As long as it lasts

Die Worte fließen aus den Fingern, den Tränen aus meinen Augen gleich. Du bist Quell meiner Inspiration und Quell meines Leids. Du bist was ich bin und doch bist du fremd.  Du schenkst mir die Lust zu fliegen und doch hältst du mich am Boden fest.

Callingsanity

Du hast mich gefangen, hast mich gezähmt und aus meinen Ketten befreit. Durch dich habe ich die Worte wieder gefunden, die mir so lange fehlten, die ich schmerzlichst vermisste, dachte sie kämen nie zu mir zurück… und dennoch kann ich nicht fliegen, kann nicht frei sein. Noch nicht.

Du hast mich gleich durchschaut und entdeckt was ich zu verstecken versuchte. Das sanfte, das liebevolle, das naive Ich. Das unablässig glauben möchte, dass alles gut wird. Du hast mich verletzlich gemacht und baust doch auf meine Stärke. Und nun sitze ich hier und bin gebrochen aber stärker als je zuvor.

Die Quellen meiner Kraft, die du beinahe zum versiegen bringst, füllst du unbedacht wieder auf, wenn du mir, ohne davon zu wissen, die Hand reichst. Immer im richtigen Moment, immer wenn es am schlimmsten ist und immer wenn ich zu brechen drohe. Dann berührst du etwas in meiner Seele, das die Quelle sprudeln lässt – stärker als je zuvor.  Dann raubst du mir den Atem, erstickst mich fast, doch mit jedem Mal in dem ich beinahe falle – wachse ich. Mit jedem Mal schwächst du mich, bevor du mich erstarken lässt. Stärker denn je.

Ich liebe es wenn du es tust, genauso inniglich wie ich die Zeit hasse, bis es passiert.

Du bist der Sonnenstrahl der durch die Wolken bricht und mein Jammertal erleuchtet. Ich bin der Vogel mit gebrochenen Flügeln, der an deinem Fenster sitzt und dich beobachtet und dabei vom Fliegen träumt und dennoch nicht weiss, ob es irgendwann wieder möglich sein wird.

Und über allem schwebt der Zweifel, in seinem verräterischen, finsteren Gewand und beobachtet wie meine Hoffnung ihre Streiter sammelt. Er flüstert unablässig in meinem Kopf und kämpft gegen mich und rechnet doch nie mit dir. Immer wieder fällst du ihm plötzlich und unerwartet in den Rücken, während ich gerade fast unterliege. Schwächst ihn und stärkst mich. Gibst mir Zuversicht.

Doch auch du entreißt sie mir. Du selbst stehst nicht so fest, wie es scheinen mag. Ich sehe wie schwach du bist. Ich sehe wie du leidest. Und meine Hilflosigkeit brodelt in mir, immer knapp hinter der Fassade.

Ich sehe, dass du dir wünscht das ich stark bleibe, nicht an dir zerbreche – und nur das ist es was ich tun kann. Einen verrückten, aussichtslosen Plan verfolgen. Dich zu stärken, indem ich nicht verliere.

Ich bleibe auf dem Boden, nah bei dir. Und ich leide. Und ich lache. Und frage mich leise bei mir selbst: Wie lange?

Ich werde schwach, will aufgeben und du weißt nichts davon… doch in jedem Moment in dem ich aufschlagen will, mich fallen lassen will in dieses riesige schwarze Loch, dass Aufgeben heisst, nimmst du mich wieder an die Hand. Und du weißt dabei von nichts. Zeigst mir kurz den Sonnenstrahl, den Lichtblick der du für mich bist. Du zeigst mir was sein könnte und ich will es. Ich will es schaffen. Ich will stark sein. Die Quellen meiner Kraft die ich versiegt geglaubt habe, nur noch eine kleine erbärmliche Pfütze im Becken meines selbst, fangen plötzlich stärker zu sprudeln an als zuvor.

Und ich sage leise zu mir selbst: So lange es dauert.

Advertisements

Schnee im Oktober – Teil 6

Schnee im Oktober – Teil 6

nebel‚Danke Herr Dr. Kupfer!‘ flüsterte sie verschmitzt.

Er lachte, zog gespielt den Hut und meinte dann. ‚War wohl alles ein Bisschen viel heute! Willst du dich nicht hinlegen und ein Bisschen schlafen? Morgen sieht die Welt wieder ganz anders aus.‘

Sie nickte nur, während er das Stroh zurecht richtete. Als sie sich dann hinlegte, schob er ihr noch eines seiner Bündel unter, bevor ihr Kopf das Stroh berühren konnte. Liebevoll deckte er sie mit seinem Schlafsack zu und hangelte nach ihrer Decke, um sie ihr irgendwie unter den Schlafsack zu legen.

Dabei bemerkte er: ‚Deine Hose ist ja auch nass!‘

‚Ja!‘ gähnte sie nur.

‚Willst du sie nicht ausziehen?‘

‚Hm!‘ murmelte sie und drehte sich von ihm weg auf die Seite.

‚Ich schau auch bestimmt nicht!‘ flüsterte er nun verlegen, wand sich ab und packte den restlichen Proviant wieder in das Tuch und formte ein handliches Bündel mit nur wenigen Handgriffen.

Hinter sich hörte er nur, wie sie unter dem Schlafsack herumwirtschaftete und als er sich wieder zu ihr umdrehte, beförderte sie ihre schlammverschmierte Hose gerade aus dem Schlafsack und drehte sich wieder in seine Richtung.

Er nahm die Hose an sich, schüttelte sie aus und hängte sie über einen freien Balken. Dann trank er das restliche Bier leer, rülpste leise und ging wieder zu ihr rüber. Sie wurschtelte immer noch im Schlafsack herum.

‚Kann ich dir irgendwie helfen?‘ fragte er ganz unverblümt.

Ohne ihn zu beachten, kroch sie aus dem Schlafsack und legte ihre Decke auf das Stroh. Er beobachtete sie dabei und schmunzelte über ihre Snoopy-Unterwäsche.

‚Sag bescheid, wenn ich dir zur Hand gehen soll!‘ meinte er, während er seine Weste aufknöpfte.

Sie hatte sich wieder hingelegt, als er seine Hose auszog, die ebenfalls ziemlich nass war. Langsam gingen ihm die freien Balken aus, also legte er seine Hose ins Stroh und hoffte inständig, dass sie in der Früh wie durch ein Wunder trocken sein würde. Er bemerkte nicht, dass sie ihn dabei beobachtete, wie er auch sein Hemd auszog.

