Die Höhle des Verderbens schlägt zurück…

Die Höhle des Verderbens schlägt zurück…

Fortsetzung von… und von…
blobRenk wurde von den Füßen gerissen, als der Schleim ihn überholte. Er fiel auf den Zwerg Lunte, der nun gar nicht mehr so klein war. Seine Klamotten hingen ihm in Fetzen vom Leib und als auch ihn der Schleim erfasste, schrie er und presste gleichzeitig krampfhaft den Mund zu. Das Geräusch, dass ihm dabei entwich, hörte sich an wie das Quietschen eines 12jährigen Mädchens mit blonden Zöpfen an. Geistig war Renk noch bei den blonden Zöpfen des 12jährigen Mädchen, dass in seinem Kopf über eine wunderschöne Blumenwiese lief und als er tatsächlich die Blumen roch, krachten er und der Zwerg mit samt dem ganzen Schleim gegen die Rückwand des Regals. Der Schleim riss das Regal fort und Helmhalf Eisenspat und Renk schwappten aus dem Gang, wie ein Paar Bröckchen in einem Schwall Erbrochenen. Und genauso roch es auch. Durch den beißenden Luftzug der mit dem Schleimschwall in die Wohnhöhle drang, gingen sämtliche Fackeln aus. Nur noch eine kleine, gläserne Berglampe brannte noch. Lunz riss der Schleimschwall fast von den Füßen, er konnte sich aber gerade noch an der Winde festhalten.
‚Stulle komm schnell da raus, wir müssen weg hier! Schnell!‚ rief Lunz, kam zu den beiden Eingeschleimten herüber gelaufen und half Renk auf die Beine. Helmhalf Eisenspat watete bereits zu seiner Bettstatt und packte in Windeseile seinen Rucksack. Mit dem nun viel zu kleinen Rucksack in der Hand lief er voraus in den rechten Gang.
‚Jeder packt sich einen Beutel, oder Zwei! Wir haben den Schatz schon gefunden.‘ meinte Lunz und Helmhalf blickte zu Boden. Der rechte Gang füllte sich schon mit Schleim und doch sah der Zwerg die riesigen Beutel gefüllt mit seinen Schätzen. Ein breites Grinsen wanderte über sein Gesicht, währenddessen der Schleim bereits gegen seine Waden schwappte. Seltsam schillernde Pilzgewächse schwammen an ihm vorbei und nickten ihm obszön zu.

‚Wir sollten uns sputen, bevor wir hier in dem Auswurf noch ersticken.‘ meinte Helmhalf gehetzt und packte sich zwei der Säcke. Und die obszönen Pilzgewächse schwammen in ihre Freiheit.
‚Stulle, beweg dich, aber schnell!‘ rief Lunz und Renk gleichzeitig, packten sich auch jeweils zwei Säcke und liefen dem Zwerg hinter her in den dunklen Gang hinein.
Sie konnten Stulle noch hören, wie er sich durch den kleinen Gang zwängte und dabei erstickt rief: ‚Was stinkt hier so? Und warum hab ihr das Licht ausgemacht?‘
Als sie zurückblickten, konnten sie noch einen kurzen Moment einen Fackelschein erkennen und dann bracht die Hölle los. Das Gestanksgas fing Feuer und mit einem gewaltigen Schlag erbebte die Erde unter ihren Füßen. Der Zwerg duckte sich blitzschnell hinter einen Felsvorsprung, bedeckte seinen Bart mit beiden Händen und rief so laut er konnte: ‚Es brennt ihm Stollen! Es brennt im Stollen!‘
Eine Feuerwalze fegte über sie hinweg und Renk und Lenz flogen sozusagen durch den Stollen, mit samt allem Schleims.
Renk wurde erst wieder wach, als Lenz ihn anschrie und schlug zugleich: ‚Ich glaub du brennst.‘ Und er begann ihn auf den Boden zu wälzen.
Renk roch verbranntes Haar und blickte bei der nächsten Drehung auf und rief: ‚Du auch mein Freund, du auch!‘
Schließlich wälzten sich Beide im Schleim, bis sie erschrocken inne hielten. Aus dem Stollen floss unentwegt der eitrige Schleim, der stellenweise brannte. Und das was sie so erschreckt hatte, war das schlürfende Geräusch, dass aus dem Stollen auf sie zu kam.
Es kam ein riesiger Schatten auf sie zu. Er wurde größer und größer, bis dann der völlig verkohlte und verdreckte Zwerg Helmhalf Eisenspat vor Schleim triefend aus dem Stollen taumelte. Das Einzige, was an ihm noch intakt zu sein schien, war sein Bart.
Der Zwerg faselte lauter als es nötig gewesen wäre: ‚Es brennt im Stollen. Es brennt im Stollen!‘
Lunz und Renk rappelten sich auf und krochen mehr, als dass sie gingen, auf den Zwerg zu.
‚Helmhalf, geht es Euch gut?‘ rief Renk und zog sich am Felsen hoch, um dem Zwerg auf die Schulter zu klopfen und fuhr dann feierlich fort: ‚Es freut mich, Euch in eurer wahren Gestalt und wohl auf erblicken zu dürfen.‘
‚Ja, es ist wunderschön hier draußen.‘ meinte der Zwerg und blickte an ihnen vorbei über die Baumwipfel hinweg, der Sonne entgegen. Er lief einfach an ihnen vorbei und begann zu stammeln: ‚Ist das die Sonne? Ist das die Sonne, wie sehr habe ich gebetet, noch einmal die Sonne wieder sehen zu dürfen.‘
Er griff sich ans Herz und ging in die Knie. Renk lief ihm hinterher, zog eine Lederflasche von seinem Gürtel, schüttelte den Schleim herab und reichte dem Zwerg die Flasche. Als Helmhalf aber nicht darauf reagierte, öffnete Renk die Flasche und flößte ihm den Inhalt ein.
‚Das hier hebt den Mann aufs Pferd und die Frau unter’d Erd!‘ rief Renk und trank selbst davon. Beide zogen die Luft zwischen ihren Zähnen ein, schluckten schwer, rülpsten und schlugen sich dabei gegen die Brust.
‚Ich will eure Zweisamkeit ja nicht stören, aber wo ist Stulle!‘ rief Lunz und machte Anstalten wieder in den Stollen gehen zu wollen. Mit einem letzten Schwall Schleim und gefolgt von einem Rumpeln, dass wieder den Boden unter ihren Füßen erzittern lies, kullerten nur noch Steine aus dem Stollen.
‚Stulle ist noch da drin!‘ rief Lunz und fing an zu graben. Hastig schob er einen Stein nach dem Anderen aus dem Stolleneingang. ‚Los, steht nicht so dumm rum und helft mir lieber.‘
Sie arbeiteten wie verrückt daran, den Stollen von den Steinen zu befreien, aber es schien aussichtslos. Renk liefen die Tränen aus dem Auge, im seinem tiefsten Innersten wusste er, dass sein Freund Stulle Tod sein musste. Er hielt Lunz davon ab, weiter zu machen.
‚Hör auf Mann, es ist aussichtslos!‘ schluchzte er und Lunz fiel erschöpft in seine Arme und fing herzzerreißend an zu schluchzen. Selbst der Zwerg zerdrückte eine Träne und klopfte den beiden Mannen väterlich auf die Schulter.
Plötzlich erschall eine Stimme aus dem Berg. ‚Ihr weint doch nicht etwa!‘
Erschrocken blickten die Drei auf den Fels. Stulle stand in schwindelerregender Höhe mitten im Fels und grinste sie saublöd an.
‚Köpfe weg!‘ rief er und warf einen Sack nach dem Anderen aus der Felsspalte.
‚Das andere Ende der Schatzkammer endet genau hier.‘ rief Stulle aufgeregt.
‚Wie konntest du der Flammenhölle entkommen?‘ rief der Zwerg.
‚Der Schleim hat mich gerettet!‘ rief er und grinste breit. ‚Da war die Unaussprechliche doch noch zu was nützlich!‘
Dem war ausnahmsweise mal nichts hinzuzufügen.

Ende. Vielleicht.

Advertisements
Published in: on 6. März 2013 at 17:46  Comments (1)  
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

The URI to TrackBack this entry is: https://callabutterfly.wordpress.com/2013/03/06/die-hohle-des-verderbens-schlagt-zuruck/trackback/

RSS feed for comments on this post.

One CommentHinterlasse einen Kommentar


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: