Vor der Tür

Vor der Tür

paranoia1Spät abends, kam eine Frau erschöpft nach Hause. Sie war ganz in Gedanken versunken und grübelte, als sie von ihrem Wagen über den Hof ging. Sie trug sieben Sachen: ihre offene Handtasche, eine McDonalds Tüte, eine Papiertüre vom DM, einen Thermobecher, einen Getränkebecher vom McDonalds, eine Flasche Wasser und ein Paket Klopapier. Lieber sich einen Bruch heben und in Kauf nehmen, dass was runter fliegt, als zweimal gehen zu müssen. Sie grübelte immer noch, als sie ums Haus lief.

Das Licht ging an, sich konnte gerade noch einen Schatten erkennen, der sich plötzlich auf sie zu bewegte. Sie erschrak, schrie, riss die Arme hoch und lies gleichzeitig die Getränkebehälter fallen. Das Klopapierpaket glitt zu Boden und die Flasche Wasser kullerte über den Boden. Der Inhalt ihrer Handtasche explodierte schier heraus und verteilte sich im Umkreis von zwei Metern um sie herum. Der Inhalt der Getränkebecher explodierte ebenfalls, als sie am Boden auftrafen und duschten sie mit Sprite und Kräutertee.

Jemand trat ins Licht. Dieser Jemand hatte einen kleinen Blumenstrauß in der Hand, der schon ein wenig welk aussah. Er stammelte: ‚Sorry, ich wollt dich nicht…!‘

Sie stand immer noch stocksteif da, schnappte hilflos nach Luft und starrte fassungslos auf den jungen Mann, der nervös vor ihr stand und von einem Bein aufs andere trat und nicht recht wusste, wie er die Situation retten sollte.

Die Papiertüre vom DM gab nach und der Inhalt rauschte auf den Boden. Sie fing an zu zittern und ging langsam in die Knie. Bei dem Versuch sich ans Herz zu fassen, lies sie auch noch die McDonaldstüre fallen und zwei Cheeseburger purzelten heraus.

Er stand noch eine Weile wie erstarrt vor ihr. Sie rang nach Luft.

Endlich begriff er, dass sie wirklich Atemnot zu haben schien. Er stürzte zu ihr auf den Boden.

‚Hey, Hey, ganz ruhig. Ich bins doch nur.‘ rief er erschrocken.

Sie schnappte weiter nach Luft.

‚Ich wollte dir eine Freude machen.‘

Sie zog schwerfällig die Luft durch die Zähne ein und meinte nur: ‚Sag mal, bestalkst du mich? Kannst du nicht vorher anrufen?‘

‚Mein Handy ist kaputt, ich dachte ich könnte dich überraschen?‘

‚Schau dir den Mist doch an, das ist dir ja auch wirklich gelungen!‘

‚Sorry!‘ meinte er kleinlaut und hielt ihr die Blumen und einen der Cheeseburger hin.

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Das ist nicht die Bine, die du suchst… Teil 33 – Schmerzen zwischen den Ohren

Das ist nicht die Bine, die du suchst… Teil 33 – Schmerzen zwischen den Ohren

1236737_10200480857970617_45803551_nEs gibt so Tage, da sollte Frau einfach mal zuhause bleiben und sich die Decke über den Kopf ziehen. Oder mit der Sonnenbrille auf dem Kopf weiter Fernsehschauen. Meine Migräne kommt und geht wann sie will. Ich schreibe auch, wenn ich Kopfschmerzen habe, das macht die Texte nicht besser, aber wahnsinniger und paranoider. Egal. Warum ich manchmal doch aufstehe und doch meine Pflicht tue, weiß ich selber nicht. Aber zuhause vor sich hin siechen ist auch doof. Manchmal muss ich auch mit der Sonnenbrille auf der Nase aus dem Haus flüchten, auch wenn ich eigentlich sterbenskrank bin, weil meine Nachbarn sich anscheinend gegen mich verschworen haben. Ja, sie wirtschaften wieder rum. Unter der Woche ab 7 Uhr und am Wochenende ab 9 Uhr, nicht dass ich irgendwann mal ausschlafen wollen würde. Ich schlafe schon im Aufzug ein, wenn ich im Begriff bin Feierabend zu machen. Und wenn es dann mal still ist, dann höre ich ein Pfeifen. Nein, es ist nicht mein Tinitus. Nein, die Heizung in der Arbeit pfeift. Nein, ich bin nicht wahnsinnig, aber ich werde es bestimmt noch, wenn die nicht bald mit den Umbauarbeiten fertig sind. Grrr.

P.S.: Lieber gehörnter Hirschgott, ich wünsche mir einen ruhigen, warmen Raum mit Steckdose und Internetanschluss und einen neuen Computer, damit ich in Ruhe schreiben kann.

Das ist nicht die Bine, die du suchst… Teil 32 – WD-40 und Tape

Das ist nicht die Bine, die du suchst… Teil 32 –  WD-40 und Tape

savetapeLieber Gott, was würd ich tun, wenn es kein WD-40 und kein Tape gäbe. Ich wäre völlig aufgeschmissen und müsste mir wegen jedem Scheiß einen Handwerker kommen lassen, oder wäre schon längst allein aus dem Zwang heraus mit Einem verheiratet, weil ich die Rechnungen für den Handwerker nicht mehr bezahlen hätte können.

Vielen Dank, dass es euch gibt, ich liebe euch. Ich gebt mir Freiheit. Ich kann nicht mal Lügen ohne rot zu werden, ich gebe es ja zu. Der Geruch von WD-40 macht mich schon ein Bisschen geil. Ist vielleicht auch ein Grund warum ich unglaublich auf Rüstungen stehe, weil sie meistens mit WD-40 eingesprüht sind. Oder mit Ballistol-Öl. RRR! Außerdem hilft Ballistol nicht nur den Herren (und mir) bei der Waffen und Rüstungspflege, sondern auch dem Hund gegen Zecken und so manch andere Ungeziefer. Und bestimmt hilft es auch gegen so manche Krankheit, es hat halt nur noch keiner ausprobiert. Was das Ganze mit dem Tape zu tun hat… Tape hält meine Welt zusammen! Danke, dass es euch gibt.

Das ist nicht die Bine, die du suchst… Teil 31 – Das Ei des Kolumbus

Das ist nicht die Bine, die du suchst… Teil 31 – Das Ei des Kolumbus

eiAlso, man würde eher noch das Ei des Kolumbus finden, als mir das Kaffee- und Eierkochen beibringen. Da wären wir wieder bei der Rubrik: Ich suche einen Mann, der mir weichgekochte Eier zum Frühstück macht. Verdammt, ich werde bald 36 und kann halt immer noch keine Eier kochen. Und keinen Kaffee. Obwohl Letzteres mich nicht wirklich stört, ich trinke keinen Kaffee. Aber die weichgekochten Eier vermisse ich schon ganz schön… Aber bei manchen Dingen ist halt einfach Hopfen und Malz verloren.

Ich suchte einen Mann… Teil 74 – Der mir einfach nur ein Gurkenglas aufmacht

Ich suchte einen Mann… Teil 74 – Der mir einfach nur ein Gurkenglas aufmacht

gurke1Manchmal gibt es Tage, da könnte ich schon heulen, weil ich vor einem vollen Gurkenglas sitze und es nicht aufbringe und dann wird mir bewusst, dass eine Frau doch nicht ohne einen Mann auskommen kann. Und wenn es nur dafür ist, ein Glas Gurken aufzuschrauben. Es klingt ziemlich banal und profan, aber sind es denn nicht die Kleinigkeiten im Leben, die das Leben so lebenswert machen. Jemand haben, der einem einfach mal das Gurkenglas öffnet, weil man es selber nicht kann, ist unbezahlbar. Sich bei dem Versuch es trotzdem zu öffnen, eine volle Ladung Gurkenwasser über den Schoss und das halbe Bett schüttet, weil man alles besser kann und niemand braucht…aber auf Essiggurken verzichten, bis endlich der Traummann vor der Tür steht, soweit kommt es noch!

P.S. Nein und ich bin nicht schwanger!

Anmerkung: rien ne va plus – nichts geht mehr – ‘Ich suche einen Mann’ wird zu ‘Ich suchte einen Mann’

Dies ist keine Bekanntschaftsanzeige, gehe nicht über Los und ziehe nicht 2000 Euro ein. Dies sind nicht die Droiden, die ihr sucht. Fortsetzungen folgen vielleicht nicht. Neue Rubrik auf diesem Blog: Das ist nicht die Bine, die du glaubst zu kennen.