Irgendwie wurde es ihm erst gewahr, als er sich wieder zu ihr umdrehte und sie ihn heiter angrinste.

Ahnungslos grinste er sie an und folgte ihrem Blick, an sich hinunter.

‚Also Superman-Shorts und ein Batman-Shirt passen ja zusammen, wie die Faust aufs Auge.‘ meinte sie schnippisch und lachte dann aber herzlich.

Er musste auch lachen, kniete sich zu ihr runter und legte seine Jacke ins Stroh.

‚Wenn Snoopy nichts dagegen hat…!‘ meinte er fast beiläufig und legte sich neben sie. Sie lüpfte den Schlafsack etwas und machte eine einladende Handbewegung.

Mit einem sicheren Handgriff, rollte er sie in ihre Decke und kroch unter den Schlafsack. Seine Füße trafen auf die ihren, als er näher rückte. Sie zitterte immer noch. Ohne darüber nachzudenken packte er sie einfach, zog sie an sich heran und nahm sie in den Arm. Ehe sie sich versah klebte ihr Gesicht bereits am Batman-Aufdruck auf seiner Brust.

Sein betörender Geruch stieg ihr wieder in die Nase und der Hauch von Moschus lies sie wie Butter in seinen Händen zerschmelzen, und so ergab sie sich seufzend in seiner Umarmung.

Er rieb ihren Rücken und hauchte ihr ins Haar: ‚Du wirst mir doch nicht erfrieren?‘

Sie wusste nicht, ob die Hitze die nun in ihr aufstieg, von dem Blut kam, dass wieder ihre Wangen erröten lies, oder ob sie nur vom Zimmermann auf sie übergangen war. In beiden Fällen lag es wohl an ihm. Er drehte seinen Kopf, so dass sie seinen Atem hören konnte und küsste ihr Haar, als sie ihre Augen geschlossen hatte. Sie konnte seinen Körper spüren, wie er sich an sie schmiegte und ihr stolperte wieder ein kleiner Stöhner aus ihrem Mund.

Das brennende Stachelschwein

Das brennende Stachelschwein

220px-Wasser_und_Licht_1Manchmal gibt es so Tage, an dem ich mir denke, warum manche Menschen glücklich sind und manche Menschen einfach nicht glücklich zu machen sind, obwohl es doch so einfach wäre und es einfach nur einer klitzekleinen Kleinigkeit bedarf, das Quäntchen Glück zu finden.

Jammern doch immer nur diejenigen, die eigentlich alles zu haben scheinen, es aber nicht sehen, weil sie immer nur mit jammern beschäftigt sind. Weil sie nicht nach links und nicht nach rechts sehen, weil immer nur die Anderen Schuld sind und weil man auch nicht die Möglichkeit in Betracht ziehen würde, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu erleben.

Und die die scheinbar nichts haben außer sich selbst. Die allen Anschein nach schon jeden verfickten Blickwinkel am eigenen Leib erlebt haben und trotzdem nicht aufgeben, weil irgendwo da draußen der Silberstreifen am Horizont ist und hinter dem Silberstreifen wartet das Quäntchen Glück auf das brennende Stachelschwein. Ja genau!?

Es ist zum Greifen nah, aber doch scheint es unerreichbar. Und was bleibt. Die Hoffnung, solange man eine hat und es wäre auch irgendwie blöd die Hoffnung hinter sich zu lassen, ist sie nicht das Einzige woran man sich klammern kann, wenn man nichts hat, außer sich selbst und die Hoffnung an etwas zu Glauben, was es wahrscheinlich gar nicht gibt. Und genau dieses Quäntchen Hoffnung irgendwo ganz tief in unseren Herzen, einfach nicht aufgeben zu wollen. Immer an das Gute im Menschen zu glauben und dass das Glück einfach mal vor der eigenen Tür stehen könnte und so penetrant gegen die verschlossene Tür hämmert, dass man es auch wirklich nicht überhören kann.

Aber das Glück fällt einem einsamen brennenden Stachelschwein nicht in den Schoß, weil so viel Glück würde das Universum einem nie zugestehen würde. Ein brennendes Stachelschwein wird nie zur Ruhe kommen können, weil es immer auf der Suche ist, nach dem Quäntchen Glück, weil es steht nicht vor der Tür und wenn, dann wäre man eh nicht zuhause und das Quäntchen Glück würde vor der Tür eingehen wie ein kleines Pflänzchen in der prallen Sonne.

Aber man kann irgendwie auch nicht aufgeben, obwohl man genau weiß, dass man das Quäntchen Glück nie erreichen wird. Aber das dumme Stachelschwein rennt weiter und immer weiter, als sich auch nur einmal umzudrehen, einen Schritt beiseite zu machen, um das Ganze von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten.

Doch diese klitzekleine Kleinigkeit scheint immer unerreichbar und man versteht einfach nicht, wie andere Menschen glücklich sein können. Warum immer die Anderen und nicht ich? Ich, das dumme brennende Stachelschwein!

Weil nur ich so blöd bin und alleine durch den Wald laufe und vergeblich auf den Schnee warte. Weil der Schnee wäre die einzige Medizin gegen das Feuer, aber der Schnee lässt alle auf sich warten. Der Winter wird nicht mehr kommen… Im November vielleicht. Aber bis November auf Schnee warten, weiter brennen und nicht rausgehen, um den Schnee zu suchen, ist irgendwie so wie die Hoffnung auf das Quäntchen Glück aufzugeben, weil einem zuhause die Decke nicht genug auf den Kopf fällt. Weil man manchmal nicht rausgehen will, weil Menschen einen manchmal Angst machen. Weil man manchmal einfach mit niemanden reden will und weil man manchmal auch niemand sehen will. Und an einem anderen Tag suhlt man sich in Geselligkeit und fühlt sich pudelwohl, weil das brennende Stachelschwein, eine echte Rampensau ist.

