Feuer, Tod und Leid über Grimgard

Feuer, Tod und Leid über Grimgard

LuchssIch war am Waldrand unterwegs, um Blumen für den Eponaschrein zu pflücken und da sah ich eine weiße Gestalt zwischen den Bäumen stehen. Ich erschrak, ging aber doch wie gebannt drauf zu. Im ersten Augenblick dachte ich, dass es Helena war. Mein Herz sprang mir fast bis zum Hals. Doch um so weiter mich die weiße Gestalt in den Wald führte, um so mulmiger wurde es mir.

Als ich das Heulen der Wölfe hörte, wurde mir gewahr, wie weit ich schon in den Wald vorgedrungen war. Im Schatten der Wolfsbuche sah ich die weiße Gestalt verschwinden. Und ein bedrohliches Knurren kam von allen Seiten. Die Wölfe.

Ich stolperte rückwärts und fiel über eine Wurzel. Beim Sturz muss ich auf einen Wolf gefallen sein, ich konnte ihn unter mir winseln hören. Er war wohl darüber mehr erstaunt, als ich, weil er mich nicht angriff. Ich bin eine wohl zu leichte Beute. Ein anderer Wolf witterte aber seine Chance und sprang mich an und krallte sich in mein Bein. Ich konnte ihm gerade noch meinen Ellbogen bis zum Anschlag in den Rachen stopfen, was für ein Glück. Er hätte mir wahrscheinlich den Arm abgebissen, wenn ich mich nicht mit meinem ganzen Gewicht in sein offenen Maul gestürzt hätte.

Trotz meiner Gegenwehr sah ich schon mein kurzes Leben an mir vorbei ziehen, als ich ein jämmerliches Jaulen vernahm, dass von der Wolfsbuche herrührte. Ein weißer Fuchs trat in den Mondschein, der durch eine Lücke im Blätterdach schien. Er heulte so herzzerreißend, dass mir auch zum Heulen zu mute war.

Die Wölfe wurden auf den weißen Fuchs aufmerksam und ließen seltsamer Weise von mir ab, ich kroch erst rücklings und dann lief ich im wahrsten Sinne des Wortes um mein Leben.

Der weiße Fuchs hatte in seiner Trauer mir das Leben gerettet. Ehe ich mich wieder versah, war ich durch den ganzen Wald zurück nach Grimgard gelaufen. Ich hörte aufgeregte Rufe und Schreie. Kampfeslärm und dann konnte ich den Rauch riechen. Es war ein riesiges Loch in der Palisade und dahinter brannte es wieder.

Ich hörte ein Knacken hinter mir und eine bleiche Hand packte mich. Ich fuhr schreiend herum und wehrte mich gegen den Angreifer. Ich blickte in ein verschrockenes Gesicht, das teilweise von einer Maske verdeckt war. Im Schein des Feuers funkelte die Maske kupfern. Er hatte einen Bogen in der Hand und legte fast schon genüsslich einen Pfeil auf.

Seine schneeweißen Haare standen ihm wild vom Kopf weg, seine bleichen Augen starrten mich wütend und als ich ihm eine pfefferte, flog er ein ganzes Stück und landete gegen einen Baum. Es muss ein Widukin sein! Ich riskierte nochmal einen Blick. Er hatte seine Maske verloren. Wütend rappelte er sich auf, packte seinen Bogen erneut, er fauchte mich noch wütender an und seine Augen waren nun alles andere als bleich. Seine Augen wurden gelb, ich fing wieder an zu schreien und lief so schnell mich meine Beine trugen auf die schützende Palisade zu. Pfeile pfiffen an meinem Kopf vorbei und blieben zitternd in dem Holz der Palisade stecken. Mit einem beherzten Sprung durch das Loch in der Palisade landete ich direkt auf Rundfried, der mich verwundert anstarrte.

‚Ich hab in die gelben Augen des Widukin-Jungen gesehen!‘ keuchte ich und blickte auf. Ich sah die Taverne in Flammen stehen.

Stolpernd versuchte ich mich aufzurappeln und humpelte Richtung Taverne. Die Grimgarder hatten einen Löschmopp organisiert. Sogar der Notker und seine Töchter halfen mit. Hatten wir doch auch alle bei der Bäckerei geholfen, als die brannte.

Wie von Sinnen lief ich in die Taverne. Ich stolperte über die Anschlagtafel, die jemand umgerissen hatte und viel quasi durch die Tür ins Innere der Taverne. Es stand alles in Flammen. Ich kroch hinüber zum Brief des Liebes-Fischers und riss den Rahmen von der Wand. Dann konnte ich nur noch den Rauch und das Feuer in meinen Lungen spüren und sackte auf den Boden zurück.

Irgend Einer rief: ‚Nein, Nurmi! Wir müssen hier raus, die Decke stürzt gleich ein!‘

Dann wurde ich gepackt, nach oben gezogen und mitgeschleift. Hinter mir konnte ich die Dachbalken krachen hören. Meine Sinne schwanden wieder und ich kam erst wieder zu mir, als die frische Luft draußen mich halb erschlug.

Mein Körper wurde festgehalten und an einen verschwitzten, starken Körper gedrückt. Mir schwanden wieder die Sinne.

‚Die Taverne ist zusammengebrochen!‘ hörte ich jemanden rufen. Erst jetzt wurde mir gewahr, dass ich den Rahmen mit dem Liebesbrief immer noch umklammerte. Und da kam mir der Geruch wieder in den Sinn, er war Ainar der mich gerettet hatte. Er hatte mich aus den Flammen gezogen und ins Freie gerettet. Und nun trug er mich mit seinen starken Armen zum Eponaschrein, wo meine Schwester ein notdürftiges Lazarett eingerichtet hatte.

Dort lies er mich in der Obhut meiner Schwester, die sich liebevoll um meine Wunden kümmerte. Auch Blitgard war mit den Kindern hier. Später kam Rindela und lies sich erschöpft neben mich auf den Boden fallen. In ihrer Tasche klimperte es und sie klammerte sich wie besessen an ihre Tasche.

‚Er hat mir noch die Kasse und die seine Unterlagen in die Hand gedrückt und mich rausgeschickt. Die Taverne ist eingestürzt und der Nurmi war noch drinnen. Wir konnten ihn nicht mehr rausholen.‘  flüsterte sie und starrte dabei in die Nacht hinein.

Die ganze Nacht lang versuchten die Bürger von Grimgard das Feuer zu löschen. Und jetzt wo meine Schwester diese Zeilen für mich niederschreibt, steigt immer noch der Qualm auf.

Diesmal ist es Rindelda ihr Klagelied, dass durch die Gassen Grimgards klang und jeder der noch einen Quäntchen Atem übrig hatte, stimmte ein. So haben wird in einer Nacht nicht nur unseren Wirt, sondern auch unser Heim und unsere Anstellung verloren. Oda und Andas wurden von den Angreifern verschleppt.

Aber wir haben unseren Glauben nicht verloren. Die Sonne geht auf über Grimgard. Und im Morgengrauen wurde ein Fohlen geboren. Epona schenkt uns seinen Segen. Obwohl es ein Weibchen ist, will Ainar sie Nurmi nennen.

Warum nicht, ich heiße doch auch

Börte

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker (http://www.rauriker.de) und dem Dorfspiel im und um den freien Handelsposten Grimgard. Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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