Angeschossen wie ein wildes Tier…

Angeschossen wie ein wildes Tier…

IMG_04246Angeschossen, wie ein wildes Tier im Wald zurück gelassen, lag es da im eigenen Blut und doch fast im Dreck versunken. Das Herz lag daneben und schlug unaufhörlich weiter, so schien es. Nein, es hatte nicht nur den Anschein, es schlug noch. Es war still im Wald, fast zu still. So still, dass er seine Gedanken schier hören könnte. Nur der Herzschlag drang noch an sein Ohr. Mühsam, aber es schlug doch unaufhörlich weiter. Ihn traf keine Schuld, er hatte das seltsame Wesen nicht erlegt, es war bereits angeschlagen, als er die Verfolgung aufgenommen hatte. Doch hat er es durch den Wald gehetzt, er wollte es ja nur erlösen. Vielleicht wollte es gar nicht erlöst werden, aber er hatte es getan. In der Hast war es dann gestützt und nun lag es da. Regungslos. Nur das Herz schlug ruhelos weiter. Und das Schlagen des Herzens rumorte in seinen Ohren. Aber das kann nicht sein, müsste es nicht lang tot sein. Das ist unnatürlich, dass etwas so lange überlebt, außerhalb des schützenden Körpers. Der Wind hörte auf zu Wehen und er konnte keinen einzigen Laut mehr hören. Nur das Schlagen des Herzens des unbekannten Wesens.

Die Ordnung muss aus den Fugen geraten sein. Irgendwas stimmte ganz und gar nicht. Er kniete sich hin und nahm es auf, um es genauer in Augenschein zu nehmen. Das Herz pumpte unaufhörlich Blut aus dem Inneren heraus, so dass das zähe Blut von seiner Hand ran, ehe er es wieder auf den Boden legen konnte. Es hatte sich seltsam angefühlt, ein halbes Pfund pures Leben in Händen zu halten und doch blickte ihm bereits der Tod über die Schulter. Er konnte für einen Moment seinen Atem sehen und dann war es vorbei. Mit dem letzten Schlag des Herzens, kam das Pfeifen der Vögel zurück. Der Wind blies ihm durchs Haar und es fröstelte ihn. Das Tier versank nun gänzlich im Schlamm und vom Herzen waren nur noch blutige Schlieren zurück geblieben, die sich auf der Oberfläche des Matsches gebildet hatten.

So kniete er noch einen langen Moment im Schlamm und blickte auf die blutigen Schlieren. Das Tier würde nicht mehr auftauchen und doch hielt er Wacht. Er wich erst zurück, als es ihm gewahr wurde, dass er selbst im Schlamm zu versinken drohte. Nun konnte er sein eigenes Herz hören, wie es laut in seiner Brust schlug. So laut, dass er das Gefühl hatte, es würde ihm gleich aus der eigenen Brust springen, weil es sich Luft machen musste. So schnell auch sein Herz schlug, so langsam arbeitete er sich vor und aus dem Schlamm heraus. Er wollte nicht versinken. Doch steckte er schon bis zur Hüfte im Dreck, als er endlich einen Ast eines nahestehenden Baumes ergreifen konnte. Wenig später hatte er sich befreit. Keuchend blieb er neben dem Schlammloch liegen, er war dem Tod wohl gerade noch von der Schippe gesprungen.

An diesem Morgen konnte man den Jägersmann beobachten, wie er völlig verdreckt, zu der kleine Kapelle hinaufstieg. Später brannten dort dann zwei Kerzen, bis der Wind dann eine zum Erlöschen brachte.

Gib mir mein Herz zurück…

555083_4553967653886_1525295369_nGib mir mein Herz zurück…

Verdammt, gib mir mein Herz zurück!

Und nimm die Schmetterlinge mit, damit ich endlich schlafen kann…

Dichtung aus dem Narren irrer Federkunst

Vergebene Liebesmüh

Vergebene Liebesmüh

endeEine junge Frau eilte die Straße entlang. Sie lief an einem alten Mann vorbei, der am Straßenrand stand. Die Gestalt des alten Mannes war so merkwürdig, so dass sie sich nochmal zu ihm umdrehen musste und dabei beinahe gestolpert wäre.