Nein, das wäre ja auch nur zu schön, wenn man völlig normal wäre. Dann wäre man ja wie die Anderen. Und die Anderen haben doch immer Schuld an allem. Die Anderen sind doch die, die etwas sagen könnten, wenn man denkt, was würden denn die Anderen sagen. Und eigentlich sind doch all die Anderen scheißegal, wenn man doch nur glücklich wäre. Ob verrückt oder nicht. Glücklich sein, wäre zu Abwechslung echt mal eine Herausforderung, die man nur zu gerne annehmen würde. Dazu müsste man ja nur die Tür öffnen, auch wenn man es nicht klopfen gehört hat. Auch wenn der Blick vor die eigene Haustür einem nur erkennen lässt, dass da nichts ist, außer alte Schuhe, die man eh nie wieder tragen wird, ein alter Autoreifen und ein kaputter Karton, der den Weg in den Müll noch nicht gefunden hat, weil man selber zu faul war ihn hinunter zu tragen. Das Glück macht man sich schon selber und manchmal auch zu nichte und dann muss man irgendwie damit weiterleben. Weil aufgeben. Nein, niemals. Und zugeben, noch viel weniger! Dann würde man ja Schwäche zeigen und das wiederum könnten ja dann wieder die Anderen mitbekommen.

Aber was interessieren einem die Anderen, wenn man selber doch nur auf der Suche nach seinem eigenen Glück ist. Weil man selber seinen eigenen Schweinehund besiegen muss, um glücklich zu sein. Es sind nie die Anderen, es ist immer die faule Sau in einem selbst, die einen zurück hält, aufzustehen und vor die Tür zu gehen. Einen Schritt bei Seite zu machen, sich hinzuknien und die Welt einfach mal von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten. Auch wenn man bei diesem einem Schritt vom Hochhaus fällt. Das brennende Stachelschwein kommt auf allen Vieren auf, schüttelt sich, ärgert sich vielleicht kurz über seinen Schritt und rennt weiter und wird vielleicht irgendwann glücklich. Das erfährt man nur, wenn man den Schritt macht und vielleicht vom Hochhaus fällt, aber vielleicht hat man auch einen Fallschirm. Unten auf allen Vieren ankommen tut man so oder so… nur manchmal wäre es schon schön, wenn man vorher einen Eimer Wasser in die Fresse geschüttet bekommt, bevor man brennend vom Hochhaus fällt und sich unten alle Viere bricht.

Ist das Quäntchen Glück der Eimer Wasser, oder der derjenige, der einem den Eimer in Gesicht schüttet. Oder ist es der Blickwinkel, wenn man sich die Tränen aus den Augen wischt, sich kurz schüttelt, sich vielleicht ärgert, weil man vielleicht vom Hochhaus gefallen wäre, oder ist es der Fallschirm, der einen sicher unten ankommen lässt. Die Fragen kann dir kein Glückskeks der Welt beantworten, weil dann müssten alle bis November warten.

Mach einfach einen Schritt beiseite, knie dich hin und mach die Augen auf, das Glück ist meistens näher als du denkst!

Schnee im Oktober – Teil 5

Schnee im Oktober – Teil 5

nebelImmer noch verstohlen beobachtete sie ihn, wie er seine Schuhe auszog und Stroh hinein stopfte. Dann kniete er sich neben seine Jacke und kramte darin herum. Nach einer Weile förderte er allerlei zu Tage und meinte dann: ‚Also wir haben 1 Flasche Bier, 1 Flasche Wasser, den Flachmann, ein angebissenes Käseschinkentoast, ein Snickers und eine halbe Packung Gummibärchen.‘

Sie hob den Finger und blickte in ihre Handtasche. ‚Also ich kann noch eine Packung Kaugummis, eine Packung TicTac und Em Eukal für Kinder beisteuern.‘ sagte sie mehr zu ihrer Handtasche als zu ihm. Mit der Taschenlampe leuchtend, kramte sie noch weiter in ihrer Handtasche herum und rief dann: ‚Oh, da ist noch ein angebissener Müsliriegel und so was wie ein Duplo!‘

‚In der Not darf man nicht wählerisch sein.‘ rief er und legte ihr die in ein Tuch gewickelten Köstlichkeiten vor die Füße.

‚Ich will dir aber nichts weg essen.‘

‚Wir bleiben hier ja nicht ewig, oder?‘

‚Keine Ahnung!?‘ meinte sie und zuckte ratlos mit den Schultern.

Er teilte das angebissene Käseschinkentoast in zwei Teile und reichte ihr die nicht angebissene Hälfte. Dann öffnete er das Bier mit seinem Flachmann, trank schnell den Schaum ab und reichte ihr die Flasche. ‚Prost!‘

‚Danke!‘ meinte sie verlegen und nahm die Flasche an den Mund.

‚Hör auf dich zu bedanken, das ist doch selbstverständlich.‘ rief er ernst.

‚Ich bin das nicht so gewohnt.‘
‚Dann gewöhn dich dran, so lange Hans Kupfer an deiner Seite ist, wird alles geteilt.‘

Sie nickte nur verlegen, biss in das Brot und drückte ihm das Bier wieder in die Hand. Er lehnte sich nach vorne, um an die Flasche zu gelangen, dabei hatte er sich neben ihren Schuhen abgestützt. Als er sich wieder aufrichtete streifte er ihre Schuhe und bemerkte, dass sie auch nass waren.

‚Deine Schuhe sind ja auch nass!‘ meinte er und trank von dem Bier, bevor er die Flasche wegstellte.

‚Und meine Socken auch!‘ flüsterte sie.

‚Los zieh sie aus!‘ rief er, zog dabei eine Augenbraue hoch. Er wand sich ab, um in einem seiner Bündel zu kramen.

‚Die werden dir viel zu groß sein, aber trocken und warm.‘ murmelte er.

Zögernd zog sie ihre Schuhe aus und er warf ihr seine Socken hin und schnappte sich gleich ihre Schuhe, um ebenfalls Stroh hinein zu stopfen. Als er sich wieder zu ihr drehte, hatte sie ihre Socken ausgezogen und versteckte ihr nackten Füße im Stroh.

‚Gibst du mir deine nassen Socken, dann häng ich sie auf.‘ rief er und erst als er ihr seine Pranke hinhielt, übergab sie ihm ihre Socken.

Er hängte sie auf einem Querbalken auf und kam wieder zu ihr, um sich vor sie zu knien, während sie seine Socken immer noch ihn Händen hielt und gedankenverloren am Bündchen herum spielte.

‚Mathilda ist alles in Ordnung mit dir?‘

‚Ähm ja, glaub ich!‘

Kurzerhand nahm er ihr die Socken ab, hob ihre Füße aus dem Stroh und zog ihr so behutsam es ihm möglich war, die Socken an. Dann blickte er ihr besorgt ins Gesicht.

‚Wirklich alles in Ordnung?‘

Sie wirkte immer noch ziemlich abwesend, so dass er sich seine Taschenlampe schnappte und Anstalten machten ihr in die Augen leuchten zu wollen.

