Angeschossen wie ein wildes Tier…

Angeschossen wie ein wildes Tier…

IMG_04246Angeschossen, wie ein wildes Tier im Wald zurück gelassen, lag es da im eigenen Blut und doch fast im Dreck versunken. Das Herz lag daneben und schlug unaufhörlich weiter, so schien es. Nein, es hatte nicht nur den Anschein, es schlug noch. Es war still im Wald, fast zu still. So still, dass er seine Gedanken schier hören könnte. Nur der Herzschlag drang noch an sein Ohr. Mühsam, aber es schlug doch unaufhörlich weiter. Ihn traf keine Schuld, er hatte das seltsame Wesen nicht erlegt, es war bereits angeschlagen, als er die Verfolgung aufgenommen hatte. Doch hat er es durch den Wald gehetzt, er wollte es ja nur erlösen. Vielleicht wollte es gar nicht erlöst werden, aber er hatte es getan. In der Hast war es dann gestützt und nun lag es da. Regungslos. Nur das Herz schlug ruhelos weiter. Und das Schlagen des Herzens rumorte in seinen Ohren. Aber das kann nicht sein, müsste es nicht lang tot sein. Das ist unnatürlich, dass etwas so lange überlebt, außerhalb des schützenden Körpers. Der Wind hörte auf zu Wehen und er konnte keinen einzigen Laut mehr hören. Nur das Schlagen des Herzens des unbekannten Wesens.

Die Ordnung muss aus den Fugen geraten sein. Irgendwas stimmte ganz und gar nicht. Er kniete sich hin und nahm es auf, um es genauer in Augenschein zu nehmen. Das Herz pumpte unaufhörlich Blut aus dem Inneren heraus, so dass das zähe Blut von seiner Hand ran, ehe er es wieder auf den Boden legen konnte. Es hatte sich seltsam angefühlt, ein halbes Pfund pures Leben in Händen zu halten und doch blickte ihm bereits der Tod über die Schulter. Er konnte für einen Moment seinen Atem sehen und dann war es vorbei. Mit dem letzten Schlag des Herzens, kam das Pfeifen der Vögel zurück. Der Wind blies ihm durchs Haar und es fröstelte ihn. Das Tier versank nun gänzlich im Schlamm und vom Herzen waren nur noch blutige Schlieren zurück geblieben, die sich auf der Oberfläche des Matsches gebildet hatten.

So kniete er noch einen langen Moment im Schlamm und blickte auf die blutigen Schlieren. Das Tier würde nicht mehr auftauchen und doch hielt er Wacht. Er wich erst zurück, als es ihm gewahr wurde, dass er selbst im Schlamm zu versinken drohte. Nun konnte er sein eigenes Herz hören, wie es laut in seiner Brust schlug. So laut, dass er das Gefühl hatte, es würde ihm gleich aus der eigenen Brust springen, weil es sich Luft machen musste. So schnell auch sein Herz schlug, so langsam arbeitete er sich vor und aus dem Schlamm heraus. Er wollte nicht versinken. Doch steckte er schon bis zur Hüfte im Dreck, als er endlich einen Ast eines nahestehenden Baumes ergreifen konnte. Wenig später hatte er sich befreit. Keuchend blieb er neben dem Schlammloch liegen, er war dem Tod wohl gerade noch von der Schippe gesprungen.

An diesem Morgen konnte man den Jägersmann beobachten, wie er völlig verdreckt, zu der kleine Kapelle hinaufstieg. Später brannten dort dann zwei Kerzen, bis der Wind dann eine zum Erlöschen brachte.

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