Der alte Mann hatte ein schmutziges und zerschlissenes Unterhemd an und eine ausgebeulte Jogginghose, die viel zu kurz war. Außerdem trug er Badeschlappen und Tennissocken mit so großen Löchern, dass sie seinen widerlichen großen Zeh sehen konnte. Aber das Seltsamste an diesem Mann war, dass er völlig unbeeindruckt ein Ohrputzstäbchen im Ohr stecken hatte und die andere Seite das Ohrputzstäbchens war, der Farbe nach zu urteilen bereits ausreichend benutzt worden.

Die Frau lief kopfschüttelnd weiter, weil sie es sehr eilig hatte. In der Hand trug sie einen Stoffbeutel mit der Aufschrift: ‚Plastik nein Danke! Der Umwelt zu liebe!‘

Sie hatte sich für den Dienst beim Infostand des hiesigen Tierschutzvereins eingeschrieben und wäre doch beinahe zu spät gekommen.

Sie sammelten Spenden für das neue Katzenhaus und sie hatte nun den ganzen Nachmittag vor sich, um die Anwohner hier zu bequatschen doch für den Tierschutzverein zu spenden, oder vielleicht sogar Mitglied zu werden.

Irgendwann fiel ihr ein Mann auf, der sie schon eine ganze Weile anstarrte und der dem alten Mann von vorhin zum Verwechseln ähnlich sah. Nur dass dieser Mann nicht ganz so alt zu sein schien und einigermaßen gut gekleidet war. Und nach dem er kein Wattestäbchen in sein Ohr gesteckt hatte, hielt sie ihn anfangs noch für völlig normal.

Da er sie allerdings schon seit geschlagenen 15 Minuten beobachtete, ohne näher zu kommen, aber da ansonsten keine weiteren Interessenten in der Nähe waren, sprach sie ihn doch an.

‚Schönen Tag auch!‘ trällerte sie ihm lächelnd entgegen.

Er nickte nur und ansonsten war in seinem Gesicht keinerlei Regung auszumachen.

‚Wollen Sie nicht für unser neues Katzenhaus spenden?‘ fragte sie direkt heraus, um es bald hinter sich zu haben.

‚Da unten am Ende der Straße wohnt so eine verrückte Alte, die hat auch Katzen.‘ meinte der Mann völlig emotionslos.

‚Ja, schön!‘ lächelte sie leicht verwirrt und wedelte mit den Spendenquittungen. ‚Und gewinnen kann man auch was!‘

‚Warum ’n Katzenhaus? Wenn da unten am Ende der Straße, doch schon ein Katzenhaus ist.‘ meinte der alte Mann und zeigte in die Richtung, wo anscheinend das Katzenhaus war und zischte ihr dann zu: ‚Da bei der verrückten Alten!‘

‚Der Tierschutzverein kümmert sich um artgerechte Haltung.‘

‚Das find ich gut!‘ meinte der Mann und kam nun doch näher und kramte in seiner Hosentasche. ‚Aber eine Frage hab ich noch?‘

‚Ja, fragen Sie!‘

‚Wenn Sie die Katzen artgerecht halten wollen, warum dann ein Haus für die Katzen?‘

‚Damit sie sich keine Parasiten holen und sie sich nicht unkontrolliert vermehren!‘

‚Das ist doch vergebene Liebesmüh, wenn sie doch eh verfüttert werden…?‘

‚Wie verfüttert!?‘

‚Ja, Sie verfüttern die Katzen doch, oder nicht?‘

‚Ähm, nein! Wie kommen Sie dazu, dass wie sie verfüttern?‘

‚Sie wollen sie doch artgerecht halten?‘

‚Ja, aber nicht als Futter!‘ rief die junge Frau schon leicht hysterisch.

‚Ist es nicht der Lauf der Natur, dass der Hund die Katze frisst?‘

‚Ja, aber Heut zu Tage doch nicht mehr!‘

‚Was hat das dann mit artgerecht zu tun?‘

‚Wir verfüttern keine Katzen an Hunde!‘

‚Nicht, dass die armen Hunde verhungern müssen!‘ meinte der Mann und warf 20 Euro in die Spendenbox. ‚Auch wenn es viel billiger wäre, wenn Sie die Katzen an die Hunde verfüttern würden. Da sparen Sie viel Geld.‘

‚Vielen Dank für die Spende, wenn die ihren Namen und ihre Adresse hier drauf schreiben, können Sie an der Verlosung teilnehmen.‘ meinte die Frau und schob ihm die Spendenquittung hin.