‚Schau mich mal an!‘ rief er und sie tat wie ihr geheißen. Er leuchtete ihr mit der Taschenlampe in die Augen und blickte ihr angestrengt in die Augen.

‚Also die Reaktionsfähigkeit ist ganz gut!‘ meinte er und hängte die Taschenlampe wieder auf.

 

Fortsetzung folgt… vielleicht!?

Shattered

Das Radio ist aus, die Ohren auf Standby. Die Augen starren in den Himmel. Meine Gedanken treiben weit weg, fern und fort von hier. Ich liege leblos da, mein Körper krampft unter Stromstößen. Langsam driftet mein Geist ab. Ich sehne mich nach Ruhe, will fort von meiner gepeinigten Seele, will fort von hier. Raus aus diesem Leben, dass sich in so kurzer Zeit so eng mit dir verwoben hat.

Ich fühle mich an dich gefesselt, an die Erinnerungen. Jeder Ort den ich betrete, trägt deine Signatur. All die Lücken, die es ohne dich gibt, sind Salz in meinen Wunden. Es sind so unzählig viele, dass ich unfähig bin sie zu schließen. Ich habe nicht mehr die Kraft dafür. Ich hab so vieles in uns investiert. Ich hab gekämpft für uns. Hab deinen süßen Lügen gelauscht und deinen verlockenden Versprechungen geglaubt. Hab auf etwas gewartet, das nie kommen sollte. Hab Vertraut, obwohl ich wusste das es gefährlich war. Aber es ging dabei doch um dich? Und jetzt zieht alles noch einmal an mir vorbei…

Und immer wieder drängen sich die Fragen in mir auf. Du sagst, du hast das nie gewollt, du wolltest mir nicht weh tun. Du sagst du hättest nie so gehandelt, wenn du vorher gewusst hättest… Ich höre deine Worte, doch ihr Sinn zieht an mir vorbei. Du hast nicht einmal an mich gedacht. Du hast dir genommen was du wolltest, Verantwortungslos. Du hast die Vorzüge genossen, ohne nach den Konsequenzen zu fragen. Hast mein Herz an dich genommen und lässt es jetzt liegen wie ein vergessenes Spielzeug aus alten Tagen.

Jetzt sagst du nur, dass es dir leid tut. Flüchtest dich in Ausflüchte. Es habe sich alles für dich geändert, jetzt wo dir klar geworden sei, was wirklich ist. Du verlangst von mir, mich aus einem Netz zu befreien, in das du mich selbst gesponnen hast. Du flüchtest und sagst, du müsstest auch mal an dich denken. Und ich frage mich: Wann hast du das nicht? Hättest du nur einmal an mich gedacht, hättest du dieses Spiel nie mit mir gespielt. Und es war die ganze Zeit kein faires Spiel. Ich hatte nie eine wirkliche Chance. Du hast sie mir nie gegeben und wolltest das auch nie. Denn du kannst noch zurück, doch ich bin hier gefangen.

Jetzt lässt du mich mit den Konsequenzen allein. Kehrst einfach zurück, als wäre nichts gewesen. Erzählst mir, dir ginge es nicht gut, du würdest auch sehr leiden. Deine Worte erreichen mein Gehör, aber sie ziehen wie Nebel an mir vorbei. Du setzt dich einfach zurück in dein gemachtes Nest, wo du dich so wohl fühlst und lässt mich allein. Doch du sagst, du möchtest, dass ich nicht gehe. Doch zeitgleich lässt du mich zurück, mit dem grauen Nebel um mich rum. Du dringst nicht mehr zu mir durch, behandelst mich wie Eis. Und dein Eis greift nach meinem Herzen. Mein Lächeln gefriert mir und wenn ich doch eines zu Stande bringe, so erreicht es doch nie meinen Blick.

Als ich mich entschließe zu gehen, kettest du mich fest. Verlangst von mir, die Uhren zurück zu drehen. Und ich wünschte es wär mir möglich. Ich wünschte all das wäre nicht passiert. Ich wünschte ich könnte vergessen, all die Erinnerungen an die Zeit, in der du meine kleine Hoffnung zu einem stahlenden Leuchtfeuer gemacht hast. In der ich einmal vom Glück kosten durfte. In der du mir so viel bittesüße Lügen erzählt hast. In der du meintest, ich wäre alles was du brauchst und leere Versprechungen machtest, du würdest um mich kämpfen. Und jetzt ist plötzlich alles davon weg. Aus und vorbei. Als hätte es die Gefühle nie gegeben. Doch, sag mir, wie konnte das so plötzlich gehn? Ich versuche nicht daran zu denken, dass von einem Tag auf den anderen alles aus war. Versuche die Zeiten zu verdrängen, in denen du mir versprochen hast, für uns zu kämpfen.

Du hast nichts davon getan. Du bist einfach gegangen und hast die Scherben hinter dir zurück gelassen. Und mich mit ihnen. Hier liege ich nun, zerbrochen im Scherbenmeer, mein Herz durchdrungen von Splittern. Ich versuche nichts zu denken, denn selbst die schönen Erinnerungen an dich bringen nur Leid und Schmerz. Ich versuche nichts zu fühlen, denn die Leere in mir frisst mich sonst auf. Aber du sagst, ich solle bei dir bleiben. Ich soll die Zeit zurück drehen, alles auf Anfang ist, was du dir wünschst. Du bist grausam.

Auf dem Schreibtisch neben mir, liegen all unsere zerstörten Pläne. Liegt unsere gemeinsame Zukunft, von dir gemalt, von dir zerstört, bevor es sie jemals gab. Ich lasse die Kontrolle fahren. Was hat das denn alles noch für einen Sinn? Tröste dich, es war nicht das erste Mal, dass man mir so mitgespielt hat. Tröste dich, du wirst nicht alleine verantwortlich sein. Tröste dich, mein Herz war schon vorher nicht mehr ganz intakt.

Doch ein letztes Mal noch wollte ich vertrauen ohne an ein Scheitern zu glauben. Ein letztes Mal mich gegen mein Schicksal auflehnen. Ein letztes Mal noch wollte ich alles geben. Ein letztes Mal vergessen, wie viele Narben schon geschlagen sind. Dieses letzte Mal hab ich dir geschenkt. Dieses letzte Aufbäumen, der letzte Funke der Hoffnung. Ich habe ihn in deine Hände gelegt, weil ich dich liebe. Weil ich an dich glaubte. Ich habe die falsche Entscheidung getroffen, denn der Funke ist erstickt. Du hast Recht, die Schuld liegt bei mir. Und ich muss nun die Zeche zahlen. Die Dunkelheit hat sich in mir ausgebreitet.

