Baum durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 2

Baum durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 2

DACHSNebel kam auf und mit dem Nebel zog die Feuchtigkeit auch die Kälte an. Trotz des Tauwetters war es immer noch Winter und er musste zusehen, dass er heute Nacht nicht erfrieren würde. Er schlug weitere Äste vom Baum ab und legte sie unter sich. Sein Atem stieg auf und gefror in der Luft.

Er würde erfrieren wenn er sich nicht bewegte. Langsam begann er mit dem Messer auf den Stamm einzuschlagen, doch jeder Hieb auf den Stamm, trieb auch den Schmerz durch sein Bein. Er hieb solange auf den Stamm ein, wie er konnte. Seine Schreie hallten noch durch den Wald, als er schon längst ohnmächtig zusammengebrochen war.

Mitten in der Nacht wurde er wach. Vor Schmerz. Seine Sinne waren nicht ganz bei ihm, es war dunkel und ihm war eiskalt. Seine Augen suchten nach dem Stamm und dank dem Mondschein zeichneten sich langsam Umrisse seiner Umgebung ab. Zitternd versuchte er sich zu regen und dann hörte er ein schmatzendes Geräusch. Er fuhr hoch und überraschte einen Dachs, wie er sich an seinem Bein labte. Der Dachs hatte bemerkt, dass er sich regte und fauchte ihn mit gefletschten Zähnen an. Blut und Geifer rann ihm aus der grässlichen Fratze. Panisch tastete er nach seinem Messer und als der Dachs zum Angriff überging, hatte Branu ihm auch schon sein Messer durch seinen Schädel getrieben. Sein Herz sprang ihm schier aus der Brust und er sank mit dem toten Tier in den Händen wieder auf die Äste zurück, die unter seinem Gewicht laut knirschten. Der Mond spiegelte sich in den starren Augen des Tieres und Blut rann aus dem geöffneten Maul auf den Holzfäller hernieder. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als das Blut des toten Dachs zu trinken. Das nennt man wohl ausgleichende Gerechtigkeit. Der Körper des Dachs war noch warm, doch Branu begann wieder zu frieren. Er versuchte irgendwie sein Bein wieder abzudecken, dann schlitzte er den Dachs auf und deckte sich mit ihm zu. Das Innere des Dachs stank erbärmlich, aber es half alles nichts, lieber erstunken als erfroren.

Er wurde wach, als die ersten Sonnenstrahlen den Reif auf seinem Gesicht fort schmolz. Im Halbschlaf dachte er Schweini wäre wieder da. Aber als er die Augen aufschlug, war er allein. Er lebte noch, aber der Baum lag immer noch auf seinem Bein. Auf ihm lag ein toter Dachs. Er hatte also nicht geträumt. Mit holprigen Bewegungen versuchte er den toten Dachs von ihm runter zu schieben, doch er war auf ihm festgefroren. Mit einem reißenden Geräusch trennte sich der aufgeschlitzte Körper von seinem Bauch und er warf ihn zur Seite.

Zum Aufwärmen versuchte er wieder seine Axt zu erreichen. Diesmal band er zwei Äste aneinander. Er kam ganz schön ins Schwitzen, aber nach gefühlten Stunden hatte er endlich seine Axt in Händen. Der erste Schlag auf den Baum lies ihn laut aufschreien. Und jeder Weitere schlug eine Schmerzwelle nach der Anderen durch sein Bein. Er biss aber die Zähne zusammen und drosch weiter auf den verdammten Baum ein. Seine Großmutter hatte immer zu ihm gesagt: ‚So lange du Schmerzen hast, lebst du noch!‘

Die Sonne schickte sich schon an, wieder hinter der Baumreihe zu verschwinden zu wollen und Branu war am Ende seiner Kräfte. Seine Hände waren bereits blutig, aber er musste weiter machen. Er befürchtete wenn er nur einen Moment inne hielt, würde dies sein Ende bedeuten. Unaufhörlich versuchte er weiter seine Axt durch den Stamm zu treiben. Schweiß rann ihm vom Gesicht und sein Atem war nur noch ein Keuchen. Schwindel überkam ihn und er hielt doch inne, um etwas Schnee zu essen. Der tote Dachs grinste ihn saublöd an. Er schnitt sich ein Stück von dem Fleisch ab und kaute dann auf dem gefrorenen Fleisch herum.

Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck erhob er wieder die Axt und schlug weiter auf den Stamm ein. Er schwor sich, dass er jedes einzelne Fitzelchen von diesem Baum verbrennen würde, wenn er diesen Baum überleben sollte. Seine Schläge hämmerten unaufhörlich auf den Stamm ein, doch seine Schreie wurden immer schwächer, bis nur noch ein heiseres Krächzen aus seiner Kehle kam.

Völlig außer Puste stürzte er erschöpft in den Schnee und ging nochmal seine Möglichkeiten durch. Wenn er den Stamm nicht bezwingen konnte, dann würde er sich sein Bein abhacken müssen. Und dann würde er sich aus dem krümmen Hund ein schönes Holzbein schnitzen, aber bevor es noch soweit kam, schlug er weiter auf den Stamm ein, bis er endlich durch war. Der Baumwipfel war frei und drehte sich nach hinten. Er schrie wieder, als der Wipfel über sein Schienbein rollte und er konnte den Knochen unter dem Holz mehrmals knacken hören. Die Schmerzen waren unvorstellbar, doch ihm fehlte die Kraft und die Stimme, um seinen Schmerzen Luft zu machen. So kam nur noch ein Wimmern aus seiner Kehle. Er schöpft lies er die Axt sinken und blickte grimmig auf seinen Widersacher.

‚Entweder du oder mein Bein!‘ flüsterte er heiser, rutschte ein Wenig auf die Seite und hob die Axt. Er wählte den Baum und schlug ein ganzen Stück oberhalb weiter auf den Stamm ein. Das machte er so lange, bis seine Kräfte ihn endgültig verlassen wollten. Seine Arme zitterten und neben seinem Bein, konnte er auch seine Finger nicht mehr spüren. Er war mehr als verzweifelt. Dann wird es doch sein Bein sein. Es musste sein Bein sein. Noch konnte er zu seiner Hütte kriechen. Er zog den Gürtel noch enger um seinen Oberschenkel und machte sich bereit, sich von seinem Bein zu trennen. Er hob wieder die Axt und zauderte. Plötzlich hörte er Geräusche hinter sich.

Fortsetzung folgt in: Bein durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 3

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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