Schnee im Oktober – Teil 4

Schnee im Oktober – Teil 4

nebelEr zog einen Flachmann aus seiner Jacke und drückte ihn ihr in die Hand. Sie packte ihre Taschenlampe weg, die sie bis jetzt in Händen gehalten hatte und nahm den Flachmann. Als sie daran nippte, hüstelte erstickt und gab den Flachmann seinem Besitzer zurück.

‚Zuerst wärmen wir uns auf. Dann sehen wir, was wir noch zu essen haben. Und dann werden wir uns es so gemütlich wie möglich machen, bis morgen in der Früh der Schneepflug kommt.‘ meinte er.

‚Das klingt doch nach einem Plan!‘ keuchte sie, zog ihr Handy aus der Handtasche und blickte kopfschüttelnd drauf. ‚Wenn man mal einen Notfall hat, dann bringen einen die Dinger hier auch nicht weiter.‘

‚Seit dem ich auf Wanderschaft bin, hab ich mein Handy kein einziges Mal vermisst.‘

‚Ich bin ziemlich beeindruckt von dem was Sie tun.‘

‚Du!‘

‚Ja, du!‘

‚Wollen wir mal sehen was der Heuboden zu bieten hat.‘ meinte er und kletterte behände die Leiter hinauf zum Heuboden.

Sie blieb etwas bedröppelt unten stehen und beobachtete ihn dabei, wie er mit seiner Taschenlampe im Mund auf dem Heuboden irgendwas zu suchen schien.

‚Mathilda, willst du nicht raufkommen?‘

‚Ja, ähm.‘ stammelte sie und kam näher an die Leiter heran. ‚Ich glaub ich bin noch ein Bisschen wackelig auf den Beinen.‘ Sie hatte immer noch ihre Handtasche an sich gedrückt. Sein Kopf tauchte an der Kante vom Heuboden auf und er blickte sie freundlich an. Es war das erste Mal, dass sie ihn länger als 5 Sekunden ohne Hut betrachten konnte. Er hatte lange Haare, die zu einem zerzausten Zopf gebunden waren. Die Farbe seiner Haare konnte sie bei dem schummrigen Licht gar nicht richtig erkennen. Während sie ihn verträumt anblickte, schwang er sich über die Kante auf die Leiter zurück und hielt ihr seine Pranke hin. Sie kam noch einen Schritt näher, klemmte mit zittrigen Fingern ihre Handtasche unter einen Arm, griff mit beiden Händen an die Leiter und stieg eine Sprosse nach der Anderen hinauf, bis sie ängstlich seine Hand ergreifen konnte.

In dem Moment als er ihre Hand packte, hatte sie auch keine Angst mehr zu fallen. Seine Hände waren immer noch warm. Ihre Gedanken waren just in dem Moment mal wieder auf Wanderschaft gegangen, als ihr auf dem Weg weiter nach oben schwindlig wurde und sie fast von der Leiter gestürzt wäre. Doch er hielt sie fest. Geschickt zog er sie die Leiter hoch und oben glitt sie fast besinnungslos in seine Arme.

‚War doch gar nicht so schwer, oder?‘ flüsterte er ihr zu und strich ihr wieder die Haare aus dem Gesicht. Sie blickte sich verlegen um und er löste sich von ihr, weil er ihre Befangenheit irgendwie spürte.

‚Willkommen in meinem Wohnzimmer. Ich hatte es mir hier schon fast gemütlich gemacht…aber die Sucht!‘

Auf dem Stroh lagen mehrere Bündel, ein Schlafsack und sein Wanderstab. Er hatte seine Taschenlampe über seinen Sachen aufgehängt und das Licht wackelte immer noch hin und her.

‚Setz dich doch!‘ rief er und machte eine einladende Handbewegung.

Sie setzte sich und blickte ihn verstohlen an, als er seine Jacke auszog. Nur in Hemd und Weste machte er noch eine bessere Figur, so dass sie ihre Augen überhaupt nicht mehr von ihm trennen konnte. Er packte den Schlafsack und legte ihn über ihre Schultern.

‚Ey, die Jacke ist ja pitschnass. Willst du sie nicht ausziehen.‘ meinte er ruhig.

‚Ja schon!‘ flüsterte sie. Endlich lies sie die Tasche sinken und zog langsam die Jacke aus. Er wickelte erneut den Schlafsack um ihre Schultern und nahm die Jacke an sich, um sie mit der nassen Seite ins Stroh zu legen.

Fortsetzung folgt… vielleicht!

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