Und nichts ist, was bleibt.

Das Radio ist aus, die Ohren auf Standby. Meine Augen starren in den grenzenlosen, weiten Himmel. Die Ruhe ruft. Meine Gedanken schwinden dahin. Mein letztes Gefühl ist zerfließt. Es ist zu spät um Lebewohl zu sagen. Ich lasse los und lasse mich fallen. Das Licht wird immer dunkler. Mein Herz schlägt immer leiser.  Meine Zeit ist gekommen. Die Leere verschwindet und ich… ich gehe nach Hause

 

Callingsanity

Die Frau mit dem pinken Regenschirm schlägt zurück

Die Frau mit dem pinken Regenschirm schlägt zurück

endeDer Regen hatte für einen Moment nachgelassen und die Frau mit ihrem pinken Regenschirm kam wieder die Straße entlang gelaufen. Sie hatte es wieder eilig und sie blickte ziemlich genervt in den Himmel. Es standen immer noch schwarze, schwere Wolken am Himmel und sie wollte nicht nochmal nass werden heute.

Da stand wieder dieser Mann am Straßenrand mit einem Schild in der Hand: ‚Gott liebt dich!‘

Sein Mantel schien nicht nur aus der Kleidersammlung zu stammen, er war immer noch pitschnass. Scheinbar hatte er sich nicht von der Stelle bewegt, seit dem sie vor Stunden hier schon mal lang gekommen war.

‚Das Ende der Welt ist nahe!‘ zischte er ihr zu und hielt sie wieder auf, in dem er ihr eine frische Broschüre hinhielt.

‚Ich weiß, ich weiß! Sie als bibelglaubender Christ glaube daran, dass Ihr zentrierter Geist in das Reich Gottes einfährt, denn Ihre Gebete sind die Leidenschaft armer Seelen und Ihr Lobpreis singen Sie nur zur Anbetung an Gottes Klang. Ihre Jüngerschaft ist die visionäre Leiterschaft für aufopferungsvolles Geben und ihre Verpflichtung den großen Auftrag zu erfüllen. Die Vision Unerreichtes zu erreichen und die gute Nachricht des Reich Gottes mitzuteilen!‘ rezitierte sie und blickte dem alten Mann dabei tief in die Augen.

‚Ihr faselt, Ungläubige! Ihr sollt euch nicht wenden zu Geisterbeschwörern und Zeichendeutern, die mit Dämonen verkehren, auf das ihr nicht an ihnen unrein werdet!‘ rief der Mann und erhob den Finger gen Himmel.

‚Ich kenne Ihre Bibel sehr gut. In der Nacht ihres Gelobens soll sich die Frau dem Manne öffnen, wie die Ackerfurche dem Pfluge, er soll in ihr arbeiten, wieder und wieder, solange bis sie ihn zu Fall bringt und auf dem Schweiß ihrer Brust Kräfte sammeln lässt!‘ meinte die Frau fast beiläufig und machte sich daran einfach weiter zu gehen.

‚Das hat dir der Teufel gesagt!‘ schrie der Mann völlig außer sich und spuckte dreimal auf den Boden, dreht sich dann im Kreis und kreischte wie ein Wahnsinniger.

‚Beetlejuice, Beetlejuice, Beetlejuice?‘ schrie sie ihn an, aber nachdem ihre Worte bei ihm anscheinend keine Wirkung zeigten, drehte sich dann einfach um und lief weiter.

‚Denn wer in fremden Zungen redet, ist außer sich, er scheint von einem fremden Geist besessen zu sein!‘ schrie de Mann hinter ihr her.

‚Papa a lăsat câinele singur în grădină și grădinar a futut câinele! Grădinarul a futut de câine, și Papa este de vina!‘ rief die Frau immer wieder und lief einfach weiter. Sie höre, dass der alte Mann ziemlich flink hinter ihr her rannte.

‚Exorcizamus te, omnis immundus spiritus, omnis satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis legio, omnis congregatio et secta diabolica. Ergo Draco maledicte, ecclesiam tuam secura facias libertate servire. Te rogamus, audi nos.‘ fing der Mann an einen Exorzismus zu zitieren.

Die Frau drehte sich um und lachte den alten Mann an: ‚Behandle jeden Menschen so, wie auch Jesus ihn behandeln würde!‘ Sie riss ihre Bluse auf und zwischen ihre Brüsten baumelte ein antikes Kreuz.

Der Mann brabbelte weiter den Exorzismus runter. ‚Exorcizamus te, omnis immundus spiritus, omnis satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis legio, omnis congregatio et secta diabolica…!‘

Sie hob das Kreuz vor den alten Mann und meinte lässig und völlig ruhig: ‚Alter Mann, zu viel Supernatural gesehen? Der richtige Exorzismus geht nämlich so: Exorcizamus te, omnis imunde spiritus, omnis Satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis legio, omnis congregatio et secta Diabolica, in nomine et virtute domini Jesu Christi eradicare et effugare a dei ecclesia, ab animabus ad imaginem dei conditis ac pretioso divini agnis sanguine redemptis.‘

Der alte Mann riss eher ungewollt den Rachen auf und schwarzer Rauch strömte aus seinem weit auf gesperrten Mund. Dann brach der Mann zusammen und die biblischen Broschüre von der Gemeinschaft zur Lobpreisung des Klang Gottes verstreuten sich über die Straße.

‚Anfänger!‘ meinte die Frau kopfschüttelnd und ging gemütlich weiter die Straße entlang, spannte den pinken Regenschirm auf und pfiff ein bekanntes Kirchenlied.

Es regnete gar nicht…

Frei

Allein stand sie auf dem freien Feld. Der Wind zerzauste ihre Haare und spielte mit ihrem Kleid. Ihre Augen geschlossen, die Arme ausgebreitet – so stand sie da und träumte vom Fliegen. Sie spürte das schwere, angenehme Gefühl von Flügeln auf ihrem Rücken, stärker als jemals zuvor. Waren sie früher nur vage Ahnung, unbestimmtes Gefühl, so wurden sie nun Gewissheit.

Ruhe umspülte ihr Innerstes und sie spielte mit dem Wind, ihrem alten Freund. Es gab nichts was sie noch hielt, Gefühle und Ängste lagen in weiter Ferne. Nur die Freiheit, der Wind und sie. Sie konnte gehen wohin sie wollte, wann sie wollte, wie sie wollte. Es gab keine Türen mehr, die ihr offen standen, es gab nur noch das weite Land.

