Rätien – Winter 230 – Der steinige Weg nach Castra Biriciana

Rätien – Winter 230

Der steinige Weg nach Castra Biriciana

800PX-~1Die Berittenen stand bereits mit dem Pferd Beifuß im Hof und wartete darauf, dass der Optio sie anführen würde. Doch der Optio betrat leise die Gemächer des Centurio, der in seinem Bett lag und wohl gerade wieder erwacht war.

‚Hab ich mir Schande gemacht?‘ zischte der Centurio Roar zu, der vor seinem Bett kniete, während sein Hund zu seinen Füßen lag und den Optio interessiert anblickte.

‚Nein, Herr! Aber der Optio weiß…!flüsterte Roar ihm zu.

‚Der Optio ist ein Freund.‘ flüsterte der Centurio und zeigte auf ein Tischchen neben seinem Bett. ‚Bring mir die Kiste, dort auf dem Tisch!‘

‚Ja, Herr!‘

‚Ich möchte, dass ihr wisst, dass ihr frei seid, wenn der Adler fällt.‘

‚Nein Herr! Wir bleiben an eurer Seite.‘

‚Ihr seid mir nichts schuldig.‘

‚Aber den Göttern sind wir es schuldig.‘

‚Ask und Kjeld gehen mit dem Optio.‘

‚Und du Roar achtest auf den Großen. Er hat mir versprochen mit mir Wein zu trinken, wenn ich wieder da bin.‘ meinte der Optio ernst.

Der Centurio nahm zwei gesiegelte Schriftstücke aus der Kiste und gab sie dem Optio. ‚Gib sie den Beiden und lass sie frei. Wir sehen uns oder auf der anderen Seite.‘

‚Wir trinken Wein miteinander, so oder so!‘

Der Centurio machte ein schnalzendes Geräusch und blickte seinen Hund an. ‚Bring mir den zähen Hund heil zurück, Marcus Lucius!‘

‚Manchmal weiß ich nicht, ob du mit mir sprichst oder mit dem Hund.‘

‚Es könnte daran liegen, dass der Hund des Herren Marcus Lucius heißt!‘ meinte Roar und half dem Centurio auf.

Der Optio nahm die beiden Schreiben, packte sie in seine Tasche und ging nach draußen, der Hund folgte ihm. Als er auf seinem Pferd saß, trat der Centurio in den Hof und sofort verstummten alle. Roar hatte ihm in Windeseile seine Rüstung angezogen und ihm das Fell eines Wolfes über die Schultern gelegt. Es roch nach Schnee. Der Centurio atmete tief ein und sprach mit lauter und fester Stimme: ‚Die Alemannen haben den Limes überschritten, um uns nach dem Leben zu trachten. Doch heute ist aber kein guter Tag zu sterben. Wir werden nicht zu lassen, dass der Adler fällt!‘

Ein lautes ‚Ahu!‘ erschallte über den Hof und die Berittene zog durchs Tor aus.

Die beiden Sklaven Ask und Kjeld liefen zu Fuß neben den Pferden her und der Hund war schon nicht mehr zu sehen, als sie die steinerne Straße in den Wald führte.

Der Bote ritt neben dem Optio und fragte ‚Warum die beiden Wilden?‘

‚Ich traue den beiden ‚Wilden‘ mehr als euch!‘

‚Sag der Hund des Herrn über die Benefiziarier!‘

‚Die Berittene sind keine Benefiziarier und jetzt zurück auf deinen Platz, Legionär!‘ meinte der Optio ernst. Die beiden Späher liefen links und rechts in den Wald und waren nicht mehr gesehen, bis sie am Nachmittag wieder auf den Weg brachen, um mit dem Optio zu flüstern.

Er gab das Zeichen zum Absitzen, alle seine Decurio kamen zu ihm und er besprach sich mit ihnen. Er hatte einen Plan.

Die Truppe teilte sich auf, der größte Teil ritt ohne Pause weiter nach Biriciana und sie nahmen den Boten mit sich. Eine gut ausgewählte Decurie machte mit dem Optio und den Spähern einen kleinen Abstecher in den Wald. Die beiden Späher hatten nicht nur die Alemannen im Wald entdeckt. Allen Anschein nach, hatten die Alemannen auch einige Gefangene gemacht.

Die Pferde versteckten sie in einer Schlucht und krochen einen Berghang hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter, um sich lautlos dem Lager der Feinde zu nähern. 

Ihre List ging auf, als die Alemannen die Berittenen auf der Straße entdeckten, nahmen sie sofort die Verfolgung auf. Sie ließen die Gefangenen und Verwundeten zurück und die paar Mann, die sie zur Bewachung im Lager gelassen hatten, waren schon bald tot.

Die Gefangenen waren Männer von Centurio Titus Antonius. Also waren doch nicht alle tot. Der Optio hatte dem Boten eh nicht über den Weg getraut.

Die Gefangenen erzählten, dass die Alemannen eine Frau gefangen genommen hatten, die sie als die weiße Hexe bezeichnet hatten. Sie war in der Gegend allerdings als die weiße Frau bekannt, die sich um die Armen und Kranken aus der Umgebung kümmerte. Nachdem sie das ganze Alemannenlager auf den Kopf gestellt hatten, fanden sie die Frau gefesselt und geknebelt im Zelt des Anführers. Sie war wohl gefoltert worden und lag in ihrem eigenen Blut bewusstlos neben der Feuerstelle. Die beiden Späher brachten die Frau und die verletzten Legionäre zu den Pferden. Der Hund folgte ihnen. Während der Optio mit den restlichen Legionären die Alemannen verfolgte.

