Schnee im Oktober – Teil 1

Schnee im Oktober – Teil 1

4408698Der Sturm trieb schwarze, schwere Wolken über den Nachthimmel. Eine junge Frau fuhr ihren Wagen langsam über die vom Regen nasse Straße. Die Bäume, die vereinzelnd am Straßenrand standen, überließen ihr Blätterkleid dem Wind. Der Regen prasselte unentwegt gegen die Scheiben des Wagens und obwohl der Scheibenwischer alles gab, was er konnte, war die Sicht mehr als schlecht.

Plötzlich stürzte ein riesiger Ast auf die Straße. Die junge Frau machte reflexartig eine Vollbremsung und kam ins Schleudern. Alles Gegenlenken half nichts. Der Wagen schoss über die Böschung, fuhr krachend durch einen Busch.

Die Fahrt wurde dadurch keineswegs verlangsamt. Das Gefährt rutschte über den schlammigen Untergrund direkt auf einen weiteren Baum zu. Der Versuch zu bremsen glitt ins Leere. Hastig versuchte sie runter zu schalten, der Motor heulte auf und sie zog mit beiden Händen die Handbremse. Der Wagen kam wieder ins Schleudern und rutschte nun seitlich auf den Baum zu. Ein niedrig stehender Ast stieß durch das Seitenfenster. Scherben flogen durchs Wageninnere. Sie konnte gerade noch ausweichen, bevor der Ast sie ernsthaft verletzen konnte. Völlig geschockt erstarrte sie und bemerkte gar nicht, dass der Wagen tatsächlich stehen geblieben war. Erst ein gewaltiger Blitz, der quer über den Himmel zuckte riss sie aus ihrer Starre, um im selben Moment wieder gedankenverloren aus dem Fenster zu starren, bis der Donner sie wieder aufschrecken lies. Sie muss wohl eine ganze Weile reglos im Wagen gesessen haben. Völlig verwirrt ihrem eigenen Herzschlag lauschend. Sie musste ihr Handy suchen. Es war in ihrer Handtasche. Doch sie starrte nur aus dem Fenster. Schneite es etwa? Im Oktober?

Der Regen war in Schnee übergegangen. Und durch das zerbrochene Fenster drang schlagartig die Kälte zu ihr herein. Es schneite genauso heftig, wie es vorher geregnet hatte. Und durch den plötzlichen Kälteeinbruch blieb der Schnee auf dem nassen Untergrund sofort liegen.

Beim Versuch nach ihrer Handtasche zu greifen, hätte sie sich beinahe selbst mit dem Ast aufgespießt. Hastig öffnete sie die Tür und wollte aus dem Wagen springen, doch der Gurt hielt ihr plötzliches Manöver mit einem Ruck auf. Resigniert setzte sie sich wieder gerade auf den Sitz, öffnete mit zitternden Fingern den Gurt und stieg dann langsam aus.

Endlich wieder festen Boden unter den Füßen und sie bemerkte erst jetzt wie zittrig sie auf den Beinen war. Sie musste sich am Türrahmen festhalten, blickte nach drinnen und machte einen weiteren Vorstoß nach ihrer Handtasche. Als sie sie endlich in Händen hielt, war sie leer. Der gesamte Inhalt war im Fußraum der Beifahrerseite verstreut. Sie kroch am Ast vorbei halb unter den Sitz und angelte alles Mögliche zu Tage, nur nicht ihr Handy. Verdammt. Sie musste Hilfe holen.

Als sie mit dem Hintern voran wieder aus dem Wagen kroch, stieß sie gegen Etwas oder Jemanden. Auf jeden Fall war es nicht ihre Fahrertür. Vor Schreck bleib ihr ein Schrei im Halse stecken und sie rutschte mehr als dass sie fiel aus dem Wagen in den Matsch.

Ihre Sinne waren wohl eine Weile auf Wanderschaft gegangen, weil sie erst wieder zu sich kam, als sie jemand auf die Wange tätschelte.

‚Verzeihung die Dame, ich wollt eana bestimmt net erschrecken!‘ Die tiefe, aber freundliche Stimme, die an ihr Ohr drang, gehörte wohl zu den warmen Händen, die sie gerade wieder zur Besinnung gebracht hatten. Unsicher öffnete sie die Augen und blickte von unten auf eine riesige Hand, die ihr hingehalten würde.

‚Ich heiße nicht Erna!‘ stammelte sie verwirrt. Erst jetzt wurde ihr klar, dass sie im Matsch saß und dass sich um sie herum der Schnee bereits aufhäufte. Der Schnee kam quer daher und es schien grad so, als hätte sie ihr Auto in einer riesigen Schneewehe geparkt. Sie fror wie ein junger Hund und vor ihr stand ein Mann in schwarzen Klamotten. Einen schwarzen Hut hatte er sich in sein Gesicht gezogen und auf der Krempe hatte sich schon eine beachtliche Schneeschicht gebildet. Genau so fangen Horrorfilme an…

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