Rätien – Winter 230 – Der Quell der Götter

Rätien – Winter 230

Der Quell der Götter

800PX-~1Der Optio brachte Valeria in die Höhle, wo ihm die beiden Späher aufgeregt entgegenliefen.

‚Wo ist dieser Quell?‘ schrie er sie fast an.

‚Folgt mir!‘ rief Ask, der bereits eine Fackel in Händen hielt und loslief. Der Optio folgte ihm durch einen langen Gang, der vom anderen Ende der Höhle in eine weitere Kammer führte. Die Beiden hatten überall Fackeln entzündet, so dass sich ein angenehm warmer Lichtschimmer in der ganzen Höhle ausgebreitet hatte und sich inmitten der Höhle in einem azurblauen Quell widerspiegelte. Während er mit offenem Mund diesen Naturtempel bestaunte, lag sie immer noch bewusstlos in seinen Armen.

‚Der Quell der Pferdeherrin Epona!‘ rief Ask ganz aufgeregt und verschwand gleich wieder. Ihm war es irgendwie unangenehm so nah bei den Göttern zu sein.

Vom Wasser stieg Dampf auf und es sprudelte, obwohl das Becken keinen sichtbaren Zulauf hatte. Das Wasser musste direkt aus den Tiefen des Berges kommen.

Huldvoll legte er sie am Rande der Quelle ab und half ihr aus den Schuhen und wickelte ihr die Beinwickel ab, die sie vor der Kälte hätten schützen sollen. Sie fühlte sich kalt an und er bekam es mit der Angst zu tun. Hastig wickelte er sie aus der Decke und bugsierte sie an den Rand des Wasserbeckens. Als ihre Zehenspitzen das Wasser berührten, erwachte sie wieder und zog die Beine an, um sie einen Moment später ins Wasser gleiten zu lassen. Dampf stieg auf und man konnte neben dem Knistern der Fackeln, nur ein paar Tropfen hören, die von der Höhlendecke prasselten.

Gedankenverloren hielt er sie immer noch fest, bis sie zu ihm nach oben blickte und ihn liebevoll, aber erschöpft anzulächeln. Es kam ihr kein Wort über die Lippen, aber er konnte ihre Stimme in seinem Kopf sprechen hören und einen Moment spürte er ihre Stimme von den Wänden widerhallen. ‚Du musst mich jetzt loslassen!‘

Und er ließ sie schweren Herzens los. Ihr Körper glitt wie eine Schlange ins Wasser und die Überreste ihres Kleides bauschten sich über den Luftblasen im Wasser auf und erlaubte ihm einen verschämten Blick auf viel nackte, weiße Haut.

Der Anstand erlaubte es ihm nicht eine, einem anderen Mann versprochene, Frau anzublicken, so wand er hastig seinen Kopf ab, noch bevor ihm gewahr wurde, dass ihm die Schamesröte ins Gesicht stieg.

Nach einem langen Moment spürte er eine nasse Hand an seinem Knie. Er erschrak, drehte sich aber nur langsam wieder in Richtung Becken. Ihm war gar nicht klar, dass er immer noch neben dem Quell gekniet hatte. Sie hielt ihm wortlos ihr Kleid hin. Ebenso wortlos nahm er das tropfende, zerrissene Etwas entgegen und versuchte ihr nicht wie ein Idiot auf die nackten Bürste zu starren. Er konnte sich nicht erinnern wann er das letzte Mal eine nackte Frau gesehen hatte. Und bevor ihm gewahr wurde, dass er sie doch angestarrt hatte, wand er sich schon ab, stand hastig auf und ging festen Schrittes aus der Höhle, durch den Gang zurück zu den beiden Spähern. Die Beiden striegelten fast schon andächtig vier Pferde, die sie bis auf seinen Gaul auch alle gestohlen haben mussten.

Kopfschüttelnd hielt er ihnen das Kleid hin und fragte: ‚Könnt ihr beiden diebischen Elstern da noch was retten?‘

Kjeld grinste ihn an und meinte: ‚Erstmal trocknen wir das Kleid und dann sehen wir weiter. Wir haben aber auch noch Stoffe gefunden, die Herrin der Quelle wird morgen angemessen gekleidet sein!‘

‚Und bis dahin kriegt sie meine andere Tunika!‘ meinte der Optio und starrte wie hypnotisiert auf einen Altar, den sie für die Pferdeherrin Epona errichtet hatten. ‚Ich wusste nicht, dass euch die Pferdeherrin so viel bedeutet.‘

‚Vergesst nicht, dass wir, wie Ihr aus Gallien stammen und Epona war immer an unserer Seite und selbst hier in Rätien wurde ihr dieses Quell geweiht.‘

Er griff nach seiner Tasche und holte die beiden Schriftstücke heraus. ‚Und was ich nie verstanden habe, warum die Götter mich zu einem freien Mann und euch zu Sklaven gemacht haben, wo wir doch alle aus dem selben Holz geschnitzt sind.‘

Feierlich drückte er Ask die beiden Schriftstücke in die Hand und rief: ‚Wenn wir morgen diesem geweihten Ort verlassen, werden wir alle freie Männer sein und euer Bruder Roar wird beim Centurio als freier Mann auf euch warten. Euch ist dann selbst überlassen, wo ihr hingehen wollt.‘

Dann griff er hastig sein Gepäck, wand sich ab und verschwand wieder im Gang. Das Schicksal der drei Brüder ging ihm sehr nahe und musste sich jetzt wirklich zusammen reißen. Die Entscheidung lag bei ihnen, was sie nun mit ihrer Freiheit anstellen würden.

Als er wenig später wieder zum Quell kam, lag Valeria mit ausgestreckten Armen völlig regungslos im Wasser und ihre Wunden schienen wie fortgespült worden zu sein. Er wickelte sein Bündel auf und legte ihr eine leichte Tunika neben den Quell.

Sie öffnete die Augen und lächelte ihn zufrieden an, während sie sich wieder in die Senkrechte begab.

‚Ich hab Euch meine Tunika gebracht, ich bin mir nicht sicher, ob die Jungs Euer Kleid retten können!‘ Seine Stimme hallte vom Höhlendach zurück und er zuckte deswegen zusammen. Hitze stieg in ihm auf und es lief ihm gleichzeitig ein kalter Schauer über den Rücken. Ihm wurde schwindlig und in seinem Kopf rauschte ein pfeifendes Summen.

Langsam schwamm sie zu ihm rüber und flüsterte ihm ein ‚Danke!‘ zu. Dieses eine Wort flatterte wie ein Schmetterling zu ihm rüber, die Schamesröte stieg wieder in ihm auf oder war es Fieber? Als er sich beschämt abwenden wollte, zuckte er schmerzverzerrt zusammen. Ihm blieb die Luft weg und er kam ins Straucheln. Er wäre beinahe in den Quell gestützt, wenn sie nicht aufgestanden wäre, um ihn festzuhalten. Er brach auf die Knie und griff nach seiner Rüstung, während er erstickt nach Luft schnappte. Doch sie hatte bereits nach seiner Tunika gegriffen, die sich unter seiner Rüstung bereits mit Blut vollgesogen hatte. Ein Geräusch des Unmutes kam ihr über die Lippen und sie fing ihn an zu schimpfen, während sie begann seine Rüstung aufzufädeln: ‚Ihr seid selbst verletzt und tragt mich auch noch in der Gegend rum?‘

‚Ich dachte es wäre nichts.‘ stotterte er, bevor er seitlich umstürzte.

‚Nichts… suppt gerade Eure Tunika voll. Ihr müsst mir helfen eure Rüstung auszuziehen…!‘ meinte sie, bis ihr die Stimme brach. Das sie völlig nackt war, schien ihr überhaupt nichts auszumachen und er bemerkte es erst gar nicht. Unter Schmerzen rappelte er sich wieder ein Stück weit auf und während er mit fahrigen Handgriffen versuchte, sich ab zurüsten, wurde ihm wieder schwarz vor Augen. Währenddessen zog sie seine Schuhe aus und wickelte seine Beinwickel ab. Als sie bemerkte, dass ihm wieder die Sinne schwanden, lies sie seine nackten Beine ins Wasser gleiten. Er kam wieder so weit zu sich, dass er nun doch bemerkte, dass sie nackt vor ihm im Wasser stand. Langsam bewegte sie sich zwischen seine Beinen und zog ihn an seinen Armen in eine aufrechte Postion, während sie ihn anschmunzelte: ‚Ich dachte immer, Legionäre tragen nichts außer sich selbst unter ihrer Tunika?‘

‚Nicht im Winter!‘ stöhnte der Optio vor Schmerz.

Langsam lehnte sie sich über seinen Schoß und nestelte weiter an seiner Rüstung. Er konnte das Gewicht ihrer Brüste auf seinem Gemächt spüren. Seine Sinne gingen wieder auf Wanderschaft und wenn er nun in den Händen der Eponageweihten sterben sollte, hatte er das erste Mal in seinem Leben das Gefühl erleben dürfen, dass die Götter sein Herz berührt hatten.

Fortsetzung folgt…

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