Es kam zu einer Schlacht und die Alemannen wurden von zwei Seiten eingekesselt. In Biriciana war die Ala I Hispanorum Auriana stationiert und gegen die Übermacht der spanischen Reiterkompanie konnten die Alemannen nicht ankämpfen.

Nach der Schlacht wurden die Legionäre des Optio in Biricianaaufgenommen und versorgt. Der Optio machte Meldung und verabschiedete sich so bald er abkömmlich war, da er sein Pferd im Wald gelassen hatte.

Als er vor die Tore Biricianas trat, kam ihm einer der Legionäre von Titus Antonius entgegen und übergab ihm sein Pferd. Auch die letzten Verwundeten wurden nun herein gebracht.

Der Optio konnte am Waldrand den Hund aufgeregt auf und ablaufen sehen. Er saß auf und preschte mit seinem Pferd los. Die Sonne war schon fast untergegangen und die Kälte umfing ihn. Vereinzelte Schneeflocken tanzten vom Himmel, er konnte seinen Atem sehen, als er in den Wald ritt. Er würde sich an das Wetter in Rätien nie gewöhnen können.

Fortsetzung folgt…

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Rätien – Winter 230 – Centenarium Benefiziarier

Rätien – Winter 230

Centenarium Benefiziarier

800PX-~1‚Die Alemannen haben den Limes überquert!‘ konnte man einen Meldereiter rufen hören, der hastig von seinem Pferd sprang. Er hastete ihm entgegen, hielt einigermaßen ehrerbietig inne und lief dann weiter zur Wache des Centurio, die ihn ohne Fragen zu stellen in die Amtsstube des Centurio einließen. Er war dem Boten gefolgt und lief kopfschüttelnd an den Wachen vorbei und zischte ihnen hastig seinen Unmut darüber zu. Sie hatten den Fremden nicht mal untersucht. Wenn es nun ein Attentäter war. Es war nicht das erste Mal, dass die Alemannen versucht hatten in ihr kleines Kastell einzudringen, um den ‚Kleinen Centurio‘ zur Strecke zu bringen. So nannten sie ihn. Nur war sein Centurio alles andere als klein. Er war ein Hüne von einem Mann und er war sein Centurio! Er hatte eine teils berittene Zenturie unter sich und die Benefiziarier, die sich um die Sicherheit auf der Straße kümmerten, die vom Limes ins Landesinnere führte. Er war ein angesehener Mann und Kriegsherr gewesen. Was ihn diesen unsäglichen Posten bei den Benefiziarier eingebracht hatte, hatte er sich nie getraut zu fragen, obwohl er schon seit Jahren an seiner Seite war. Er war als einfacher Legionär zu ihm gekommen und nun war er sein Optio, seine rechte Hand. Doch war er mehr als ein einfacher Adlatus, sie verband das gegenseitige Vertrauen alter Kriegsgefährten, die gemeinsam schon knöcheltief im Blut ihrer Feinde gestanden waren.

Drinnen konnte er den Boten hastig reden hören und trat mit hochgezogenen Augenbraue in die Amtstube seines Centurio.

‚Wir kamen von Castra Vetoniana und sollten nach Biriciana, um die Tochter des ehrenwerten Decurio Primus Saturninus nach Celeusum zu bringen. Auf dem Weg unweit von hier wurden wir von den Alemannen überfallen und völlig aufgerieben. Centurio Titus Antonius schickte mich… er ist gefallen.‘ Der Bote kam ins Stocken und blickte erst den Centurio und dann den Optio an. ‚Sie sind alle tot.‘

‚Bei Dis, eine ganze Zenturie wegen der Tochter eines längst verstorbenen Rittmeisters?‘

‚Ja, sie soll dem Sohn eines Senators zugeführt werden.‘

‚Bei Junos Titten. Es ist Krieg, wir sind hier nicht auf dem Viehmarkt.‘

‚Es schien mir, als wolle sie ihm nicht zugeführt werden.‘ flüsterte der Bote, zog eine Nachricht aus einer Lederrolle und gab sie dem Centurio. ‚Das Siegel ist schon gebrochen…!‘

‚Ist schon gut.‘ meinte der Centurio. ‚Wache! Er soll sich waschen, versorgt seine Wunden und gebt ihm zu essen! Schickt einen Reiter nach Vetoniana.‘

Der Bote verbeugte sich ehrerbietig und verließ die Amtsstube des Centurio.

‚Optio Marcus Lucius!‘ meinte der Centurio zu ihm, ohne von der Nachricht aufzublicken, die er gerade überflog.

‚Mein Centurio!‘ antwortete der Optio und trat an den großen Tisch, hinter dem sein Centurio stand.

‚Nimm dir die Berittenen, den Boten und deine Späher und reite nach Biriciana, um nach dem Rechten zu sehen, wenn du diese…!‘ meinte der Centurio, blickte nochmal auf das Schreiben des Senator und fuhr dann fort: ‚Valeria Julia, Tochter des Decurio Primus Saturninus findest, gut. Riskiere nicht meine halbe Zenturie für das Leben einer Frau!‘

‚Ja, mein Centurio!‘

‚Und jetzt nimm den Stock aus dem Arsch und trink mit mir, bevor du aufbrichst!‘ meinte der Centurio, er trank aus einem Trinkschlauch und hielt ihn seinem Optio hin.

‚Ja, mein…!‘ setzte der Optio an, nahm den Trinkschlauch an sich und fuhr dann fort, ohne jedoch zu trinken. ‚Aurelius Primus, auf dein Wohl!‘

Der Centurio war zur Tür gegangen und versicherte sich, dass seine Wachen fort waren.

‚Marcus Lucius, auf mein Wohl brauchst du nicht mehr trinken, ich war bereits ein Todgeweihter, als ich den Dienst hier antrat. Nur den Heilkünsten deiner drei wilden Späher ist es zu verdanken, dass ich mein Schwert noch halten kann und nicht von Pferd falle, wenn es mich überkommt.‘

‚Aurelius red keinen Unsinn, wir kämpfen seit Jahren Seite an Seite!‘

‚Und nur weil du mir nicht von der Seite weichst, mein Freund, bin ich noch nicht tot.‘

‚Nur weil der Hüne nicht auf seine Deckung achtet.‘

‚Warum hast du mir so oft das Leben gerettet, wo ich doch nur in Frieden sterben will.‘

‚Mein Freund, rufe nicht nach Dis, er könnte bereits hinter dir stehen und dir deinen letzten Atemzug rauben. Doch soweit ist es noch lange nicht!‘

‚Ich leide an Morbus Comitialis und nur meiner Verdienste für Rom ist es zu verdanken, dass ich meine Zeit in diesem Drecksloch absitzen darf, fern ab von jeder Schlacht.‘

‚Bei Dis, die Fallsucht.‘ rief der Optio erschrocken und fuhr dann fort: ‚Drecksloch hin oder her. Die Alemannen trachten nach unser aller Leben und das nennst du fern ab von der Schlacht?‘

‚Darum habe ich jeden Tag gebetet, dass die Götter mir noch eine Schlacht schenken, bevor ich zu Dis gehe.‘

‚Und noch eine und noch ein…Dis wird noch eine Weile auf dich warten müssen!‘

‚Ich will dass du meinen Posten übernimmst, wenn es soweit ist.‘

‚Ich will aber nicht einen guten Freund verlieren, für diese Ehre!‘

‚Mein Empfehlungsschreiben ging letzte Woche an die Kommandantur!‘

‚Wenn ich wieder da bin, reden wir nochmal drüber und wage es nicht ins Gras zu beißen, ehe ich wieder da bin.‘ meinte der Optio und trank endlich von dem Wein. ‚Ich möchte dir Roar da lassen und nehme nur Ask und Kjeld mit.‘

‚Dann nimm wenigstens meinen Hund mit, dann weiß ich, dass du wieder kommst.‘

Der Optio trat ihm gegenüber und hielt seinem Centurio die Hand hin. Der Centurio packte ihn am Handgelenk und zog ihn in eine kurze Umarmung. Lies dann aber schlagartig los und taumelte nach hinten. Seine Hände tasteten über den Tisch und stieß dabei ein kleines Fläschchen um.

Der Optio trat erschrocken zum Tisch und schob seinem Centurio das Fläschchen in die Hand. Dann lief er hinter den Tisch, um ihm seinen Stuhl zu bringen. Noch bevor der Bär von einem Mann umstürzen konnte, hatte ihm sein Optio schon seinen Stuhl untergeschoben. Er schaffte es gerade noch seinen Trank selbstständig zu trinken, bevor er sich verkrampft an die Stuhllehnen klammerte und die Augen verdrehte. Selbst während ihn seine Krankheit im Griff hatte, hatte er sich selbst doch soweit ihm Griff, dass man es ihm kaum ansah.

Es muss ihm große Überwindung gekostet haben und allen Anschein nach auch seine letzte Kraft, ihm sein Leiden zu beichten. Er fühlte sich geehrt und beschämt zu gleich, weil er ihm in seiner Not nicht helfen konnte. Die Fallsucht war ein Fluch der Götter und in der Legion wurde man eigentlich sofort entlassen oder gar nicht erst aufgenommen. Doch die Alemannen glaubten daran, dass die Fallsucht ein Segen der Götter sei.

Kurzerhand öffnete der Optio das Fenster nach draußen und pfiff dreimal. Wenig später kamen drei einheimische Sklaven in den Raum. Alle drei hatten einen anderen Weg gewählt in die Amtsstube des Centurio zu gelangen. Durch den Türspalt, das Fenster und aus den Privatgemächern des Centurio. Die Drei sahen sich völlig gleich, nur an ihrer unterschiedlicher Haartracht, einigen Narben und die Zahlen an ihrem Hals konnte man sie unterscheiden.

Ohne den Optio auch nur eines Blickes zu würdigen, machten sie sich daran, dem Centurio einen weiteren Trank einzuflößen und ihn in sein Bett zu bringen. Der Optio ging erst, als sie die Tür zu den Gemächern geschlossen hatten.

Fortsetzung folgt…

Ich suchte einen Mann… Teil 75 – Mein Mundschenk

Ich suchte einen Mann… Teil 75 – Mein Mundschenk

378850_2416195170910_1962430602_nIch suchte einen Mann, der das Essen vorkostet, was mir täglich vorgesetzt wird und mir dann täglich damit das Leben retten darf. Einzige Voraussetzung ist, dass sein Geschmackssinn noch nicht durch den übermäßigen Verzehr von Chili und Chilinebenprodukten verdorben ist und dass er eine Ausbildung zum Rettungssanitäter hat und mit einem Notfallset für Allergiker umgehen kann. Und wenn alle Stricke reißen, einen Luftröhrenschnitt bei mir durchführen würde.

Anmerkung: rien ne va plus – nichts geht mehr – ‘Ich suche einen Mann’ wird zu ‘Ich suchte einen Mann’

Dies ist keine Bekanntschaftsanzeige, gehe nicht über Los und ziehe nicht 2000 Euro ein. Dies sind nicht die Droiden, die ihr sucht. Dies ist ein medizinischer Notfall! Fortsetzungen folgen vielleicht nicht. Neue Rubrik auf diesem Blog: Das ist nicht die Bine, die du glaubst zu kennen.

Das ist nicht die Bine, die du suchst… Teil 40 – Stolzer Schütze

Das ist nicht die Bine, die du suchst… Teil 40 – Stolzer Schütze

Wo wir graIMG_0197d bei Sternzeichen sind: loyal, stolz und ehrlich! So sind sie, die stolzen Schützen. Doch wer über die Maßen loyal ist, erwartet auch etwas Loyalität von seinen Mitmenschen! Und hab ich das dick, wenn man mir in den Rücken fällt, mich belügt und/ oder mir Dinge verheimlicht. Und meine Erwartungshaltung bezüglich meiner Freunde ist allen Anschein nach immer zu groß. Und der Fall ist dann immer besonders tief, wenn ich dann maßlos enttäuscht werde.

Oh Mann, ich kann halt nicht aus meiner Haut, wie auch? War sie doch teuer genug und Lampenschirme aus Menschenhaut sind bestimmt verboten.

(Das Schlimme ist, dass alle Menschen, egal wo ich hinkomme, so unglaublich untertätowiert sind. Es liegt auch nicht daran, dass ich eventuell übertätowiert sein könnte! Nein, selbst wenn ich in eine Gothicdisko komme oder in eine Bikerparty rein platze, bin ich immer noch abartig übertätowiert. Und es gibt durchaus Menschen, die mehr bebildert sind wie ich, nur wo sind die nur alle?

Menno, ich hasse es in einen Raum zu kommen und die stärksten Männer fangen an zu kanoneweinen, weil eine kleine, dicke Frau mehr Eier in der Hose zu haben scheint, als die richtig harten Männer.)

Aber allen Anschein außer Acht lassend, hat die stolze und harte Schale, einen ziemlich weichen Kern und ein verdammt großes Herz. Auch wenn es viele nicht wahr haben wollen, ich bin manchmal ein Mädchen, mit einem großen Herz, aber keinen blonden Zöpfen.

Auch wenn es zu Weilen am Bröckeln ist, was bringt dem Schützen ein viel zu großes, stolzes Herz. In seinem Glanz kann man sich nicht spiegeln. Aber mein Stolz ist das Einzige was mir noch geblieben ist…

Brotherhood

Wären wir in einem anderen Leben geboren, wären wir Waffenbrüder. Wir scherzen herum, dass wir zusammen niemals einen gemeinsamen Feind haben dürften. Man müsste dann mit einer Stoppuhr die Zeit stoppen, bis derjenige zu weinen beginnt, sagst du. Ich lache. Einer der wenigen Momente in letzter Zeit, die so herrlich schwerelos und frei sind.

Eigentlich ist gerade nichts für uns leicht. Ironisch, dass wir uns gerade in diesem Moment gefunden haben. Ironisch, dass mich an jenem Tag mein Weg zu dir führte. Ironisch, dass ich mich entschloss, dich ins Vertrauen zu ziehen. Ironisch, dass auch deine Welt gerade in Aufruhr geraten war. Letztlich haben wir wohl im richtigen Moment erkannt, dass manche Wege nicht alleine gegangen werden können.  Und so saß ich müde auf deiner Couch und fing an zu erzählen…

Seitdem fängst du mich auf, hältst mir den Rücken frei und machst mich stark. Stark einen Weg zu gehen, den ich ohne dich nie so weit geschafft oder gar verfehlt hätte. Du richtest mich immer wieder auf, sprichst mir Mut zu und wäschst mir den Kopf, wenn die Verzweiflung mich überspült. Findest immer die richtigen Worte, die mich beruhigen, wenn ich aufhöre rational zu sein. Wenn die Angst sich um meine Brust schlingt und mir das Atmen verbietet. Dann stehst du da, gibst mir deine Hand und sagst mir, dass vielleicht nicht alles gut wird, aber meine Angst mir nicht helfen wird. Schubst mich sanft wieder auf den Weg zurück und ermutigst mich weiter zu gehen, egal wie steinig. Denn du verstehst, warum. Du weißt, dass die Aussicht auf Erfolg nicht garantiert ist. Doch verstehst du, dass ich es versuchen muss. Du bist mein wohlmeinender Schatten, der mich vor dem Dunkel in mir selbst beschützt.

Und ich stehe dir als Ratgeber zur Seite. Versuche dir klar zu machen, dass nicht alles deine Schuld ist. Das nicht du das Problem bist. Helfe dir, taktisch vor zu gehen. Akzeptiere, dass du glaubst, alles sei vorbei. Hoffe es eigentlich auch, denn dieses „alles“ tut dir nicht gut. Doch ich weiß, dass es auch noch Hoffnung gibt. Auch wenn ich nicht sagen kann, ob mir das gefällt, aber mir ist klar, dass du es dir ein wenig wünschst. Du verlierst gerade sehr viel, Bruder. Geborgenheit, Ruhe und Zuflucht. Ich weiß, dass schlimme Zeiten hinter dir liegen. Oft, viel zu oft für meinen Geschmack, standest du Machtlos vor den Ereignissen. Wusstest nicht was tun. Wusstest nicht, wie reagieren. Konntest nichts ausrichten und deine Machtlosigkeit ließ dich zweifeln. An dir selbst.

Aber Bruder, du bist ein starker Kämpfer. Du bist wie ich, Waffenbruder. Du wirkst wie ein Fels, doch für dich allein bist du nur ein kleiner Kiesel im riesigen Flussbett das sich Leben heißt. Denn du bist Blind für dich selbst. Du verkennst deinen eigenen Wert. Lieber Igelst du dich ein und zeigst nur mehr deine Stacheln. Hältst Menschen fern von dir. Sähest du die Welt einmal durch meine Augen, wüsstest du, dass du stärker bist, als du glaubst. Besser bist als du weisst. Größer bist als du dich fühlst. Weiser als du denkst und edler als du erahnst. Du liest diese Zeilen und bist geschmeichelt. Aber du kannst sie nicht annehmen, zu schwer wiegen alte Vorwürfe, zu sehr brennen alte Narben.  Doch sei beruhigt, Bruder. Weil du bist wie du bist, bin ich da und werde dir mit meinem Rat zur Seite stehen, bis auch deine Schlacht geschlagen ist.

Und wenn es vorbei ist, werden wir darüber lachen. Werden uns zunicken und uns davon erzählen. Wie albern wir waren, wie schwer alles wog und wie leicht es im Retrospekt doch war. Dass wir viel zu verkopft waren, zu viel Angst hatten und wir es uns schwerer gemacht haben, als es wirklich war. Weil wir so sind. Weil wir genau das brauchen. Unsere Wege können nicht einfach und gradlinig sein. Wir brauchen die steinigen Wege, die schweren Aufstiege, damit wir uns selbst immer auf’s Neue übertreffen können. Doch für diesen Moment, lass uns Inne halten. Lass uns Kraft tanken. Lass mich dir danken und sagen:  unsere Zeit wird nicht kommen, Bruder. Unsere Zeit hat längst begonnen.

Callingsanity

Ich hab zwei Beine, um zu laufen…

steakDie Woche der Outings…

Ich hab zwei Beine, um zu laufen…

‚Es ist beschämend, dass Mut dazu gehört, uns mitzuteilen, was uns eigentlich nichts angeht!‘ Frau Esther Schapira vom HR.
Eigentlich braucht es keinen Mut, wenn es einem scheißegal ist, was die Anderen von einem denken. Ich bin Hetero, Sexist, Voyeur und Kunstblut und Folien-Fetischist und eine Frau und ich würde den Volksmund in den Arsch ficken, wenn ich einen Penis hätte. Ich schreibe seit Jahren öffentlich über meine Sexualität und um viele andere kleine Merkwürdigkeiten. Ja und ich werde diskriminiert, und! Ich weiß was ich will und das kann mir keiner nehmen. Der Weg zur Toleranz und der lange Weg der Akzeptanz ist steinig und schwer, aber ich habe zwei Beine um zu laufen und deswegen werde ich ihn gehen…aber ich werde nicht weglaufen und mich verstecken, weil andere mich nicht akzeptieren wollen oder können!

With great power…

Callingsanity

Sie hält die Kaffetasse knapp vor ihrem Mund mit zwei Händen und wärmt ihre kalten Finger daran. Gemütlich sitzt sie in einem der bequemen Sessel, die sie sich ans Fenster geschoben hat. Um sie pulsiert das Leben, doch hier ist sie völlig für sich allein und isoliert. Still betrachtet sie die Straße unter sich durch die großen Fenster. Menschen laufen in beide Richtungen, teilweise hektisch, teilweise gemütlich. Sie sitzt nur da und schweigt.

Ihre Augen folgen einzelnen Menschen und sie denkt sich Geschichten zu ihnen aus. Das junge Paar dort hinten, ist sicherlich frisch verliebt und genießt die Aufregung des Anfangs. Der Mann im Anzug dort eilt gerade nach Hause zu seiner Familie, wo er den Anzug von sich wirft um endlich er selbst werden zu können, keine seelenlose Anzugmaschine. Die Frau dort hinten mit dem leeren Blick hat wahrscheinlich schlimmes erlebt und bringt dennoch ein Lächeln zustande…

So viele Menschen, so viele Geschichten. Doch lange kann sie dieses Spiel nicht spielen, dann kehrt sich ihr Blick wieder nach innen. Der ewige Tanz beginnt von neuem. Sie zweifelt an sich selbst. Doch nicht an Schwächen oder Fehlern. Nein, an etwas tieferem. Würde hier eine akkurate Darstellung ihres Selbst sitzen, säße sie wahrscheinlich hier in einem albernen Anzug mit einem Cape. Überlegt sie, was andere ihr sehen, fällt ihr eine schier nicht enden wollende Liste ein: Glücksverbreiter, Seeleneimer, Müllschlucker, bester Kumpel, Pferdestehler. Sonnenstrahl, Fels in der Brandung und die ewig starke Schulter zum Ausweinen. Zugpferd, Frau mit den verrückten Ideen, Aufmunterungskommando, offenes Ohr und  Mensch der jedem Sturm trotzt. Ein glorreiches Symbol für unerschütterliche Stärke, wenn andere sich schwach fühlen. Retterin in der Not.

Sie seufzt leise und pustet kalte Luft in ihren Kaffee. Was ist nur aus ihr geworden? Andere hätten längst kapituliert, hätten sich längst weinend zu Hause vergraben und mit ihrem Schicksal gehadert. Oder würden verzweifelt heulend eine Freundin anrufen, das Gefühl haben lieber tot sein zu wollen, als alles andere und sich Löffelweise Eis in den Rachen stopfen. Und sie? Sie hatte nicht einmal Sahne auf dem Kaffee.

So  sitzt sie hier, innerlich ruhig. Natürlich schmerzt was passiert ist. Natürlich ist es alles andere als schön. Aber sie trägt es. Mit Würde? Sie weiss es nicht, aber sie trägt es. Natürlich kann sie fallen. Auch sie ist nicht Unsterblich, auch sie kann hart auf dem Boden der Realität aufprallen. Doch bleibt sie nie lange liegen, sie steht nahezu gleich wieder auf klopft sich den Staub aus der Kleidung und läuft weiter. Die Nase in den Wind erhoben, im Gedanken ein: „Jetzt erst recht!

Ist es Kälte? Ist es Gleichgültigkeit? Trotz? Verdrängung? Stolz? Oder tatsächlich diese unheimliche Stärke? Dieses Phänomen, immer wenn sie das Gefühl hat völlig am Ende zu sein, dass irgendwoher doch noch eine ihr bisher unbekannte Quelle der Kraft zu aufbricht sprudeln beginnt. Ein beneidenswerter Zustand. Das letzte Mal, als sie so tief gefallen ist, wie heute… Sie erinnert sich noch allzu gut daran.

Sie erinnert sich an die verzweifelten Blicke ihrer Freunde und Mitmenschen. Das ungläubige, verunsicherte in ihren Augen, als sie realisieren, dass diese uneinnehmbare Festung auch nur ein weiteres Kartenhaus war. Und dann diese Worte: „Ich hätte nie gedacht, dich einmal so am Boden zu erleben.“ Kein Wort des Trostes, keine Hilfe, keine Umarmung in stillem Verständnis. Nur diese Worte. Niederschmetternd. Wie ein Schlag durch den Boden ins Endlose nichts. Das Gefühl enttäuscht zu haben und das Bedürfnis um sich zu schlagen und alles und jeden anzuschreien, ob sie Blind seien? Schließlich ist sie keine Maschine. Schließlich hat auch sie Gefühle. Schließlich ist auch sie verletzbar. Auch die stärkste Mauer erzittert unter Kanonenschlägen.

Sie fasst ihre Tasse fester, bevor sie einen Schluck nimmt. Die warme Flüssigkeit rinnt ihr in den Bauch und lässt dort ein angenehmes, warmes Gefühl entstehen, welches sie jedoch nicht wahrnimmt. Gedanklich ist sie noch immer tief in sich selbst. Was hat sie nur zu so einem Monster werden lassen? Ihr fällt keine bessere Bezeichnung ein, als sie sich fragt: Kann man auch zu stark sein?

Wut steigt in ihr auf. Verdammt nochmal, die Bibel und Spiderman waren sich da echt einig: „Von jedem, dem viel gegeben wurde, wird viel verlangt werden; und wem viel anvertraut worden ist, von dem wird man um so mehr fordern. “ – oder das berühmte Zitat von Onkel Ben. Aber bei allem was ihr heilig war, hatte bei diesen klugen Sprüchen auch jemals irgendjemand an die Verletzlichkeit der betreffenden Personen gedacht?

Nur weil man nicht gleich aus den Latschen kippt, heisst das doch nicht, dass man nicht auch ein lebendes, fühlendes Wesen ist, das Schmerz empfinden kann!? War denn die ganze verdammte Welt blind? Emotional verkrüppelt? Oder einfach beim Anstehen für die Verteilung der emotionalen Intelligenz die Geduld verloren, oder was?

Haha, ja. Sie lächelte bitter. Boxen wir der Starken mal ordentlich in den Bauch, sie merkt ja nichts. Schichten wir unsere Probleme auf ihre Schultern, sie kann doch gerade unter ihren eigenen kaum noch stehen – die schafft das schon, die ist ja Stark. Scheisse verdammt, sie war kein verfluchter Mutant! Oder doch?

Was hatte sie also stark werden lassen, überlegte sie weiter, während ihre Finger langsam die Wärme der Tasse in sich aufnahmen. Sie überlegte lange, bis sie verstand.

Es war das unerschütterliche Wissen, dass jedes noch so große Unglück einen Funken Glück in sich barg, der nur darauf wartete entdeckt zu werden – und den Blick für die kleinen Dinge, beherrschte sie mit schlafwandlerischer Sicherheit.

Es war das Wissen, dass liegen bleiben zwar eine normale Reaktion war, aber das Aufstehen nur heraus zögerte und damit auch die schönen, glücklichen Zeiten verkürzte. Und sie tat nichts lieber als Lachen.

Es war das Gefühl lieber den schönen Momenten Raum geben zu wollen, als den schlechten. Denn sie liebte ihr Leben, sogar an den schlechten Tagen.

Es war das Vertrauen in sich selbst und darin, dass sich jeder Weg den sie nahm zu etwas gutem wandeln würde, wenn sie ihn nur bereit war auch an nebligen, trüben Tagen zu gehen. Eigentlich war es pur rational und logisch und doch mit einem Bein und dem Kopf in den Wolken.

Ein leises Lächeln stiehlt sich langsam und zaghaft auf in ihre Züge und endlich spürt sie die Wärme in ihrem Bauch die sich langsam auf den ganzen Körper ausbreitet. Alles war gut. Immer. Auch wenn das Leben ihr vielleicht gerade übel mitspielte. Der nächste Sonnentag kam bestimmt, sie musste nur warten und sich darauf vorbereiten ihn in vollen Zügen zu genießen. Das Leben genießen, auch für seine schlechten Tage.

Sie sieht auf den Grund ihrer Tasse. Es ist wohl Zeit wieder zu gehen, wieder eins mit der Masse zu werden. Aber diesmal, mit einem guten Gefühl. Und dann steht sie wieder auf.

… comes great responsibility.

Published in: on 8. Januar 2014 at 22:23  Comments (1)  
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Der Hofnarr hüpft von einem Stein zum Anderen

Der Hofnarr hüpft von einem Stein zum Anderen.

hofnarrJeden Tag eine gute Tat, manchmal sogar 2 oder 3.

Auch wenn es einem keiner dankt, doch fühlte er sich immer wohl dabei.

Er blieb auf einem Stein stehen und blickte herab.

Winzig kleine Punkte da unten auf dem Burghof. Wie sie rege ihrer Beschäftigung nachgehen, die Narren.

Er springt weiter zum nächsten Stein und blieb in einer verkrümmten Haltung auf dem Stein sitzen und spuckte herab.

Auch wenn sich keiner um ihn kümmerte, ging es ihm doch immer wohl.

So war er sich doch immer selbst genug. Er hatte doch immer ein Dach über den Kopf und es fehlte ihm an nichts.

Gut, einsam war es in seiner Kammer und ein Wenig zugig. Vor allem im Winter und wenn es regnete oder wenn der Wind ging.

Aber in lauen Sommernächten war es doch ganz lauschig in seiner Kammer.Narr_

Einsam aber Lauschig.

‚Seht, der Narr! Er tanzt auf den Zinnen!‘ konnte man von unten rufen hören. ‚Und wie er tanzen kann, der Narr!‘

Und da saß er nun auf der Lauer. Und spuckte wieder herab von der Mauer.

Die Menschen lachten, über einen Tropfen Spucke des Narren.

Was für ein Schelm er sein konnte. Haha! Wie erbärmlich es ist über seine eigene Scheiße zu lachen.

Er zog den Rotz von ganz tief unten herauf und ließ seinen Lungaharing frei und er flog hinab zu den Menschen und sie lachten.

Sie lachen sogar über den größten Rotz, die Narren.

jokerWie gerne würde er ausbrechen aus seinem Schicksal.

Raus hier, weg hier.

Die Narrenkappe ins Feuer werfen und seiner Wege ziehen.

Aber was konnte er schon außer andere Leute zum Lachen bringen.

Auch wenn sie oft über seinen Rücken hinweg Witze machten.

Sie lachten über ihn.

Und dann tat es ihm ganz tief in seinem Herzen weh, wenn sie über ihn lachten.

Sein Herz, was einst gebrochen war.

Warum hatte er schon längst vergessen.

Doch war es so, dass kein Zauber dieser Welt heilen kann, was einst in Liebe erblüht und doch in Einsamkeit zerbrochen ist.

Doch jeder Lacher, der auf seine Kosten ging, brachte wieder einen Splitter dazu von seinem Herzen zu springen.

Und jedes Mal wenn er selbst lachte, dann konnte er die Splitter seines Herzens in seiner Brust tanzen hören.

Doch konnte er nicht aus seiner Haut.hofnarren_03

Aber er wollte es doch so sehr, es war aber zu spät.

Er hätte es sagen können, warum es zerbrochen war. Doch er tat es nie.

Ihm fehlten damals die Worte und heute fanden sie nicht mehr auf seine Zunge zurück.

Auch wenn er doch so viel sagen wollte, auch wenn er doch nie verstanden werden würde.

Verständnis wäre es, das ihn heilen hätte können.

Doch das Verständnis in der Verständnislosigkeit dieser grausamen Welt, wo jeder nur auf sich selbst schaut. Was würden nur die Leute sagen. Ja, was?

Und am Ende stellt man fest, man hätte einfach mal nur über seinen eigenen Schatten springen müssen und es einfach mal drauf an kommen lassen müssen, sich von der ganzen Welt einfach mal am Arsch lecken zu lassen und einfach mal drauf schauen, dass es einem selbst gut geht und denen, die man liebt.

Er sprang über seinen eigenen Schatten. Und tat es dem gleich, den er einst geliebt hatte.

Nerdgeschoss: Beziehungsdialoge

Nerdgeschoss: Beziehungsdialoge

aus längst vergangenen Tagen:

DSC04417‚Boa, sag mal! Du kannst doch jetzt nicht aufstehen.‘

‚Ich muss eine Rauchen!‘

‚Aber der Film ist noch gar nicht zu Ende.‘

‚Ist er wohl!‘

‚Aber nach dem Abspann kommt noch was.‘

‚Wer sagt das?‘

‚MARVEL sagt das! Du kannst doch nicht mitten in einem MARVEL-Film aufstehen und rauslaufen, bevor der Abspann durch ist!‘

~*~

‚Bock auf ficken?‘

‚Du wolltest doch unbedingt Star Wars anschauen!‘

‚Aber Ficken geht doch auch, während Star Wars läuft.‘

‚Na gut. Aber kannst du wenigstens den Laptop ausmachen!‘

‚Wieso, für die 3 ½ Minuten brauch ich doch meinen Laptop gar nicht runterfahren!‘ dachte SIE sich, zog sich gelangweilt aus, griff nach ihrem Vibrator und blickte weiter auf den Fernsehbildschirm.

Das Leben als Nerd ist nicht leicht? Pah! Das Leben als weiblicher Nerd ist grausam und unverstanden!

Drei und eine Axt – Teil 36

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 36

reiter_neuMan möchte es kaum glauben, am nächsten Tag war tatsächlich alles besser, als am Tag zuvor. Die Schneeschmelze hatte begonnen. Auch wenn am Ende der Schneeschmelze der Berg ins Rutschen gekommen war und beinahe die Viehjurte mit samt dem Vieh mit sich gerissen hätte, ging es doch bergauf. Die ersten Blumen und Kräuter hatten sich durch Frost und Schnee gekämpft, so dass auch die Gemüter wieder erblühen konnten.

Jeder hatte seine Aufgabe und die Arbeiten gingen voran. Ainur hatte sich wieder erholt, obwohl ihn immer noch ein lästiger Husten plagte und er geriet deswegen leicht außer Atem, doch baute er einen Stall für die Kleintiere, während die Elger und Otar Holz heranschafften. Die Schneefälle im Winter hatten viele Bäume umgerissen, das ersparte ihnen eine Menge Arbeit. Kejnen und Halef gingen auf die Jagd und fischten und kümmerten sich mit Alur um die Herden. Wena hatte beschlossen Korn und Gemüse anzubauen, weil sie sich nicht mehr drauf verlassen konnten, dass der Khan sie weiter unterstützen würde. Da machte es sich endlich bezahlt, dass Wena und Merle bereits im Herbst damit begonnen hatten Samen zu sammeln.

Vira hatte das Kochen und die Kinderbetreuung übernommen, während Merle jeden Tag auf ihre Niederkunft wartete. Ziska und Lamina hatten begonnen die Schafe zu scheren und die Kinder halfen beim Waschen und Kämmen der Wolle. Trocknen würde sie ja von alleine.

An einem sonnigen Frühlingstag, waren Ainur, Otar und Elger draußen auf der Ebene und umzäunten den neuen Gemüsegarten, Alur, Halef und Kejnen waren im Wald unterwegs, die restlichen Ziegen einfangen und jagen und die Frauen waren alle bei den Jurten. Merle war schon lange über die Zeit, Ziska beklagte sich schon seit Tagen über Kreuzschmerzen und Lamina hatte auf ein Neues versucht den Mädchen das Wolle spinnen beizubringen, während sie den Webrahmen nach draußen gebaut hatte. Fina und Lona waren wirklich sehr geschickt, während Nala und Lina eher ungeschickt waren, aber sich zumindest bemühten, die Wolle ordentlich zu kämmen. Merle hatte ihren beiden Töchtern, Solya und Feri, das Spindeln bereits letztes Jahr versucht beizubringen, auch wenn sie es selber eigentlich gar nicht so richtig beherrschte. Während ihr Jüngster Thorn mehr mit Unsinn beschäftigt war, seit dem er laufen konnte.

‚Es ist nicht wirklich dein Ernst den armen Jungen anzubinden, wie einen räudigen Köter!‘ meinte Wena und blickte auf Thorn herab, der sich am Ende seiner Leine abgelegt hatte und friedlich mit ein paar geschnitzten Holztieren spielte.

‚Wehe sie werden losgelassen!‘ meinte Merle, die sich schwerfällig von ihrer Jurte zum Tisch bewegte und sich den Bauch hielt. ‚Wenn der neue Quälgeist erst mal da ist, dann hat er jemanden zum Spielen.‘

‚Wenn er erst mal größer ist, dann finden wir schon eine Arbeit, die ihm Spaß macht.‘ rief Lamina, die an ihrem Webrahmen stand und die dünnsten Wollfäden zu einem feinen Wollstoff verarbeitete. ‚Ich hoffe, ich krieg das Kammweben noch hin, dann können wir schöne Borten weben.‘

Ziska kam gerade aus der Vorratsjurte und grinste grimmig. ‚Im untersten Sack war der Schimmel drin, ich würde es nicht mehr verwenden, aber färben würd gehen!‘

‚Oh ja, bunte Borten sind auch viel schöner!‘ rief Lamina, ohne von ihrer Arbeit aufzusehen.

Plötzlich hörten sie das Geschrei von Lina und Nala, die am Gatter die getrocknete Wolle holen wollten. Als sie über den Hof gewetzt kamen und die Frauen sahen, dass die beiden Mädchen von einem fremden Mann auf einem Pferd verfolgt wurden, waren sie sofort angriffsbereit. Ihm folgten noch sieben weitere Reiter, die teilweise mit Bögen bewaffnet waren und sogleich auf sie schossen. Wena packte sich zwei ihrer Messer und sprang auf den Reiter, der nur um Haaresbreite ihre Töchter verfehlt hatte. Vira hatte ihre Axt gepackt und fällte das Pferd, während Wena den Angreifer vom Pferd holte und ihm ohne zu zögern die Kehle durchschnitt. Lamina hatte sich Elgers Bogen geschnappt und holte mindestens einen der Reiter vom Pferd, bevor sich der Nächste auf sie stürzen konnte. Ziska brachte Merle in Sicherheit, der vor Schreck die Fruchtblase geplatzt war. Fina schnappte sich die Kinder und schleifte sie in die Jurte, wo Ziska gerade verschwunden war.

Wenig später kam Ziska wieder heraus gelaufen und packte sich den Angreifer, der Lamina gerade die Tunika zerrissen hatten und sie mit einer Hand würgte, um sie unsittlich zu befummeln, obwohl sie sich aus Leibeskräften wehrte. Wie vom einem Blitz getroffen, sackte er zusammen und Ziska lies ihn los. Sie schrie wie eine Wahnsinnige und lief auf den nächsten Angreifer zu, der sich gerade auf Vira gestützt hatte, die wiederum auf den Boden lag, um ihren Bauch vor den Tritten des Angreifers zu schützen.

‚Du wagst es eine schwangere Frau anzufassen!?‘ rief Ziska und griff ihm an die Brust. Der Angreifer stürzte in der Bewegung auf den Boden und der nächste Angreifer wurde von einem Pfeil getroffen. Lamina hatte sich aufgerappelt und schoss einen Pfeil nach dem Anderen auf die Reiter ab. Ziska packte Vira, die sich immer noch am Boden krümmte und schleifte sie mit sich. Vira zog eine Blutspur hinter sich her. Ziska heilte Vira, noch bevor sie sie in die Jurte des Sippenführers zerren konnte.

Plötzlich hörten sie Schreie in der Jurte und Wena war die Erste, die in die Jurte lief. Sie sah nur, wie sich ein Angreifer an ihrer Lona vergehen wollte, während Fina am Kopf blutend am Boden lag. Das Messer, dass sie diesem Angreifer in den Rücken stieß, blieb vibrierend in seiner Schulter stecken. Der Angreifer wand sich zu Wena um und sie erkannte ihn. Es war Kel. Er sah ziemlich runtergekommen aus.

Lamina kam in die Jurte gestürzt, stieß Wena auf die Seite, als sie Kel erkannte und schoss ohne Vorwarnung. Kel stürzte von der Wucht des Pfeiles auf den Boden. 

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