Insanity Inside – Der Wahnsinn mit uns

Wir waren zwei verlorene Seelen irgendwo in diesem Modernen Neuzeit-Dschungel. Und alles was wir suchten war ein wenig Nähe in dieser anonymen Welt. Was uns zusammen führte, war vielleicht Schicksal, vielleicht aber auch einfach Glück. Mir war es jedenfalls egal, ich war zufrieden mit dem was ich bekam. Denn ich wusste nur zu genau wie schnell ich es wieder verlieren könnte. Waren wir doch alle einsame Kinder der neuen, grenzenlosen, freien Welt.

Unser kurzer Moment miteinander zeichnete sich durch eben jene Kurzlebigkeit aus, die uns überall begegnete. Die Blicke zweier Rastloser begegneten sich, verfingen sich ineinander, umschlangen sich in purem Verlangen, nur um sich kurz darauf wieder zu lösen um weiter zu wandern. Ein kurzer Moment der Faszination, des Interesse für etwas Neues und doch gleich wieder in sich gekehrt und weiter streifend.

Nichts ist mehr für die Ewigkeit, sagte ich mir, als auch ich meinen Weg fortsetzte. Fort von hier, den Blick auf’s Neue gerichtet.

Oft aber schaue ich zurück. Dann denke ich an jene, mit denen ich diese kostbaren Momente teilte und ich denke voller Liebe daran zurück. Und manchmal frage ich mich, zu welchem Zweck? Zu welchem Zweck folge ich einer Doktrin, die mir die Zeit und all die bindungsunwilligen Individuen mit ihren ach so innovativen Selbstverwirklichungsideen aufzuschwatzen versuchten? Wo ist das kleine Stück Ruhe geblieben? Wann hatte das angefangen, dachte ich. Was war damals geschehen?

Wir hüllten unsere Gefühle in zerbrechliche Kokons aus Glas und wagten es nicht mehr, sie aus der Vitrine unseres Selbst zu holen, weil wir fürchteten, sie würden zerbrechen. So stehen wir Tag ein Tag davor und fragen uns, wie es denn wäre. Wieder dieses wilde, ungezügelte Selbst zu spüren, dass sich sehenden Auges und mit vollem Bewusstsein in ein Abenteuer stürzt ohne auch nur einen Atemzug an das Morgen zu verschwenden. Das Selbst, das bedingungslos liebt und sich nicht mit egoistischen Gedankenspielen und Gegenleistungsansprüchen abgibt. Das Selbst, welches nicht zögert auszusprechen, was es fühlt und keine Angst hat seine Liebe zu gestehen. Dem es egal ist, wie viel Zeit schon verstrichen ist, denn es fühlt was es fühlt. Denn es liebt nicht erst nach Monaten, es liebt im hier und jetzt.

Wo ist das Gefühl hin? Das Gefühl vor den ganzen Großstadtwölfen? Das Gefühl bevor Bequemlichkeit die Liebe ersetzte. Bevor die Angst ihre hässlichen Krallen in unsere Köpfe schlug und uns darauf impfte uns niemals aus der Reserve locken zu lassen. Wann haben wir vergessen, wie man respektvoll mit den Gefühlen eines anderen umgeht?

Ich erinnere mich noch gut daran, wie man mir einst sagte, wie geehrt man sich fühlte, weil ich liebte. Und mir auf die sanfteste Art und Weise, mitteilte, dass man diese Gefühle nicht teilte. Ich weiss noch, wie mein Herz nicht vor Schmerzen jaulte, sondern einen kleinen Hüpfer machte, verständnisvoll nickte und los lies. Ganz einfach, ohne Schmerz, ohne Reue für das Gefühlte, ganz leicht. Mein Stolz blieb intakt und ich konnte weiterstreifen, ohne die kleinste Narbe in meinem Selbst, ohne verunsichert zu sein. Alles was ich getan hatte war richtig, auch wenn das Ergebnis nicht das gewünschte war. Ich blieb sicher im Tritt und konnte mit einem Lächeln abschließen. Doch das ist lange her.

Wir sind so übersättigt mit Angeboten, dass wir vergessen haben, was wirklich wichtig ist. Niemand sucht mehr jemanden, auf den man sich verlassen kann, der einem ein treuer Begleiter ist und einem einen Ort der Ruhe bieten kann. Wir alle wollen nur die schnellen Gefühle, nicht mehr die ganz Großen. Denn die machen uns verletzlich und klein. Weil wir verlernt haben, mit dem wirklich Großen umzugehen und es zu genießen. Wir sind maßlos geworden. Wir wollen alles schnell, alles gleich und am besten ohne Verantwortung. Wir wollen gehen, wenn es anstrengend wird. Wir wollen genommen werden wie wir sind, der andere ist egal geworden. Wir wollen keine Probleme, wir wollen nur die schönen Seiten. Wir wollen nur uns erfüllen.

Es ist uns unangenehm geworden, geliebt zu werden. Wir belügen uns und sagen, wir wollen keine Gefühle verletzen. Doch in Wahrheit fühlen wir uns Machtlos. Die Energie dieser Gefühle ängstigt uns, weil es etwas ist, das wir längst vergessen haben. Weil wir unser eigenes Gefühl tief in unserem Innersten begraben haben, mit dem innigen Wunsch, dass es nie mehr an die Oberfläche kommen möge. Denn es bedeutet doch ohnehin nur Leid – oder?

Und doch pocht diese Sehnsucht in uns. Wir füttern sie mit kurzen, bedeutungslosen Abenteuern, um ihre Stimme nur für einen kurzen Moment nicht mehr zu hören und hoffen das es hilft. Doch schnell brauchen wir den nächsten Schuss, bald reicht es nicht mehr und wir wollen mehr. Und dann verfangen wir uns wieder in dem Netz, das uns doch nichts geben kann. Blind für die Opfer die wir hinterlassen. Blind dafür, dass es uns nicht hilft.

Dabei müssten wir nur einmal Mut beweisen. Öfter mal was riskieren und mehr Respekt haben. Aber das wäre nicht einfach. Einfach ist das neue Schick. Einfach ist modern. Einfach sind wir. Alle. Immer. Respekt und Ehrlichkeit sind uns nicht mehr möglich, „schnell, unkompliziert und gut“ sind übergroß geworden. Und so schweigen sich die vielen Seelen an, die liebend gerne in den Himmel schreien würden, was sie fühlen. Sie schweigen und verdrängen und sehen nicht, dass sich ihr Gegenüber in ihnen spiegelt.

Wir wollen alles, aber nichts dafür tun. Letztlich… sind wir ständig auf der Suche, aber wir kommen nie an. Wofür?

Callingsanity

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