Glas voll Schlonze

Glas voll Schlonze

schlonzeSitzt eine Frau an der Bar und neben ihr steht ein Glas voll Schlonze. Vielmehr eine Flasche voll grüner Schlonze. Der Barkeeper wundert sich gehörig über seinen neuen Gast und über die Flasche. Bei näherer Betrachtung waberte die Schlonze in der Flasche schon bei kleinsten Erschütterung und schillerte in allen unerdenklichen Farben. Während er wie wahnsinnig auf die Schlonze starrte, hatte er das Gefühl, dass diese farbenfrohe Masse ihm obszön zunickte. Sofern Schlonze des Nickens überhaupt fähig war, aber diese Schlonze tat es tatsächlich.

Wie ferngesteuert packt er sein Handy und googelt Schlonze. 5580 Treffer aber keine nennenswerte Erklärung dafür, dass eine Frau mit einem Glas voll Schlonze in eine Bar kommt. Er googelt Glas voll Schlonze und stößt unweigerlich auf ein Remix von: ‚Ich hab ein Glas voll Dreck!‘, dass aber nur halb so gut ist, wie: ‚Take the Hobbits to Isengard!‘

Mit einem gewaltigen Ohrwurm bewaffnet geht er weiter seiner Arbeit nach.

Als ihr Getränk leer war, beschloss er sie einfach danach zu fragen:

‚Schöne Frau, wollen Sie mir nicht ihren Freund vorstellen?‘

Die Frau machte eine vorstellende Geste vom Glas voll Schlonze zum Barkeeper und wieder zurück zur Schlonze und meinte fast beiläufig: ‚Schlonze – Barkeeper, Barkeeper – Schlonze!‘

Er zog einen imaginären Hut und meinte: ‚Sie können mich Rutger nennen, wenn Sie wollen!‘ Er machte eine abschätzende Pause und fragte dann ganz unverblühmt: ‚Hr. Schlonze, macht es Ihnen etwas aus, wenn ich der Dame an Ihrer Seite einen Drink ausgebe?‘

Die Frau meinte lässig: ‚Die Schlonze ist taubstumm!‘

Er gestikulierte in einer ihm eigenen Gebärdensprache, die man wahrscheinlich auf der Barkeeperschule lernt, um mit Betrunkenen besser kommunizieren zu können.

Die Frau meinte abschließen: ‚Die Schlonze hat keine Arme und Beine, um antworten zu können!‘

Er massierte seine Schläfe, konzentrierte sich auf die Schlonze und tat so als ob er telepathischen Kontakt mit der Schlonze aufnehmen könnte. Dann lief er los und wenig später stellte er ihr einen Absinth Sprite hin und sprach mit fester Stimme: ‚Die Schlonze möchte, dass der Drink farblich zur Schlonze passt.‘

Ihr huschte fast ein Lächeln über ihre Lippen. Der Barkeeper lächelte sie zuckersüß an und ging dann wieder seiner Arbeit nach. Später ertappte sie ihn dabei, wie er wieder versuchte telepathischen Kontakt mit der Schlonze aufzunehmen.

Später legte er ihr einen Block und einen Kugelschreiber hin und meinte: ‚Die Schlonze möchte, dass Sie mir Ihre Telefonnummer geben!‘

Sie nahm den Kugelschreiber in die Hand und meinte: ‚Ja, wenn die Schlonze das will!‘

Liebes Tagebuch Teil 8 – Lackschuhe

Liebes Tagebuch Teil 8 – Lackschuhe

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Bist du dir sicher, dass du so in die Kirche gehen willst. Wieso, ich bin doch augenscheinlich vollständig bekleidet? Heute ist die Beerdigung von Alfredo. Aber das ziemt sich nicht! Ach, Menno! Und woher krieg ich jetzt nur die Schnitzel zum Mitnehmen, wenn ich welche brauche. Meinst du nicht das der alte Mafiosi seinen Laden an Einen in der Familie vererbt hat. Deine Worte trösten mich nur ein Bisschen. Du trauerst echt um den alten Mann. Schluchz. Ich würde dich ja in den Arm nehmen, aber ich habe keine Arme und Beine. Ich weiß das echt zu schätzen. Und jetzt zieh dir wenigstens eins Höschen drunter. Woher…? Ich kann sehen, dass du kein Höschen anhast. Ich weiß was du letzten Sommer getan hast. Natürlich weiß ich was du letzten Sommer getan hast, es steht auf Seite 69! Woher weiß er nur immer, wenn ich ohne Höschen aus dem Haus gehe? Ich hasse es wenn du in der dritten Person von mir sprichst, wenn ich aufgeschlagen vor dir liege. Na gut, woher weißt du nur immer, wenn ich ohne Höschen aus dem Haus gehe? Schau mal nach unten! Idiot! Probieren wir es mal anders. Drück deine Hände an die Möpse und beuge dich etwas vor und blicke dann nach unten! Also für das, dass er keinen Schwanz hat, ist er eine ganz schöne Drecksau. Wird sie wohl gehorchen? Ist ja schon gut. Mache ich es so richtig? Ich liebe es wenn er so herrisch ist. Braves Mädchen, was sieht sie? Meine wunderschönen Lackschühchen. Und die haben nur 19.99 beim Deichmann gekostet und dem Verkäufer hab ich zum Dank Einen geblasen. Ja und weiter? Ich krieg jetzt immer Prozente wenn ich zum Deichmann gehe und ich werd immer ganz rallig, wenn mir der Geruch von Schuhgeschäft in die Nase schleicht. Was siehst du in deinen Lackschühchen? Huch! Ich zieh mir mal besser ein Höschen an, bevor ich in die Kirche gehe. Warum nicht gleich so? Ja, Mama.

(Ähnlichkeiten mit Personen aus dem realen Leben sind in einer fiktiven Geschichte gar unmöglich und somit reiner Zufall.)

Das Klagelied des Fuchses – Brief eines Freundes

Das Klagelied des Fuchses – Brief eines Freundes

arcticfoxBrian mein Freund, ich hoffe mein Brief erreicht dich schnell, denn ich habe düstere Nachrichten zu überbringen. Mein Dank gilt dir auf Lebenszeit, dass du uns unseren Sohn heim gebracht hast und alles sei vergessen, was früher war.

Ich beginne von dem Moment als du aufgebrochen warst. Wir brachten unseren Sohn ins Haus und wuschen ihn und bahrten ihn dann im Stall auf, damit sich alle, die ihn kannten, von ihm verabschieden konnten. Am Abend gingen wir selbst in den Stall und wollten zu unseren Ahnen beten, damit sie seinen Geist zu sich holten.

Meine Frau zündete einige Kräuter an und reinigte den Ort. Ich kniete bei dem Jungen, hielt seine Hand und strich ihm über sein schlohweißes Haar. Was muss er nur für einen Schrecken erlebt haben, dass seine Haare innerhalb der kurzen Zeit, die er auf Wanderschaft war, weiß geworden waren. Mein Herz vermag es sich gar nicht auszumalen, aber doch will ich es wissen.

Seine Hand war merkwürdig warm, gar nicht so wie sonst bei toten Körpern. Ich beugte mich über ihn und betrachtete ihn. Seine kalten bleichen Augen starrten mich düster an und ich war mir sehr sicher, dass sie geschlossen waren, als wir ihn gewaschen hatten. Der Schauder lief mir nicht nur einmal über den Rücken. Ich untersuchte den Körper meines Sohnes erneut und es lies mir den Atem gefrieren was ich da sah. Die Bisse, die von den Spinnen zu sein schienen, waren nun geschwollen, eitrig und schillerten in merkwürdigen Farben. Und trotz der Kräuter, die immer noch brannten, roch ich den Gestank von Tod und Verwesung. Und schlimmer noch als das.

Draußen konnte man wieder den Fuchs jaulen hören und meine Frau brach weinend zusammen. Ich legte die Hand meines Sohnes auf seine Brust zurück und erschrak, so als hätte mich ein Blitz getroffen. Etwas unter seiner Haut bewegte sich. Die eitrigen Bisse brachen auf und ich konnte etwas unter der schillernden Eitermasse sehen. Würgend schreckte ich zurück und brachte meine Frau aus dem Stall. Ich habe sie zu deiner Mutter geschickt. Sie war uns in den letzten Tagen eine große Hilfe. Und du wirst dir ja denken können, dass wir den Sperber von ihr haben, weil ich sonst nicht gewusst hätte, wie wir dich in der Wildnis erreicht hätten.

Als ich wieder in den Stall gehen wollte, kamen mir Unmengen kleiner Spinnen entgegen, die krabbelten über alles hinweg, was sich ihnen in den Weg stellten. Es kam nichts zu schaden, aber durch diese Flut der Spinnen war ich so abgelenkt, dass ich gar nicht bemerkt hatte, dass der Körper meines Sohnes verschwunden war.

Auf dem Tisch lag nur noch das Leintuch, mit dem wir seinen Körper bedeckt hatten und Überreste von Blut und Eiter. Ich scheuchte die Hunde auf und suchte ihn die ganze Nacht und einen weiteren Tag. Von Faran keine Spur. Und auch dieser Fuchs war verschwunden, der sich immer in der Nähe des Hofes aufgehalten hatte, seit dem Zeitpunkt, als du uns verlassen hast.

Alveradis spricht kein Wort mehr, sie summt nur immer ihr Lied und reagiert auf keinerlei Zuwendung unsererseits.

Ich hoffe inständig, du kannst dir ein Reim aus all dem machen und bitte halte Ausschau nach all den Merkwürdigkeiten, die in diesen Tagen durchs Land ziehen.

Komm gesund zurück. Mein Haus steht dir immer offen.

Dein Freund

Thôn

Ich erhielt den Brief als ich vom Grenzgebiet der Nebelwölfe wieder auf den Weg zurück Richtung  Vargranja war. Die letzten Tage standen mir nicht nur ins Gesicht geschrieben, nein mein Gaul begann zu lahmen und ich zog es vor zu Fuß weiter zu gehen und mein Pferd zu führen. Ich kam an eine Lichtung und da lief mir wieder dieser weiße Fuchs über den Weg und bevor ich mich versah, stand ich unter einem riesigen Vogelbeerbaum und musste unweigerlich an Faran denken und an den Brief, den ich seither in meiner Tasche aufbewahrte.

Mein Blick blieb an dem Stamm schier kleben, als meine Augen die Schriftzeichen erkannte. Bei allen Göttern, der Stammbaum. Ich viel auf die Knie und betete.

Der weiße Fuchs war verschwunden und ich untersuchte alles im Umkreis des Baumes. Ich drehe jeden Stein um, doch fand ich nur ein paar alte Spuren und eine kleine Feuerstelle unter dem Vogelbeerbaum, in deren Asche ich nichts weiter fand, als den schalen Geruch verbrannten Haares.  Ich beschloss meinem Pferd keine Pause zu gönnen und ritt wie der Wind nach Hause. Und bettelte meiner Mutter ein frisches Pferd ab und dann ritt ich zum Haus vom Thôn und Alveradis.

Das Haus lag im Dunkeln, als ich vom Pferd abstieg und fand Thôn in der Küche sitzend. Alveradis schlief bereits. Wir tauschten uns kurz aus und ich versprach ihm, bei nächster Gelegenheit nochmal an den Ort zu reiten, wo unsere Delegation auf Faran traf, bevor er starb.

Ich lies Thôn ein paar meiner Elixiere für Alveradis da und versprach ihm bald Nachricht zu schicken.

Brian, Sarolfs Sohn

Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen um Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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