttelte nur verdutzt den Kopf und stöhnte eine Antwort hervor, während er versuchte sich unter Schmerzen aufzurappeln: ‚Bevor meine Haare grau geworden sind, war ich eben so ein roter Bengel, wie der neue Sippenführer!‘

Der Khan blickte Beide mit einem milden Lächeln auf den Lippen an.

‚Die Seele des großen Kriegers ist rein und hat den Geist der weißen Hexen den bösen Geistern entrissen. Er gehört jetzt Euch, weiße Hexe! Macht mit ihm, was ihr wollt.‘ meinte der Khan fast schon eifersüchtig, lachte dann ziemlich grausam und ging ohne ein weiteres Wort.

Die Reiter des Khan kamen und knieten sich vor die weiße Hexe und erbitterten ihren Segen für die Totenwache in dieser Nacht.

‚Was kniet ihr vor mir herum. Bringt mir lieber meinen Korb.‘ meinte sie unwirsch. Einer stürmte sogleich los und brachte ihr den Korb, in dem immer noch Kräuter lagen und übergab ihn der weißen Hexe. Sie zog eine Flasche heraus und gab Kejnen den Korb. Mit zitternden Fingern öffnete sie die Flasche und trank. Sie musste fast wieder würgen und gab die Flasche Kejnen und nahm den Korb, um den wiederum an die Krieger zu reichen. ‚Nehmt die Kräuter und legt sie in die Glut, sobald das Feuer erloschen ist. Dann nehmt einen Stock und legt die Knochen der bösen Hexe auf die Glut. Ihr dürft die Knochen auf keinen Fall berühren.‘ meinte sie verheißungsvoll und ihre Stimme schwoll an, als sie fortfuhr. ‚Nehmt von dem Fleisch des Gaules, aber nur so viel, wie ihr in dieser Nacht verzehren könnt. Nicht mehr und nicht weniger. Euer Geist ist stark, ihr werdet den bösen Geistern trotzen. Am Morgen werde ich zu euch kommen und wir verschließen die Ahnenhöhle.‘

Kejnen hatte nun auch getrunken und Ziska gab ihm den Korken. ‚Ach, gegen die Kälte!‘

Und Kejnen überließ ihnen den Schnaps.

Ainur und Vira wurden von Wena, Otar und den Kinden nach unten begleitet, während Halef immer noch am Boden kniete und Lamina gegen die Wangen tätschelte.

‚Lamina, auch dich wollte ich nicht überrumpeln.‘

Sie blinzelte nur und kam langsam wieder zu sich. Mit Blick auf den Knochen, der immer noch auf dem Boden lag, schossen ihr die Tränen in die Augen.

‚Es tut mir leid, langsam wird es selbst für mich zu viel. Aber der Khan meinte, es wäre die einzige Möglichkeit den Frieden auf dem Hof nicht zu stören, den Ahnen genüge zu tun und es trotzdem jedem Recht zu machen.‘

‚Was ist, wenn ich den Knochen nicht aufhebe.‘

Nun schossen ihm die Tränen in die Augen. Sie blickte ihn erschrocken an, weil sie nicht mit so einer Reaktion gerechnet hatte. ‚Ich will dich schon, sehr gern sogar, aber nicht jetzt, zu diesem Zeitpunkt ist es zu früh.‘

‚Selbst für mich ist es zu früh, Lamina! Ich will dich zu nichts drängen, was du nicht bereit bist zu geben, ehrlich! Aber ich will, dass jeder weiß, wem mein Herz gehört und dass du zu mir gehörst.‘

‚Aber jeder kann doch sehen, wie unzertrennlich wir sind.‘

‚Wenn du den Knochen aufhebst, kann keiner der Krieger schlecht über dich reden, wenn sie dir hinterher schauen…‘ stammelte er unsicher, bis er von Lamina unwirsch unterbrochen wurde.

‚Tun sie das denn?‘

‚Schon! Und das ärgert mich!‘ rief Halef.

‚So kenn ich dich gar nicht.‘

‚Ich mich auch nicht, Lamina! Du hast mir den Kopf verdreht. Ich bin…krank um Sorge, wenn du nicht bei mir bist. Ich will dich beschützen. Ich… Ich liebe dich!‘ Sein Kopf wurde schlagartig rot, als sein Geständnis herausplatzte.

Sie stockte einen Moment und stammelte dann. ‚Wenn ich den Knochen aufhebe, soll er zwischen uns liegen, bis ich soweit bin.‘

‚Und ich fange morgen ein Schaf und werde es füttern, bis es soweit ist, unseren Knochen zu entnehmen.‘ rief er.

Sie stand auf, um sich nach dem Knochen zu bücken, doch sie stockte in der Bewegung und verharrte. Er kniete immer noch vor ihr und blickte sie erwartungsvoll an, bemerkte aber den inneren Disput, den sie mit sich selbst auszufechten schien.

‚Du hast noch was auf dem Herzen?‘ stotterte er unsicher. ‚Sag es mir!‘

‚Und was ist, wenn ich den Erwartungen nicht gerecht werden kann?‘

‚Den was?‘ stieß er verwirrt hervor.

‚Man wird erwarten, dass ich dem Sippenführer einen Nachfolger gebäre.‘

Er stöhnte erschrocken auf und stammelte Unverständliches.

‚Was ist, wenn ich keine Kinder gebären kann?‘ fragte Lamina mit erschreckend ruhiger Stimme.

Er brauchte einen Moment bis er seine Stimme wieder fand, kniete immer noch vor ihr und griff nach ihren Händen.

‚Lamina. Wenn du Kinder kriegen willst, dann werden die Götter dir Kinder schenken. Und wenn nicht, dann gehören wir beide doch zusammen.‘

Sie hangelte nach dem Knochen.

‚Bist du dir sicher?‘

Als Antwort nahm sie den Knochen.

‚Gut!‘ meinte er erleichtert.

‚Soll ich ihn wieder hinlegen?‘

‚Nein, bloß nicht.‘

Er versuchte sie zu küssen, doch sie wich zurück. ‚So, küss ich dich nicht.‘

Sie nahm einen Finger und wischte über sein Gesicht.

‚Ich sollte mich besser erst waschen!‘

‚Mit samt deiner Kleidung!‘ meinte sie und stand auf. ‚Und meiner!‘ Sie putzte über ihr Kleid. Alles war voll Blut.

Ziska wurde von Kejnen den Berg herunter geführt und zischte ungehalten: ‚Sich von einem Krüppel führen zu lassen, dass sieht der weißen Hexe ähnlich.‘

‚Ich habe wieder den Allghoi Khorkhoi gesehen!‘

‚Der Todeswurm schon wieder!‘

‚Ja, der Todeswurm!‘

‚Ich habe eigentlich aufgegeben Fragen zu stellen, aber was meinte der Khan vorhin…?‘

‚Er wird sich, der Sitten und Gebräuche wegen, nicht weiter einmischen, er hat Angst vor meinem Fluch.‘ meinte Ziska, kreuzte ihre Finger und machte ein merkwürdiges Geräusch.

‚Ah, und das heißt nun!‘

‚Dass er dir nicht deinen Schwanz abschneiden wird, wenn du weiter in meinem Bett schläfst.‘

‚Ich kann auch auf dem Boden schlafen, wenn die weiße Hexe dies wünscht.‘

Ziska blieb schlagartig stehen, stoppte ihn mit ihrem Körper und griff Kejnen in den Schritt. ‚Kejnen, wenn dir dein kleiner Krieger lieb ist…!‘

‚Ich hab vorhin was von einer Trauerzeit gehört, weiße Hexe! Du darfst mich nicht anrühren, solange du trauerst.‘

Als Antwort kniff sie nochmal zu, dann hakte sie sich wieder ein und sie humpelten weiter.

Published in: on 2. November 2012 at 20:50  Kommentar verfassen  
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Ich liebe es…

Ich liebe es,…

…wenn wir zusammen auf dem Sofa sitzen und fernsehen. Du bist noch ganz heiß und wärmst mich. Ich liebe dich, weil du mich nicht auslachst, wenn ich in meiner Wohnung eine Sonnenbrille trage. Leider hat dein Arbeitgeber keinen Lieferservice, sonst würdest du viel öfter auf meinem Sofa sitzen und mich versorgen, wenn ich Migräne habe. Jetzt reiß ich dir deine Uniform vom Leib und vernasch dich. Erst wenn mir dein Saft vom Gesicht läuft, geht es mir besser. Dein Genuß heilt mich, wieder und immer wieder. Leider gibt es dich nicht auf Rezept. Du bist einfach das beste Mittel gegen Migräne. Leider bist du jetzt fort. Das macht mich unendlich traurig. An dem Tag, an dem dein Arbeitgeber sich entschließen sollte, seine Produkte frei Haus zu liefern, werde ich meinen Job wechseln. Ich möchte andere Menschen genauso glücklich machen, wie du mich glücklich machst. Danke, mein Geliebter BigMac!

Drei und eine Axt – Teil 17

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 17

Am nächsten Morgen erwachte Ainur, Vira lag in seinen Armen. Sie hatte wieder schlecht geträumt und wollte nicht aufstehen. Er lies sie weiterschlafen, wollte sie aber auch nicht alleine lassen. So war es Lamina, die zuerst aufstand und Feuer machte, Wasser holte und dann das Morgenmahl bereitete. Wena wurde wach und entdeckte, noch bevor Lamina sie warnen konnte, die Gebeine der beiden Männer. Otar wurde wach und bemerkte gleich, dass Etwas nicht stimmte. Er ging in die Viehjurte und kam rücklings wieder heraus. Wortlos stolperte er zum Gatter, kniete sich vor das Pferd seines Bruders, stand auf und nahm seinen eigenen Gaul. Wie ein Wahnsinniger ritt er durch den Fluss zu den Jurten des Khan hinüber. Wena wollte ihn nicht hindern, also tat sie es auch nicht. Die Tiere plärrten, weil sie gemolken werden wollten, aber die beiden Frauen trauten sich nicht in die Jurte zu gehen. Von dem Lärm wurde Kejnen wach und humpelte aus der Jurte. Er erkannte gleich, wie verängstigt die beiden Damen waren.

Aber zuerst musste er zum Abtritt und als er wieder kam, meinte er nur kurz: ‚Ich werd sie melken, wenn ihr mir erklärt, was ich da machen muss.‘ Schlussendlich gingen sie alle drei in die Viehjurte. Die Kinder wurden wach und saßen bereits am Tisch, als die Drei mit dem Melken fertig waren. Ainur kam aus der Jurte, er blickte Kejnen nur mürrisch an und ging dann zum Fluss hinunter. Er musste ein Wenig runter kommen, bevor Vira erneut wach wurde. Halef kam aus der Jurte und blickte Lamina entgegen, die am Tisch stand und den Kinder Brote schmierte. Obwohl ihm bei ihrem Anblick sein Herz aufging, gelang ihm sein Lächeln nicht wirklich. Ohne ein Wort zu sagen, ging er grübeln zum Fluss, er wollte sich waschen.

Als Ziska im Jurteneingang stand, kamen Ainur und Halef gerade vom Fluss. Ihre schlechte Stimmung konnte man von ihren Gesichtern lesen. Ziska winkte Ainur zu sich und blickte dann wieder in die Jurte. Auch Ziska konnte ohne zu reden, sich sehr gut verständlich machen. Er ging in die Jurte, Vira warf sich im Schlaf hin und her. Vorsichtig setzte er sich zu ihr und versuchte sie, so behutsam es ihm möglich war, zu wecken.

Ziska packte Wena und ging mit ihr in Wenas Jurte. Wenig später kamen sie wieder. Wena war ziemlich blass und musste sich setzen. Ziska nahm Kejnen seinen Becher ab und trank ihn aus, dann packte sie sich Halef und die Schaufel und blickte zum Berg. Er schnappte sich ein Stück Brot und steckte es in den Mund. Dann ging er zur Jurte und holte eine Hacke. Wena stand auf, nahm sich einen Krug mit Wasser und folgte den Beiden, die bereits den Berg hinauf stiegen.

Ainur war sehr niedergeschlagen, aber er versuchte Vira irgendwie zu trösten. Liebevoll wiegte er sie im Arm. Sie weinte im Halbschlaf. Völlig hilflos hielt er sie weiter im Arm und es kamen ihm unkontrolliert beruhigende Laute über die Lippen.

Irgendwann blickte sie ihn an und krächzte leise: ‚Versprich mir, dass du mich nicht verlassen wirst.‘

Er stockte und blickte sie entschuldigend an. Das war Antwort genau. Sie verschluckte ein weiteres Schluchzen und rückte von ihm ab.

‚Ich… ich…will dich nicht verlassen. Dass musst du mir glauben!‘ Er versuchte sie wieder in den Arm zu nehmen, sie wehrte sich aber dagegen. ‚Aber…aber ich habe noch eine alte Schuld zu bereinigen.‘ Er schluckte schwer. ‚Ich habe als junger Hitzkopf einen schlimmen Fehler gemacht, seither trage ich das mit mir herum, wie einen schwarzen Fleck auf meiner Seele. Ich muss es bereinigen.‘ Sie blickte ihn neugierig an, hatte aber Tränen in den Augen. ‚Ich überlege schon die ganze Zeit, wie ich es dir sagen soll. Aber ich muss es aus der Welt schaffen, bevor ich…‘

‚Bevor was?‘ schrie sie fast.

‚Bevor ich…!‘ Er stockte und überlegte kurz, wie er sich erklären sollte. ‚Wenn ich gehe, dann werde ich wieder kommen und bleiben, bei dir! Wenn es der Khan erlaubt.‘

Sie nahm ihn an beiden Wangen und küsste ihn. Als sie sich wieder löste, flüsterte sie nur: ‚Gehe aber nicht gleich, bitte! Ich werde deine Schulter die nächsten Tage noch brauchen.‘

‚Ja, natürlich. Ich bleibe solange, bis mein Pferd nicht mehr lahmt und bis sich hier alles wieder beruhigt hat, aber ich möchte vor dem Wintereinbruch… !‘ Sie stoppte ihn mit einem weiteren Kuss.

‚Wenn du gehst, komm bitte wieder, ich weiß nicht, was ich ohne dich machen soll.‘ Er schloss sie in die Arme und so saßen sie noch eine Weile still da. Bis er die Stille brach.

‚Lamina hat Frühstück gemacht, magst du nicht aufstehen?‘

‚Ja, doch. Bringen wir es hinter uns.‘

Otar kam wieder, mit dem Khan und einigen seiner Töchter. Wie ein wild gewordener Stier sprang der Khan vom Pferd und lief auf den Tisch zu. Die Kinder bekamen es mit der Angst zu tun und wichen zurück.

‚Wo ist die weiße Hexe?‘ schrie er.

‚Oben bei den Ahnen!‘ stotterte eines der Kinder und brach in Tränen aus.

‚Ich werde zu ihr gehen, allein!‘ plärrte er. Seine Töchter kümmerten sich sogleich um die Kinder. Der Khan stieg ohne ein weiteres Wort zu den Ahnen hinauf.

Sie kamen erst nach Stunden wieder herunter. Vira hatte indes die Gebeine der Toten bekleidet. Plötzlich stand Wena in der Jurtentür und blickte auf sie herab. Vira blickte sie flüchtig an und sie richteten gemeinsam die Grabbeigaben, während der Khan mit Otar in seine Wohnjurte ging. Wenig später stürmte Otar mit Einzelteilen seines Bettes wieder heraus und warf sie in den Hof und spuckte dreimal darauf.

Der Khan tauchte in der Tür auf und rief Ainur zu sich. ‚Schmied!‘ Der Khan atmete einmal tief durch, schluckte und fuhr etwas ruhiger fort. ‚Ich würde Euch bitten, die Einzelteile des Bettes meiner Tochter zu den Ahnen zu tragen. Otar wird das Bett seiner Schwägerin nehmen.‘

Ziska hatte Lamina gepackt und verschwand mit ihr in ihrer Jurte. Der Khan pfiff nach seinem Pferd, schwang sich drauf und ritt durch die Furt zu seinem Lager zurück.

Nahezu alle sammelten sich am Hof. Die gesamte Sippe des Khan und seine Reiter warteten auf ihren Khan. Der gerade wieder über die Furt ritt, mit seiner ersten Frau an seiner Seite.

Die weiße Hexe trat vor die Jurte. Als Zeichen der Trauer hatte sie auf den Kopfschmuck verzichtet und ihr Haar war in vielen Zöpfen geflochten. Lamina schritt hinter ihr her, sie hatte einen Korb mit Kräutern im Arm.

Halef kniete vor dem Gatter, er hatte das Pferd seines Vaters gesattelt. Lamina ging zum Gatter, zog einen Dolch hervor und übergab ihn Halef. Kejnen wurde von einigen Töchtern begleitet und jede der Frauen hatte ein Kind auf dem Arm. Lamina gesellte sich unsicher zu Kejnen. Die Söhne des Khan nahmen die Gebeine der Toten und brachten sie auf den Berg. Halef brachte das Pferd aus dem Gatter und lief hinterher. Die Frauen stimmten ein Klagelied an. Und die restlichen Männer entzündeten Fackeln, packten sich ihre Speere und gingen hinter den Frauen her. Oben am Berg angekommen nahm jeder, je nach Stand und Verwandtschaftsgrad, seinen Platz ein. Kejnen wurde neben Ainur gestellt und Lamina wurde zu einem Steinkreis gebracht, in dem die Einzelteile der Betten lagen. Otar und Halef standen vor der Ahnenhöhle und nahmen die Toten entgegen, um sie in die Höhle zu bringen. Der Junge Alur kam angerannt, um das Pferd seines Onkels zu halten. Wena, Vira und die Mädchen brachten die Grabbeigaben und gingen ebenfalls in die Höhle.

Ziska stand auf dem höchsten Punkt des Berges und betete, dann schritt sie herab und blieb vor dem Steinkreis stehen.

Sie reinigte den Kreis, in dem sie drei Hühner opferte. Ohne mit der Wimper zu zucken, schnitt sie den drei Hühnern einfach den Hals durch, warf die Köpfe auf die Erde und versprühte das Blut auf den Steinen. Der Gesang der Frauen schwoll an. Der Khan brachte eine verzierte Axt. Ziska weihte die Axt in dem sie der Ziege den Kopf abschlug. Während sie die Köpfe der Tiere in den vier Himmelsrichtungen im Kreis ausstellte, ging der Khan in den Kreis und hackte die Balken in zwei.

‚Verflucht sei der Fluch!‘ rief er laut und trat mit der Axt in der Hand wieder in die Reihen der Seinen zurück. Einer der Söhne des Khan reichte Ziska eine Fackel und eine Schale mit Pech. Sie vergoss das Pech, stellte die Schale ab und Lamina reichte ihr den Korb mit Kräuter. Lamina ging zu Kejnen und Ainur.

Ziska zündete das Holz an und warf dann einzeln die Kräuter in die Flammen. Sie murmelte dazu. Das Klagelied verstummte, als der Rauch aufstieg. Der Rauch zog nach oben und die Frauen drehten dem Rauch den Rücken zu. Die Männer warfen eine Fackel nach der Anderen ins Feuer. Ziska hingehen schrie markerschütternd, schnitt sich mit ihrem Dolch in die unverletzte Hand und spritzte ihr Blut in die Flammen, dann wand sie sich um, packte den Körper der Ziege und ging in die Höhle. Drinnen stimmten Wena und Vira den Klagegesang an. Man konnte Stein brechen hören und Ziska schrie wieder. Ein menschlicher Schädel und ein Beckenknochen flog im hohen Bogen aus der Höhle. Der Beckenknochen zersprang auf dem harten Steinboden. Der Klagegesang der Frauen schwoll wieder an und die Geräusche, die sie machten, nahmen einen schrillen Ton an. Ziska kam aus der Höhle gestolpert und hielt auf den brennenden Kreis zu. Sie schien gar nicht mehr auf dieser Welt zu wandeln. Ohne vor dem Feuer zurück zu zucken holte den Ziegenschädel aus den Flammen. Mit brennenden Ärmeln hielt sie ihn hoch und jeder konnte die Flammen sehen, wie sie aus dem Maul des Tieres züngelten. Unverständliche Beschwörungsformeln brabbelnd trug sie ihn zur Höhle hinüber, dann legte sie ihn an der Stelle ab, wo der menschliche Schädel lag. Sie nahm die Knochen auf, die aus der Höhle geworfen hatte und brachte sie zum Feuer, dort stellte sie die Knochen an die Stelle, wo der Ziegenkopf vorher lag. Geistesabwesend ging sie wieder zum Ziegenschädel und brachte ihn in die Höhle. Halef kam aus der Höhle getreten und nahm dem jungen Alur die Zügel ab. Alur ging voraus und Halef brachte das Pferd in die Höhle.

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