Der Mann drehte sich um und ging einfach. Sie konnte ihn nur noch murmeln hören. ‚Wäh, Katzen, die sind doch viel zu zäh. Die muss man doch mindestens 2 Wochen in Buttermilch einlegen, bevor man die kochen kann… Obwohl die Chinesen, die dünsten doch alles, damit es zart bleibt. Ja, dünsten…!‘ Dann war er zu weit weg.

Die junge Frau stand völlig bedröppelt da, starrte dem alten Mann nach und hatte nicht mal mehr die Kraft den Kopf zu schütteln.

Auf der anderen Straßenseite stand ein Mann mit einem Schild in der Hand auf dem Stand: ‚Das Ende der Welt ist nahe!‘ Er sah dem alten Mann verdächtig ähnlich, nur jünger.

Dazu da um zu zerbrechen…

Dazu da um zu zerbrechen…

4Ein Frau schaut mich verwirrt an. Ihr eines Auge zuckt irre. Die Augen liegen tief in ihren Höhlen und ich bin mir nicht sicher, ob sie nur schlecht geschminkt ist, oder ob die Augenringe schon fast bis zu den Wangen hinunter reichen. Beide Augen sind rot unterlaufen. Da ist wieder dieses Zucken im Auge und ich kann sehen, wie just in dem Moment eine Ader im Auge platzt und das Weiß ihres einen Auges sich langsam in blutiges599084_4468570759017_1900768554_n rot verfärbt. Ihre Pupillen sind so groß, dass man das Blau ihrer Augen kaum noch erkennen kann. Das Gesicht ist fahl und ich muss unweigerlich an Walking Dead denken und dass ich es selber nicht besser herschminken hätte können. Nur dass das was ich da vor mir hatte, die bittere Wahrheit war.

Sie verdreht verkrampft den Kopf. Irgendwie bekomme ich beim Anblick dieser Verrenkung schon einen Krampf im Nacken, der sich langsam bis zu meinem Hinterkopf ausbreitet. Nun blickt sie an mir vorbei ins Leere.

Ich sprech sie besorgt an, doch sie reagiert überhaupt nicht. Nur wieder dieses Zucken im Auge. Erinnert mich irgendwie an das Scrat, dass bei Ice Age immer hinter seiner Eichel her ist und sie doch nie erreichen kann. Und wenn es die Eichel endlich erwischt, stürzt es mit Sicherheit gleich gemeinsam mit der Eichel in den sicheren Tod. Ist irgendwie ganz schlimm romantisch. Die Frau hat Tränen in den Augen. Jetzt mach ich mir schon irgendwie Sorgen. Ich schrei laut: ‚Hallo!‘

Ich beuge mich weiter nach vorne, weil ich das Gefühl habe, ich könnte sie denn besser sehen können. Sag mal strickt sie da. Die strickt doch nicht. ‚Hallo!‘

Vielleicht ist sie ja taub. Ich versuche sie nochmal anzusprechen und doch mein Satz wird von einem dumpfen, tiefen Hupen unterbrochen. Sie scheint etwas zu brüllen, doch ich kann nur von ihren Lippen lesen, da ich nur ein dumpfes Wummern höre. Meine Ohren rauschen und von ihren Lippen purzeln die Wörter: ‚Fick dich du Arschloch!‘

Eine Erschütterung lässt mich herum purzeln und ich habe das Gefühl einen Moment mich rückwärts zu bewegen, ohne dass ich mich allerdings aktiv bewege. Dann stoppt die Bewegung abrupt und ich knalle gegen die Scheibe, die vor mir zu sein scheint. Meine Nase bricht, bevor das Glas brechen kann. Die Frau schaut mir direkt in die Augen und wischt mit dem Ärmel vor meinem Gesicht herum. Dann klopft sie gegen die Scheibe und redet mit mir. Das Glas bricht und ich kann sie endlich verstehen.

‚Es ist verfickt nochmal erst Montag. Scheiße noch eins, wie viel Pech kann ein Mensch haben? Was hab ich eigentlich verbrochen? Drecks Spiegel. Hättest du nicht erst am Freitag zerspringen können. Verfickter Scheißtag…!‘

Schnee im Oktober – Teil 4

Schnee im Oktober – Teil 4

nebelEr zog einen Flachmann aus seiner Jacke und drückte ihn ihr in die Hand. Sie packte ihre Taschenlampe weg, die sie bis jetzt in Händen gehalten hatte und nahm den Flachmann. Als sie daran nippte, hüstelte erstickt und gab den Flachmann seinem Besitzer zurück.

‚Zuerst wärmen wir uns auf. Dann sehen wir, was wir noch zu essen haben. Und dann werden wir uns es so gemütlich wie möglich machen, bis morgen in der Früh der Schneepflug kommt.‘ meinte er.

‚Das klingt doch nach einem Plan!‘ keuchte sie, zog ihr Handy aus der Handtasche und blickte kopfschüttelnd drauf. ‚Wenn man mal einen Notfall hat, dann bringen einen die Dinger hier auch nicht weiter.‘

‚Seit dem ich auf Wanderschaft bin, hab ich mein Handy kein einziges Mal vermisst.‘

‚Ich bin ziemlich beeindruckt von dem was Sie tun.‘

‚Du!‘

‚Ja, du!‘

‚Wollen wir mal sehen was der Heuboden zu bieten hat.‘ meinte er und kletterte behände die Leiter hinauf zum Heuboden.

Sie blieb etwas bedröppelt unten stehen und beobachtete ihn dabei, wie er mit seiner Taschenlampe im Mund auf dem Heuboden irgendwas zu suchen schien.

‚Mathilda, willst du nicht raufkommen?‘

‚Ja, ähm.‘ stammelte sie und kam näher an die Leiter heran. ‚Ich glaub ich bin noch ein Bisschen wackelig auf den Beinen.‘ Sie hatte immer noch ihre Handtasche an sich gedrückt. Sein Kopf tauchte an der Kante vom Heuboden auf und er blickte sie freundlich an. Es war das erste Mal, dass sie ihn länger als 5 Sekunden ohne Hut betrachten konnte. Er hatte lange Haare, die zu einem zerzausten Zopf gebunden waren. Die Farbe seiner Haare konnte sie bei dem schummrigen Licht gar nicht richtig erkennen. Während sie ihn verträumt anblickte, schwang er sich über die Kante auf die Leiter zurück und hielt ihr seine Pranke hin. Sie kam noch einen Schritt näher, klemmte mit zittrigen Fingern ihre Handtasche unter einen Arm, griff mit beiden Händen an die Leiter und stieg eine Sprosse nach der Anderen hinauf, bis sie ängstlich seine Hand ergreifen konnte.

In dem Moment als er ihre Hand packte, hatte sie auch keine Angst mehr zu fallen. Seine Hände waren immer noch warm. Ihre Gedanken waren just in dem Moment mal wieder auf Wanderschaft gegangen, als ihr auf dem Weg weiter nach oben schwindlig wurde und sie fast von der Leiter gestürzt wäre. Doch er hielt sie fest. Geschickt zog er sie die Leiter hoch und oben glitt sie fast besinnungslos in seine Arme.

‚War doch gar nicht so schwer, oder?‘ flüsterte er ihr zu und strich ihr wieder die Haare aus dem Gesicht. Sie blickte sich verlegen um und er löste sich von ihr, weil er ihre Befangenheit irgendwie spürte.

‚Willkommen in meinem Wohnzimmer. Ich hatte es mir hier schon fast gemütlich gemacht…aber die Sucht!‘

Auf dem Stroh lagen mehrere Bündel, ein Schlafsack und sein Wanderstab. Er hatte seine Taschenlampe über seinen Sachen aufgehängt und das Licht wackelte immer noch hin und her.

‚Setz dich doch!‘ rief er und machte eine einladende Handbewegung.

Sie setzte sich und blickte ihn verstohlen an, als er seine Jacke auszog. Nur in Hemd und Weste machte er noch eine bessere Figur, so dass sie ihre Augen überhaupt nicht mehr von ihm trennen konnte. Er packte den Schlafsack und legte ihn über ihre Schultern.

‚Ey, die Jacke ist ja pitschnass. Willst du sie nicht ausziehen.‘ meinte er ruhig.

‚Ja schon!‘ flüsterte sie. Endlich lies sie die Tasche sinken und zog langsam die Jacke aus. Er wickelte erneut den Schlafsack um ihre Schultern und nahm die Jacke an sich, um sie mit der nassen Seite ins Stroh zu legen.

Fortsetzung folgt… vielleicht!

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