Sie träumte von Freiheit, vom Gefühl der Grenzenlosigkeit. Zu lange war sie eingepfercht gewesen in Normen, Konventionen und „weil man das so macht.“. Zum ersten Mal atmete sie frei. Jeder erdenkliche Weg stand ihr frei. Was einst nur ein Traum war, ein „irgendwann mal“ manifestierte sich zu mehr als nur einer entfernten Möglichkeit.

Es gab niemanden mehr, der sie zurück halten konnte, keine Vorschriften mehr. Sie spürte wie das Band, das sie immer wieder fest gehalten hatte, mit einem lauten Knall riss. Sie spürte, dass sie sich fortan nicht mehr für andere sorgen musste. Sie spürte das ihre Pflicht endlich getan war.

Und mit den Ketten um ihr Herz, schwand auch die Last auf ihren Schultern. Ihre Tränen versiegten, ihr Schmerz verließ mit seinem letzten Seufzer ihren Körper. Sie spürte nicht mehr das Leid anderer, sie hörte nicht mehr die Hilferufe.

Zum ersten Mal hörte sie nur sich. Ihren Herzschlag, ihre Atmung. Sie spürte nur ihr eigenes Innerstes, nicht mehr das chaotische Wirrwarr der Gefühle um sie herum. Die Sehnsucht umarmte sie zärtlich und sie wusste, dass sie ihr endlich nachgeben durfte. Zum ersten Mal, war ihr Blick frei von Störungen und es gelang ihr, sich endlich selbst zu sehen.

Die Erde zwischen ihren Zehen war warm und weich – und langsam, zaghaft machte sie einen Schritt nach dem anderen. Die Sonne hinterließ ein sanftes Prickeln auf ihrer Haut.  Jeder Schritt war eine Erkenntnis. Tief empfundene Liebe für das, was vor ihr lag. Jeden einzelnen Pfad, jede einzelne Möglichkeit. Erneut breitete sie ihre Arme aus, tänzelte beinahe statt zu gehen und sog die Schönheit in sich auf, die vor ihr lag.

Nie wieder Dunkelheit, nie wieder Abhängigkeit, nie wieder Kraftlosigkeit, nie wieder Lähmung. Das alles lag hinter ihr.Dies war der Lohn für ihre Mühen. Der Preis für all die Dinge, die sie getan hatte. Für alles was sie gegeben hatte. Für jede unbezahlte Rechnung. Jede Narbe auf ihrer Seele. All den Schmerz.

Ungesehen verstarb die Verzweiflung und auch die Hoffnung wandelte sich in Gewissheit. Ihr Herz begann ruhiger zu schlagen. Es war zu Ende.

Und hinter ihr lagen die Trümmer der Zivilisation…

Calling Sanity II

Published in: on 8. Februar 2014 at 20:53  Schreibe einen Kommentar  
Tags: , , , , , , , ,

Glückskeks Calling Episode 1

Glückskeks Calling Episode 1

aliceschwarzerIch wache auf, mein Schädel brummt. So wie fast jeden Tag, also ist eigentlich alles gut. Die Luft ist stickig. Bäh. Ich müsste ja eigentlich nur aufstehen und das Fenster aufmachen.

Jemand hustet. Ups, dann bin ich wohl nicht allein. Hm. Hastig taste ich meinen Körper ab, ich bin angezogen und hatte scheinbar keinen Geschlechtsverkehr. Doppel-Hm! Gut, ich kann mich ja auch nicht daran erinnern. Hm, oder schlecht! Die KO-Tropfen-Paranoia ist wieder da! Mist!

Auf was für einer Scheißparty muss ich gewesen sein, letzte Nacht? Neben mir pfurzt jemand. Boa, bei was für Assis bin ich denn gelandet. Ich öffne ein Auge. Das grelle Licht von einer flackernden Neonröhre blendet mein eines Auge, fast!

Ein unterbehemdter, hässlicher, fetter und über die Maßen behaarter Kerl mit ziemlich asozialen und schlecht gestochenen Tattoos an beiden Armen, steht vor mir und blickt mich seltsam an, während er sich fast schon genüsslich seinen Sack kratzt.

‚Das Prinzesschen ist wach!‘ zischt er noch seltsamer als er schaut.

‚Who the fuck is Alice?‘ erschallt es aus dem Hintergrund.

‚Alice, pack deine Brüste aus?‘ sang die Meute dann weiter.

Ich rapple mich auf und blicke durch den Raum, der am Ende von Gitterstäben verschlossen ist. Und eine singende und johlende Gruppe von runtergekommenen Knackis veranstalten so was, wie Stadelheim sucht den Superknacki – die Musicalsensation!

‚Hey, Alice.‘ meinte einer der Kerle, der bis eben noch gesungen hatte. ‚Mich nennt man hier den Hutmacher!‘

‚Ja, er hat ‚Iss mich!‘ auf seinem Zipfel stehen!‘ riefen die Anderen.

Warum bin ich im Knast? Ich kann doch keiner Fliege was zu leide tun und ich bin ein Staatsdiener mit einer blütenreinen Weste! Ich stolpere auf und laufe Richtung Kloschüssel. Allein von dem abartigen Gestank muss ich schon kotzen.

Nach gefühlten Stunden, gab es nichts mehr in meinem Magen, dass sich noch zu kotzen lohnte. Und als ich aufblicke, konnte ich mein verschwommenes Spiegelbild in den blanken Armaturen des Standard Knast-WC sehen.

Mein ‚Neeeeeeeeeiiiiiiiiinnnnnnnn!‘ lies die Gesänge der Insassen verstummen. Ich springe auf und starre fassungslos in den verschmutzten Spiegel, der quer über dem Klo hing. Ich knete wie eine Verrückte mein Gesicht und raufe mir die Haare. Ich hab Haare, ganz schlimme!

Sag mal, Universum, was hab ich eigentlich verbrochen, dass du mich so strafen tust. Oder waren es die Glückskekse, muss ich jetzt etwa bis November warten, bis ich aus der Scheiße wieder raus komme.

Ich weiß, ich wünschte mir immer eine Nacht im Männerknast und einen Mann mit einem tätowierten Penis, aber ich in der Gestalt von Alice Schwarzer? Das ist nicht dein Ernst! Alice Schwarzer will doch keiner bohnern, noch nicht mal die abartigen, tätowierten Bastarde hier.

Diese scheiß Drecksglückskekse, erst sollen mir unglaublich tolle Dinge widerfahren. Der November ist schon längst vorbei, du Spasti! Dann geht mir mein sehnlichster Wunsch in Erfüllung und dann so was. Und ich kann nicht noch mehr kotzen.

Eine Nacht im Männerknast und einen Mann mit einem tätowierten Penis. Das waren wohl zwei Wünsche auf einmal. Da musste ja irgendwas schief laufen. Verdammt.

Rätien – Winter 230 – Im Quell der Götter

Rätien – Winter 230

Im Quell der Götter

800PX-~1Wütend schlug Valeria dem Optio ins Gesicht und schrie ihn an: ‚So lange du Schmerzen hast, lebst du noch und jetzt hilft mir deine Rüstung auszuziehen!‘

Er schüttelte erschrocken den Kopf und blickte sie entsetzt an. Sie rückte näher an den Optio heran und zog an der Rüstung, es gab ein widerlich saugendes Geräusch, als sie die Brustplatte von der Wunde gezogen hatte. Mit seiner Hilfe schaffte sie es schließlich ihn von seiner Rüstung zu befreien. Er musste sich auf die Zunge beißen, um nicht vor Schmerz zu schreien.

Noch bevor die Rüstung auf den Steinboden krachte, griff sie schon unter seine Tunika und presste ihre Hand auf die Wunde. Mit der anderen Hand schöpfte sie das warme Wasser der Quelle auf seine Verletzung. Sein ganzer Körper bebte unter ihren Berührungen.

Fast besinnungslos rutschte er an ihr vorbei über den Rand ins Wasserbecken. Sie konnte ihn gerade noch an der Tunika festhalten, doch er rutschte wie ein nasser Sack aus seiner blutigen Tunika und tauchte sofort mit dem Kopf unter Wasser. Hastig warf sie die Tunika fort, griff ihm unter die Arme und bugsierte ihn schwerfällig auf eine der, in den Stein gehauenen, Stufen, die in den Quell führten. Zumindest war der Kopf wieder aus dem Wasser und sie konnte sich seine Verletzung genauer ansehen, auch wenn sie unter der Wasseroberfläche war. Aber noch eine Stufe würde sie ihn nicht hoch hieven können, dafür war er zu schwer.

Das Wasser färbte sich rot von seinem Blut. Leicht panisch tauchte sie ab, um ihren Mund auf seine Wunde zu legen. Der Schmerz lies ihn fast wahnsinnig werden, doch er schrie nicht. Sein Kopf wurde schwer und er kippte nach hinten, bis die nächste Stufe seine eher unfreiwillige Bewegung aufhielt. Der Segen einer Ohnmacht nahm nicht lange von ihm Besitz. Der Schmerz riss ihn wieder ins Licht. Schwer atmend starrte er aufs Wasser. Die Herrin der Quelle lag in seinem Schoß. Im nächsten Moment war sie verschwunden und er dachte schon, dass er träumen würde. Es musste ein Traum sein…

Ihm blieb fast das Herz stehen, als sie zwischen seinen Beinen wieder auftauchte. Sein Blut ran aus ihrem Mund, dennoch lächelte sie. Zwischen ihren Zähnen hatte sie etwas, was er im Schimmer der Fackeln blitzen sehen konnte. Langsam führte sie ihre Hand zum Mund und förderte die abgebrochene Spitze eines Speers zu Tage.

‚Die hätte Euch fast das Leben gekostet. Wie konntet Ihr damit nur laufen, geschweige denn reiten?‘ fragte sie und drückte weiter die andere Hand auf seine Wunde.

‚Ich hatte einen Auftrag und dann hab Ihr mich verzaubert.‘

Sie lächelte ihn an und fragte: ‚Wie kann ich mich nur erkenntlich zeigen?‘

‚Das wollte ich Euch auch gerade fragen!‘ erwiderte er schlagfertig. ‚Oder werde ich doch sterben?‘

Sie stand einfach auf, beugte sich vor, legte die Speerspitze an der obersten Stufe ab und küsste lächelnd seine Nase, als sie sich wieder ins Wasser setzte und abtauchte. Er blickte sie mit offen stehenden Mund verträumt an. Langsam schwamm sie wieder in seine Richtung und hielt sich an seinen Oberschenkeln fest, dabei streifte sie sein Gemächt und flüsterte dann geheimnistuerisch: ‚Und solange der kleine Optio da unten sich noch so freut mich zu sehen, werdet Ihr bestimmt nicht sterben!‘

‚Ihr beschämt mich, Herrin der Quelle!‘

‚Es hat aufgehört zu bluten!‘ meinte sie, setzte sich auf seinen Schoß und küsste ihn auf den Mund. ‚Darf ich Euch um einen Gefallen bitten!‘

‚Alles was Ihr wollt!‘ stöhnte er.

‚Nehmt mich, bitte!‘

‚Bitte was?‘ rief er entsetzt und sie verschloss ihm mit ihrem Mund den Seinen, um ihm am reden zu hindern und fuhr dann selbst fort, bevor er auch nur Luft holen konnte.

‚Die Alemannen haben mich nicht angerührt, sie haben sich nicht getraut die Herrin der Quelle zu schänden!‘

‚Bei allem gebührenden Respekt, ich werde Euch nicht schänden!‘

‚Wenn ich nicht mehr unberührt bin, wird der Senator mich nicht mehr mit seinem schwindsüchtigen Sohn verheiraten wollen.‘

‚Und wenn Ihr Eure Gabe verliert?‘

‚Ich werde in meiner Quelle nichts verlieren außer meine Unschuld!‘

‚Gut, verehrte Valeria. Ich bin Euch überaus dankbar, dass Ihr mein Leben gerettet habt, Ihr hättet es nicht tun müssen, obgleich ich Eures gerettet habe. Wenn es nun Euer Wunsch ist, werde ich mit Euch Liebe machen. So nennt man das nämlich. Ich hab heute schon genug Gewalt gesehen und ich habe es satt, dass sich jeder einfach nur das nimmt was er will.‘

‚Mein lieber Optio, jetzt beschämt Ihr mich!‘ flüsterte sie und küsste ihn wieder. Ihre Hände wanderten zu seiner Hose und nestelte sie behutsam auf.

Fortsetzung folgt… vielleicht… bald!

Insanity Inside – Der Wahnsinn mit uns

Wir waren zwei verlorene Seelen irgendwo in diesem Modernen Neuzeit-Dschungel. Und alles was wir suchten war ein wenig Nähe in dieser anonymen Welt. Was uns zusammen führte, war vielleicht Schicksal, vielleicht aber auch einfach Glück. Mir war es jedenfalls egal, ich war zufrieden mit dem was ich bekam. Denn ich wusste nur zu genau wie schnell ich es wieder verlieren könnte. Waren wir doch alle einsame Kinder der neuen, grenzenlosen, freien Welt.

Unser kurzer Moment miteinander zeichnete sich durch eben jene Kurzlebigkeit aus, die uns überall begegnete. Die Blicke zweier Rastloser begegneten sich, verfingen sich ineinander, umschlangen sich in purem Verlangen, nur um sich kurz darauf wieder zu lösen um weiter zu wandern. Ein kurzer Moment der Faszination, des Interesse für etwas Neues und doch gleich wieder in sich gekehrt und weiter streifend.

Nichts ist mehr für die Ewigkeit, sagte ich mir, als auch ich meinen Weg fortsetzte. Fort von hier, den Blick auf’s Neue gerichtet.

Oft aber schaue ich zurück. Dann denke ich an jene, mit denen ich diese kostbaren Momente teilte und ich denke voller Liebe daran zurück. Und manchmal frage ich mich, zu welchem Zweck? Zu welchem Zweck folge ich einer Doktrin, die mir die Zeit und all die bindungsunwilligen Individuen mit ihren ach so innovativen Selbstverwirklichungsideen aufzuschwatzen versuchten? Wo ist das kleine Stück Ruhe geblieben? Wann hatte das angefangen, dachte ich. Was war damals geschehen?

Wir hüllten unsere Gefühle in zerbrechliche Kokons aus Glas und wagten es nicht mehr, sie aus der Vitrine unseres Selbst zu holen, weil wir fürchteten, sie würden zerbrechen. So stehen wir Tag ein Tag davor und fragen uns, wie es denn wäre. Wieder dieses wilde, ungezügelte Selbst zu spüren, dass sich sehenden Auges und mit vollem Bewusstsein in ein Abenteuer stürzt ohne auch nur einen Atemzug an das Morgen zu verschwenden. Das Selbst, das bedingungslos liebt und sich nicht mit egoistischen Gedankenspielen und Gegenleistungsansprüchen abgibt. Das Selbst, welches nicht zögert auszusprechen, was es fühlt und keine Angst hat seine Liebe zu gestehen. Dem es egal ist, wie viel Zeit schon verstrichen ist, denn es fühlt was es fühlt. Denn es liebt nicht erst nach Monaten, es liebt im hier und jetzt.

Wo ist das Gefühl hin? Das Gefühl vor den ganzen Großstadtwölfen? Das Gefühl bevor Bequemlichkeit die Liebe ersetzte. Bevor die Angst ihre hässlichen Krallen in unsere Köpfe schlug und uns darauf impfte uns niemals aus der Reserve locken zu lassen. Wann haben wir vergessen, wie man respektvoll mit den Gefühlen eines anderen umgeht?

Ich erinnere mich noch gut daran, wie man mir einst sagte, wie geehrt man sich fühlte, weil ich liebte. Und mir auf die sanfteste Art und Weise, mitteilte, dass man diese Gefühle nicht teilte. Ich weiss noch, wie mein Herz nicht vor Schmerzen jaulte, sondern einen kleinen Hüpfer machte, verständnisvoll nickte und los lies. Ganz einfach, ohne Schmerz, ohne Reue für das Gefühlte, ganz leicht. Mein Stolz blieb intakt und ich konnte weiterstreifen, ohne die kleinste Narbe in meinem Selbst, ohne verunsichert zu sein. Alles was ich getan hatte war richtig, auch wenn das Ergebnis nicht das gewünschte war. Ich blieb sicher im Tritt und konnte mit einem Lächeln abschließen. Doch das ist lange her.

Wir sind so übersättigt mit Angeboten, dass wir vergessen haben, was wirklich wichtig ist. Niemand sucht mehr jemanden, auf den man sich verlassen kann, der einem ein treuer Begleiter ist und einem einen Ort der Ruhe bieten kann. Wir alle wollen nur die schnellen Gefühle, nicht mehr die ganz Großen. Denn die machen uns verletzlich und klein. Weil wir verlernt haben, mit dem wirklich Großen umzugehen und es zu genießen. Wir sind maßlos geworden. Wir wollen alles schnell, alles gleich und am besten ohne Verantwortung. Wir wollen gehen, wenn es anstrengend wird. Wir wollen genommen werden wie wir sind, der andere ist egal geworden. Wir wollen keine Probleme, wir wollen nur die schönen Seiten. Wir wollen nur uns erfüllen.

Es ist uns unangenehm geworden, geliebt zu werden. Wir belügen uns und sagen, wir wollen keine Gefühle verletzen. Doch in Wahrheit fühlen wir uns Machtlos. Die Energie dieser Gefühle ängstigt uns, weil es etwas ist, das wir längst vergessen haben. Weil wir unser eigenes Gefühl tief in unserem Innersten begraben haben, mit dem innigen Wunsch, dass es nie mehr an die Oberfläche kommen möge. Denn es bedeutet doch ohnehin nur Leid – oder?

Und doch pocht diese Sehnsucht in uns. Wir füttern sie mit kurzen, bedeutungslosen Abenteuern, um ihre Stimme nur für einen kurzen Moment nicht mehr zu hören und hoffen das es hilft. Doch schnell brauchen wir den nächsten Schuss, bald reicht es nicht mehr und wir wollen mehr. Und dann verfangen wir uns wieder in dem Netz, das uns doch nichts geben kann. Blind für die Opfer die wir hinterlassen. Blind dafür, dass es uns nicht hilft.

Dabei müssten wir nur einmal Mut beweisen. Öfter mal was riskieren und mehr Respekt haben. Aber das wäre nicht einfach. Einfach ist das neue Schick. Einfach ist modern. Einfach sind wir. Alle. Immer. Respekt und Ehrlichkeit sind uns nicht mehr möglich, „schnell, unkompliziert und gut“ sind übergroß geworden. Und so schweigen sich die vielen Seelen an, die liebend gerne in den Himmel schreien würden, was sie fühlen. Sie schweigen und verdrängen und sehen nicht, dass sich ihr Gegenüber in ihnen spiegelt.

Wir wollen alles, aber nichts dafür tun. Letztlich… sind wir ständig auf der Suche, aber wir kommen nie an. Wofür?

Callingsanity

%d Bloggern gefällt das: