Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 2

brunaAuf einer alten Kuhhaut mit Schweineblut geschrieben, konnte man folgende Worte entziffern:

Seit dem ich mein Tagebuch verlor, brennt es mir in den Fingern, meine Gedanken aufzuschreiben. Aber um so mehr ich wieder bei Sinnen bin und um so mehr Zeichen ich in die alte Kuhhaut ritze, um so mehr verirrt sich mein Geist. Ich verliere mich in den Worten, wie ich mich zuvor in den Träumen verlor. Die letzten zwei Monde haben mich um Jahre altern lassen. Und es scheint mir Jahre her zu sein, dass mein jugendlichen Leichtsinn meinem Vater ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Mit diesen Träumen habe ich das verloren, was mich mit meinem Vater verband und lies mich den Schritt über eine Schwelle gehen, die ich lieber nicht übertreten hätte. Das Feuer in mir begann zu lodern, die Wut brannte ohne Grund, sie zerfraß mich von innen heraus. Es steckt wohl doch mehr von meiner Mutter in mir, wie überhaupt sich irgendeiner gedacht hatte. Ob mein Vater lebt oder tot ist, kann ich nicht sagen. Doch kann ich das Licht in seiner Kammer sehen, wenn ich im Schutze der Dunkelheit am Waldrand stehe, um rüber zu sehen zu den warmen Herdfeuern von Hoimarshold. Ich bete jeden Tag und jede Nacht, dass meine Raserei ihn nicht zu Tode erschreckte und ich hoffe inständig, dass er wohl auf ist.

Nun war ich tatsächlich zwei Monde im Wald. Doch mein Geist reiste durch den Nebel der Vergangenheit. Ich blickte durch die Augen meiner Ahnen und ich sah großen Schrecken und unendliches Leid. Ich sah die großen Kämpfe der Vergangenheit. Ich sah Feuer und Blut und wie die Feinde sich in den Kadavern meiner Ahnen suhlten. Ich sah Nebel, Schnee und Eis. Aber ich sah auch Licht, es loderte so hell, dass man meinen hätt‘ können, dass der ganze Wald brennen würde.

Doch im Rauch und Nebel wartete das Unheil, was mir die Nackenhaare ausstellen lässt. Das was einst die Bache ausgeweidet hatte. Und schon seit je her sein Unwesen in diesen Wälder trieb und bis heute allgegenwärtig ist. Die Ordnung scheint aus ihren Fugen gerissen worden zu sein. Nicht nur die Ordnung in mir, nein das ganze Land scheint in Schnee und Eis festgefroren zu sein. Die Nächte werden immer Kälter und mir ist schon ein Ferkel nachts erfroren. Einfach so. Aber das war eh so mager, es wär eh nicht durch den Winter gekommen, selbst wenn es ein Milder gewesen wäre.

In der Yulnacht habe ich mich entschieden meine Schweine heimlich nach Hoimarshold zu bringen, damit die Ferkel nicht erfrieren und damit meine Leut was zum Fressen ham. Selbst Schweini brachte ich ins Gatter meines Vaters. Ungern lies ich es zurück. Aber in meinem Herzen lodert etwas Grausames, was ich nicht zu beschreiben vermag. Ich träumte wieder von meiner Mutter. Ich sah wie sie im blutigen Schnee lag. Im Traum lief ich zu ihrem reglosen Körper und da riss sie die Augen auf. Sie waren schal und leer und das Blaue ihrer Augen war zu einem Eisbrocken gefroren. Ihre Haut war bleicht und kalt, das Feuer in ihrem Herzen war erloschen. Plötzlich kam ein schreckliches Geräusch aus ihrer Kehle, sie riss die Arme hoch und begann mich zu würgen. Ihre eiskalten Finger umfingen meinem Hals und drückten unerbittlich zu. Ich riss mich los und rannte los. Aus dem Traum gerissen und dem Wahnsinn anheim fallend lief ich weiter noch, als mich meine Füße hätten tragen können. Tränen liefen mir übers Gesicht, die sofort gefroren. Die Trauer trieb mich wieder fort vom Ort der Vergangenheit und hinein in den Wald. Doch ihr Blut und die kalten Augen hatten sich in meinem inneren Auge fest gebrannt. Irgendwann fand ich mich wieder, tief im Wald. Ich schrie und weinte. Meine Sinne schwanden immer wieder und irgendwann durchbrach der Schmerz aus meinem Herzen und der Baum an dem ich erschöpft zusammengebrochen war, ging in Flammen auf. Vor Schreck wich ich zurück, doch das Feuer breitete sich rasend schnell aus, bis der Baum brennend zu Boden stürzte und auf den nebenstehenden Baum fiel, der auch sofort in Flammen aufging.

Ich stand wie gebannt in mitten brennender Bäume und konnte es kaum fassen, dass bei so einer Kälte überhaupt ein Ästlein hätte brennen können.

Ich muss nicht ganz bei mir gewesen sein, denn das Feuer hatte mich umkreist und ich war gefangen. Die Angst packte mich und ich versuchte zu entkommen. Die Hitze schlug mir ins Gesicht und versenkte mein Haar. Ich bekam kaum Luft, ich dachte ich würde ersticken. Ich kroch auf allen Vieren vorwärts. Die brennende Luft schnürte bei jedem Atemzug meinen Brustkorb ein. Ein brennender Ast traf mich am Kopf und warf mich gänzlich zu Boden.

Als ich am nächsten Morgen erwachte, stieg mir der Dampf verbrannten Haares und Fleisches in die Nase, meine Haare waren verbrannt und mein Gesicht schmerzte. Meine Hände rauchten, aber ich lebte. Ich setzte mich auf und blickte mich um. Neun Baumstümpfe kohlten noch, der Schnee war schwarz von der Asche und der Rauch stieg immer noch gen Himmel. Doch da oben, hinter dem Hochnebel war die Sonne und sie blickte stumpf auf mich herab und gab mir Mut.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen zwischen Samhain und Imbolc (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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