Traum durch die rosarote Brille

Traum durch die rosarote Brille

pinkIch wache auf und alles ist rosa und schimmert so komisch. Ich reibe mir die Augen und nein, ich habe keine rosarote Brille auf der Nase. Ich liege in einem rosa Bett und jemand hat mich mit einer rosa Folie zugedeckt, auf der lauter Pferde und Herzen aufgedruckt sind. Ich versuche mich freizuwurschteln und stürze aus dem Bett. Meine Nase klebt am Boden, der auch rosa ist und alles scheint aus Plastik zu sein. Ich befinde mich nicht mehr in meinem bewohnbaren Kleiderschrank, nein ich scheine in dem begehbaren Kleiderschrank einer alten Jungfer zu sein. Und alles ist voll Glitzer. Ich schaue an mir herab und nein, ich bin kein 12jähriges Mädchen mit blönden Zöpfen. Ich trete gegen einen Stuhl, der gleich in alle seine Einzelteile zerspringt und ich bewaffne mich mit dem Stuhlbein. Nur für den Fall der Fälle, dass ich hier im Twilight-Traumhaus des Todes gelandet bin. Komm nur raus, miez, miez miez! Ja wo ist er denn, der Sparklefool!

Ich schleiche an die Tür und tippe sie an und sie fällt aus den Angeln. Dahinter ist ein rosa Badezimmer und jemand steht in der Dusche. Schaum quillt aus der Dusche. Als ich auch nur in die Nähe der Dusche komme, geht die Duschkabine wie von Geisterhand auf und drin steh ein Plastikmann ohne Schwanz. Der ist mir mehr als suspekt. Und immer wenn mir so komische Dinge passieren, denkt mein Unterbewusstsein nicht daran mir gescheite Waffen an die Hand zu legen. Ein Königreich für eine Schrotflinte.

Dann werde ich den unbehaarten Schwanzlosen wohl mit dem Stuhlbein vertrimmen müssen, sobald er sich bewegt. Weil was keine Seele hat und sich trotzdem bewegt, ist entweder ne Maschine oder ein Untoter und / oder Zombie. Und nachdem Maschinen nur in Autowaschanlagen duschen dürfen, sag ich nur: Tod dem Zombie!

Narr in dröger Gesellschaft

Narr in dröger Gesellschaft

jokerNun sitzt er da, der arme Tor, auf den Stufen vor dem Thron und wartet darauf, dass etwas Aufregendes geschehen möge. Denn die unachtsamen Tritte und spitzen Kommentare und sonstige Anzüglichkeiten langweilten ihn schon so lange er denken konnte.

Sonst ist bei Hofe leider nichts los und wenn er heute Tod umfallen würde, würde der Hofstaat wahrscheinlich in einen tiefen, tiefen Schlaf versinken und nie wieder erwachen. Weil selbst seit dem er am Hofe seine Aufwartung gemacht hatte, gingen die Meisten doch immer noch zum Lachen in den Keller.

Das Aufregendste was in den letzten Jahren passiert ist, war als er in seinem ersten Jahr von den Stufen zum Thron stolperte und dabei einen unbesetzten Stuhl mit sich gerissen hatte, der dann umfiel! Es haben tatsächlich ein Paar geschmunzelt. Das ist nun 8 Jahre her.

Einmal hatte er eine unpassende Bemerkung darüber gemacht, dass hier alle zum Lachen in den Keller gehen würden und dass für diese traurige Tatsache der Thronsaal aber immer ziemlich überfüllt wäre. Und dafür hatte der dröge König ihn mit einer Zitrone beworfen. Diese zerplatze auf seinem Kopf und die Wucht des Aufpralls lies ihn zurück taumeln. Er rappelte sich wieder auf und meinte nur lautstark: ‚Mein Herr, Ihr habt mich befruchtet.‘ Das war sein größter Moment. Und diesen einen Lacher würde er bis an sein Lebensende nie vergessen.

Das war aber das Einzige mal, als man ihm einen Ball zugeworfen hatte und er betete inständig jeden verdammten Tag hier am Hofe, es möge ihm doch jemand einen Ball zuwerfen. Nur er würde ihn aufheben, damit spielen und sich dann im Gelächter der Menge suhlen.

Seine Tagträume wurden je unterbrochen, weil die Königin nichts Besseres zu tun hatte, als vor den Augen ihres Mannes mit ihrem hochwohlgeborenen Fuße dem armen Narren am Hintern herumzuwirtschaften. Der König war aber seit jeher nur mit dem Zelebrieren seiner Langweile beschäftigt, dass er es wahrscheinlich nicht mal merken würde, wenn die Königin nackt auf seinem Gesicht säße. Nicht, dass sie es schon mal getan hätte. Der Narr grinste breit und ein besticktes Taschentuch flatterte vor seinem Gesicht vorbei. Die Königstochter war zum Spielen aufgelegt. Und er würde umgehend am Halse aufgehängt werden und von der höchsten Zinne baumeln, wenn die Königin heraus fände, dass der Narr es auch mit der Tochter triebe.

Aber nachdem dem Narren die Tage schon zu dröge waren, konnte er in den Nächten den Damen aber auch gar nichts abschlagen. So stahl er sich des Nächtens wie ein Dieb durchs Schloss und beglückte erst die Königin und wenn diese danach endlich eingeschlafen war, zerrten schon die Hände der Prinzessin an seinen Hosen. Und er machte was von ihm verlangt wurde. Und der König schlief jede Nacht den Schlaf des zu Recht Gelangweilten und bekam davon zum Glück überhaupt nichts mit.

Die Tochter beugte sich zu ihm runter und er hatte ihre prallen Brüste voll im Blick, als er ihr das Taschentuch reichte. Sie tätschelte ihm auf dem Kopf herum und setzte sich wieder aufrecht auf ihren Stuhl. In seinem Schoß lag nun ein Zettel.

‚Heute Nacht an der großen Eiche!‘ Er steckte den Zettel in seinen Schuh und langweilte sich weiter zusammen mit dem Hofstaat. Nach dem Essen schlich er in seine Kammer, doch die Königin passte ihn ab und schleifte ihn in ihre Kemenate.

Als sie ihm seiner Gewandung entledigte, fiel der Zettel aus seinem Schuh.

‚Was hat er da für einen Zettel?‘ rief die Königin und gähnte gelangweilt.

‚Was für ein Zettel?‘ stammelte der Narr.

‚Dieser da, der soeben aus dem Schuh purzelte!‘ rief die Königin und wollte sich tatsächlich danach bücken. Er war aber schneller. Sie blickte ihn grimmig an und dann schrie sie fast: ‚Wage er es nicht den Zettel zu essen, sonst schreien wir so laut, dass der König es hören muss.‘

Der Narr hatte den Zettel schon im Mund und hielt dann inne. Dann streckte er folgsam die Zunge heraus.

‚Spuckt er ihn aus!‘ meinte sie und hielt ihn die Hand hin.

Er tat was ihm geheißen. Sie nahm den feuchten Zettel und blätterte ihn auf. ‚Heute Nacht an der großen Eiche!‘ sprach sie und zog eine Augenbraue hoch.

‚Ich wollte Euch den Zettel vorhin zustecken!‘ stotterte er.

‚Er hat doch nicht gedacht, dass wir bei dem Wetter und in stockdüsterer Nacht das Schloss verlassen würden?‘

‚Ich wollte nur etwas zu Euer Erheiterung beitragen.‘

‚Ja, wir sind erheitert über den Erfindungsgeist den du an den Tag legst.‘ meinte sie und verzog dabei keine Miene.

Sie zog einen Cricketschläger unter dem Bett hervor und meinte trocken: ‚Versohl er uns den Hintern, wir waren ein böses Mädchen!‘

Er versuchte nicht die Augen zu verdrehen und tat was ihm geheißen. Als er mit ihr fertig war, schlich er zum Abbild der großen Eiche. Dort wartete schon die Nächste, er packte die Königstochter und zerrte sie in eine Nische hinter einen Wandbehang. Er hob den Finger an den Mund, während sie ihm umgehend an die Wäsche ging. Sie machte sich an seiner Hose zu schaffen und kniete sich langsam vor ihn hin.

Er hörte ein Geräusch auf dem Gang und hielt inne. Die zügellose Königstochter hatte sein Gemächt bereits erfasst und war im Begriff seinen kleinen Schelm in den Mund zu nehmen. Jemand kam über den Gang geschritten. Er packte ihren Kopf und hielt sie fest, dass spornte sie aber nur noch mehr an und sie saugte unablässig an seinem Schaft.

Die Königin schritt an ihrem Versteck vorbei und blieb vor dem Wandbehang mit der großen Eiche stehen. Und dann ging ihr tatsächlich ein Licht auf. Hastig riss sie den Wandbehang zur Seite und schnappte pikiert nach Luft.

Er drückte den Kopf der Tochter fest an seine Lenden und das Letzte was sie zu atmen versuchte, war sein Schwanz. Als er kam, ging sie, für immer. Er zerdrückte tatsächlich eine kleine Träne darüber. Aber zum Trübsalblasen war jetzt keine Zeit, er lies von ihrem schlaffen Körper ab und die letzte Geste die ihr regloser Körper machte, war theatralisch zu Boden zu gleiten und ihre Hand landete angewinkelt auf ihrer Stirn. Ein letzter Seufzer entwich ihrem Mund.

Die Königin stand einen erschreckend langen Moment einfach nur da und beobachtete sie skurrile Darbietung. Sie zog die Luft zwischen die Zähne ein, erhob ihren Cricketschläger und wollte ihn damit vermöbeln. Er wich dem ersten Schlag aus und bekam den Schläger zu fassen. Ehe ihm bewusst wurde, was er da tat, lag die Königin schon in ihrem Blute da und das Erste mal hatte sie keinen gelangweilten Ausdruck auf den Lippen. Sie war erlöst und lächelte sogar. Und er stand blutüberströmt mit heruntergelassen Hosen da und blickte auf sein Werk und lachte.

‚Was ist das für ein ungeheuerlicher Lärm, Possenreißer!‘ rief der König, der noch mit seiner Schlafbrille auf der Nase aus seinem Gemach stolperte. Der Narr zog hastig seine Hose hoch und hob den Schläger und grinste: ‚Ich musste einfach etwas Schönes kaputt machen!‘

Dann lies er den Schläger sinken, drehte sich schwungvoll um und ging. Den Schläger hinter sich her schleifend.

Schüttelfrost – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 4

Schüttelfrost – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 4

schweiniBruna kam an ihr Bett getreten und blickte auf den bewusstlosen Körper des Holzfällers. Er hatte Schweini im Arm und sabberte auf ihr Kopfkissen. Mit einer erhobenen Augenbraue zog sie ein Tuch von ihrem Gürtel und wischte ihm über den Mund und stopfte das Tuch dann unter sein Gesicht. Sein Körper wurde immer noch von heftigen Schüttelfrost gebeutelt. Kopfschüttelnd ging sie zum Ofen, öffnete ihn mit der bloßen Hand und schürte nach.
Hinter sich hörte sie ein Stöhnen. Sie goss einen Tee auf und ging dann mit Kanne und Becher bewaffnet zum Bett zurück.
Er regte sich und öffnete eines seiner Augen. Beruhigende Geräusche stolperten aus ihrem Mund, während sie sich an die Bettkante setzte. Er stöhnte laut und drückte das Schwein liebevoll an sich.
Er küsste es und flüstere dann heiser: ‚Braves Schwein, das hast du gut gemacht!‘
Bruna verdrehte die Augen und zischte ihm zu: ‚Ich möchte eure Zweisamkeit nur ungern stören, aber ihr Beide liegt in meinem Bett und ich verbitte mir jedliche Art von Schweinereien.‘
Er blickte fragend über das Schwein hinweg und krächzte heiser: ‚Oh, ich kann doch…nicht!‘
‚Nein kannst du nicht. Aber Vater dachte, es wäre besser dich zu uns zu bringen, als zu deiner Verwandtschaft!‘ meinte sie, goss Tee in den Becher und machte Anstalten ihm den Tee einflößen. ‚Du musst viel trinken!‘
Zwischen den Schlucken, fragte er beschämt: ‚Hab ich mir Schande gemacht?‘
‚Da musst du die Heiler fragen, die haben dich ausgezogen!‘ meinte Bruna und grinste ihn saublöd an. Der Holzfäller verschluckte sich fast, hustete erstickt unter Schmerzen und stammelte: ‚Ich… ich… bin?!‘
‚Ja, und mein Vater wird dich töten, wenn du was versuchst?‘ meinte Bruna ernst.
Branu musste lächeln, was ihm erschreckend gut gelang, in Anbetracht dessen, was er die letzten paar Tage durchgemacht hatte. Sie flößte ihm den restlichen Tee ein und stand dann auf.
Als sie mit einer Schüssel voll Suppe wieder zum Bett kam, waren seine Augen wieder geschlossen.
Sie setzte sich wieder an die Bettkante und wartete einen Moment. Er schreckte hoch und blickte sie entsetzt an. Wieder kamen ihr beruhigende Laute über die Lippen.
‚Ich hab noch Suppe für dich, dann lass ich dich in Ruh!‘ flüsterte sie und hielt ihm den Löffel hin. Er lies sich füttern und blickte sie unverwandt an.
‚Die Heiler kommen nachher wieder und schauen nach deinem Bein!‘
In dem Moment, als sie sein Bein erwähnte, schien es ihm wieder in den Sinn gekommen zu sein, warum er in ihrem Bett lag und blickte nun noch verstörter.
‚Es ist noch dran!‘ meinte sie kurz und löffelte ihm weiter die Suppe in den Mund. ‚Und du wirst ne Zeit lang nicht in den Wald gehen können!‘
Er rappelte sich auf und zog an der Decke.
‚Hehe, was hast du vor?‘ rief Bruna erschrocken und sprang von der Bettkante auf.
‚Ich will mich selbst überzeugen, dass es noch dran ist…!‘ krächzte er und riss weiter an der Decke. ‚Weil… weil… ich kann es nicht spüren!‘
Das Schwein wurde wach und quietschte aufgeregt. Sie hatte die Schüssel beiseite gestellt, hob die Decke behutsam an und meinte dann: ‚Es ist ein Wunder, dass du deine Finger noch spürst, geschweige denn deine Zehen!‘
Entsetzt blickte er auf sein Bein, dass mit blutigen Leinenbinden verbunden und dann geschient worden war. ‚Jeder Andere hätte sich da draußen auch noch was ab gefroren.‘
Er griff mit zitternden Fingern an sein Knie und hob es an. ‚Es ist tot…!‘ Er schluckte schwer und lies sein Bein wieder sinken.
‚Die Heiler haben dir jeden Menge Zeuch gegen die Schmerzen eingeflößt. Sei froh um jeden Moment, wo du nicht vor Schmerzen schreist.‘ meinte sie und deckte sein Bein wieder vorsichtig zu.
Sie musste sich ein Gähnen verkneifen und fuhr fort. ‚Du solltest versuchen noch ein Bisschen zu schlafen. Ich hab dir einen Eimer hingestellt, wenn du pinkeln musst und Schweini, wenn du in mein Bett machst, mache ich einen Rollbraten aus dir!‘

Sie zog ihm die Decke zurecht und meinte noch: ‚Wenn was ist, musst du schreien, ich schlaf unterm Dach.‘
‚Bruna!‘ rief er ihr hinterher. ‚Danke!‘
Doch sie war schon hinter dem Vorhang verschwunden.

Fortsetzung folgt vielleicht…

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Steakparanoia

Steakparanoia

Hallo. Hallo. Kann mich mal einer raus lassen? Hallo? Ich bin ganz allein hier drinnen! Hilfe! Sagt mal, des ist nicht witzig. Es ist so kalt hier drin. Menno! Ist das gefrorenes Kondenswasser auf meiner Haut? Unwürdig ist des hier und unbequem und Luft krieg ich auch nicht. Und wie der grobe Typ mich vorhin angefasst hat, als wäre ich irgendeine Billigware. Es ist kalt. Nicht ‚Mimimi‘-Kalt, sondern ‚Man bleibt überall kleben!‘-Kalt. Ich kann meinen Atem sehen. Oh, Gott ich kann meinen Atem sehen, ich werde sterben. Verdammt ich bin ja schon tot. Und in Scheiben geschnitten. Zum Glück haben sie das ziemlich ordentlich gemacht. Wenn ich nicht schon in Stück geschnitten wäre, würde ich mir meinen Arsch abfrieren hier drin. Kann mal jemand die Heizung anstellen? Das istIMG_0488 ja unzumutbar. So kann ich nicht arbeiten. Und ehrlich, mich neben so eine reduzierte Pferdefleischlasagne zu stecken, ist ja wohl eine absolute Zumutung. Ich werde mich beschweren, bei Amnestie International und beim Roten Kreuz. Ich hab auch Rechte.

Und außerdem kann ich bei – 4 Grad nicht arbeiten. Wenn ich Beine hätte, würde ich zu meinem Wohnwagen gehen. Ich hab keine Beine! Oh, verdammt ich hab ja auch keine Arme. Nein, ich bin nicht Bernd das Brot, ohne Arme und Beine. Menno, ich spiel nicht mehr mit. Ich hab Gefühle und ich bin mit der Gesamtsituation wirklich sehr unzufrieden. Und lustig ist das auch nicht, ich kündige. Jetzt machen die auch noch das Licht aus. Hallo. Hallo. Kann mal jemand das Licht anmachen. Hilfe. Hilfe. Oh mein Gott, hier ist noch jemand. Ja, beim mir hier. Hilfe. Hier ist was Lebendiges. Hab Angst. Hilfe. Kann mich mal jemand hier rausholen. Es ist bestimmt die Pferdefleischlasagne. Die will mich auffressen…

 

Bein durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 3

Bein durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 3

hirschEtwas schritt auf die Lichtung. Er hielt inne und blickte nach hinten. In den letzten Sonnenstrahlen die auf die Lichtung schienen, trat ein Hirsch auf die Lichtung. Ein weißer Hirsch. Das Sonnenlicht schimmerte auf seinem Fell und es begann wieder zu schneien. Dicke Schneeflocken fielen Branu ins Gesicht, so dass er für einen Moment die Augen schließen musste. Der Zwölfender schritt erhaben auf ihn zu und nun war ihm klar, dass der Zwölfender ihn mitnehmen wollte. Der gehörnte Hirschgott war in der Gestalt des weißen Hirschen zu ihm gekommen, um ihn zu seinen Ahnen zu geleiten. Das war sein Ende, obwohl eine große Ehre mit dem Hüter des Waldes zu gehen, aber nein, er wollte noch nicht gehen. Wenn er jetzt aufgab, dann müsste er das alles hier zurücklassen. Den Wald und seine Hütte. Es war zwar nicht viel, aber das Bisschen hielt ihn noch am Leben. Er konnte noch nicht gehen. Jetzt noch nicht und wenn er auf seinem Stumpf zurück ins Dorf kriechen musste, er wollte noch nicht sterben.

