Drei und eine Axt – Teil 36

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 36

reiter_neuMan möchte es kaum glauben, am nächsten Tag war tatsächlich alles besser, als am Tag zuvor. Die Schneeschmelze hatte begonnen. Auch wenn am Ende der Schneeschmelze der Berg ins Rutschen gekommen war und beinahe die Viehjurte mit samt dem Vieh mit sich gerissen hätte, ging es doch bergauf. Die ersten Blumen und Kräuter hatten sich durch Frost und Schnee gekämpft, so dass auch die Gemüter wieder erblühen konnten.

Jeder hatte seine Aufgabe und die Arbeiten gingen voran. Ainur hatte sich wieder erholt, obwohl ihn immer noch ein lästiger Husten plagte und er geriet deswegen leicht außer Atem, doch baute er einen Stall für die Kleintiere, während die Elger und Otar Holz heranschafften. Die Schneefälle im Winter hatten viele Bäume umgerissen, das ersparte ihnen eine Menge Arbeit. Kejnen und Halef gingen auf die Jagd und fischten und kümmerten sich mit Alur um die Herden. Wena hatte beschlossen Korn und Gemüse anzubauen, weil sie sich nicht mehr drauf verlassen konnten, dass der Khan sie weiter unterstützen würde. Da machte es sich endlich bezahlt, dass Wena und Merle bereits im Herbst damit begonnen hatten Samen zu sammeln.

Vira hatte das Kochen und die Kinderbetreuung übernommen, während Merle jeden Tag auf ihre Niederkunft wartete. Ziska und Lamina hatten begonnen die Schafe zu scheren und die Kinder halfen beim Waschen und Kämmen der Wolle. Trocknen würde sie ja von alleine.

An einem sonnigen Frühlingstag, waren Ainur, Otar und Elger draußen auf der Ebene und umzäunten den neuen Gemüsegarten, Alur, Halef und Kejnen waren im Wald unterwegs, die restlichen Ziegen einfangen und jagen und die Frauen waren alle bei den Jurten. Merle war schon lange über die Zeit, Ziska beklagte sich schon seit Tagen über Kreuzschmerzen und Lamina hatte auf ein Neues versucht den Mädchen das Wolle spinnen beizubringen, während sie den Webrahmen nach draußen gebaut hatte. Fina und Lona waren wirklich sehr geschickt, während Nala und Lina eher ungeschickt waren, aber sich zumindest bemühten, die Wolle ordentlich zu kämmen. Merle hatte ihren beiden Töchtern, Solya und Feri, das Spindeln bereits letztes Jahr versucht beizubringen, auch wenn sie es selber eigentlich gar nicht so richtig beherrschte. Während ihr Jüngster Thorn mehr mit Unsinn beschäftigt war, seit dem er laufen konnte.

‚Es ist nicht wirklich dein Ernst den armen Jungen anzubinden, wie einen räudigen Köter!‘ meinte Wena und blickte auf Thorn herab, der sich am Ende seiner Leine abgelegt hatte und friedlich mit ein paar geschnitzten Holztieren spielte.

‚Wehe sie werden losgelassen!‘ meinte Merle, die sich schwerfällig von ihrer Jurte zum Tisch bewegte und sich den Bauch hielt. ‚Wenn der neue Quälgeist erst mal da ist, dann hat er jemanden zum Spielen.‘

‚Wenn er erst mal größer ist, dann finden wir schon eine Arbeit, die ihm Spaß macht.‘ rief Lamina, die an ihrem Webrahmen stand und die dünnsten Wollfäden zu einem feinen Wollstoff verarbeitete. ‚Ich hoffe, ich krieg das Kammweben noch hin, dann können wir schöne Borten weben.‘

Ziska kam gerade aus der Vorratsjurte und grinste grimmig. ‚Im untersten Sack war der Schimmel drin, ich würde es nicht mehr verwenden, aber färben würd gehen!‘

‚Oh ja, bunte Borten sind auch viel schöner!‘ rief Lamina, ohne von ihrer Arbeit aufzusehen.

Plötzlich hörten sie das Geschrei von Lina und Nala, die am Gatter die getrocknete Wolle holen wollten. Als sie über den Hof gewetzt kamen und die Frauen sahen, dass die beiden Mädchen von einem fremden Mann auf einem Pferd verfolgt wurden, waren sie sofort angriffsbereit. Ihm folgten noch sieben weitere Reiter, die teilweise mit Bögen bewaffnet waren und sogleich auf sie schossen. Wena packte sich zwei ihrer Messer und sprang auf den Reiter, der nur um Haaresbreite ihre Töchter verfehlt hatte. Vira hatte ihre Axt gepackt und fällte das Pferd, während Wena den Angreifer vom Pferd holte und ihm ohne zu zögern die Kehle durchschnitt. Lamina hatte sich Elgers Bogen geschnappt und holte mindestens einen der Reiter vom Pferd, bevor sich der Nächste auf sie stürzen konnte. Ziska brachte Merle in Sicherheit, der vor Schreck die Fruchtblase geplatzt war. Fina schnappte sich die Kinder und schleifte sie in die Jurte, wo Ziska gerade verschwunden war.

Wenig später kam Ziska wieder heraus gelaufen und packte sich den Angreifer, der Lamina gerade die Tunika zerrissen hatten und sie mit einer Hand würgte, um sie unsittlich zu befummeln, obwohl sie sich aus Leibeskräften wehrte. Wie vom einem Blitz getroffen, sackte er zusammen und Ziska lies ihn los. Sie schrie wie eine Wahnsinnige und lief auf den nächsten Angreifer zu, der sich gerade auf Vira gestützt hatte, die wiederum auf den Boden lag, um ihren Bauch vor den Tritten des Angreifers zu schützen.

‚Du wagst es eine schwangere Frau anzufassen!?‘ rief Ziska und griff ihm an die Brust. Der Angreifer stürzte in der Bewegung auf den Boden und der nächste Angreifer wurde von einem Pfeil getroffen. Lamina hatte sich aufgerappelt und schoss einen Pfeil nach dem Anderen auf die Reiter ab. Ziska packte Vira, die sich immer noch am Boden krümmte und schleifte sie mit sich. Vira zog eine Blutspur hinter sich her. Ziska heilte Vira, noch bevor sie sie in die Jurte des Sippenführers zerren konnte.

Plötzlich hörten sie Schreie in der Jurte und Wena war die Erste, die in die Jurte lief. Sie sah nur, wie sich ein Angreifer an ihrer Lona vergehen wollte, während Fina am Kopf blutend am Boden lag. Das Messer, dass sie diesem Angreifer in den Rücken stieß, blieb vibrierend in seiner Schulter stecken. Der Angreifer wand sich zu Wena um und sie erkannte ihn. Es war Kel. Er sah ziemlich runtergekommen aus.

Lamina kam in die Jurte gestürzt, stieß Wena auf die Seite, als sie Kel erkannte und schoss ohne Vorwarnung. Kel stürzte von der Wucht des Pfeiles auf den Boden. 

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