In seinem Wahn könnte er das Wiehern der Pferde und die Rufe nicht mehr hören. Der weiße Hirsch trabte an ihm vorbei und Branu holte noch einmal aus und als er auf sein Bein schlagen wollte, hielt jemand seine Axt fest.

‚Wenn du das machst, werden wir nicht mehr um die Wette laufen können, wie wir es als Kinder immer getan haben.‘ raunte ihn eine Stimme von oben aus an. Er öffnete die Augen und blickte in das ernste Gesicht der Metzgerstochter. Sie zog eine Augenbraue hoch und grinste ihn grimmig an. Und irgendwas Nasses drang an sein Ohr. Doch Branu klammerte sich immer noch an seine Axt und blickte starr an ihr vorbei.

‚Lass die Axt los, bevor du dir noch ins Bein schlägst!‘ rief eine weitere Stimme. Branu zwinkerte, er schien seinen Augen nicht zu trauen, es war tatsächlich der Metzger Ulgur, der da mit ihm sprach. Er saß auf einem mächtigen Ross, dass aufgeregt zu schnauben begann. Kraftlos lies Branu die Axt los und Bruna legte sie beiseite. Dann kniete sich sich neben ihn und zog einen Handschuh aus.

‚Sperr deinen Schnabel auf, ich hab was für dich!‘ meinte sie zu ihm und entkorkte ein Fläschchen, dass sie aus ihrer Tasche gezaubert hatte. Er tat was ihm geheißen und sie goss ihm den Inhalt in den Mund. Er schmeckte grausam, aber er wagte es nicht zu würgen.

Ulgur war bereits von seinem Pferd abgestiegen und machte sich an dem Baumwipfel zu schaffen, während Bruna dem Holzfäller warme Brühe in den Mund laufen lies. Dann zog sie den zweiten Handschuh aus und griff nach seinen Fingern. Als ihre Finger die Seinen berührten, dachte er, sie würden in Flammen aufgehen. Er versuchte zu schreien, doch die Laute kamen nur als Krächzen aus seiner Kehle. Dann zog sie ihm ihre Handschuhe über seine Hände. So vorsichtig wie es ihr möglich war, berührte sie seine Nase und seine Ohren und dann erst widmete sie sich seinem Bein, oder was davon noch übrig war. Vorsichtig versuchte sie den Stofffetzen vom Bein zu ziehen. Er klebte fest. Sie zog einen Wasserschlauch von ihrem Gürtel, öffnete den Verschluss und wartete auf ein Zeichen ihres Vaters.

‚Das könnte jetzt ein bisschen Ziepen!‘ sagte sie fast beiläufig und goss den Inhalt des Wasserschlauches über sein Bein, Dampf stieg auf und der Geruch von Schnaps drang in seine Nase. Er drehte seinen Kopf auf die Seite und rang nach Luft. Schweini quietschte vor Freude und leckte ihm übers Gesicht. Das Ferkel saß schon die ganze Zeit neben seinem Kopf und hatte an seinem Ohr geleckt. Branu sah im Augenwinkel, wie der Metzgermeister seinen Gaul antrieb. Bruna goss den restlichen Inhalt des Wasserschlauches über sein Bein. Der Schmerz war unbeschreiblich und er klammerte sich kraftlos an das Schwein und wimmerte nur noch. Mit einem schlürfenden Geräusch wurde der Lumpen von der Wunde gezogen und der Baumwipfel wurde mit einem Ruck hochgezogen. Der darauffolgende Schmerz lies ihm endgültig die Sinne schwinden. Von ganz weit entfernt konnte er die Stimme der Metzgerstochter in sein Ohr säuseln hören. ‚Du wirst einen neuen Schuh brauchen!‘

Mal ganz davon abgesehen, dass die Metzgerstochter des Säuselns gar nicht fähig war, hätte er die lauten Rufe ihrerseits wohl nicht mehr gehört. Bruna packte ihn und schleifte seinen reglosen Körper ein paar Schritte von dem Baum weg. Während der Metzger den Baumwipfel wieder runter ließ, versorgte sie das Bein des Holzfällers so gut es in der Eile ging. Es war bereits Dunkel geworden, als sie ihn in größter Eile auf einer Trage nach Hoimarshold zurück brachten, wo dann einige Heiler und Feldscher sich um ihn kümmerten. Eine ganze Nacht und einen ganzen Tag waren sie bei ihm geblieben und Bruna konnte nur die Gesänge und Gebete der Heilkundigen hören, die aus ihrer Kammer drangen. Ihr Vater war wie immer mies gelaunt und er hatte ihr verboten ihre eigene Kemenate zu betreten, solange der Holzfäller in ihrem Bette lag.

Sie hatte sich auf dem Speicher ein grobes Stück Leinen in zwischen die Giebel gehängt und schlief dort, wo die geräucherten Schinken und Würsten zum Trocknen gelagert wurden. Da war es einerseits viel kühler und anderseits viel sicherer für Haus und Hof. Nur für den Fall, dass sie im Schlaf wieder Feuer fing, würde erst ihre Hängematte durchbrennen und beim Sturz auf die harten Balken des Dachbodens würde sie wahrscheinlich aufwachen.

Am frühen Abend stand Bruna draußen im Hof und brühte frisch geschlachtete Schweine mit den bloßen Händen ab, als sich jemand hinter ihr räusperte. Sie drehte sich um und einer der Heiler stand in der Tür.

‚Er ist erst mal übern Berg. Er wird Fieber kriegen. Jemand muss in der Nacht bei ihm sitzen und die kalten Wickel wechseln.‘

Ihr Vater plärrte aus der Metzgerstube: ‚Und der Jemand wirst du sein, liebe Tochter!‘

Dann kam eine Heilerin und schob sich an dem Heiler vorbei durch die Tür. ‚Gut gut, da hab ich noch ein paar Kräuter gegen Wundbrand. Da machst du einen Tee und flößt ihm den ein. Wir kommen morgen in der Früh und wechseln den Verband. Wenn er wach wird, kannst du ihm Suppe geben.‘

Dann verschwanden die beiden Heiler und ließen die verdutzte Metzgerstochter vor der offenen Tür zurück.

Fortsetzung folgt vielleicht…

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Baum durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 2

Baum durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 2

DACHSNebel kam auf und mit dem Nebel zog die Feuchtigkeit auch die Kälte an. Trotz des Tauwetters war es immer noch Winter und er musste zusehen, dass er heute Nacht nicht erfrieren würde. Er schlug weitere Äste vom Baum ab und legte sie unter sich. Sein Atem stieg auf und gefror in der Luft.

Er würde erfrieren wenn er sich nicht bewegte. Langsam begann er mit dem Messer auf den Stamm einzuschlagen, doch jeder Hieb auf den Stamm, trieb auch den Schmerz durch sein Bein. Er hieb solange auf den Stamm ein, wie er konnte. Seine Schreie hallten noch durch den Wald, als er schon längst ohnmächtig zusammengebrochen war.

Mitten in der Nacht wurde er wach. Vor Schmerz. Seine Sinne waren nicht ganz bei ihm, es war dunkel und ihm war eiskalt. Seine Augen suchten nach dem Stamm und dank dem Mondschein zeichneten sich langsam Umrisse seiner Umgebung ab. Zitternd versuchte er sich zu regen und dann hörte er ein schmatzendes Geräusch. Er fuhr hoch und überraschte einen Dachs, wie er sich an seinem Bein labte. Der Dachs hatte bemerkt, dass er sich regte und fauchte ihn mit gefletschten Zähnen an. Blut und Geifer rann ihm aus der grässlichen Fratze. Panisch tastete er nach seinem Messer und als der Dachs zum Angriff überging, hatte Branu ihm auch schon sein Messer durch seinen Schädel getrieben. Sein Herz sprang ihm schier aus der Brust und er sank mit dem toten Tier in den Händen wieder auf die Äste zurück, die unter seinem Gewicht laut knirschten. Der Mond spiegelte sich in den starren Augen des Tieres und Blut rann aus dem geöffneten Maul auf den Holzfäller hernieder. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als das Blut des toten Dachs zu trinken. Das nennt man wohl ausgleichende Gerechtigkeit. Der Körper des Dachs war noch warm, doch Branu begann wieder zu frieren. Er versuchte irgendwie sein Bein wieder abzudecken, dann schlitzte er den Dachs auf und deckte sich mit ihm zu. Das Innere des Dachs stank erbärmlich, aber es half alles nichts, lieber erstunken als erfroren.

Er wurde wach, als die ersten Sonnenstrahlen den Reif auf seinem Gesicht fort schmolz. Im Halbschlaf dachte er Schweini wäre wieder da. Aber als er die Augen aufschlug, war er allein. Er lebte noch, aber der Baum lag immer noch auf seinem Bein. Auf ihm lag ein toter Dachs. Er hatte also nicht geträumt. Mit holprigen Bewegungen versuchte er den toten Dachs von ihm runter zu schieben, doch er war auf ihm festgefroren. Mit einem reißenden Geräusch trennte sich der aufgeschlitzte Körper von seinem Bauch und er warf ihn zur Seite.

Zum Aufwärmen versuchte er wieder seine Axt zu erreichen. Diesmal band er zwei Äste aneinander. Er kam ganz schön ins Schwitzen, aber nach gefühlten Stunden hatte er endlich seine Axt in Händen. Der erste Schlag auf den Baum lies ihn laut aufschreien. Und jeder Weitere schlug eine Schmerzwelle nach der Anderen durch sein Bein. Er biss aber die Zähne zusammen und drosch weiter auf den verdammten Baum ein. Seine Großmutter hatte immer zu ihm gesagt: ‚So lange du Schmerzen hast, lebst du noch!‘

Die Sonne schickte sich schon an, wieder hinter der Baumreihe zu verschwinden zu wollen und Branu war am Ende seiner Kräfte. Seine Hände waren bereits blutig, aber er musste weiter machen. Er befürchtete wenn er nur einen Moment inne hielt, würde dies sein Ende bedeuten. Unaufhörlich versuchte er weiter seine Axt durch den Stamm zu treiben. Schweiß rann ihm vom Gesicht und sein Atem war nur noch ein Keuchen. Schwindel überkam ihn und er hielt doch inne, um etwas Schnee zu essen. Der tote Dachs grinste ihn saublöd an. Er schnitt sich ein Stück von dem Fleisch ab und kaute dann auf dem gefrorenen Fleisch herum.

Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck erhob er wieder die Axt und schlug weiter auf den Stamm ein. Er schwor sich, dass er jedes einzelne Fitzelchen von diesem Baum verbrennen würde, wenn er diesen Baum überleben sollte. Seine Schläge hämmerten unaufhörlich auf den Stamm ein, doch seine Schreie wurden immer schwächer, bis nur noch ein heiseres Krächzen aus seiner Kehle kam.

Völlig außer Puste stürzte er erschöpft in den Schnee und ging nochmal seine Möglichkeiten durch. Wenn er den Stamm nicht bezwingen konnte, dann würde er sich sein Bein abhacken müssen. Und dann würde er sich aus dem krümmen Hund ein schönes Holzbein schnitzen, aber bevor es noch soweit kam, schlug er weiter auf den Stamm ein, bis er endlich durch war. Der Baumwipfel war frei und drehte sich nach hinten. Er schrie wieder, als der Wipfel über sein Schienbein rollte und er konnte den Knochen unter dem Holz mehrmals knacken hören. Die Schmerzen waren unvorstellbar, doch ihm fehlte die Kraft und die Stimme, um seinen Schmerzen Luft zu machen. So kam nur noch ein Wimmern aus seiner Kehle. Er schöpft lies er die Axt sinken und blickte grimmig auf seinen Widersacher.

‚Entweder du oder mein Bein!‘ flüsterte er heiser, rutschte ein Wenig auf die Seite und hob die Axt. Er wählte den Baum und schlug ein ganzen Stück oberhalb weiter auf den Stamm ein. Das machte er so lange, bis seine Kräfte ihn endgültig verlassen wollten. Seine Arme zitterten und neben seinem Bein, konnte er auch seine Finger nicht mehr spüren. Er war mehr als verzweifelt. Dann wird es doch sein Bein sein. Es musste sein Bein sein. Noch konnte er zu seiner Hütte kriechen. Er zog den Gürtel noch enger um seinen Oberschenkel und machte sich bereit, sich von seinem Bein zu trennen. Er hob wieder die Axt und zauderte. Plötzlich hörte er Geräusche hinter sich.

Fortsetzung folgt in: Bein durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 3

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Vorsicht Baum fällt…Die Geschichte eines Holzfällers Teil 1

Vorsicht Baum fällt…

Die Geschichte eines Holzfällers Teil 1

schweiniDen Mond im Rücken ging der Holzfäller Branu der Morgenröte entgegen. Seine Axt auf der Schulter und ein trauriges Lied auf den Lippen. Die Ereignisse der letzten Tage stimmten ihn nachdenklich, aber er hatte seine Arbeit vor dem Fest quasi im Wald liegen lassen.

Er hatte schon die Baumgrenze überquert und lief einen kleinen Weg entlang, der mitten durch den Wald führte. Der Schnee war vom Tauwetter matschig und überall fielen dicke Tropfen von den Bäumen. Er rutschte einen Abhang hinunter und lief eine ganze Weile den Bach entlang, bis ihm gewahr wurde, dass ihn jemand verfolgte. Er drehte sich um und sah, wie ein kleines Etwas durch den matschigen Schnee auf ihn zu lief. Es war Schweini.

Erst als das völlig verdreckte Ferkel ihm gegen die Beine sprang, begriff er, dass das Schwein den ganzen Weg vom Dorf bis hier her gelaufen sein musste und obwohl es noch so klein war, hatte es tapfer durchgehalten.

‚Na, Schweini!‘ meinte er und hob es hoch. Schneematsch tropfte vom Körper des Ferkels und es zitterte, wohl mehr vor Aufregung, als vor Kälte. ‚Ist was passiert mit deinem Frauchen, oder hast du jetzt einen Narren an mir gefressen?‘

Das Schwein leckte über seine Hand und das war ihm Antwort genug. Er schüttelte es ein Wenig, damit der größte Dreck vom Schwein herunter fiel und klemmte es sich dann unter den Arm und lief beschwingt weiter.

Es war ein ganz schönes Stück bis zu seiner Hütte, aber mit dem Schwein war der Weg nicht ganz so eintönig. Sie kreuzten den Bach und liefen tiefer in den Wald hinein, bis sie zur Mittagsstunde an der Holzfällerhütte ankamen. Sein Zugochse stand im Gatter und glotzte ihn blöde an.

Er öffnete die Hütte, machte Feuer und gab dem Schwein ein paar Eicheln zum Fressen. Dann machten sie sich auf, zu der Stelle, wo er vor ein paar Tagen noch am Brennholz schlagen war.

Eine Fichte lag quer über einer Lichtung und einige Stämme lagen aufgereiht am Wegesrand. Er war vor dem Fest nicht damit fertig geworden. Beim Ausasteln lief das Schwein um ihn herum und freute sich um die vielen Tannenzapfen, die kreuz und quer auf der Lichtung verstreut waren. Das Schwein war ziemlich schlau, es trug alle Zapfen und kleine Äste auf einem Haufen zusammen.

Morgen würde er die Stämme mit seinem Ochsen ins Dorf bringen. Bis dahin sollte er sich auch überlegen, ob er nun bei der Metzgerei Ulgur aushelfen wollte, oder ob er es lieber bleiben lassen sollte.

Nachdenklich lief er zu einer Kiefer, die ganz schön krumm gewachsen war und quer im Wald stand. Den Baum wollte er schon lange mal fällen, weil der krumme Hund alle anderen Bäume am Wachsen hinderte.

Zum Verbrennen war er zu schade, aber zum Verarbeiten war er zu krumm gewachsen. Irgendwas würde ihm dann schon einfallen, wenn er den erst mal bezwungen und zu seiner Hütte gebracht hatte.

Der zähe Hund verlangte ihm alles ab und kurz bevor der Baum fallen würde, vergewisserte er sich, dass das Schwein in Sicherheit war. War es nicht, deswegen lief er los und wollte es außer Reichweite bringen. Er hatte den Wind noch im Nacken gespürt und da vernahm er das Krachen. Hastig blickte er sich um und sah wie der Baum sich neigte und zu fallen drohte. Er packte das Schwein und lief in die andere Richtung davon. In ausreichender Entfernung, so dachte er, hielt er inne und blickte sich noch mal um. Der Baum hatte sich gedreht und fiel in seine Richtung. Hecktisch stürzte er zur Seite, blieb an einer Wurzel hängen, die im Schnee nicht zu sehen war und fiel in den Matsch. Er konnte gerade noch das Schwein von sich schleudern und dann begruben ihn die verdrehten Äste seines Widersachers. Die Wintervögel flatterten aufgescheucht über die Baumwipfel davon. Ein dumpfer Schlag gefolgt von einem unsäglichen Schmerz, ließen ihm die Sinne schwinden.

Er wurde erst wieder wach, als er das Schwein aufgeregt Grunzen hörte. Es leckte ihm übers Gesicht. Er öffnete die Augen und sah nur die Schweineschnauze und die Zunge, die ihm quer übers Gesicht schlabberte. Benommen griff er nach dem Schwein und drückte es an sich, dann versuchte er aufzustehen und da war wieder dieser Schmerz. Der Versuch sich aufzusetzen wurde von den Ästen verhindert und die Nadeln stachen in sein Gesicht. Und nachdem er sein Bein beim Sturz auch noch verdreht hatte, lies er zuerst das Schwein los und dann versuchte er seinen Körper zu drehen und sich aufzusetzen. Er schrie vor Schmerz, sein Bein war von dem Baumstamm begraben worden. Diese alte, knorrige Kiefer hatte ihre Windungen tief in die Erde gegraben und irgendwo darunter war sein Bein, dass er vom Knie abwärts kaum noch spürte. Und da wo mal sein Bein gewesen war, waren nur noch unvorstellbare Schmerzen. Als ihm seine ausweglose Lage vollends gewahr wurde, rief er nach dem Schwein, dass immer noch folgsam neben ihm ausgeharrt hatte.

‚Schweini, such meine Axt, bring mir meine Axt! Los such die Axt!‘

Das Schwein lief los und er konnte es am Boden schnuppern hören. Er war sich nicht ganz sicher, ob das Schwein wusste, dass es kein Hund war. Durch die Äste hindurch konnte er eine gewaltige Blutlache im Schnee erkennen. Er zog seinen Gürtel aus und band sich unter starken Schmerzen das Bein am Oberschenkel ab. Erschöpft blieb er liegen, bis er wieder das Schwein in seiner Nähe hörte, wie es etwas Schweres über den Boden zog. Er versuchte seinen Kopf nach dem Geräusch zu drehen und sah, wie das Schwein sich unweit von ihm mit der Axt abkämpfte und irgendwann erschöpft in einem Schneehaufen liegen bliebt.

Er versuchte es zu rufen, aber das blöde Schwein reagierte nicht mehr. Er rief aus Leibeskräften, aber das Schwein lag regungslos im kalten Schnee. Die Metzgerstochter würde ihn umbringen, wenn ihr Schwein tot wäre, aber er würde auch sterben, wenn er hier nicht fortkommen würde.

In seiner Not, bewarf er das Schwein mit Tannenzapfen. Keine Reaktion. Und als er nichts mehr zu werfen hatte, warf er mit Schneebällen, bis er wieder vor Erschöpfung inne hielt. Plötzlich sprang das Schwein auf, lief zu dem Holzfäller hinüber und leckte wieder an ihm.

‚Schweini, lauf zu deinem Frauchen und hol Hilfe!‘ keuchte er und das Schwein schaute ihn nur verständnislos an. ‚Lauf nach Hause. Lauf zu Bruna. Los, hol Hilfe!‘ krächzte er und die Verzweiflung in seiner Stimme bewegte das Schwein tatsächlich fortzulaufen und er hoffte inständig, dass es ihn verstanden hätte.

Völlig außer Atem legte er seinen Kopf wieder in den Schneematsch und sah seine Axt in der Sonne blitzen. So weit war sie gar nicht mehr von ihm entfernt. Er kramte nach seinem Seil, dass er für gewöhnlich immer am Gürtel trug. Er musste es in der Hast vom Gürtel gezogen haben, als er sein Bein abgebunden hatte. Das Seil lag unter ihm und er fand auch noch sein Brotzeitmesser. Er packte das Messer und schlug damit ein paar Zweige ab, die ihm im Weg waren. Als kleine Anmerkung, sein Brotzeitmesser war größer noch, als so manches Kurzschwert. Und wenn er seine Axt nicht erreichen konnte, dann würde er sich eben frei schnitzen. Jetzt hieß es er oder der Baum.

Er versuchte die losen Äste unter sich zu schieben, dass er einerseits nicht weiter im Nassen lag und anderseits sich besser abstützen konnte.

Ein Blick auf sein Bein erinnerte ihn an die arme Sau, die er gestern noch auf dem Tisch des Metzgers gesehen hatte. Er riss sich ein Stück seiner Tunika ab und versuchte das Bein so gut es ging abzudecken, damit nicht noch mehr Dreck in die Wunde fiel.

Über sich konnte er drei Raben kreisen sehen. In seiner Lage konnte es nur ein schlechtes Omen sein, auch wenn die alten Weiber immer sagten, dass wenn man einen Raben sieht, es etwas Schlimmes bedeutet und bei zwei Raben würde einem was Gutes widerfahren. Aber von drei Raben haben sie nie gesprochen. Während er über die Raben nachdachte, aß er Schnee und überlegte dann wie er an seine Axt gelangen konnte.

Er band eine Astgabel an das Seil und versuchte sein Glück. Es dämmerte bereits, als er erschöpft zusammenbrach. Und die Axt lag immer noch an Ort und Stelle.

Fortsetzung folgt in: Baum durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 2

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

14.02. oder sitzt eine Frau in einer Bar…

14.02.

Sitzt eine Frau in einer Bar, vor ihr ein Drink und neben ihr ein Teller mit einem Schnitzel drauf.

Homemade SchnitzelSie nippte an ihrem Drink und blickte über den Tresen auf die Verspiegelung hinter den unzähligen Schnapsflaschen. Der Neumond spiegelte sich darin. Sie drehte sich um und blickte durch die schmutzigen Scheiben der Fenster nach draußen. Der Neumond grinste sie höhnisch an. Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck drehte sie sich wieder zu ihrem Drink und nippte daran. Dann stolperte ein: ‚Verfickte Grinsekatze!‘ über ihre Lippen. Ihr Blick streifte über das Schnitzel und dann starrte sie wieder gelangweilt in den Spiegel. Hinter ihr turtelte ein Liebespaar vorbei und sie setzten sich an einen Tisch. Sie schmusten und wunden sich um eine rote Rose herum. Ihr kam dabei fast die Kotze hoch. Sie nahm einen tiefen Schluck ihres Drinks und zählte in Gedanken die Schnapsflaschen an der Wand. Der Barkeeper beobachtete sie dabei. Sie schien es nicht zu merken und nippte weiter an ihrem Drink. Der Barkeeper wischte langsam über den Tresen und starrte sie weiter an. Das Schnitzel musste doch mittlerweile kalt sein. Sie nahm noch einen tiefen Schluck und leerte das Glas. Ihr Blick suchte den Barkeeper, der hastig wegsah. Sie hob das Glas und steckte den Finger mehrmals hinein, um ihm zu signalisieren, dass sie noch einen Drink wollte.

‚Noch einen Absinth Sprite?‘ rief er über den Tresen.

‚Mit Eis!‘ sagte sie in seine Richtung, war aber nicht sicher, ob er sie verstanden hatte. Ein weiteres Pärchen stolperte verliebt in die Bar.

Als er ihr den Drink über den Tresen reichte, meinte er kurz: ‚Geht aufs Haus!‘

‚Wie komm ich zu der Ehre?‘

‚Für die Erfindung eines neuen Drinks auf unserer Karte, kann ich schon mal einen Springen lassen.‘

‚Dann Danke und gern geschehen!‘

‚Wollen Sie ihr Schnitzel gar nicht essen?‘

‚Haben Sie was zum Einpacken, ich würde es gerne Mitnehmen!‘

‚Einen Moment, schöne Frau!‘ meinte er kurz und verschwand.

Sie zog nur die Augenbraue hoch, wegen der Phrase und nippte von ihrem Drink.

Er tauchte wieder auf und reichte ihr ein großes Stück Alufolie. ‚Ein Schnitzel zum Mitnehmen!‘ stolperte aus seinem Mund und er konnte sein Grinsen kaum zurückhalten und dann fragte er grade raus: ‚Warten Sie auf jemanden?‘

Sie schüttelte nur den Kopf und nippte nochmal von ihrem Drink.

‚Warum nicht?‘ fragte er hastig.

‚Hab mich im Datum geirrt, der Schnitzel- und Blowjobtag ist erst nächstes Monat.‘

‚Heute noch was vor?‘ fragte er verlegen.

‚Muss mein Schnitzel nachhause bringen!‘

‚Jetzt?‘

‚Wann dann?‘

‚Hätt‘ um Eins Schluss, könnte beim Tragen helfen!‘ meinte er verschmitzt.

Sie grinste nur, führte ihr Glas wieder an den Mund und dann nickte sie fast unmerklich.

AlpenRoadMovie20

AlpenRoadMovie20

Sonntag, 19.08.12, 14.10 Uhr

Auf dem Weg von Trapani nach Marsala, Sizilien

naudersIm Wagen war eine bedrückende Stimmung, seitdem Die Nonna zugestiegen war.

Sie war doch einfach am Wegesrand gestanden, mit einem aufgespannten schwarzen Regenschirm in der Hand. Und dabei war es heute ein wunderschöner Sommertag und keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen. Außerdem hatte sie eine enorme Sonnenbrille auf, die sie sich erst im Auto etwas über die Nase nach vorne schob, um Giovanni und Blume gründlich zu mustern.

‚Junge, wie siehst du überhaupt aus?‘ fragte Die Nonna.

‚Nonna, ich bin angeschossen worden und zwar von der eigenen Familie!‘ jammerte Giovanni.

‚Hätte dich jemand versucht zu erschießen, der tatsächlich zu der Familie gehören würde, dann wärst du jetzt tot, junger Mann!‘ meinte Die Nonna unwirsch.

‚Ellen gehört ja wohl mehr zur Familie, als so manch Anderer!‘ flüsterte Giovanni schnippisch.

‚Das hab ich gehört, junger Mann. Gib mir die Luger wieder!‘ flüsterte Die Nonna ihrem Enkel ins Ohr, aber genauso laut, wie Giovanni noch einem Moment zuvor. Doch da Blume direkt daneben saß, konnte sie jedes Wort hören. 

‚Oh, die ist in meiner Handtasche im Kofferraum.‘ flüsterte Blume schüchtern.

‚Und wie schießt sie sich, Signorina Fiore?‘

‚Für mein erstes Mal, ziemlich gut!‘

‚Sie hat den Killer erschossen und Ellen knapp verfehlt.‘ plapperte Giovanni.

Es war kaum zu glauben, aber Die Nonna lächelte zum ersten Mal an diesem Tag. 

Es geht weiter in Manchmal kommt es anders…Killer 17! Es lohnt sich!

Manchmal kommt es anders…Killer 16

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

Killer 16

Sonntag, 19.08.12, 14.05 Uhr

Krankenhaus Trapani, Sizilien

gunEllen saß auf einen Stuhl neben einem Krankenbett und döste. Rutger lag regungslos im Bett. Er hing an einem Tropf und war ziemlich blass im Gesicht.

Es klopfte an der Tür und jemand trat ein: ‚Signorina Ellen?‘

Sie schreckte hoch. Es war einer der Handlanger ihres Vaters, der auf sie zulief und unterwürfig zu faseln begann: ‚Hier sind die Wagenschlüssel, Ihre Tasche und Vera liegt im Kofferraum, sie ist wie neu! Sie sollen so schnell wie es irgend möglich nachhause kommen, ihr Vater…!‘

Sie hob die Hand und unterbrach ihn unwirsch: ‚Ich komme dann, wenn ich hier nicht mehr gebraucht werde!‘

‚Aber die Geschäfte?!‘

‚Die Geschäfte werden ein paar Tage auf mich warten müssen.‘ zischte sie ihm zu und ihr Gesichtsausdruck ließ keine Widerrede zu.

‚Sollen wir jemanden hier lassen, der Sie mit dem Wagen zurückbringt, wenn Sie…!‘

‚Nein, nein. Ich kann den Wagen selbst zurückfahren. Sie können alle zurück nach München fahren und kümmern Sie sich um meinen Vater, bis ich wieder da bin, ja!‘

‚Aber natürlich! Kann ich sonst noch was tun?‘

‚Nein, nein. Ich werd der Eisernen eine Glückwunschkarte schicken und ihr zu ihrem Sieg gratulieren.‘

‚Die Eiserne war hier in der Stadt und ist dann mit einem weißen Fiat mit französischen Kennzeichen Richtung Marsala gefahren. Am Steuer saß diese Frau Müller und Giovanni daneben.‘

‚Lebt er noch, ich glaube ich hab ihn getroffen!‘

‚Er sah nicht gut aus, aber er wird es überleben. Diese Frau Müller ist eine Krankenschwester und die Eiserne wäre längst hier, wenn es was Ernstes wäre.‘

Ellen seufzte schwer.

‚Ich geh dann mal!‘ meinte der Handlanger und lief rückwärts aus dem Krankenzimmer.

‚Ja ja. Gute Fahrt!‘ sagte sie abwesend.

Weiter geht es im AlpenRoadMovie20! Es lohnt sich!

%d Bloggern gefällt das: